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(-) Und=äh ich meine, des is, man kann des vergleichen. Gut, wir haben keine, keine, äh, Oper oder so was. Und gestern war mei(ne) Frau zum ersten Mal in der, hat sie zum ersten Mal eine Operette gesehen. (-) Na, a (eine) Oper hat sie a(uch) net gesehen. Und sie war so entzückt davon. Gut, des, des hat man eben nicht, ne? (-) INT: Und das geht Ihnen nicht ab, oder? NA: I(ch) hab's a (ein) Leben lang net gehabt. <INT lacht leise auf> (-) Ne? Und finanziell, wie gesagt, geht's uns dort viel besser, ne? Und man kann Sachen machen, net? Also, da braucht ma-_, mir bauen a (ein) Geschäft, net? Oder wir wollen mal a (eine) Gartenwand bauen. Oder, oder ich hab an (einen) Tiefbrunnen bei angelegt, ne? (-) (unverständlich) wir haben a hundertzwanzig Hähndeln (Hühner), verkauft ma(n) die Eier. Und die Hähndeln, wenn (die) net mehr so gut sind. Und dann hamma


Segment [158]
Zur Person
Zum Interview
Norbert Abeles
* 17.09.1923 in Österreich - Wien
Jüdische Überlebende
interviewt am 28.06.1998 in Wien - Österreich
Sprache Deutsch
Länge 02:46:20
Interviewer(in) Albert Lichtblau
Kamera Ivo Brachtl
Transkription Ulrike Lelickens
Code 47536
INT: Es is (der) 28. Juni 1998. Es wird Herr Norbert Abeles interviewt, Interviewer ist Albert Lichtblau, das Interview findet in Wien, in Österreich statt, die Sprache ist Deutsch. Mein Name ist Albert Lichtblau. Ich buchstabiere: Albert: A wie Anton, L wie Ludwig, B wie Berta, E wie Emil, R wie Richard, T wie Theodor. Lichtblau: L wie Ludwig, I wie Ida, C wie Cäsar, H wie Heinrich, T wie Theodor, B wie Berta, L wie Ludwig, A wie Anton, U wie Ulrich. Ich führe eine Befragung mit Herrn Norbert
Abeles durch. Ich buchstabiere seinen Namen: Norbert: N wie Nordpol, O wie Otto, R wie Richard, B wie Berta, E wie Emil, R wie Richard, T wie Theodor. Abeles: A wie Anton, B wie Berta, E wie Emil, L wie Ludwig, E wie Emil, S wie Siegfried. Die Befragung findet in Wien, in Österreich statt und_. <nickt, als ob er jetzt anfangen möchte> <Schnitt> (--) Darf ich Sie um Ihren Namen fragen? NA: Ja, Norbert Abeles. INT: Und wann sind Sie geboren? NA: 17. September 1923. INT: Das heißt, wie alt sind Sie heute? NA: Na ja, ich wer(d) 75 im September. INT: Und wo sind Sie geboren? NA: In Wien. INT: Gut, äh, aber letztlich, ich würd Sie gern noch bissel was zu Ihrer Familie fragen. Äh, haben Sie Ihre Großeltern gekannt? NA: Ich hab den Großvater mütterlicherseits gekannt. (-) Der
is ungefähr 1930 gestorben. INT: Äh, wenn Sie sich an ihn erinnern, w-, äh, was war er für, was hat er gemacht? Was, || was war er // NA: Na ja, ||| /// für a (ein) Mensch? NA: ich hab nie, ich wusst nicht richtig, was er macht, aber der war immer im Caféhaus am Schwedenplatz. Es hat geheißen, er is a (ein) Vermittler. INT: Ein Vermittler? NA: Ja, was er vermittelt hat, weiß i(ch) net (nicht). INT: Hmhm. (-) Äh_. NA: Er war groß, aber des is alles. Und äh, er hat aber'n Bart gehabt. <gestikuliert> So, so'n Schnurrbart einen, einen akzentuierten. INT: Das heißt, Sie haben kei(ne) sehr enge Beziehung zu ihm gehabt || oder Ihre Familie? NA: Nein, nein. ||| Das Interessante war, ich hab ihm immer "Bumpapa" (<frz.> bon-papa, Opa,) nennen müssen. Des is mir erst später klar geworden, des des a (ein) Großvater is. INT: Wie haben Sie ihn nennen || müssen? NA: "Bumpapa". ||| INT: Was heißt des? NA: Des is Französisch, weil in meiner Mutters Familie, da
wollten's alleweil zeigen, dass die a (ein) bissel besser sann [sind] als die gewöhnlichen Leut. (-) Ne? Haben wir ihn immer "Bumpapa" genannt und, na ja, is so. INT: Wissen Sie mehr über die Familie Ihrer Mutter, Ihrem_? NA: Na ja, des waren, so viel ich weiß, acht Kinder, und von denen haben die meisten überlebt, bis sie erwachsen wurden. (-) Und die älteste (-) Schwester von meiner Mutter, die hat Rosa geheira-, geheißen, und die is in London ungefähr in (-), weiß i(ch), 72 [1972] oder 74 [1974] gestorben, da war (sie) schon 96. Und Sie is an an (einem) Unfall gestorben, also die wär noch älter geworden. (-) Ihr Mann, äh, starb kurz davor, er war auch über 95.
(-) Der hat Goldmann geheißen. (-) Äh,_. INT: Wo is'n (ist denn) Ihre Mutter geboren, oder wo kommt || Ihre Mutter her? NA: Meine Mutter ||| kommt aus Krakau. Die ganze Familie von meiner Mutter kommt auch aus Galizien. (--) Ähm, es scheint den Leuten da ganz gut gegangen zu sein, weil meine Mutter is in Lausanne gewesen zum Studieren, und des hätt sich sicher in Vorkriegszeiten net a (ein) jeder leisten können. Dann kann ich mich noch erinnern, da haben die s-, so a (ein) Holzschachterl gehabt, das war ein Andenken, wo sie in Karlsbad auf die Ferien waren. Na, des zeigt auch, dass die a Geld gehabt haben. INT: Aber Sie selbst waren nie in Krakau oder in || Galizien mit Ihrer Mutter? NA: Nein, nein, nein, ||| nein, nein, nie. || Nie. INT: Das ||| heißt, das war || schon Vergangenheit? NA: Na, in Wien, ||| in Wien. Na, mir (wir) haben ja kei-, waren net reich, wir haben ja net, kei(n) Geld gehabt. INT: Ähm, wie war das bei Ihrer Familie des Vaters, Ihr, is Ihr Vater ein Wiener oder is er auch
zugewandert? NA: Nein, nein, Vater war Wiener, net? Aber die Familie kommt aus Nikolsburg [Mikoluv, Südmähren]. (-) Und=äh mein, sei(n) Bruder, der Älteste in der Familie, der war, is auch in Nikolsburg geboren. Der älteste männliche, net? Eigentlich, in meines Vaters Familie, da hab ich nur drei gekannt: Nur mein(en) Vater, äh, mei(nen) Onkel Adolf und die Tante Fanni, die war, die wurde neunund-, 1879 geboren. Die war verheiratet und die hat D-, Drill geheißen. Die haben a (ein) Hutgeschäft gehabt auf der Meihöfer (nach Gehör) Straß(e), aber das war nur ein ganz kleines Geschäft. Der Bruder von meinem Vater war im Krieg und der an (einen) verkrüppelten rechten Arm gehabt, und der hat auch an (einen) Kopfschuss gehabt, der war mit einer Ungarin verheiratet. Die hat Julie (nach Gehör) geheißen. Aber die
is scho(n), weiß nich, es war so, ziemlich, so, weiß ich, 30, 32 [1930, 1932] gestorben. Dann hat er a (eine) Lebensgefährtin gehabt und (-) äh, d-, der hat (die) ein oder zweimal ausgewechselt, aber die, war, sind treu mit ihm geblieben, auch wie die Nazis gekommen sind, weil die waren nicht jüdisch, diese Lebensgefährtinnen. Und=äh das Einzige, was ihm passiert is, er hat in (den) Hinterhof ziehen müssen. Die haben auch in der Schönbrunner Straße gewohnt, 276, so viel ich mich erinnern kann. (-) Und=äh er hat seine, äh, Pension vom Krieg aufgebessert, dadurch dass er Hundezüchter war. (-) Und=äh, des hat mir all-, da bin ich immer gern hin(ge)gangen, weil (er) viel(e) kleine Hund(e) gehabt hat. INT: <lacht kurz auf> || Wis-_? NA: Die ||| haben ein Adoptivkind gehabt, die hat Henni geheißen, die hat an (einen) Buckel gehabt, und
angeblich is die von Polen gekommen und die, von irgend-, pf-, von den Eltern, die was im Pogrom getötet waren, und=äh, äh, die wurde während'n Krieg von den Nazis nach Deutschland zur Zwangsarbeit eingesetzt und is dann in Essen bei einem Luftangriff ums Leben gekommen. Das hat mir alles die Lebensgefährtin von meinen Onkel erzählt oder geschrieben, weil ich hab sie nimmer lebend angetroffen. (-) INT: Wissen Sie was von der Familie Ihres Vaters, was die, äh, was die gemacht haben in Nikolsburg, aus welcher Familie er eigentlich || stammt? NA: Ja, ||| also, i(ch) weiß nur, dass mein Großvater (-) väterlicherseits, der soll a (ein) Wirtshaus gehabt haben in Nikolsburg, ne? Weil, besonders wann, (wenn) äh, meine Eltern gestritten haben, besonders, wenn, wenn
kein Geld da war, hat mei(ne) Mutti immer gesagt: "Du bist in einer Schenke aufgewachsen", net? <lächelt> Und=äh, na ja, des is alles, was ich eigentlich weiß. Ich weiß nur, dass seine Mutter gestorben is, wie mei(n) Vater vier Jahr(e) alt war. Und sie war eine Toch, T-O-C-H. Ich hab in den H-, Heimatsbuch von Nikolsburg nachgelesen über da, den Ort, und=äh da is ein ganzer Abschnitt über die Juden von Nikolsburg, die haben ja früher eine eigene Gemeinde gehabt, und einer von de(n) Bürgermeister(n) war auch a (ein) Abeles. Und auch in der Liste von de(n) Gefallenen is, is, der Erste is a (ein) Abeles. Und=äh na ja, dann in dem einen Buch, was mein Vater geschrieben hat, Durch Welt und Zeit, das wurde ungefähr 1932 in Wien verlegt, da schildert er auch
Nikolsburg und die Judengemeinde dort und=äh die Umgebung und so, und das stimmt genau mit diesem Heimatbuch überein. (--) INT: I(ch) hab a (eine) Frage zu den Namen, die in der väterlichen Familie auftauchen: Also, Adolf, Siegfried, das sind ja eher sehr deutsch-nationale Namen, könnt(e) ma(n) fast sagen. War des, waren Sie des, äh, sozusagen, war man sich dessen bewusst, // NA: || Nein, ich glaub net. /// war das a (ein) Thema? ||| NA: Na (nein.) Weil mei(ne) Tant(e) hätt (hat) Fanni geheißen, net Brunhilde. <beide lachen> (--) INT: Na ja, es || fällt zumindestens auf. NA: Ja, dann, da ||| war da noch a (ein) anderer Bruder da, äh, (-) <überlegt> wie hat der noch geheißen? Äh, (---) äh, (---) der (-) ich bin immer (nach Gehör) rein(ge)fallen. <überlegt> (--) Der, der war Dachdecker (-) und=äh der is von ena (einem) Dach gefallen.
NA: || Äh, _. INT: Der ||| Bruder Ihres Vaters, oder? NA: Ja, // INT: Hmhm. /// ja. Und dann waren noch zwei, zwei Schwestern da, aber die sind schon jung an Tuberkulose gestorben. Mei(n) Vater hat auch a (eine) Tuberkulose gehabt, bevor er geheiratet hat. Äh, des war_, Onkel Leo, glaub ich, hat der geheißen, Leo, der Dachdecker. INT: Wissen Sie, warum Ihre Mutter nach Wien gekommen is aus Krakau? NA: Ja, des war doch im-, die haben immer schon Verbindungen gehabt nach Wien, aber ich glaub, des war wegen, wegen die, wegen den Angriffen von die Russen im Ersten Weltkrieg. Da sans (sind sie) geflohen. Aber sie ko-_, ich glaub nich, dass sie als Flüchtlinge, als solches gekommen sind, weil die haben a (eine) schöne Wohnung im ersten Bezirk gehabt. Also, Sie wissen ja, was der erste Bezirk bedeutet, und es war a (eine) ganz große Wohnung. Und=äh als Flüchtlinge hätten sie sich des ja sicher net leisten können. Die
älteste, äh, Schwester von meiner Mutter, die Tante Rosa, die war in Antwerpen mit ihrem Mann, weil die haben dort, äh, und ihrem Bruder, die haben dort ein(e) Diamantenschleiferei gehabt. Aber als Österreicher mussten sie natürlich von Belgien flüchten, und die w-, sann (sind) dann irgendwie in Ungarn gelandet, weil meine Cousine, die sie ja heute gesehen haben, die is in Ungarn geboren. Und=äh aber die sann (sind) dann schließlich a(uch) nach Wien gekommen. (---) INT: Ähm, wissen Sie, wie Ihre Eltern zusammengekommen sind? NA: Ja, ich glaub, die haben_, mein Vater hat immer im Fürsorgebereich gearbeitet, und meine Mutter war bei den "Kinderfreunden" oder so'n jüdisches Flüchtlings-, äh, -wohlfahrtinstitut, als Lehrerin. Und ich glaub, dort haben sie sich getroffen. (-)
(-) INT: War das a (eine) gute Ehe? NA: Joa, also, sie waren net lang verheirat(et). Äh, v-, sie haben 22 [1922] geheiratet, und=äh mein Vater is in 37 [1937] im Juni gestorben, also die waren nur vierzehn Jahr lang verheirat(et). Und=äh von, in der Zeit, es war ja mit der Wirtschaftskrise, und da war mei(n) Vater arbeitslos, und meine Mutter durch ihren Hintergrund wollt(e) immer schön hoch hinaus, während meines Vaters Familie war mehr so Arbeiterklasse und da hat's natürlich viel Krach (ge)geben, weil kei(n) Geld da war und mei(ne) Mutter hat immer andere Ansprüche gestellt und_, ne? Und mei(n) Vater is ja auch, äh, hat ja auch Selbstmord begangen wegen den, diesen finanziellen Umständen. (--) INT: Und was war Ihr Vater von der Ausbildung her, weil Sie haben gesagt, er war immer in der || Fürsorgetätigkeit? NA: Ah, ja, aber ||| er,
äh, auch in_, der hat, er hat, äh, glaub ich, eine Tischlereilehre angefangen, aber er war in der Fürsorge und er war auch Blindenlehrer, er hat viel mit diesen Kriegsblinden zu tun gehabt, hmhm. Und=äh_. (-) // INT: Ähm, /// || Jugendfürs-_. // INT: wo hat er da ||| gearbeitet? || Im Fürs-_. /// Da ||| hat's so ein Institut für jüdische Kriegsblinde gegeben. (---) Und=äh danach mit schwachsinnigen (geistig behinderten) Kindern hat er was zu tun gehabt. Ich glaub, des war alles mit den_, und dann beim Joint [American Jewish Joint Distribution Committee] hatte er auch gearbeitet. INT: Was hat er da gemacht, wenn Sie's || wissen? NA: Ich, || äh, weiß i(ch) net, // INT: Hmhm. /// des war vor meinen Eltern. Ich hab nur gewusst, weil des hat sich so rumgesprochen, ne? Aber er war, er war bei der, von der Kultusgemeinde als Vertragsbeamter angestellt, nachdem er lange arbeitslos war. Und da hat er in der Wanderfürsorge gearbeitet. INT: Was war's? Oder was || war da? NA: Na, ||| als a (ein) Beamter dort. Und ein,
etwas, was er hat tun müssen war, schauen, dass die Leute Karten, Bezugskarten nicht verkaufen, und da hat er sie oft auf die Bahnhöfe begleiten müssen. Deshalb is er immer erst sehr spät nach Haus gekommen. Dann hat er auch, äh, is auch oft in die Elisabeth-Promenade in die Polizeistation gegangen, weil dort waren die Schubhäftlinge (Häftlinge in Abschiebehaft). Und da haben's geschaut, dass die, die Leute eben nicht abgeschoben werden in der, in der Polizei, sondern, dass sie halt so gewöhnlich mit den Zug fahren. INT: Und was war'n (war denn) die Wanderfürsorge damals? Was kann man || sich denn dadrunter vorstellen? NA: Ja, des war_, ||| erstens einmal nach dem Ersten Weltkrieg haben viele Leute ihr(e) Staatsbürgerschaft verändert, verloren, oder, oder des Falsche gewählt und=äh dann ha-, wollten die Leute Arbeit haben, und dann wollten sie von einem Land zum anderen, da waren's vielleicht illegal und sind dann abtransportiert worden. Dann waren natürlich auch paar Gauner dabei, die's,
die abgeschoben wurden. Und dann, nach dem Jahr 33 [1933] hat's ja auch die Deutschland-Fürsorge gegeben. Da waren viel(e) deutsche Flüchtlinge, und da hab ich jetzt noch irgendwo eine Fotografie von an (einem) Boxer, (-) der war jüdisch und, äh, der war a (ein) Meister in Deutschland, aber dann is er auch emigriert, und der hat mei(nem) Vater so ei(ne) Fotografie als a (ein) Boxer gegeben. INT: Okay (nach Gehör). Also, Wanderfürsorge hat vor allem eher Staatenlose, || Flüchtlinge unterstützt. // NA: Ja, solche Leute, ||| || ja. /// INT: Wenn i-, wenn ich's richtig sehe. // NA: Ja, ja, ja, ||| ja. /// War des a (eine) Arbeit, die Ihren Vater befriedigt hat oder die er gern gemacht hat? NA: <zuckt mit den Schultern> Ich w-_, damals war die Wirtschaftskrise, da hat man sich gefreut, wenn man Arbeit gehabt hat. Also, ich_, er, er war sehr darin verbunden, weil er hat den Leuten oft Geld gegeben,
und deshalb ha-, haben mir (wir) nix daheim gehabt. (--) INT: Das heißt aus Ihrem Privat-, aus seinem || Privat- // NA: Ja, ||| ja, || ja, ja. /// -bereichen? NA: Des ||| hat mir ja heut erst wieder meine, äh, Cousine erzählt, weil er, ich hab nix da-, also, ich hab davon gehört, aber sie hat darüber mehr gewusst, weil sie ja älter is als wie ich. INT: Und Sie haben gesagt, S-, äh, die väterliche Seite war eher so fast Arbeiter, || also, die haben sich als Arbeiter gefühlt. // NA: Ja, ja, ja, ja. ||| /// Aber er war ja Angestellter, war da net a (ein) Unterschied? Also_. NA: Na ja, was, äh, Hauptsache war Geld verdienen, nich? Zum Beispiel dieses Adoptivkind, also, meine Cousine, die adoptierte, die Henni, die ha-, hat ja, nachdem die Nazis (ge)kommen sind, hat sie viel, sie hat sich ihre Arbeit auswählen können, weil sie hat als a (eine)Hausgehilfin gearbeitet, net? Und dann haben, hat sie auch noch immer wohlhabendere Juden gegeben, und
da war sie sehr begehrt also als a (eine) Hausgehilfin, ne? INT: Ähm, wenn Sie sich an Ihre Kindheit in Wien zurückerinnern, also zwanziger, früher dreißiger Jahre, was, ähm, was is Ihr Eindruck über die Kindheit? NA: Äh, joa, es is <zuckt mit den Schultern, überlegt> (---) es war scho(n) schee [schön]. <lächelt> Ich weiß, ich war immer mit diesen, äh, jüdischen Dings sehr beeinflusst. Die wollten, darin da in F-(nach Gehör), die haben darüber gered(et), dass ich auch in die Kultusgemeinde geh arbeiten und des hab i(ch) net mögen (das wollte ich nicht), net? Und dann langsam hat sich's so entwickelt, i(ch) wollte Zahnarzt oder Tierarzt werden, net? (--) Und ich glaub, ehrlich gesagt, die Emigration hat mir viele, viele Chancen gegeben, die ich in Österreich nie gehabt hätte. (-)
Ne? // INT: || Ge-_? /// Erstens ||| ei(n)mal, || äh, // INT: Die w-_. ||| /// der Umstand der Emigration hat mich dazu bewegt, äh, gescheit zu arbeiten und mich zu a- zu bilden, während, während man in Österreich war, na ja, man hat halt in die Schul(e) gehen müssen, net? INT: Gut, Sie haben gesagt die Kindheit war "schon schön", äh, und dann haben Sie ja ge-, erzählt, also, die Eltern wollten Sie in die jüdische Gemeinde reinbringen. Also, wenn Sie sagen, sie war "schön", was war, was war das Schöne an der || Kindheit? NA: Na ja, ||| ohne Sorgen, net? Und=äh, äh, <zuckt mit den Schultern> tja, Lumpereien hat man gemacht, net? Und verantwortungslos war ma(n), ne? INT: Können Sie a (ein) Beispiel geben? NA: Na ja, (--) tja, Karten gespielt hamma (haben wir) und=äh (-) Zigaretten rauchen, da hamma, hamma (haben wir) von, von an (einem)
Geschäft, da hamma (haben wir) Zwiebeln gestohlen, dass, nachdem ma (wir) Zigaretten geraucht haben, wir die Zwiebeln essen können, dass die Eltern nix merken, ne? <lächelt, INT lacht leise auf> (-) <zuckt mit den Schultern> Solche Sachen halt. Ach, dann hab ich weiße Mäuse kau-, (ge)kauft und die hab ich daheim in, (-) äh, hinterm Kasten (Schrank) versteckt gehalten, net? Und mit mehr weißen Mäusen gespielt, anstatt was zu lernen und im selben Jahr hab ich dann in, in der Halbjahresprüfung ha(b) ich in Latein "Nicht genügend" gehabt und dann hab ich noch an (einen) Nachzipf (Nachprüfung) gehabt in Mathematik, net? Und=äh ich hätt das wohl in Religion wahrscheinlich auch gehabt, aber die, des tut man net in Religion, also hab ich ein "Genügend" gekriegt. <INT lacht leise auf> Net? Und=äh es war nicht, dass ich=äh des
net können habt, hätt, weil im Jahr drauf war ich sehr gut in Mathematik und heut noch, da tu ich oft in meiner Freizeit mathematische Sachen, äh, lösen, bissel mit herumspielen. INT: Das heißt, Sie waren a (ein) schlimmes Kind, oder? NA: <lächelt> Na ja, ich war kein Engel, ne? || Das_. INT: Si-, ||| sind Sie so frei erzogen worden, sind Sie, äh, un-_? NA: Ja, der Unterschied war, des war immer: Mein Vater, der, (-) äh, der hat mich mehr als, (-) äh, gleichaltrig und gescheit betrachtet, net? Er hat mich verantwortungsvoll erziehen wollen. Aber mei-, mei-, mit meiner Mutter waren's immer Gebote: (unverständlich) tu des und tu des. Und mei(ne) Mutter hat mir fast jeden Tag gehaut, (-) net? Aber mein Vater, der hat mir nur so alle
sechs Mo-, alle Monat(e) hergenommen. Aber d-, da kann ich mich an jedes Einzelne erinnern, ne? INT: Und was war da? NA: Ja, hab (nach Gehör) Prügel (ge)krieg(t). Und vom Vater haben's ausgeben (nach Gehör), (-) || ne? INT: Und ||| warum? In welcher || Zeit war des? NA: Na ja, ||| wenn ich schlimm war oder frech war oder so || was. INT: Aha. ||| NA: Ne? (--) Na ja, also, mei(ne) Mutter, die wollte mir immer schön anziehen und, und weiß i(ch) wieviel, ähm, (unverständlich) a (einen) Mantel, wann die anderen Leut schon blank (ohne) gegangen sind. "Du wirst dich verkühlen" und alles den Blödsinn. Und ich kann mich erinnern, einmal hab ich, äh, a (eine) Sandale verloren, weil ma(n) bloßfüßig (barfuß) (ge)gangen sann (sind). Und die Sandale is halt abhanden gekommen, net? (-) Und so, so war des halt, ne? Aber ich kann mich auch erinnern, dass einmal im Winter hab ich net zur Schule gehen können, weil
mei-, unsere, weil meine Schuh(e) beim Schuster waren. (-) Und es hat geschneit und ich konnt keine Sandalen anziehen im Winter natürlich, da konnt ich net zur Schul(e) gehen, weil i(ch) hab nur ein Paar Schuh(e) gehabt. INT: Ähm, Sie haben erwähnt, dass Ihr Vater arbeitslos war. War er lang arbeitslos und haben Sie des gemerkt als Kind, also dass Sie verarmt sind, also, war das wirklich a (eine) || Bedrohung für Sie? NA: Als Kind, ||| ja, die haben (-) zuerst haben's a, a (ein) Kind-, net a (ein) Kinderfräulein, also, a (ein) Mädchen für alles gehabt. Also, mir (wir) haben a (ein) Zimmerküchenkabinett gehabt, und die hat auf ein(em) Faltbett in der Küche geschlafen. I(ch) hab die, die immer sehr gern gehabt und=äh, und dann=äh dann da sann's (sind's), war'ns nimmer da, aber sann, han's (haben) uns alleweil besuchen kommen, net? Aber sonst hab i(ch) eigentlich nix bemerkt, (--) ne? (4)
INT: Wie war eigentlich, äh, in welchem Bezirk haben Sie, sind Sie || aufgewachsen? NA: Im neunten. ||| INT: Das is ja an sich a (ein) eher bürgerlicher, mittelbürgerlicher // NA: Ja. /// Bezirk. NA: || Ja, // INT: Da_. ||| /// aber da hat's auch so, da war so der Tandlmarkt, der war ja dort, wo heut die || Arbeiterpensionsversicherungsanstalt // INT: Hmhm. ||| /// is. Und dort hab ich, hamma (haben wir) uns oft so rumgetrieben, net? Und dann auf der Elisabeth-Promenade, da haben wir Fußball gespielt, des derf-, hat man net derfen (nicht gedurft), aber die Polizisten vis-à-vis von der Elisabeth-Promenade, die durften net weg, die waren dort auf Posten, also haben uns n-, die, nur zuschauen können,<lächelt, INT lacht leise> net? (-) Und dann oft sann (sind) die Bälle runtergangen und runtergefallen zum Donaukanal und wenn einer besonders mutig war, is er auch weg(ge)klettert, net? Und=äh na ja, i(ch) kann mich oft erinnern, da sind die Bälle in die Donau gefallen, und man
hat versucht, die wiederzukriegen mit Stangen und so weiter. Glücklicherweise is nie, nie jemand einigefallen (nach Gehör) [hineingefallen]. INT: Und wie war denn die Schule? Wie haben Sie die in Erinnerung? NA: S-, ja, Schule, Volksschule sehr gut, net? Und=äh ich hab jetzt (-) durch den Sohn von unserem Hausmeister, mit dem ich vor einigen Jahren durchs Telefon wieder in Kontakt gekommen bin, durch den hab ich an (einen) früheren Mitschüler von mir in (aus) der Volksschule kennengelernt, vor ungefähr (-) zweieinhalb Jahren, und dem hab ich auch ein Bild geschickt von unserer Klasse. Er war ein=äh <lächelt> schlimmer Bub in der Klasse, er war bekannt dafür, und=äh es war sehr nett, mit ihm in Briefkontakt zu kommen und leider is er jetzt, drei Monat(e) bevor ich aus Afrika gekommen bin, äh, sch-, g-, g, v-, ver-, äh, verstorben, net?
Tut mir sehr leid, weil ich hätt ihm gern wiedergesehen. INT: Und wenn Sie sagen "Es war schön", was heißt da_? NA: Na ja, der Lehrer, äh, n-, des war Herr Rudolf Grieg, der wurde ungefähr 1900 geboren, (-) und er war ein sehr fortschrittlicher Mann, und=äh (---) und=äh, also, äh, er ich verdank ihm viel, weil er konnte den, die Kinder an dem Lernen interessiert machen. Und heute noch, wann ich zum Beispiel in Afrika mit kleinen Kindern bin und so und auch die Kinder, die ich adoptiert hab, da tu ich noch oft die Methoden anwenden, die er uns gezeigt hat, (-) net? Und=äh (--) na ja, ich hab ihn noch 1957,
äh, durch, brieflich bin ich wieder in Kontakt getroffen, aber er is dann schon, muss dann später gestorben sein. (-) Und Sie sind dann, waren a (ein) guter Schüler, Sie sind ja ins Gymnasium gegangen dann noch, oder? NA: Joa, in der ersten Klasse, in (der) zweiten Klasse hab ich wie, wie gewöhnlich lau-, lauter Einser gehabt. Nur, glaub ich, in der ersten Klasse, da is drin gestanden: "Wegen Krankheit nicht beurteilt", weil ich hab damals Lungenentzündung und Gelbsucht (nach Gehör) und weiß Gott was gehabt Masern und alles zusamm(en). <INT lacht leise auf> Und=äh in der zweiten und_, in der dritten und vierten Klasse hab ich immer in Religion, Schreiben und Singen an (einen) Zweier gehabt, sonst lauter Einser. (--) || Ja. INT: Das ||| heißt, der Religionsunterricht hat Sie net besonders // NA: || Nicht besonders /// beeindruckt? ||| // NA: interessiert, na (nein). Da, unser Religionslehrer, der war der Herr Oskar Anschel, der hat auch mit meinem
Vater und zusammengearbeitet, an mein Vater seinem Buch, und der is auch drin erwähnt. (-) Und=äh na ja, also, der hat mi(ch) nie sehr beeindruckt. Und=äh, <winkt ab> äh, die Geschichten, die er uns da erzählt hat, an die hab ich nicht geglaubt, net? Und=äh is mir oft vorkommen, dass der uns einen Schmäh (Mist) erzählt. <INT lacht leise auf> Ne? INT: Des heißt=äh sind Sie von Ihren Eltern eigentlich religiös erzogen worden oder || überhaupt nicht? NA: Na (nein), mei(n) ||| Vater, der hat versucht, das Nationale im Judentum zu, zu, mir einzu-, weiß i(ch) einzu-, äh, m-, mir zu, (-) äh, mitzugeben. Aber des=äh, was er, äh, (unverständlich) einzig Religiöse, des hat dran gehapert, dass er mir eben, äh, auf andere Sachen, äh, so die,
die Wirklichkeit erzählt hat. Zum Beispiel, äh, er hat immer gesagt, es gibt keine Wunder und keine Geister und solche Sachen. Und das Übernatürliche, das Religöse, net, des hat er immer sehr, äh, abgeschwächt. Und i(ch) hab eh dran net geglaubt, net? Manchmal, ich kann mich erinnern, wie ich da an die 10 Jahr(e) alt war, hab ich gesagt, dass ich an Geister glaub, und=äh i(ch) hab's ja net (ge)tan in Wirklichkeit, aber, ähm, de-, mein Va-, des hat bei meinem Vater eine starke Reaktion hervorgerufen und, äh, um, äh, mir zu zeigen, äh, dass (es) keine Geister gibt, hat er ein Geschenk für mich (-) im Keller versteckt, und ich hab da allein reingehen müssen, um des zu finden. Na ja, also, ich hab eh kei(ne) Angst gehabt. Und=äh, äh, das war ein, das war a (ein) Packel (Päckchen) mit Zuckerl (Süßigkeiten)
und ein Buch: "Wie besteh ich die Aufnahmsprüfung in die Mittelschul(e)?" <Tape 1, Ende>
INT: Das is Band zwei des Interviews mit Herrn Norbert Abeles. Ähm, Sie haben gesagt, dass Sie also nicht besonders religiös erzogen worden sind. Äh, trotzdem: Ich mein, hat bei Ihnen zu Hause Feiertage zum Beispiel gefeiert, gehalten? NA: Ja, das war so: Äh, für die Feiertage, das is, war auch so mehr des, äh, Materielle so, des=äh oder wie man des sagt. Zum Beispiel zu Chanukka, der Haupt=äh, (-) d-, d-, des, des Besondere daran war, dass mein Vati immer geschaut hat, dass wir uns eine eigene Menora bauen (-) zum Beispiel aus Pappendeckel mit, mit=ähm, äh Sand draufgeleimt und, und weiß i(ch) was. Alle möglichen Konstruktionen, net?
Das war für mich eigentlich d-, die Hauptsach(e), ne? Und dann, er hat dann dies mit die Kerzen gemacht, ne? (-) Und=äh des andere, da war a (ein) anderes Fest, des Pessach. Da, des hamma (haben wir) auch so regelrecht (richtig) gehabt (gefeiert). Und=äh aber sonst, glaub ich, kaum was. Zu den Laubhüttenfest, da sa-, hat mein Vater mich immer in des jüdische Lehrlingsheim geführt in der Grünentorgasse. Äh, wo, Sie kennen vielleicht noch den Direktor Ruscha (nach Gehör)? Und da hat er mir die Laubhütte gezeigt. (-) Aber sonst, <winkt ab> also des in'n Tempel gehen und des Fasten, nein, is, war net so_. Und besonders was mir, uns net gefallen hat meinem Vater und mir is, weil er bei der Kultusgemeinde war, hat er am Samstag net, äh, die
Straßenbahn benützen dürfen. Und i(ch) war ja nur am Samstag mit meinem Vater zusammen, weil die haben ja dort am Sonntag arbeiten müssen, also konnt(e) man nirgends hingehen, ne? (-) Weil, wenn man jemanden gesehen hätte, dann hätte er, der hätte, denn hätten sie ihm vielleicht entlassen. (--) Und dann, äh, auch durch, dadurch, dass mei(n) Vater dort gearbeitet hat, äh, bin ich auch immer von der jüdischen Kultusgemeinde auf diese Ferienheime weggeschickt worden. Zuerst nach Kottingbrunn, dann Hinterbrühl und dann nach Payerbach-Reichenau. Dort haben's mich auch hingeschickt, nachdem mei(n) Vater gestorben is. Und dort habe ich mehr so Kontakt gehabt mit diese(n) jüdischen, äh, Sachen wie zum Beispiel "koscher" und "milchig", "fleischig" und des ganze Zeug. INT: Ja, woran erinnern Sie sich sonst noch an diese,
bei diesen Ferienaufenthalten? Was, wie, wie sind die gewesen? War das schön, oder was || haben_? NA: Joa, ||| das hat_, zuer-, z-, zuerst hab ich immer geweint, weil, wegen Heimweh. Hab zwar nich gewusst, was es Heimweh is, aber, aber des, des hat sich so gehört. Und nachher is mir des zu blöd geworden, und in den folgenden Jahren hätt ich's nie mehr getan. Einmal kann i(ch) mich erinnern, da war ich in_, da hab ich mi(ch) die ganze Zeit, wo ich dort war, net gewaschen, aber wir sann (sind) immer baden (ge)gangen. Wir haben nur die, die dünnen Hosen angehabt. <INT lacht leise auf> Das war in Kottingbrunn. (--) || N-_. INT: Die-, ||| dieser Unterricht sozusagen in jüdischer, ich nehm mal an Geschichte oder_, || hat Sie das beeindruckt? NA: Ah, des hat mi(ch) net ||| interessiert. Besonders in den letzten Jahren dann im, in Reich-, Payerbach-Reichenau oder in Küb, da haben dann, haben sie dann alles mögliche angefangen mit Zionismus und so weiter, und
ich hab scho(n) immer gegen diesen Zionismus an (einen) Vorbehalt gehabt. Und am meisten hab ich das, äh, bf-, äh, bef-, äh, hab ich des empfunden, nachdem ich von Österreich weg(ge)gangen bin, weil ich ha(b) mir gedacht, dass genauso, wie ich mich noch an die letzten Momente in der Wohnung in der Hahngasse erinnere, weil i(ch) mir denk, (so) muss es ja auch den arabischen Kindern (ge)gangen sein, wann's da geflüchtet sind, ob sie jetzt müssen ha-, haben müssen oder net, wie sie von ihre eigenen Häusern so (nach Gehör) (ge)gangen sind. Und ich hab nie, äh, ich war aus diesem Grund, äh, war, war mir dieser, der Zionismus nie sehr geheuer, net? INT: Ich w-, möchte noch mal zu diesen Ferienaufenthalten zurückgehen: Also, des waren ja so Ferienheime für || die // NA: Ja. ||| /// jüdischen Kinder. Ähm, war das a (ein) beson-, ich weiß net, da waren jetzt jüdische Kinder am Land. Am Land hat's ja kaum Juden in Österreich
gegeben. // NA: Hmhm. /// Ähm, war des anders am Land zu sein oder, als in der Stadt, hat man || des gemerkt irgendwie oder_? NA: Na (nein), des ||| <schüttelt den Kopf> na (nein). Also, (-) ich hab mich immer mit die Leute gut angefreundet, net? Dem Personal und so. (--) Na (nein), es is, es war ein Kin-, ich war ja auch in nichtjüdischen Kinderheimen. Da war kei(n) großer Unterschied, net? Das war nur, das=äh (-) waren jüdi-, jüdische Feiertage waren des, und des am Samstag, da haben sie alleweil a (eine) Andacht gehabt und so, aber <zuckt mit den Schultern> , war kein Unterschied, wir haben Fußball gespielt und so weiter, gab's keinen Unterschied. INT: Sie haben das nich gehalten, || oder? NA: Was? ||| INT: Den Samstag. NA: Ach, na, nie. Ich || kann mi-_. INT: Also auch ||| in den Erholungsheimen? (-) NA: Na ja, also ich hab net des, also, manche Leute haben da gebetet
und weiß i(ch) was alles. Ich kann mi(ch) da nimmer so erinnern, // INT: || Hmhm. /// aber ||| i(ch) hab ni-, nit, nix, des hat mi(ch) net interessiert, so, so, ich meine, des_. Da hat's so Orthodoxe gegeben mit <deutet an seine Schläfe> Peikiles (meint: Peies, Schläfenlocken) und so, des, die haben in ihrer eigenen Welt gelebt, net? (--) INT: Ähm, und wenn Sie die scho(n) erwähnen, es gab ja, so wie Ihre Mutter, die aus Galizien (ge)kommen is, viele (-) galizische Flüchtlinge, also, die hier als Ostjuden galten. Äh, is ja bekannt, dass es in Wien relativ Sp-, viel Spannungen zwischen der ansässigen Wiener jüdischen Bevölkerung und den Zugewanderten gegeben hat. Hat, haben Sie das in Ihrer Familie auch gemerkt? NA: Nein, net, na, nix. (--) Ich glaub, mein, dass die Familie von meiner Mutter net so direkt so von diesen armen Leuten aus dem Osten war, weil, wie gesagt, die haben ne Wohnung im ersten Bezirk und=äh
da, äh, einer von denen war ja in Berlin und=äh (-) und=äh die Tante, die war verheiratet mit an (einem) Diamantenschleifer in Antwerpen, ich glaub nicht, dass die so, so Flüchtlinge waren aus ein(em) Schtetl, net? Und denen || muss ganz gut gewesen sein. INT: Na, welche Meinung hat man in Ihrer Familie dazu, ||| zu den // NA: || Ostjuden, /// Flüchtlingen ||| gehabt, oder || den Jiddisch sprechenden_? NA: Ah, es wurden keine, die || haben, ah, die, kein, wir haben keine Verbindung mit denen gehabt, außer, da weiß i(ch), ich glaub, na (nein), na (nein), ich kann mich net erinnern || an // INT: Hmhm. ||| /// a (eine) einzige Person, diese Jiddisch sprechenden mit diese(n) Hüt(en) und so, na (nein). Mit denen hamma (haben wir) keinen Kontakt gehabt. (--) INT: Ähm, war das in Ihrer Familie so, dass man die a(uch) gering geschätzt hat, oder was des anders bei Ihnen? NA: I(ch) hab die einfach nie, nie gesehen // INT: || Hmhm. /// in ||| der Familie und kein, keine Verbindung, nix, ne? INT: Wie war des bei Ihnen, äh, haben Sie nichtjüdische Freunde gehabt und
jüdische oder || war das gemischt // NA: Ja. ||| /// oder_? <NA zuckt mit den Schultern> Hat das a (eine) Rolle gespielt überhaupt? NA: <schüttelt den Kopf> Nix. Des, meine, äh, meine Mutter, die, die, die ganzen Weiber, ob sie jüdisch waren oder nich, <schüttelt den Kopf> die hat viel(e) Freund(e) gehabt immer (unverständlich) alleweil tratschen, net? Besonders unsere Nachbarin, die Frau Heller (nach Gehör), die, die war eigentlich keine Österreicherin, sie war von Wech-, ich glaub, Westfalen, oder was. Aber sie hat lange Zeit in Österreich gewohnt, ihr Mann war Bankbeamter, der hat, ich weiß nich, 35 [1935] oder 36 [1936] hat er einen Schlaganfall gehabt, und dann is er in Pension (ge)gangen, und dann is er gestorben, und die waren gute Freunde von meiner Mutter, die sann (sind, haben) stundenlang im Gang gestanden und haben gered(et). || Ne? Und_. INT: Und wie ||| war das bei Ihnen selber in der Schule zum Beispiel? NA: Och, <schüttelt den Kopf> nix, weil in der Volksschule, (-) da, schätz ich, waren vielleicht dreißig
Prozent Juden, (-) ne? Aber, wie gesagt, jetzt noch, hab mit denen, äh, Kontakt aufgenommen und=äh_, und=äh in der Mittelschule, das war ja in (der) Sperlgasse, da waren net viel(e) Juden. Mei(n) Vater hat gesagt, er hat mich absichtlich dorthin geschickt deshalb, weil net viel Ju-, <korrigiert sich> weil viel Juden dort sann (sind). Und=äh dort waren in unserer Klasse nur wenig, äh, Nicht-Juden, aber mit denen war i(ch) alle gut befreundet. Mit den and-, der was in der Burg (nach Gehör) gewohnt hab (hat), bin ich regelmäßig auf ein(em) Umweg nach Haus (ge)gangen, nur dass mir (wir) zwei zusammen sein können. Und dann war a (ein) anderer, der war (-) aus'n (aus dem) Gemeindebau, ähm, in der Nähe, was jetzt Mexikoplatz is, und mit dem war ich auch sehr gut und sehr eng befreundet. INT: Haben Sie als Kind einen Antisemitismus gespürt, empfunden in Wien?
(-) NA: Äh, eigentlich nicht. Außer wie ich in, wie ich ungefähr, wie ich, weiß ich, 7 Jahr alt war. Da war ich auf der (unverständlich)-Klinik, weil, nach dem Lungenentzündung. Und dort haben alle gesagt "a Judenbua" (ein Judenjunge). Und, aber mir (wir) haben trotzdem miteinander gespielt, na ja, des hat mir halt net gefallen, (-) ne? INT: Und des war des Einzige, was Sie || persönlich erlebt haben? NA: Des war das ||| Einzige, was || ich // INT: Hmhm. ||| /// persönlich erlebt hab. (--) INT: Wie haben Sie reagiert? Ihnen hat's einfach net gefallen, oder_? NA: <zuckt mit den Schultern> Net gefallen. Es_, hab nix tun können, trotzdem mit dem Kind, da war ma(n) z(u)sammen. INT: Äh, waren Ihre Eltern politisch interessiert, engagiert? NA: Ja, mei(n) Vater, der is oft zu die Sozis (ge)gangen, aber er hat Angst gehabt, dass des irgendwie mit der Kultusgemeinde_, er hat sich net sehr engagieren können. Aber wir waren gut befreundet mit an (einem)
gewissen Herr(n) Eisinger, net? Und des war, dem, dem sei(n) Sohn, der is ja, lebt ja heut in England und mir sann (sind) zusammen emigriert, und der Herr Eisinger war der Fürsorgerat von die Sozis im, in (unverständlich), im neunten Bezirk. Aber die Nazis haben ihm nix deshalb gemacht, sondern nur, weil er Jud war. Is eh früher weg. Und dann da war unser Hausbesorger, mit dem mei(n) Vater sehr gut war und mit dem is er auch eben zu die Sozis (ge)gangen, ne, beim Wirtshaus in Küre (nach Gehör). (---) INT: Und Ihre Mutter? NA: Ich_, die hat da was gehört von meiner Tante, weil der ihr Sohn, der Jules, der is, weiß i(ch) 32 [1932] oder f-, 36 [1936] nach Palästina (ge)gangen, und der, der hat nix, gar nix Gescheites und der glaubte, der würd dort zu was bringen, ne? (-) Und der war mit
diese(n) jüdische(n) Organisationen, net, für diesen Zionismus engagiert und durch den, da haben sie also meiner Mutter erzählt von diesen rechtsstehenden Jabotinsky [Wladimir Zeev Jabotinsky], net? Der alles so aufgezogen hat wie, wie, wie bei de(n) Faschisten, net? Mit derselben Uniform und so. (--) INT: Und Ihre Mutter war Jabotinsky-Anhängerin, kann man des so sagen? NA: Ich glaub, ich glaub scho(n), // INT: || Hmhm. /// ja, ||| ja, ja. Des=äh ich kann mi(ch) erinnern, aber natürlich, da, des war's, da hat's noch mit mein(em) Vater, ne? Der hat sich geschämt a bissel, net? Und=äh (--) dann=äh nachdem mei(n) Vater gestorben is, hat sie andere Sorgen gehabt. INT: Äh, Sie haben gesagt, Ihr Vater hat Selbstmord begangen. NA: Ja. INT: Und warum? Wissen || Sie des? NA: Na, wegen ||| Geldmangel. INT: Bitte? NA: Geld. INT: War er arbeitslos? Is er arbeitslos || geworden oder_? NA: Na (nein), aber ||| er, er hat kei(n) Geld gehabt und
i-, ich weiß bis heute nicht genau warum. Aber es war wegen'n (dem) Geldmangel, net?(-) (unverständlich) Und meine Mutter hat auch immer mehr haben wollen, net und_, aber ich, bis heut weiß i(ch) net. Er hat an (einen) Abschiedsbrief hinterlassen, aber den hat meine Mutter dem Amtsvorstand von der israelitischen Kultusgemeinde gegeben oder der hat dem's, an den Mann geschrieben, den Amtsvorstand Engel, und bis heute hab ich den Brief nich gekriegt, ne? Aber es hat allgemein geheißen wegen dem Geldmangel, ne? Er hat halt den Leuten des Geld (ge)geben, net? Vielleicht, dass er ihnen's Geld geben hat, ohne, ohne, was er net hätte tun sollen. I(ch) weiß ja net. (-) Hab keine Ahnung. INT: Das heißt aber, für Sie war des völlig überraschend oder es hat sich net angekündigt, || dass_? NA: I(ch) ||| weiß net, ich hab Vorahnungen gehabt. (-) Ich kann die net irgendwie rationell begründen, aber ich kann
mich noch eri-_, mei(ne) Mutter hat alleweil gesagt, wenn's gestritten hat: "Ich stürz mich aus'm Fenster, ich tu des, ich tu des." Ah, mei(n) Vater hat halt gesagt, ja, wenn's einer wirklich tun würd, da sei er der Nächste von, der fällt, (-) ne? Und ich hab Vorahnungen gehabt. (4) Und is da bei, beim Döblinger Steg is in die Donaukanal gesprungen. (--) INT: Und das war 1937, // NA: || Hmhm. /// das heißt, ||| Sie waren || v-_. NA: Juni, ||| Juni, also ich hab Ihnen ja jetzt das Datum gesagt. // INT: Hmhm. Sie waren_. /// 17.Juni. INT: Sie waren 14 Jahre damals alt, ne? NA: Ja. INT: Wie haben, wie hat Ihre Mutter reagiert auf d-, || das er_ (nach Gehör)? NA: Na ja, sehr, sehr arg. (5) Dann hamma (haben wir) Anfang von August haben Sie raussigefischt [ihn rausgefischt] bei Regelsbrunn, und dann haben Sie ihn begraben. (-) Kann mi(ch) noch erinnern vom Begräbnis, der Sarg, der hat so gestunken, weil
die Leiche scho(n) verwest war. Und der Doktor, wie hat er noch geheißen, der Rabbiner Schwarz, der hat die Ansprache gehalten. (4) Und=äh is eigentlich, ich hab an (einen) Grabstein setzen lassen, eigentlich nur durch meine zweite Frau, die Nigerianerin, weil des, sie hat des sehr betrachtet als sehr (-) shameful (beschämend) auf Englisch, ne, dass dass i(ch) nix da hab. Na ja, da hab ich's halt da_. Weil ich halt net viel von Grabsteinen und alle(n) diese(n) Sachen, ne? (---) || Und // INT: D-_? ||| /// Mei(n) Vater sicher a(uch) net. (--) INT: Das heißt, des war Juni 37 [1937], da is ja bald März 38 [1938] (ge)kommen, ich mein, // NA: Ja. /// sind Sie weiter in die Schule gegangen? || Schon, oder? NA: Für ein Jahr, ||| freili(ch). // || INT: Ja. /// D-, ||| ich hab dann, ich hab dann=äh volle F-, Schulgeldbefreiung gekriegt und, und so || weiter. INT: Sie waren |||
weiter im, im Gymnasium in der || Sperlgasse? NA: Realgymnasium. ||| // INT: || Realgymnasium. /// Ja. ||| Und=äh des Interessante is, der Freund, der Herr Gehr, der Hausmeister, der is dann am, ich glaub , am 17. Jänner (Januar), zwei Tag(e) nach meines Vaters Geburtstag, hat er'n Schlaganfall erlitten, der hat gerad die Bettgeherin von ihnen noch, die wollt nach Tschechei fahren, und da hat er im Taxi a (einen) Schlaganfall erlitten und war tot. Und sie haben's beide net die Nazis erlebt, und des war vielleicht was ganz Gut(e)s. (-) INT: Hat Ihr(e) Mutter dann von einer Witwenrente gelebt, oder hat sie versucht zu arbeiten || oder_? NA: Ja, ||| mei(ne) Mutter_, also mein Vater war ja nur Vertragsangestellter und deshalb hat auch die Kultusgemeinde uns a (eine) Gnadengabe gegeben, weiß i(ch) fuffzig Schilling für mi(ch) und achtzig Schilling für sie. Und dann von der Pensionsversicherung is a(uch) an Scheck (nach Gehör) (gekommen), da hamma (haben wir) noch gehabt dreißig
Schilling für mi(ch) und fuffzig Schilling für sie, also es hat sich zusammengelappert (-geläppert), des, etwas um die zweihundert Schilling. Des war net viel. Dann hat sie sich noch Geld ausgeliehen von der Kultusgemeinde und von mein(em) Onkel und so. Und so war des halt. (--) INT: Das heißt, Sie sind eigentlich sozial ziemlich bedroht gewesen in der Zeit, seh ich des richtig? NA: Net mehr als wie die anderen, 's hätt (es hat) so viel Arbeitslose gegeben. (-) Zu essen hamma (haben wir) gehabt, || net? // INT: Hmhm. ||| /// Also, des Wichtige, und man hat, äh, schauen müssen, net? Da hat sie sich zum Beispiel, bevor mei(n) Vater gestorben is, hat sie sich, äh, Bettzeug (ge)kauft von, auf Raten. (-) Und d-, der Mann is jede Woche kommen sich einen Schilling abholen. Und wann (wenn) das so weiter(ge)gangen wär, wär das für vier Jahr(e) (gewesen), <INT lacht leise auf> ne? Und jedes Mal, wann (wenn) der kummen (gekommen) is, hat sie ihm ei-,
äh, was zu essen gegeben, weil das war ja mehr als wie a (ein) Schilling, ne? Und dann (-) hat's des ganze Zeug versetzt, und dann kann i(ch) mi(ch) erinnern, wie i(ch) des ausgetüftelt hab und wa-, wann man des umsetzen muss, dass (es) net verfällt. INT: Ach, des Bettzeug oder was? Was || hat sie // NA: Ja. ||| /// versetzt? Das || Bettzeug // NA: Bettzeug, ja. ||| /// hat sie versetzt. NA: Ja, des waren Zeiten. INT: Des heißt, Sie waren, man kann schon sagen "sehr arm" eigentlich, oder? Oder_? NA: N-, <wiegt den Kopf hin und her> ja. INT: Vergleichsweise, || also. NA: Ja. ||| Es war aber (unverständlich) ihr Bruder war a (ein) Doktor in Gersthof, äh, Lungenspezialist, der is ja dann nach England (ge)gangen, der hat a (eine) reiche Frau gehabt aus, aus der Tschechoslowakei, und von dem hat sich mei(ne) Mutter oft a (ein) bissel a Geld ausgeliehen und i(ch) kann mi(ch) noch erinnern, wie i(ch) hingan-, hin(ge)gangen bin, ihm fünf Schilling
zurückzahlen, (-) ne? Weil der hat des Geld zurückgenommen. Und, und dann bin i(ch) von Alsergrund nach Gersthof zurückgegangen, mit dene <beide lachen> fünf Schilling, haben wir ihm des zurück(ge)zahlt. Der is dann in (-) England im Alter von <überlegt> (-) 85 gestorben, ungefähr im Jahre 83 [1983] oder so, 84 [1984]. INT: Ähm, haben Sie damals, also, in die Dreißiger, ab 33 [1933] gab's ja Hitler in Deutschland oder den Nationalsozialisten, haben Sie des in Ihrer Familie wahrgenommen, dass es irgendwie Gefahr, also, gefährlich werden könnte? NA: Ja, also, da hat's ja, also, wegen den Nazis weniger, äh, mehr dieses, des, äh, der, der Schuschnigg und der Dollfuß. Das hat uns mehr berührt. INT: Inwiefern? NA: Na ja, weil's, weil's,
weil's sich, äh, vor der Haustürl abgespielt hat, (-) ne? // INT: Bitte? /// Weil sich ('s) vor der Haustür || abgespielt // INT: Hmhm. ||| /// hat. Nich, dieses, dieses, dieses Abzeichen tragen müssen und dann war's ja alles auf (dem) Katholizismus aufgebaut, ne? (-) Und=äh (--) ja, wir haben wenig Angst gehabt, dass die Nazis herkommen. (---) Hmhm. (-) Man glaubte, die allgemeine Meinung war, dass die Großmächte das net zulassen würden. INT: Können Sie sich an die Anschlusstage erinnern im März || 38 [1938]? // NA: Ja, ||| ja. /// Könnens mal beschreiben, wie Sie dies erlebt haben? NA: Ja. Des war=äh so, dass=äh am Freitag, des war der 11., da war i(ch) im Bett, da hab ich, da war die Hausbesitzerin nebenan, die hat des Radio sehr stark
angehabt, und da bin ich eingeschlafen. Und am nächsten Tag bin i(ch) (die) Zeitung holen (ge)gangen, und da hab ich gesehen beim Hintertürl von der Polizeigefangenenhaus haben die Polizisten Nazi-Binden an. Und in der Zeitung: "Nazi(s haben) Österreich befreit" oder weiß i(ch) was. Na, so hab ich des erlebt, (-) ne? Und meine Mutter is dann, mei(n) Vater war damals tot, is zu der Schwester (ge)gangen zum ersten Bezirk. Und dort haben wir dann natürlich auf der Elisabeth-Promenade vorbeigehen müssen, vorm Polizeigefangenenhaus und habe bemerkt, da sann (sind) wahnsinnig viel(e) Leut dort, die gewöhnlich um die Zeit nicht dort waren. (-) Na ja, äh, des-, des war eigentlich alles, net? Bis dann zu_, und=äh ich hab vermieden angepöbelt zu werden oder was || und=äh_. INT: Wie ||| haben Sie des vermieden? NA: Ja, <überlegt> (--)
ähm, hab halt geschaut, ob da was, irgendwelche Na-, n-, Uniformierte umeinander rennen und so. Ich hab die, (-) die, des deutsche Militär, des hab ich zugeschaut, wie die eingezogen sind, und wann da so a (eine) Fahne gekommen is, haben viele Leute (die) Hand gehoben, aber viele auch nicht und hab mir das alles genau angeschaut. Und ich kann mi(ch) noch heut erinnern, da war a so a (ein) ganzer Zug von die Deutschen Soldaten und die sann (sind) auf der (unverständlich) lang gefahren in der nördlichen Richtung, und da haben sie gestoppt aus irgendeinem Grund, und da waren die ganzen Buben von den Lehrlingsheim und so andere Leut(e) dort, haben sie gesagt, die sollen die Stahlhelme hergeben, wollen sich des anschauen und so. Und dann, dann sind's wieder weg, weiter, wollten's weiter und der eine Stahlhelm, der, der, der, weiß i(ch), der, den hat der andere net her(ge)geben <lacht> wollen. Jedenfalls is,
da war nix da, net? Und dann, (-) also, (-) war eigentlich nix so. (-) Ich, ich, äh, g-, ging den ganzen Ding aus'n Weg, ne? Nur einmal, da haben uns paar Nazi-Buben erwischt und haben, und haben gesagt, haben, äh, sie, haben sich als=äh weiß i(ch), äh, Beamte ausgegeben, net? INT: W-, wer hat Sie oder wem haben sie erwischt, Sie und || noch wen? NA: Ja, und ||| äh, noch an (einen) Buben, eh? Und=äh da war über uns=äh <INT hustet> das war so bei ein(em) Haus, und ein Mezzanin hat der Frau's Fenster aufgemacht und hat gesagt: "Was tut's ihr's da du S-, äh, äh, S-, Buben (SS-Jungs)? Schleicht's euch." Ne? Da sind's weggerennt. N-, ja. (4) Äh, (-)
äh, und=äh die Bekannten im Haus, die waren alle, also, die Nachbarn, da war nix. Nur die, äh, Haus-, die Tochter von dem Sohn vom Hausbesitzer. Die war ja allgemein unbeliebt und ihre Schwiegermutter, die Alte, die is sogar noch vor den Nazis zu uns kummen (gekommen), um Zuflucht zu suchen, weil die Junge so unangenehm war. Ich glaub, die hat sie auch gehaut. Und nachher hat's natürlich diese Junge, die war a (ein) Nazi, sich gerächt, ne? Dann hat sie auch mei(ne) Mutter aus'n Haus rausgehaut. (8) INT: Nachdem Sie bei der Elisabeth-Promenade, also beim, bei der Polizei, (--) immer wieder vorbei(ge)gangen sind, haben Sie dort noch was beobachtet? Haben Sie dort noch was gesehen?
Ich mein, es gab ja auch (das) Straßenwaschen und, || und_. NA: Ja, ||| einmal bin ich beim Ring vorbei(ge)gangen, da waren zwei Jüdinnen, die haben, die waren auf Leitern, auf einer Leiter, also zwei Leitern, und die haben da was abgewaschen, ne? <zuckt mit den Schultern> Na ja, und d-, des is eigen-, des is das Einzige, was ich gesehen hab. INT: War des so, wie man des von den Bildern kennt? Dass Leute herumstehen || und zuschauen? NA: Ja, Leute ||| herumstehen und schauen, sie, ich bin a-, i(ch) hab auch zugeschaut. (--) INT: Sie haben a(uch) zugeschaut? NA: Hmhm. Na ja, w-, net lang, äh, geschaut, was machen (die) da, war a bissel a (ein) Auflauf, hin(ge)gangen und gesehen und bin a(uch) weg(ge)gangen. (---) INT: Na ja, dann sind's dem aber net ausgewichen, wie Sie gesagt haben, es war || ja_. NA: Na ja, ||| also, ich hab ja net gewusst, warum der || Auflauf // INT: Hmhm. <lacht auf> ||| /// is, ne? Es hätt ja auch, weiß i(ch) a (ein) Straßenunfall sein können. (-) Ne? Das sieht man ja net, e-, erst bis i(ch) dort war. // INT: Hmhm. /// Und dann bin i(ch) ge-, weg(ge)gangen.
INT: Wie hat eigentlich Ihr(e) Mutter reagiert auf die, auf die neue Situation? NA: D-, eigentlich sehr komisch. Äh, die hat (ge)glaubt, dass die Nazis so wirklich, äh, so alles, äh, so Ordnung machen. (-) Und ich hab das ja erst nach'n Krieg erfahren, da wart, d-, da war da in der Zeitung, dass es da Übergriffe (ge)geben hat, und da waren, weiß i(ch) Hitlerjungen, die, die sann (sind), die haben Sachen (ge)tan, die sie eigentlich nicht hätten tun dürfen und der, (-) äh, (-) das war natürlich gegen die Regeln von den Nazis. Und (-) ein ganz entfernter Verwandter von uns, das war a (eine) Mischehe, ein Herr Doktor, der hat mir nach'n Krieg erzählt, dass das, dass da Nazi-Buben (ge)kommen sann (sind), und die haben
meiner Mutter den Gasherd abmontiert und weggetragen. Und sie hat an den Bürgel (nach Gehör) geschrieben (-) wegen der Übergriffe und weiß i(ch) was alles, und die g-, Buben haben den Gasherd zurückgebracht. <INT lacht leise auf> (-) Also, das hab ich nur von, von der Frau, <überlegt> wie hat die (geheißen)_, Glasscheib haben die geheißen. INT: Aber war des scho(n), wie, wie Sie noch dort waren? NA: Nein, das war || nachdem_. INT: Na (nein), ||| ich mein, || dass // NA: Das_. ||| /// Sie Ihre Mutter Ihre Mutter irgendwie || gedacht hat, jetzt kommt Ordnung? NA: Ja, die hat alleweil (ge)klagt, ||| die hat gesagt: "Ja, des is, des, des, des gehört si(ch) net", äh, d-, ich kann mich noch erinnern, wie sie gesagt hat: "Ja, ich hab nix dagegen, wann (wenn) die gegen diese Mädchenhändler vorgehen. Aber die anderen Leut sollen sie in Ruh lassen." (--) Hmhm. Ah, i(ch) glaub, die hat das Ganze net so richtig verstanden. (--) Und dann hab ich auch noch, also, i(ch) weiß net, ob Sie, des jetzt da reingehört,
i(ch) weiß auch von ihren Abschied von Wien. (--) INT: Ähm, Ihr(e) Mutter is ja in Wien geblieben, das heißt, || sie is, // NA: Ja. ||| /// sie ist nicht emigriert so wie Sie? // NA: Nein. /// Wissen Sie, hat sie's probiert? Wollt(e) sie raus aus || Österreich? NA: Ja, ||| des war so: Ich hab, also, i(ch) bin dann weg aus Wien und in Schottland hab ich dann, äh, (-) Leute durch meine, wie gesagt, meinen Onkel hab ich Leute kennengelernt, die wollten meine Mutter rausbringen. Aber die Frau von meinen Onkel, (-) äh, die aus=äh Leitmeritz [Litoměřice, Tschechien] war, äh, die hat immer, wenn ma(n) so, war nicht so sehr fürs Auswandern. Hatte sie sogar (nach Gehör) uns einen Brief geschrieben: "Bedenkt, dass ihr noch eine Pension habt. Vergiss nich deine Pension. Das Leben in der
Emigration is hart." (-) Aber sie kam aus ein(em) sehr reichen Haus, die hat des net verstanden, net? (-) Und=äh na ja, äh, dadurch wurde das Ganze verzögert, aber wann (wenn) meine Mut-, wann (wenn) der Krieg paar Tag(e) später ausgebrochen waret (wäre), wär meine Mutter gekommen. <Tape 2, Ende>
INT: Das is Band drei des Interviews mit Herrn Norbert Abeles. Äh, Sie haben zuletzt von Ihrer Mutter erzählt, die also nicht mehr emigriert oder flüchten || konnte // NA: Hmhm. ||| /// und in Wien geblieben is. Äh, hab ich das richtig verstanden: Ihre Mutter musste auch aus der Wohnung heraus, o-_? NA: Ja, zweimal. Des erste Mal (-) ungefähr im Jänner (Januar) 1939, (-) sie is aus der Stammwohnung da in, in der Hahngassen, da is sie ins Nebenhaus gezogen bei so einer Frau Alter, weil das Haus Hahngasse 16 is a (ein) Eckhaus in die Grünentorgasse, und sie is in des Haus neben an (ge)gangen. (-) Und dann, davon hab ich erst später erfahren, (--) nachdem der Postverkehr zwischen Wien und B-,
äh, Schottland, äh, nicht mehr funktionierte, äh, von unser, der Sohn von unserem Hausmeister, Karl Gehr, der hat mir erzählt, dass sie dann in das Haus in der Grünentorgasse g-, (ge)gangen is, des was der Kultusgemeinde gehört hat, und wo hinten des Lehrlingsheim is. (-) Und von dort wurden die Leute abgeholt, äh, (um) nach dem Osten verschickt zu werden. So viel ich weiß, war das am <überlegt> 8. März oder Juni 43 [1943]. (-) Und=äh, äh, also, da, (-) äh, äh, mein Freund hat mir gesagt, dass, da haben's die Leut auf an (einen) Lastwagen verladen, um sie wegzuführen, und sie hat gesa-, er hat gesagt, alle sann (sind, haben) gesessen und
in seinen eigenen Worten haben "geröhrt" (geheult, geweint), nur meine Mutter ist dort ruhig gestanden und, und war stolz oder weiß i(ch) was. (-) INT: Stolz? NA: Stolz. <richtet sich auf> Is so || aufrecht_. INT: Also, ||| sie is stolz dagestanden, || aufrecht, ja? NA: Sto-, ja, ||| ja, n-, sie, sie is net, sie hat net geröhrt. // INT: Hmhm. /// Ne? (-) Und, also, des is alles, was i(ch) weiß. Und dann, wie gesagt, diese Episode von=äh, wegen dem Gasofen. (-) INT: Welche Episode? NA: Ja, was den, wo die, äh, Hitler-Buben, // INT: ||| Ach so, ja, hm, hm. /// äh, d-, die den ||| Gasofen haben zurück(gebracht), ne, ne? Sie hat mir geschrieben durchs Rote Kreuz, und ich weiß, dass sie versucht hat, äh, durch diese internationalen Körperschaften zu schauen, dass ich was lern, dass ich Tierarzt wer(de), aber was damals, damals natürlich nicht möglich, i(ch) war damals
<Türklingeln o.ä.> in Edinburgh, <deutet zur Seite> äh_. (--) INT: Ähm, Sie waren ja selber noch bis Dezember neunund-, äh, 38 [1938] in Wien, in der W-, in der Wohnung in der Hahngasse. // NA: Ja. /// Äh, sind Sie damals dann noch in die Schule gegangen? NA: Nein, äh, die Schul(e) hat, war gesperrt nachdem die Nazis (ge)kommen sann (sind), und dann für kurze Zeit hat sie's wieder geöffnet, da waren die christlichen Schüler noch mit uns. (---) Und=äh, aber nach paar Wochen haben sie wieder zugesperrt, und nachher waren die christlichen Schüler nicht mehr mit uns. (--) Und=äh das Lehrpersonal war desselbe wie zuvor. (-) INT: Das heißt, des war jetzt a (eine) r-, rein jüdische Schule. NA: Ja. Aber mit christlichen Lehrpersonal. (-) INT: Wie hat sich das verhalten? D-_? NA: Die
ganzen Lehrer waren unverändert, (-) net wahr, und überhaupt des Einzige, was man am Lehrpersonal bemerkt hat, war dass der, der was, äh, der Rädelsführer von die Vaterländischen war. (-) Und der hat da dann, und der hat die Leut, äh, <deutet auf seine linke Brustseite> die haben eben_, geschaut hat, dass man das vaterländische Abzeichen hat, der hat dann auch gesagt, er is a (ein) Nazi, aber er, er <zuckt mit den Schultern> n-, niemand hat es dem (ge)glaubt, ne? Und die Lehrer selber, <zuckt mit den Schultern> (--) die waren in Ordnung, net? (-) Des wollt i(ch) noch sagen, dass in der Mittelschule das einzige, einzige antisemitische Äußerung, die ich jemals gehabt hab, war in der, ich glaub, es war in der zweiten, na (nein), in der dritten Klasse. Da hatten wir'n Mathematiklehrer, (--) äh, Herr Bräm,
Doktor Bräm wahrscheinlich, und der hat eine Gehirnhautentzündung gekriegt, und=äh, <Telefonklingeln> und=äh da hat er, (-) äh, der war natürlich nicht da für längere Zeit, (-) und=äh, (--) und=äh, äh, und dann hatten wir nen Aushilfslehrer, nen Doktor Holländer, und der hat's den Schülern sehr leicht gemacht. (-) Und=äh dadurch hat ein jeder a (eine) gute Note in Mathematik gekriegt. Aber, äh, wie dann der Doktor Bräm zurückgekommen, da sann (sind) natürlich die Federn geflogen. Und=äh, da hatten wir nen Klassenordner und=äh die haben immer, äh, die Ta-, die Tafel zu löschen gehabt. Und der eine Bub, das i-, wird immer alphabetisch gemacht, der eine Bub,
der war hinter'n Doktor Bräm und hat=äh die Tafel gewischt und nachher Grimassen gemacht und so, jeder gelacht, und so weiter. Und da hat er gesagt: "Äh, ja, wanzen Sie mich nicht an, äh, äh, mit Ihren jüdischen weiß i(ch) was", ne? Und da wars m-, mäuschenstill im Klassenzimmer, und nachher hat er sich entschuldigt, (-) ne? Na, ich kann mir gut vorstellen, ich war ja selber Lehrer, des der dazu getrieben wurde, ne? Und i(ch) hab ihm gern gehabt, weil er hat mir ri-, mich richtig Mathematik beigebracht, net so wie der Herr Doktor Holländer, der, der nur g-, äh, nur gute Noten hat herzeigen wollen. (-) INT: Äh, das heißt, wenn Sie aber jeden Tag in die, in eigentlich in eine jüdische Schule gegangen sind, obwohl's im zweiten Bezirk war, hat's da net irgendwie a(uch) Spannungen gegeben, zum Beispiel, dass Sie HJler abgepasst haben
oder so was? NA: Nein, d-, des nicht, aber etwas ha(b) i(ch), hamma (haben wir), simma (sind wir) in der Früh gegangen und am Tandlmarkt, (-) net Tandlmarkt, im, äh, Karmeliterpark, -markt, war, hab ich gesehen, da waren paar Juden <gestikuliert> mit, mit ihre(n), wie heißt des noch, diese Gebetsgewänder, und die haben Karotten gewaschen in der Früh. Es war a schiecher (hässlicher) Tag, es war a bissel kalt, ne? Aber nein, die, des haben die mir (nach Gehör), diese HJler mir selber entschuldigen müssen, (-) ne? (-) Die konnten's ja nich. INT: Das heißt aber, Sie sind bis zum Sommer 38 [1938] in die Schule (ge)gangen, || also_. NA: Bis ||| zum Schulschluss, // INT: Hmhm. /// net? Und da is draufgesta-, da haben sie noch auf de-, des Zeugnis an (einen) Stempel gegeben, dass ich mich ordnungsgemäß abgemeldet hab, ne? (---) Die besten Schüler und die, besonders die, die wollten sind ja in dieses Kreisgymnasium gegangen.
I(ch) net, i(ch) hab net wollen, und außerdem war i(ch) net so gut. Äh, in Sprachen besonders, in Latein und Französisch, ne? Des, des, da bin i(ch) mal gerad noch durch(ge)kommen. (-) INT: Und was haben Sie im Sommer gemacht? NA: Na ja, da, äh, mei-, also, wie mir (wir) jünger war(en)_, also, || Sie meinen den Sommer_? INT: Ich mein ||| 38 [1938], ja, || nach der_. NA: Sommer acht-_, ||| na ja, mir, mir (wir) Buben, <zuckt mit den Schultern> also, gespielt und so und, äh, dann=äh haben's mit dieser Umschulung angefangen, (-) ne? Das is ja bis zu(m) November 38 [1938] gegangen. (-) INT: Wie sind Sie da dazugekommen? NA: Zu November || 38 [1938]? INT: Nein, ||| i(ch) mein zu der Umschulung. NA: Na, des hat sich rumgesprochen, genauso wie die Emigrat-, Emigration, des is ja auch, es war ja auch, wie man auf Englisch sagt "word of mouth" (Mundpropaganda). Hat sich umeinandergesprochen. Und dann natürlich meine Mutter hat geschaut, des is, is uns jetzt sehr schlecht (ge)gangen,
nachdem die Nazis kummen sann [gekommen sind[, weil die Kultusgemeinde hat zugesperrt, und die hat ka (keine) Pension nicht gekriegt (keine Pension bekommen). Wir haben kein Geld gehabt, bis die aufgesperrt haben, und da haben sie natürlich kein Geld gehabt zum Nachzahlen und so weiter. (--) INT: Und was haben Sie für a (eine) Umschulung gemacht? NA: Agriculture. Äh, des is=äh Feldarbeit. (-) INT: Wo? Da in Wien oder wo war des? NA: Ja, des war da, da in gab's a (ein) Stammersdorf oder wo dadrin. INT: War das a (ein) Bauernhof oder was kann man sich || dadrunter vorstellen? NA: Joa, des_. ||| <winkt ab> I(ch) bin net oft dort gewesen, aber des is, is so, so, wir haben dort gewohnt und dann, und dann, dann, bis zu, bis zu den=äh (--) diese "Reichskristallnacht", net? Und da haben sie uns einfach v-, also, die haben viel, viel arretiert, aber ich war jung, und da haben's (nach Gehör) gesagt "Schleich dich". (--) INT: Das heißt, Sie
waren bei der Reichskristallnacht oder -pogromnacht s-, waren Sie dort bei diesem || Umschulungskurs? NA: Ja, ja, ||| ja. // INT: || Äh,_. /// Ja, ||| aber, des war noch am Tag davor. (-) Die haben uns dort weggejagt. INT: Wer? Wer hat Sie weggejagt? NA: Na, das sind so, so Nazis kummen (gekommen), gewöhnliche || Leut, // INT: Hmhm. /// net? (-) Ich denk heut noch, ob des nicht Leute waren, die geschaut haben, des mir (wir) dort wegkommen, weil nämlich die richtigen, (-) so, die Uniformierten erst später kummen (gekommen) wären. (-) INT: Und was, wie haben Sie, wie haben Sie die erlebt, diese || "Reichskristallnacht"? NA: Ja, dann ||| bin ich zu meiner Mutter (ge)kommen, dort war noch nix, aber dann im Laufe vom Nachmittag, da sann (sind), äh, so Gangs, wie, so Gruppen, die haben die Scheiben bei ein(em) jüdischen, äh, wie hei-, sagt man, Kürschner eingeschlagen, net? Und nachher, da,
da is so a (eine) Gruppe zu uns ankommen, hat angeklopft, mir (wir) sollen mitkommen, ne? Und die haben die Wohnung zugesperrt und den Schlüssel genommen und haben uns, äh, ins Lehrlingsheim gebracht, des jüdische Lehrlingsheim. Und die ganzen Juden aus der Umgebung waren dort, etwa, weiß i(ch), zweihundert Leut, die meisten haben keine Betten gehabt, und die haben zu dritt im Bett geschlafen, und des hat gestunken und weiß i(ch) was alles. Und mir (wir) waren, weiß ich, zwei, drei Tag(e) dort, und meine Mutter is zum Fürsorgerat gegangen, und durch seine Intervention hat sie die Wohnungsschlüssel zurückgekriegt. (4) Der Fürsorgerat, der war noch derselbe Mann von der Zeit von dem Ständestaat. (-) Da haben die Nazis noch nix da_, net? INT: Des heißt, Sie waren
nicht verhaftet, sondern des war, // NA: Ja. /// so s-, man hat sie aus der Wohnung geschmissen, || quasi. NA: Ja, und ||| dort hinein, || ne? // INT: Ja. ||| /// Wi-, wir durften net raus. INT: Sie durften nicht || raus. NA: Net, aber mei-, äh, mei(ne) Mutter, die hat gesagt, sie weiß, d-, die hat_, nämlich war der, zu derselben Zeit, wurde der Prozess wegen der Kündigung _, (-) ne? Weil diese, (-) äh, die, (-) diese junge Frau von dem, von dem=äh Hausbesitzer, net, hat, die hat sie, also die proz-, gegen sie prozessiert, damit sie's (sie sie) rausbringt. Und meine Mutter hat dagegen berufen, und da hat sie noch drei Monat(e) gekriegt, ne Verlängerung, ne? Und zu derselben Zeit, also, das war gerad zu dieser Zeit, und da hat sie, haben sie sie rauslassen müssen, weil sie ja die Vorladung vom Gericht gehabt hat. (--) Und des hat sie ausgenützt, da is sie zum Fürsorgerat gegangen, und
besonders, weil des Gericht gesagt, des müsst's noch, äh, weiß ich, bis Jänner dort bleiben, also, da hat sie die Schlüssel zurückgekriegt. (4) INT: War des eigentlich die Zeit, also, 38 [1938] in Wien, Sie erzählen des relativ, i(ch) weiß net, ich würd mal sagen "distanziert", haben Sie damals Angst gehabt oder || hat Sie des_? NA: Na, ||| Angst gehabt vor die Nazis, net? INT: Also war des für Sie_, haben Sie selber Angst gehabt damals? NA: Na ja (nach Gehör), Angst gehabt, ma(n), ma(n) war dauernd unsicher, nicht? (--) Äh, man hat sich ja net auf die Straßen rausgetraut, falls da irgend-, äh, solche, solche Lumpen rumrennen, nich? (--) Dann hab ich noch bemerkt, wie so, wie von uns, der, auch der Hausbesitzer Maler Müller, des is des Eckhaus, äh, Hahngasse, Grünentorgasse, im (-) dort im nordwestlichen
Eck, des war der Maler Müller, des war a (ein) begeisterter Nazi, und der hat, äh, im, äh, gerad das Haus frisch gestrichen, und weil die Nazis da war(en), hat er im ersten Stock zwischen die zwei Fenster einen SA-Mann hingemalt. Und der S-, äh, der war sie, waren von die Bund Deutscher Mädel, net? Und da is einer in der Nacht kummen (gekommen), der hat an (einen) Teer drüber geladt (geschüttet) (-) ne? (-) <lacht> Und des haben sie nie, haben sie rausgefunden. Aber der Freund von mir, der, der Karli Gehr, der hat gesagt, der hat's nachher wieder hingemalt. Und wie die Russen kummen sann (gekommen sind), hat er ka (keine) Farb gehabt, <lacht> um des zu übermalen, hat er's halt a(bge)kratzt. <beide lachen> Ne? (---) INT: Wie is'n [ist es denn] eigentlich Ihre Mutter damals (ge)gangen? (Ich) Mein, ich stell mir das ja || dramatisch vor. NA: Na ja, die hat=äh, schauen'S // INT: || Nachdem der Vater /// Also, i(ch) hab_. INT: || Selbstmord // NA: Ja. ||| /// begangen hat
und dann des? NA: Na ja, und dann=äh, na ja, sie_, (-) das war halt des Schicksal, net? Und=äh ich kann mi(ch) ganz genau erinnern, wie's da von mir in Hütteldorf Abschied genommen haben, i(ch) hab ganz genau gewusst, die seh ich nimmer wieder. (--) INT: Sie haben des gewusst? NA: Ja. (-) Weiß net, was sie denkt (gedacht) hat. (--) Aber es war Pech, ich meine, wann (wenn) der Krieg, weiß i(ch), zehn Tag(e) später ausgebrochen waret (wäre), dann war (wäre) sie nach England (ge)gangen. INT: Wie sind Sie überhaupt nach England_, wie haben Sie des Visum bekommen, oder wie || sind Sie dort draufgekommen? NA: Na, des war so a (ein) Kindertransport. ||| Äh, wann (wenn) Sie des englische Buch na-, n-, nachlesen, They came as children (meint: We came as children), // INT: || Nee. /// vielleicht ||| haben'S des gesehen? Da steht ja drin, wie des da, da war irgendwas mit einer Holländerin und den, den Nazis da, und innerhalb einer Woche haben die zehntausend Kinder (-) bereitgestellt, das (die) nach England gehen.
|| Und ich war_. INT: Und wie haben Sie die, ||| wie haben Sie, wie war das in Ihrem? NA: Na ja, des hat sich da, da hat einer vom anderen g(e)hört, er geht hin, und, und, na ja, und mei(ne) Mutter hat mich angemeldet, und dann, weiß i(ch), hat man noch Fotografien machen lassen müssen und so. (-) Und auf einmal war ma(n) weg. INT: Haben Sie vorher schon versucht, d-, dass Sie selber rauskommen oder Ihr(e) Mutter? Haben Sie was anderes a(uch) || probiert? NA: Ja, ||| mir (wir) haben gehofft, dass mei(n) Onkel, der Doktor, der was=äh, (-) der nach England (ge)gangen is, dass der was für uns tut, (-) ne? (-) Aber sons(t) (-) hamma (haben wir) nix, keine Hoffnung gehabt, (-) ne? || Mei(n) // INT: D-_? ||| /// Onkel war ja sehr, hat ja Glück gehabt, weil er war jung, er war Tuberkulose-Spezialist, und zwei, äh, haben's a (ein) Kind gehabt, bissel Geld hat er a(uch) gehabt, und der wurde von den Engländern (aus)gewählt, dass er nach England kommt,
um ihr eigenes mil-, medizinisches Potenzial zu heben. Da waren etwa fuffzig deutsche Ärzte und österreichische, die damals rüber(ge)gangen sann (sind). INT: Das heißt, wie Sie raus(ge)kommen sind, das ging relativ rasch, also des || heißt_. NA: Des ging ||| sehr schnell, des war_, also, mir sann (wir sind) an=äh, da, || am, an_. INT: Überhaupt, i(ch) ||| mein die || Vorbereitungszeit, ich meine_. NA: Vorbereitungszeit ||| war vielleicht drei Tag(e). INT: Hmhm. Können Sie sich da noch ans, erinnern an die letzten Tage, was, was Sie da, // NA: Na, || net viel. /// was da los war? ||| // NA: Äh, ich bin zu meiner Tant(e) in die Gutendorfer Straßen s-, gegangen, auf Wiedersehen sagen, und zu meinem Onkel, (-) ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er gesagt hat: "Vergiss net, du bist der letzte Abeles." Ne? Denn er hat genauso wie mein Vater sehr blaue Augen gehabt, ne? (---) So war des eben damals. (-) Des ging sehr schnell.
INT: Und wie war der, wie war die, die Abreise, also, wie is des organisiert || gewesen oder? NA: Ja, ||| da, mir (wir) haben um, um, weiß ich, immer zehn auf Nacht (in der Nacht?) oder was, äh, so, haben wir in Hütteldorf-Hacking sein müssen, net? Dort, wo des früher war, da war die Endstation, und mir sann (sind) dann nach, äh, links vorbei(ge)gangen, am Bahnsteig, weil da hat man zur, zur Westbahn (kommen können), und dort war separat a (ein) Zug. Und=äh da samma (sind wir) halt eingestiegen, und ich war mit den Heinz Eisinger in an (einem) Kompartment (Abteil), und da war, da kann i(ch) mich noch dunkel erinnern, da war noch a (ein) Bub, und der war auch net älter als wie ich, und der hat, da hat er an (einen) Slibowitz (ge)trunken, der war besoffen. (-) Net? Also als junges Kind schon. INT: Hat, haben die Eltern eigentlich die Kinder begleiten können oder || wie war des? NA: Na (nein), des ||| war nur, äh, dort hat ma(n) auf Wiedersehen gesagt dann hat man'n
Nummerntaferl (ge)kriegt_. INT: Wo hat man auf Wiedersehen gesagt, am Bahnsteig || oder_? NA: Am Bahnsteig, ||| || ja. // INT: Hmhm. ||| /// Und dann a (ein) Nummerntaferl gehabt und, (-) und dann samma (sind wir) weg(ge)gangen, net? Und, aber es war ni-, kein Winken vom Zug so viel ich mich erinnern kann. Na ja, die, die Reise, na ja, die war lang, (-) war_, und dann am nächsten Abend, da war man im Grenzgebiet, und da haben schon paar angefangen, äh, die, <lächelt> diese verbotenen, also, die links gerichteten Sachen zu singen, net? Und dann sind halt die Deutschen (ge)kommen, Zollkontrolle, des war ganz schmerzlos, ne? Und dann, was mir am meisten gefallen hat, weil dann wenn man_, der Zug is dann über die holländische Grenze gegangen nach Nijmwegen. Und dort war der Bahnhof
sehr erleuchtet, und da waren so viel Leut dort, und da hamm (haben sie) uns, uns was gutes Essen (ge)geben. Ich kann mich noch erinnern, ich hab <gestikuliert> so a, so a, so a (ein) Wachauer Laberl (österreichische Brötchenart) gehabt, mit an Butter und an (einem) Schokolade(n)aufstrich. Dann haben sie noch Rote-Kreuz-Schwestern draufgegeben, weil es war ja kein Begleitspersonal, und die jungen Kinder haben sie angeschissen und weiß ich was alles, und so war's halt dann bis nach Hook of Holland, dann auf das Schiff, The Prague (nach Gehör), das heißt "Prag", net? Und dann hamma (haben wir) über(ge)setzt. Und dann in England, (das) Erste, was ich gesehen hab war a (ein) Polizist, und der hat so ausgeschaut wie a (ein) Totengräber bei uns wegen dem Helm, <INT lacht leise auf> ne? Dann noch nach (-) H-, nach Lo-, Lowestoft und da sann (sind) wir in'n Holiday Camp (Feriencamp) gegangen, das war so bitterkalt, dass sogar die See gefroren war. (-) In der, derer Bucht. Und die Kinder, die was dort waren, die haben nach, nach'n halben Jahr
wieder(er)kennt, weil die alle zerkratzte Ohren gehabt haben durch Erfrierungen, ne? Ich war glücklich (hatte Glück), ich, nach, weiß i(ch), drei, vier Tag(en) is meine Tante aus Edinburgh gekommen, die hat mich (nach Gehör) weggeholt und nach Edinburgh mitgenommen. (-) Und dann hab ich eben bei denen gewohnt und bin ich im Monat drauf nach den, äh, Weihnachtsferien, bin ich in die Schule gegangen, in die Boroughmuir School. Und ich hab damals kei(nen) gescheite(n) Anzug gehabt, hab nur des, was der Direktor Rusha (nach Gehör) uns (ge)geben hat: Stellen Sie sich das mal vor: Knickerbocker, <INT lacht leise auf> blau, so, so beinah, beinahe lichtblau, und mit denen musst ich in ne englische Schule gehen. Und die ganzen Kinder da haben natürlich kurze Hosen angehabt oder einen Schotten-Kilt, und=äh so weiter, und dann durch, hab ich noch Freunde gemacht durch meine Tante, eine gewisse Mrs
Buchanan, der ihr Mann in der britischen Navy war, er war Captain, also, des is ungefähr so wie Oberst in der Armee. Und=äh da war ich auch in Wick, in ganz, ganz im Norden von Schottland, und wie ich dort hingefahren bin, da hat, das Erste, was sie getan hat, hat mir gescheite kurze Hosen (ge)kauft. Und diese Frau, mit der war ich in Kontakt, bis sie gestorben is im Jahre, 1985 oder Be-, Jänner 86 [1986]. Und die hat auf mich geschaut wie a (eine) Mutter. Die hat viel für mich (ge)tan und auch er, ihr Mann, der is scho(n) früher gestorben. Und die haben eine Tochter, die is in den Kanalinseln und der Sohn, der is a bissel älter als ich, der war ein Kinderarzt b-, und Professor in Leeds, in England. Und ich hoff, ich werd ihm wiedersehen. INT: Und warum haben Sie die gerad, (-) warum haben Sie, die Sie,
äh, so angenommen, meinen Sie? NA: Na ja, die wollten mich überhaupt adoptieren und mit ihren Kind auf die Universität, äh, schicken, aber meine Tante, die, die Eva, die w-, hat's geheißen, die is die von die-, diesen reichen Haus kommen is, die hat gesagt: "Ja, na, die", <winkt ab> die war früher Erzkommunistin, nachher, wie die Nazis (ge)kommen sind, is sie Zionistin geworden, hat gesagt: "Na, na (nein), du musst schauen, aufs Land gehen (dass du aufs Land kommst)" und weiß ich was alles, "diese bürgerlichen Berufe, die heißen nix" und so. Denn sonst, sonst wär's mir viel leichter gewesen mit meiner Weiterbildung. INT: Das heißt, was haben Sie gemacht in, in, in England oder in Schottland? NA: Na ja, nachher, äh, mein=äh Onkel, der war ja in Edinburgh, um, äh, das, äh, britische Doktorat zu machen als Mediziner und um das zu machen hat, war er in der Surgeons' Hall in
Edinburgh und hat das letzte Jahr vom Medizinerkurs noch mal mit=äh mitgemacht, damit er die ganzen Ausdrücke kann-, kennenlernt. Überhaupt war er damals mit Doktor Hessling Spandar (nach Gehör) von Malawi in derselben Klasse, weil der hat auch, äh, seine Aus-, seine Ausbildung in Amerika gehabt, und bevor er in Britain (Großbritannien) praktizieren durfte, hat er auch des haben machen müssen. Also, mein Onkel hat das, äh, natürlich bestanden und nachher is er, hat er drei Sanatorien übernommen und so weiter. Aber ich, äh, konnt natürlich bei denen net leben, die haben selber a (ein) kleines Kind gehabt und a(uch) net viel Geld, und meine Tante, wieder diese Eva, die hat, äh, äh, von einer Palästina-Ausbildung, wie haben die des genannt, Hachschara, gelernt im Haus, oder im Gut von Lord Balfour,
net? Whittingehame. Und dort war i(ch). Und ich sag Ihnen, des, des hat mir nicht gut gefallen, also die, die Ausbildung, des war ja nicht schlecht, aber_. INT: Äh, in was sind Sie ausgebildet worden? NA: Na ja, das war für (die) Landwirtschaft. Und das (nach Gehör) ursprünglich war es unter dem schottischen Headmaster (Direktor), äh, Mister Maxwell, der dann später nach, nach'n Krieg, der war Offizier in, für die südafrikanischen Truppen, der_, und von dem hab ich sogar noch einen Brief gekriegt aus Südafrika vor einigen Jahren. Also, er wollte, dass man in der Früh in die Schule geht, der wollt uns a (ein) richtiges schottisches Curriculum geben, also Englisch lernen un-, und Mathematik, Physik, die haben sogar ein Chemielabor dort gehabt und alles und so und am Nachmittag arbeiten. Und da waren
die, war(en) diese Zionisten dort, ne? Die haben gesagt: "Na, na (nein, nein), die sollen nur arbeiten und am Abend in der Freizeit etwas machen", ne? Und=äh man muss denken, dass die Kinder damals (-) alle u-, unter 16 waren, da waren manche 12-Jährige dort. Also, des, (-) das war_, ich meine, des hat mir net gefallen dort, ne? INT: Und was hat Ihnen net gefallen dann? NA: Na ja, erstes mal die Unterbewertung von dem Wissen, net, weil man sieht, ich hab gesehen, dass, (-) äh, dass wann (wenn) man nur mit ein(em) Rechen arbeit(et), (-) da ler-, da lernst ja net viel, ne? Und du bist ja auch nicht nützlich zur, zur die We-, wa-, was für immer für Gesellschaft du gehst, net? Du musst a (ein) bissel was dazulernen, ne? Denn sonst haben ja die ganzen Leute, (-) äh,
nicht=äh, äh, Universitäten und, und=äh Polytechnics (Fachhochschulen) und weiß Gott was, ne? Na ja, und dann, vor allem diese, diese, dieser ganze Zioni-, die wollten uns anstatt was Englisch lernen, wollten's, dass mir (wir), weiß i(ch), zionistische Geschichte lernen und solch-, so was, ne? Und <zuckt mit den Schultern> des, i(ch) mein, das kann ja einer lernen, wann er's will, net, aber Englisch is ja d-, ganz weit wichtiger, ne? Aus dieser Gruppe sann (sind) nur paar nach Israel gegangen (-) und darunter a (ein) guter Freund von mir, F-, äh, jetzt weiß i(ch) net, Frankfurt hat er geheißen, er war a (ein) Deutscher, und=äh der hat mir gesagt: <leise> "Ich will net gehen", ne? Aber weil, die haben ihn, also, mitgenommen, (-) ne? Und von den Leuten es is nach'm Krieg, is kaum einer nach Israel gegangen. Einer, der was dabei waren (von denen, die dabei waren), war
der Autor (die Autorin), des(sen) Buches is They came as children [We came as children], des kennen Sie vielleicht? Des is_, der, a Madel (ein Mädchen) [Karen Gerson] hat des geschrieben, mit der war ich ganz eng befreundet, ne? (-) Aber, wie gesagt, ich, i(ch) denk, dass, ob, wohin ma(n) auch geht, man braucht erstens einmal a (eine) gute Erziehung (meint wahrscheinlich: Bildung). Und=äh d-, das wurde da von den, den Leuten sabotiert, || ne? INT: Und ||| wie lange sind Sie dort geblieben, in dem || Heim? NA: Zwei ||| Jahre bis zu meiner Altersgrenze und dann bin ich in ein Government Training Scheme gekommen. Das heißt, ähm, da war so ein Training Scheme (Ausbildungsprogramm) von der Regierung, dass die, um Leute für, äh, die Wehr-, äh, zum, zur Herstellung von, von Wehrmaterial zu trainieren (auszubilden), net? Also, ich hab das, war
dort, und nachher bin i(ch) zu einer Privatfirma (ge)kommen, und=äh, (-) na ja, dort hab ich g-, bald ganz hohe Verantwortungen gehabt, net? Ich musste meinerseits viel, wir haben, äh, viel Mädchen gehabt, net? Und=äh die, äh, die waren einberufen (-) und=äh, von der Regierung für Arbeit und=äh da hat sogar hat's sogar einige gegeben, die, deren Muttersprache nicht Englisch war. <Tape 3, Ende>
INT: Des is Band vier des Interviews mit Herrn Norbert Abeles. Ich hätt eine Frage: Bei Kriegsausbruch, äh, sind ja sehr viele (-) Emigranten interniert worden. Wie war das bei Ihnen? NA: Ja, des war=a so: Äh, zu Kriegsausbruch, da haben sie, äh, die "enemy aliens" in drei Kategorien geteilt, A, B, C. Die As wurden sofort interniert, die Bs, die hatten verschiedene, äh, res-, äh, weiß i(ch) Behindernisse, restrictions, und die C, die, wir durften frei herumlaufen mehr oder weniger. Mir (wir) waren alle Cs, dort in, d-, da war so ein interview panel (Interviewkommission), net, die haben uns so Sachen gefragt, aber dort waren ja sowieso alle, äh, jüdisch und, und=äh die haben des gewusst, ne?
Aber ich lebte in einer sogenannten "protected area", das heißt, eine "kriegs-, kriegsempfindliche Gegend" war, in, äh, Rosyth, da waren ja die, das war ein englischer Flo-, äh, britischer Flottenstützpunkt, und dann war die große Brücke über den Firth of Forth. Und=äh das haben die Deutschen ganz genau gewusst, dass dort_, wir haben auch Fliegerangriffe gehabt schon vor dem=äh Mai 1940. Und=äh, na ja, nachdem die Deutschen die Niederlande, Belgien angegriffen haben, haben sie uns interniert, alle enemy aliens in, äh, protected areas wurden wir interniert. Zuerst haben sie uns nach Edinburgh geführt, da war(en) ma (wir) in, äh, in ner Schule, in dem (der) deutsche Unterseebootgefangene waren, <INT lacht leise auf> und mit denen haben wir natürlich nix zu tun gehabt, dann haben sie uns
in ein Jugendlager nach, äh, äh, nach, äh, Lingfield gebracht, das is ein, ein=äh Pferderennplatz, den was sie in ein Internierungslager verändert haben, das war für Jugendliche und=äh andere mehr oder weniger harmlose Fälle. Aber es war net immer so, weil im Dezember davor, da haben sie, haben die Internierten dort nen Teil des Lagers in Brand gesetzt, und das waren, äh, fanatische Deutsche aus Südwestafrika, die wurden von der englischen Marine gekapert und dort interniert und zu Weihnachten haben sie des in Brand gesteckt. Aber die, die waren nimmer dort. Die Leute, die dort waren, waren Handelsschiffpersonal (-) und besonders Jugendliche, und da war auch der
frühere deutsche Botschafter in Island und solche Leute. Und=äh (-) die waren korrekt, wir haben uns natürlich net mit de(n) Leut(en) vermischt, aber da waren paar, die, die Anti-Nazis, die haben natürlich zu uns gehalten. Und=äh dann wurden die Deutschen, die haben sie abtransportiert, und außer diesen, die was, äh, pro-allied (für die Alliierten) waren, weil da hat's auch Schlägereien gegeben zwischen den Deutschen, (-) nämlich die, den Nazis und den Nicht-Nazis. Da war einer, der hat an (einen) großen, äh, Hammer und Sichel auf der Brust tätowiert gehabt, ne? <lächelt, INT lacht leise auf> Und=äh, und so weiter. Ja, und=äh, also, die Leut(e), äh, die, die sann (sind) dort abtransportiert worden. Angeblich sann (sind) viel(e) mit der Arandora Star abgesoffen. (--)
Und=äh nachher sann (sind), ich glaub, es, waren's die Italiener, die next, die dann (ge)kommen sann (sind). Aber wir blieben in den, als Stammmannschaft in den Lager, und haben bei diesen Italienern geholfen, net? Wir haben d-, den, den Engländern geholfen und, weil wir konnten Englisch und viele Italiener konnten net Englisch und=äh des waren dann so Zivilisten und so, ne? Und nachher sann (sind) die Juden gekommen, die was sie in England interniert haben. Und die wurden alle nach der Isle of Man geschickt, ne? Äh, dort=äh, der Anführer von unserer Gruppe war so a, so a (ein) religiöser Zionist. Und n-, der hat nicht nur, also, des war ja gut, dass er uns so ziemlich militärisch gehalten hat, weil, zum Beispiel bei ein(em) Appell, mir (wir) waren die ersten dort und gleich abgezählt, mir (wir, nach Gehör) schön aufgestellt, haben gleich gesehen, wir sann (sind) alle da, und nachher haben sie uns
weggeschickt, mir (wir) sollen die anderen im ganzen Camp suchen <INT lacht leise auf>, ne? Dann haben wir auch fr-, außen gearbeitet, net, im, im Haus von die Offiziere bissel a Geschirr waschen oder was und haben wir alleweil was (ge)kriegt. Und dann, wie sie die Londoner interniert haben, auch die, net nur d-, nicht nur Juden, aber da waren auch Österreicher dort, die was auf, v-, von Schuschnigg und Legitimisten und so weiter. Da war einer dort von der gehobenen Londoner Gesellschaft, der is au(ch) mal weggerennt, der hat an (einen) Autobus nach London genommen, seine Freundin zu sehen, dann is (er) wieder zurück(ge)kommen, irgendwie is es raus(ge)kommen, net? Und=äh na ja, dort haben mir (wir), also dadurch, dass mir (wir) da immer dort waren, und da hamma (haben wir), hab ich (unverständlich) gemacht, aus, aus die Bretter von die Baracken und haben's an die Leut(e) verkauft <INT lacht leise auf> für Zigaretten und solche Sachen, ne? Als-_, und dann=äh, (-) äh, wie's
ärger (schlimmer) geworden is mit den Luftangriffen, da war, waren ja diese, äh, Kämpfe mit die Flugzeuge überm Camp, net? Wir haben des ja gesehen. Und=äh die sann (sind) halt=äh_, und dann haben sie uns freigelassen und haben's alle wieder nach Schottland zurückgeschickt, (--) net? Und von dort, wie ich die Altersgrenze erreicht hab, hab ich mich gemeldet to go into this government training centre (um in dieses Ausbildungszentrum der Regierung zu gehen). INT: Haben Sie überlegt, in die Armee zu gehen? NA: Na ja, ich hab für die Armee volontiert (mich freiwillig gemeldet), net, aber mein=äh Arbeitsgeber hat mir net freigestellt. Weil ich war, da, da war der foreman (Vorarbeiter) und ich, wir haben zwei shift(s) (Schichten) gehabt, Tag und Nacht, Tag- und Nachtshift (-schicht), ich hab die Nachtshift (-schicht) übernommen, und da waren vielleicht zwanzig, 25 Mädeln, die, die was für die Maschinen haben trainieren müssen, da haben's immer a (eine) männliche Person gebraucht, || net? INT: Was ||| war des jetzt genau, was is da produziert worden?
NA: Äh, das waren=äh, äh, Bestandteile für Maschinen, für Flugzeuge und für Tanks (Panzer). (--) So Einspritzdüsen und solche Sachen. INT: Aber des war scho(n) quasi für die Armee || direkt, hmhm. NA: Des war für_, ja, ja. ||| Ja, des war für, für die Flugzeuge. INT: Das heißt, S-, haben Sie sich gemeldet gehabt für die Armee und s-, haben die Arbeit bekommen, hab ich des richtig verstanden? NA: Nein. Ich bin zur, zur, äh, wie sagt man des, zur recruiting-Büro gegangen, hab mi(ch) dort gemeldet, net? "Ich will für die Armee gehen", haben gesagt: "Wo arbeitest du?" Denn als Ausländer waren wir ja für Arbeit einberufen, hab ich gesagt "Dort und dort". Na ja, und der hat gesagt: "Ja, wirst du hören. (Du wirst von uns hören)." Und da, dann komm ich zur Arbeit, haben sie gesagt (nach Gehör): "Ja, ich hab gehört, du willst a(uch) zur Armee gehen. Na (nein), mir (wir) lassen di(ch) net gehen, weil mir (wir) brauchen di(ch) hier." INT: Hmhm. (--) NA: <zuckt mit den Schultern> Na ja. Dann bin ich noch in die Abendschule gegangen,
um mich weiterzubilden, net? Und des hab ich für Jahre getan und dann in 47 [1947] hab ich a (ein) Stipendium gekriegt, hab dann a (ein) Diplom in engineering gemacht, und dann wie gewöhnlich in Schottland, hat's dann keine Arbeit gegeben, (-) weil Schottland hat immer viel Arbeitslose gehabt, bis sie's Öl gefunden haben. Es hat immer geheißen, dass, von, in Schottland gehen neun von zehn, äh, (-) ausgebildeten Leuten rüber nach England, weil dort ka (keine) Arbeit is. Und so muss, bin auch ich nach England gegangen, hab da eine Arbeit (ge)kriegt bei, was, äh=heute, äh, äh, British=äh, wie heißt des noch, na, die großen Flugzeughersteller dort in England, (unverständlich). Und da hab ich dann am ersten (--)
englischen Jetbomber mitgearbeitet. Und des war schon nach dem Krieg. INT: Wie haben Sie des Kriegsende erlebt? NA: Kriegsende in Glasgow. (-) Na ja, da, da haben mir (wir alle (ge)tanzt auf George('s) Square, und da hab ich, äh, mein erstes Bier getrunken, ganze(s) Pint. <lächelt, INT lacht leise auf> Ja. (---) I(ch) hab meistens in Schottland mit schottische(n) Familien gewohnt, ne, einmal mit einer deutschen Familie, aber nicht lang. Des waren auch deutsche Flüchtlinge. (--) INT: Äh, wenn i(ch) des richtig verstehe, haben Sie eigentlich, sind Sie von der Bevölkerung sehr positiv oder sehr // NA: || Ja. /// haben ||| Sie || gute Erfahrungen gemacht, oder? NA: Ja, ja, ja, ||| schottisch, aber absolutely, ja, ne? Und war immer sehr eng befreundet und, äh, Jud oder nicht Jud, des is_, <lächelt> überhaupt die, die schottischen Juden, die sind ja sehr, also, wie sagt man denn?
Nein, nein, nicht assimiliert, aber sehr schottisch, net? Zum Beispiel der Sohn vom Rabbiner von Edinburgh hat ein Buch über schottischen Whisky geschrieben, ne? Und die Scottish Jewish Lads' Brigade geht immer in ihren Kilts, (-) ne? INT: Haben Sie mit der jüdischen Gemeinde dort Kontakt gehabt dort, || darüber hinaus? NA: Äh, net ||| viel, weil des war so: Wie ich von, von Land gekommen bin, da hab ich 27 Schilling in der Wochen verdient. Und haben's mir noch f-, Gratis Doppel (nach Gehör) und Absatz gemacht. Und wie ich dann sieben Schilling in der Wochen mehr verdient hab, haben's gesagt: "Na (nein), niemand", weil d-, des war genug für mich. Und dann war ich auch sehr eifersüchtig, weil da waren paar Buben dort, (-) die waren, weiß ich, ein Jahr jünger, als wie ich, die haben sie auf die Universität geschickt und alles mögliche. Und ich, ich hab zwölf Stunden im Tag
gearbeit(et) und hab dann noch Abendschule gehabt und weiß i(ch) was. Um mich hat sich niemand gekümmert, (-) net? Die einzige Person, die sich um mich (ge)kümmert hab (hat) war die, diese Mrs. Buchanan, äh, die, deren Mann damals nach London versetzt wurde wegen, wegen dem Krieg und, net, und=äh aber sonst von den Juden dort hab ich nix gehabt. (-) Haben sich nicht geschert, überhaupt war z-, hat's dort v-, verschiedene Refugee, Flüchtlingsorganisationen gegeben, die haben a (ein) Häusel (Häuschen) gehabt in (unverständlich) Street und das war alles von mehr, es, äh, wie's heute is von Kommunisten arrangiert. Das war das "freie Deutschland", "freies Österreich", "frei Tschechoslowakei" und so weiter. Aber ich hab mit dene(n), ich hab net Zeit gehabt, mich drüber zu, drum zu kümmern, und=äh i(ch) bin lieber essen hingangen, net? Aber angehört hab ich denen nie, net? Besonders nachdem
ich nach'n Krieg da a (ein) Plakat geseht hab, gesehen hab: "Kärnten gehört unserem Bruder. Jugoslawien". Weil damals waren die Jugoslawen noch gut mit die, mit den Russen und diese Kommunisten haben des_, net? <winkt ab> Und des hat mir, da hab ich schon genug gehabt. Bin überhaupt nimmer hin(ge)gangen. I(ch) hatt(e) damals=äh mehr schottischen Kontakt, net? Äh, hab a (eine) Freundin gehabt damals, da hab ich tanzen gelernt, und_. INT: Eine schottische || Freundin? // NA: Ja, ||| ja, natürlich. /// Hmhm. NA: Und=äh dann aber, wie gesagt, dann hab ich keine Arbeit gekriegt, da hab ich mein, hat mir mein Onkel, äh, Arbeit verschafft mit English Electric, das is heute Aerospace (---) und so war ich in Preston und in Preston, da hat's dann Leute, ha(b) ich gehört, da waren Leute von Europa, die sann (sind) rübergekommen zum
Arbeiten. Und da waren (eine) Menge Madeln (Mädchen) dort. Und da hat, da is in der Zeitung gestanden, dass sich eine in ner Kirche, in der Nähe von Preston erhängt hat, weil sie so einsam war und so verzweifelt, ne? Und da, äh, hat mei(n) Onkel gesagt: "Na ja, schau, geh mal hin dort, wo sich die treffen." Da bin ich hingegangen, und, und des war so a (ein) Club, die haben sich dort besonders am Wochenende getroffen und, na ja, da war erst a (eine) Ungarin, mit der ha(b) i(ch) an(ge)bandelt hab. <INT lacht leise auf> Und=äh die war a (eine) ganz nette. Die, die Schottin ha(b) ich schon dann vergessen, ne? Und=äh dann a (ein) Chines, mit dem ich zusammengearbeitet hab, hat gesagt: "Ja, da kenn ich a (eine) Österreicherin." Und durch ihn hab ich dann, äh, meine erste Frau kennengelernt. Überhaupt der Chines, der war in Großbritannien zur Ausbildung, und
hat sozusagen gearbeitet am ersten Düsenflugzeug von England, Großbritannien, und der is dann nach Hause gegangen, und wie er in Hongkong war, haben sie sich erinnert: "Jesses, die, der hat ja alle unsere Kriegsgeheimnisse." Da wollten sie ihm aufhalten in Hongkong, er hat uns noch von Hongkong geschrieben, aber dann is er schwarz über die Grenze (ge)gangen. Das nächste, was wir gehört haben, war er Professor für Aeronautics <INT lacht leise auf> in Muchton (nach Gehör), (-) in, was früher Mandschurei war, <lächelt, INT lacht leise auf> (-) ne? Das war der Frank. Und damals waren meine Frau und ich schon verheiratet. (-) INT: Und sie haben dort ihre spätere Frau kennengelernt, in dem || Club, oder_? NA: Die erste ||| Frau. INT: Die erste || Frau? NA: Ja. ||| Mit der, also, die ha-, war früher, (-) die war natürlich während'm Krieg in Österreich, // INT: Also Nichtjüdin, ne? /// Nein, nein nicht Jüdin, und=äh (--) na ja, die, die (-) sogar ihr Vater, (-)
äh, der war früher bei die Sozis, aber dei-, die Mutter hat gesagt: "Ja, gemma (gehen wir) zu die Nazis, da hamma (haben wir) mehr", der war a (ein) Illegaler, und die Russen haben ihm verhaftet und=äh (-) dann haben sie ihn wieder gehen lassen, dann haben sie (ihn) wieder (ge)nommen und=äh anyway, der hat sich aufgehängt. Der hat Angst gehabt, dass sie ihn wegen Hochverrat an, an-, äh, -klagen. Und ihr Bruder, der war während'n Krieg in der Luftwaffe, der war alleweil in Griechenland (-) und dann, leider is der noch raus(ge)kommen mit'n letzten Zug, (--) und da haben sie ihn gleich in die Waffen-SS gesteckt, mit vier Wochen Ausbildung haben sie ihm in die Ardennen-Offensive gesteckt, und da is er nimmer zurück(ge)kommen, (-) ne? (-) Dann ein anderer Cousin von ihr, der is in Stalingrad gewesen,
und=äh (-) der is zu die Russen übergegangen, und der hat dann nach Österreich immer der, die Funkpropaganda gemacht, und nach'n Krieg war er Volkparteiabgeordneter für Niederösterreich. <INT lacht leise auf> Der Karl Störfranzi (nach Gehör), (---) net, || also_. INT: Und Ihre ||| Frau, was hat sie gemacht im Krieg? NA: Die war, zuerst war sie bei der, in einer Fabrik, und dadurch, dass ihr Vater in der Partei war, konnt sie umwech-, also is sie, hat sie umgewechselt zu, zu=äh Donauflottile, des hätt sie eigentlich net dürfen, aber_, ne? Und da war sie bei der Deutschen Kriegsmarine. Aber sie is nie von Österreich weg, da war sie als Schwesterhelferin dort, und da, meistens war sie im Burgenland, (-) und=äh dann nach'm Krieg is sie bis nach Linz und dort war's(ie) von die
Amerikaner interniert, und dann hat sie halt, is sie, haben sie sie freigelassen, die Mutter war in der Russenzone, die Tochter hat a (ein) Gspusi (Verhältnis) gehabt mit an (einem) Russen, und dadurch haben sie viele ihrer Sachen zurückgehabt, weil als Nazis haben sie ihnen ja die ganzen Sachen weggenommen, net? <lächelt, INT lacht leise auf> Und=äh, na ja, (--) äh_. INT: Und was hat Ihre Frau für a (ein) Verhältnis zum Nationalsozialismus gehabt, || nachdem_? NA: Ja, ||| also, sie hat's ja so gesehen, wie das in England war, na, ich kann mich noch gut erinnern, wie sie gesagt hat: "Jesses, die, die haben uns ja ganz deppert machen wollen", ne? Sie hat, n-, ihre zu, zu, also, so die Nazis, (da) war's(sie) dagegen, net? Also, sie hat ja gesehen, was das ge-, äh, gebracht hat. Und=äh gegen den Schuschnigg, und 'n (den) Dollfuß (-) sehr. Und es is eigentlich wegen ihr, dass ich nach'n Krieg net nach Österreich zurück(ge)gangen bin. INT: Sie wollten || zurückgehen? NA: Sie_, ||| i-, ich
schon, i(ch) wollte, i(ch) hamma (habe mir) immer denkt (gedacht), äh, dass ich_, weil ich hab ja gesehen, dass es da nicht schlecht ist, net? Und in England is man immer Ausländer, net? Aber ich, ich wollt ganz gern zurückgehen, net? Aber sie hat gesagt: "Ah, i(ch) will net zu dem Trottelverein. (--) Weil sie war sehr, also, ge-, wegen den Dollfuß, und, und das war auch ihre Feindschaft zur katholischen Kirche, net? Da hat sie mir eine Episode erzählt, da war's, äh, i(ch) hab Ihnen ja gesagt, da, sie dacht, er war krank, und die Deutschen, die Deutschen haben's net behandelt. Da hat's(ie) einmal einen katholischen Priester auf einer Tragbahre getragen, und der war so schwer, und=äh, weiß i(ch), da hat er gesagt: "Äh, ja, ja, na, wie geht es euch?" Ah, und sie hat gesagt: "Wann, wann (wenn) der Herr Priester nur nicht so schwer waret (wäre)." Und dann, dann hat's, hat's(ie)
a (eine) Watschen (Ohrfeige) (ge)krieg(t) von ihm, (-) ne? <beide lachen> (-) Und=äh die war ja schon alleweil gegen diese, diese, (-) ähm, katholischen Kirchen und na ja_. Die Mutter is, is, is dann nachher gläubige Katholikin geworden, net? <INT lacht leise auf> Und hat gesagt, alleweil gesagt, na, sie wird fürs Seelenheil von meiner Mutter beten, net, und so weiter. (-) || Ja. INT: Wann || haben Sie Ihr(e) Frau (ge)troffen? Glei(ch) nach'm Krieg, oder? // NA: || Na ja, /// relativ bald. ||| na (nein), es war ungefähr neunzehn-, 1947 oder achtund-, 48 [1948]. /// Und haben Sie sie bald geheiratet? NA: Na (nein), war a (ein) Jahr dazwischen. INT: Hmhm. NA: Na, i(ch) hab sie im Mai 49 [1949], glaub ich, (ge)troffen. Ja, im Mai 49 [1949]. (-) INT: Und wie haben Sie des Problem gelöst, des sie nicht-üdisch ist und Sie || jüdisch? NA: <zuckt mit den Schultern> Überhaupt ||| ka (kein) Problem da. INT: Ja, sind Sie als, || is sie irgendwie aus_? NA: Sie war ||| genauso, so unbelieving (ungläubig) wie ich,
net? Die hat sich die meiste Zeit (nach Gehör) nix über die, die Religion geschert und i(ch) a(uch) net. (---) <zuckt mit den Schultern> INT: Ja, || haben Sie andere Religionen noch angenommmen, oder_? NA: S-, des is doch ka- (kein), is doch hier ka (kein)_. ||| Na (nein), da war ma(n) net a so. Wir haben im Standesamt geheiratet, und dann hamma (haben wir) gesehen, sie kann vielleicht keine Kinder kriegen, und da hamma (haben wir) denkt (gedacht), es is besser, wir haben dieselbe Religion. Und da war eine Annonce in der Lokalzeitung in Middlesburg (Middlesbrough), dass (sie) wieder die deutsche lutherianische (lutherische) Kirche aufsperren, hamma (haben wir) gesagt: "Ja, dort, schauma dorthin (schauen wir uns das dort einmal an), net? Und der Pfarrer, wie hat er geheißen, Koch, glaub ich, oder so ähnlich, ja, der hat mich dann (ge)tauft und sie hat auch von ihm das Abendmahl empfangen, net? Also, war sie dann protes-, lutherianisch. || Hmhm. INT: Na, ||| warum wollten's unbedingt a (eine) Religion haben, wenn Sie net religiös waren? NA: Na, weil wir, falls ma (wir) Kinder adoptieren hätten wollen, müssen ma (wir) die, äh, dieselbe Religion || haben. // INT: Hmhm. ||| /// Weil die Eng- sann, Engländer sann (sind) ja a bissel (ein bisschen) stur. Dann hamma (haben wir),
samma (sind wir), des, in England haben sie's uns so schwer gemacht, weil wir waren ja fremd, samma (sind wir), net? Und dann hamma, wär ma scho (waren wir schon), waren ma (wir) scho(n) in Nigerien (Nigeria), da hamma (haben) von einer Amerikanerin, sie war schwarze Amerikanerin, und sie war mit an (einem) Juden verheirat(et), (--) und die haben den, den, da hat sie diesen, äh, Bahai angehört. Und die haben uns was gezeigt in der Zeitung über die griechischen Kinder, äh, die, da haben's a (ein) Heim für die, wo-, weil, die waren noch sehr rückständig in Griechenland und wann (wenn) a, äh, a (eine) Frau a lediges (uneheliches) Kind habt, da is des Bruders Ehre, sie abzustechen, um die Familienehre wiederherzustellen und lauter solcher Blödsinn. Und deshalb haben sie Heime für diese Kinder, <korrigiert sich> für diese Frauen aus den zurückgebliebenen Gegend(en) in Griechenland (gehabt). Und das hamma halt dann dem Mann hingeschrieben, und dann hamma (haben wir) von ihm
gehört und haben sie die Personaldaten aufgenommen alles, haben alles erledigt, und da samma (sind wir) halt nach Griechenland gefahren und haben dort meine erste Tochter adoptiert und zwei Jahr(e) später die zweite. Und die zweite, die Karin, die is ja noch hingefahren nach Griechenland, hat sich des angeschaut, da war ich vor kurzem dort, na, und die haben sich sehr gefreut mit die. (4) Nee, aber Probleme wegen dem Politischen hat's sonst bei uns net (ge)geben, nicht? Ich meine, des siecht (sieht) man ja auch, in meine, meine Frau und ihre Familie, die hat ja auch darunter gelitten, net? (-) Des is da i-, i(ch) ha(b) immer gesagt, ja in den afrikanischen Sprichwort: "If elephants fight, it's the grass that suffers." "Wenn Elefanten einander bekämpfen, tut des Gras darunter leiden", net? Und des is_, i(ch) seh da_, ich mein, ich kann die,
kann mi(ch) an die Zustände in 38 [1938] noch gut erinnern, die Hoffnungslosigkeit, net, und wie des war. (--) INT: Ähm, wie is es bei Ihrer Ausbildung weitergegangen. Sie haben ja studiert auch, || ne? Wie, wie, wie_? NA: Ja, i(ch) bin dann ||| war sie sie, äh_. INT: Wie haben Sie des // NA: || Was? /// zustande ||| gebracht || überhaupt, // NA: Was? Ich hab dann_. /// dass Sie studieren ||| können? Sie waren ja ganz alleine dort, || denk ich, ne? NA: Na ja, ich bin die Abendschul(e) (ge)gangen. Und die, die F-, Mrs Buchanan, sie hat mich sehr aufgemuntert dafür, net? Und, na ja, ich hab gearbeit(et) und=äh studiert, und ich hab kaum Freizeit gehabt, weiß i(ch) einmal in, in a (einem) Monat bin i(ch) vielleicht in a (ein) Kino (ge)gangen, und=äh dann hab i(ch) a (ein) Stipendium gekriegt von Glasgow (-) und hab ein Jahr Vollzeit gemacht, fu-, fu-, fulltime studies (Vollzeitstudium), // INT: Und || was /// dann_. ||| haben Sie da studiert? /// Engineering. (-) Ingenieurswesen und dann noch ei(n)mal a (ein) Jahr
fulltime und dann hab ich auch die, die, die Externistenprüfung (Prüfung für Externe) für die Londoner Universität gemacht und hab dadurch das schottische und das englische Qualifikation (erhalten) und dann hab ich noch den Ingenieur bei-, bin noch dem Ingenieurverein beigetreten, nachdem ich genug Erfahrung gehabt hab. Und dann=äh, also nachdem ich geheiratet hab, (-) äh, das erste Jahr hat ja meine Frau in ner Gast-, in ner italienischen Gastwirtschaft in Glasgow als Kellnerin gearbeitet, um bissel mehr Geld zu haben, und dann hab ich eine Stellung in England gekriegt, weil in Schottland war ja nix, und, an der, was heute die Teesside University is, || und i-_. INT: Welche ||| Stellung war des, als, || als Assistent, oder_? NA: Als=äh Vorleser (meint: lecturer, Dozent), ||| ja, ja, ja, so was. // INT: Lektor. /// Ja. Und=äh (-) dann bin ich nach vier Jahren_, da haben wir uns ein Haus gekauft_.
(--) INT: Das war in den, Anfang der fünfziger Jahre, || oder? NA: Ja, ||| Anfang der fünfziger Jahre. Wir waren ein Jahr in Untermiete, dann haben wir uns a (ein) Haus (ge)kauft, und, aber mir (wir) haben uns (ge)dacht, ah, weiß i(ch), da vierzig Jahr(e) aus den Häusel rauszuschauen, das hast du (nach Gehör) a(uch) nix, <INT lacht leise auf> also, hab ich an, eine Annonce beantwortet, die hab ich schon a-, ins Feuer gehaut in so'n Kamin und meine Frau hat's aussigefischt (herausgefischt). Ja, und die, die haben mich dann, das hat lange gedauert, weiß i(ch), acht Monat(e), bis es durchgegangen is, die haben sogar in Wien angefragt über mich. (-) Und da haben sie einen, extra einen Schulinspektor von, von London nach Middlesburg (Middlesbrough) geschickt, (-) um mich zu inspizieren, während ich lehre. (-) Ja, und dann bin ich nach Nigerien gekommen. Also, i(ch), i(ch) bin mit den Schiff gefahren, mei(ne) Frau hat damals mit'n Flugzeug fahren müssen. Und sie is zum selben Tag angekommen, wie die englische Königin. <INT lacht leise auf>
Und=äh also der erste Eindruck von Lagos war, des des net so verschieden is von Österreich. <INT lacht> In der alten Zeit. Wissen Sie, wo's zur Arbeitslosigkeit, wo man bloßfüßige (barfüßig) Leut gesehen hat und=äh wo, also, äh, (-) des E-, Geld fürs Essen Nummer eins war, ne? Und wo's noch strohgedeckte Hütten gab, ne? Ja, also, da war ich in Lagos, des hat uns beiden sehr gut gefallen, || und=äh_. INT: Und was ||| haben Sie in Lagos gemacht? Ebenfalls unterrichtet || an der Universität, oder_? NA: Ja, unterrichtet, ||| aber da war viel mehr praktisch dabei, weil des hat ma(n) alles selber machen müssen, net? Also, wann, wann (wenn) du zum Beispiel sagen mir (wir) a (eine) Pumpen zeigen will(st) musst du es selber installieren und alles selber machen und entwerfen und so weiter und dann der Industrie helfen, net? (-)
Zum Beispiel die, äh, unsere Maschinen zum Material prüfen, net, da hab ich die ganzen Materialprüfungen für die ganze Industrie durchmachen müssen, (-) ne? (-) Und=äh dann hab ich auch so im Erziehungswesen viel (ge)tan, zum Beispiel die ganzen, äh, Gewerbeprüfungen (-) für das ganze La-, für ganz Nigerien, die von Großbritannien geleitet wurden, weil i(ch) war einer der wenigen, die nen Universitätstitel gehabt haben, ne? Da is viel mehr auf mich gefallen. (-) Und dann haben wir uns mit, äh, (-) weiß ich, also, so vielen afrikanischen Freunden und anders Leuten befreundet, (-) da haben_, so unter den Bekannten, da war zum Beispiel ein Nigerianer, der war mit einer Deutschen verheiratet, war schon sei(ne) zweite Ehe, und=äh mit der war mer (waren wir)
bis zum Tod von seiner Frau und ihm f-, gut in Kontakt, und meine Tochter is noch mit dem Kind von denen in Kontakt. Dann=äh gab's noch, also, die verschiedenen (-) Kollegen von mir, (-) ungefähr halb englisch und halb schottisch, (--) von denen hab ich viele im Laufe meiner Karriere noch in anderen Ländern getroffen, (-) und=äh na ja, (-) und dort ha(b) ich auch, dadurch hab ich auch meine zweite Frau getroffen, die Nigerianerin. (-) Das war, nachdem ich das zweite Mal nach Nigerien gekommen bin, weil das erste Mal, ich bin von Nigerien weggegangen, da samma (sind wir) zuerst nach England gegangen, dann nach Australien, aber es hat uns dort nich gefallen. (-) Und=äh dann samma (sind wir) wieder_, des war nämlich so: Da hatt(e) ich ein
Interview, da war noch ein anderer Mann dort, und er wollte unbedingt nach Kenia gehen, und ich wollt nach, äh, Singapur gehen, und die haben gesagt: "Na (nein), du musst dort hingehen, d-, das andere." Und des (da) haben wir beide die Stellung nicht angenommen. Und=äh dann sind wir zusammen nach Australien gegangen. Dort hab ich beim South Australian Institute of Technology gearbeitet, nicht im Haupt=äh, äh, in der Hauptanstalt in=äh Adelaide, sondern ungefähr, äh, weiß i(ch) vierhundert Kilometer entfernt in Whyalla. <Tape 4, Ende>
INT: Das is Band fünf des Interviews mit Herrn Norbert Abeles. Äh, ich möcht nur kurz fragen: Sie haben gesagt, Sie wollten_, äh, Ihnen hat Australien nich gefallen, warum <lacht> nicht? NA: <lächelt> Na ja, die Leute waren so, so rückständig. (-) Also, da haben's zum Beispiel ein Plebiszit gehabt, ob's a, eine Kanalisation haben s-, sollen. Und des, unter der Bedingung, dass die Leute, was (die das) nicht wollen, sich nicht anschließen müssen. (-) Und=äh da, die wussten ja net ei(n)mal, wie man einen soakaway (Sickergrube) baut, was bei uns in Nigerien gang und gäbe war. Und jeden Montag, wann die Frauen gewaschen haben, waren die ganzen Gärten überschwemmt,
und in gewissen L-, Kreisen, sind sogar die Kondome in den, in dem Garten geschwommen. <INT lacht> Und dreckig waren's. Jede Straße hat Hintergasseln gehabt. In den Hintergasseln am ander Seiten (auf der anderen Seite) vom Hof, da waren die, da war der ganze Dreck aufgelagert, alte Matratzen, alte Kinderwageln und so weiter. INT: Von wo sprechen Sie jetzt? NA: Australien. INT: <klingt ungläubig> Von Australien? NA: Ja. // INT: || Aha. /// Und ||| fad war's dort. Ich kann mi(ch) erinnern an an (einen) Nachmittag, da is die Feuerwehr vorbeigefahren. (-) Und nachher hab ich (ge)zählt: Fuchzig (fünfzig) Autos sind deren (denen) nachgefahren. <lächelt> Weil's nichts zu tun geben hat. Und warum, was war des, war ein Fish and Chip(s) Shop (-) hat brennt (gebrannt), (-) net? Nichts war dort. Die haben in der St-_, des war flach, und da war nix zwischen uns und'n Südpol. Und die haben zwei Erhebungen in der Stadt
gehabt. Möcht ma(n) doch glauben, die geben denen a (einen) Namen. Na (nein), des heißt, hat's geheißen Number One Hill, Number Two Hill, <lächelt, INT lacht leise> (-) ne, ja. Grauenhafte Zustände. Und so, so, äh, da hat's Häuser gegeben, die waren aus Wellblech gebaut, (-) möcht man glauben, das sann (sind) zeitweilige Unterkünfte. Na (nein), schon seit 1900. (--) INT: Das heißt, Sie wollten zurück nach Afrika, oder || war des_? NA: Na ja, ||| ja, natürlich, des war doch mehr zivilisiert. (-) <INT lacht leise auf> Des_, dreckig, ich sag Ihnen, (-) des hat uns nicht gefallen, (--) net? (-) Und=äh schauen Sie: Und auch so im Benehmen, net? Sogar bei der Abschiedsfeier, wie ich (ge)gangen bin, (-) war ich die einzige Person, die was Socken angehabt hat. (-) Alle anderen sann (sind) nur in Schlapfen (Schlappen) kummen (gekommen) und so,
ne? (-) Und, ach, es hat uns net gefallen. (-) Und wie, f-, in, in Afrika, da wollten die Leut was bauen und zu was kommen, aber dort <schüttelt den Kopf> (--) n-, nix. Da hatten sie die Schule, anstatt dass die vom Staat is, na (nein), des is alles privat, und da sann's (sind sie), äh, betteln (ge)kommen, da haben sich die Frauen gegenseitig Kuchen verkauft, nur damit sie Geld machen für die Schul. Die Schule, das war ein Areal von, weiß i(ch), ähm, fünfhundert bei (mal) fünfhundert Meter und waren, in der Mitten war a (ein) kleine Hütten, (-) der Leh-, der Hauptlehrer hat net a (ein)mal a (eine) Schreibmaschine gehabt, und diese, in dieser Hütten, da haben die Schü-, waren die Klassenzimmer dort, ne? Und wann (wenn) a (ein) Sandsturm war, konnten die Kinder die, die, die Hütten net finden. Die waren nur im
Areal, aber finden haben sie_, weil da is ka (kein) Gras gewachsen. Und des Gras wächst ja schon, aber man muss (es) bewässern, und des kost(et) Geld, und deshalb haben sie's nicht (ge)tan. Weil, wenn man sich nicht ei(n)mal a (eine) Schreibmaschine für'n Oberlehrer (meint eventuell Direktor) leisten kann, hat man kei(n) Geld für, fürs Gras. Dann der, der, des Wasser: Mir (wir) haben in der Küche drei (-) Hähne gehabt: (-) Des eine war des, (-) des Dreckwasser vom Murray River, des is ein salzhaltiger Fluss, (--) wann, wann a (ein) Tropfen im Glas getrocknet is, hat's immer was hinterlassen. Das war der eine Hahn. Der zweite Hahn war derselbe aufgewärmt, und der dritte Hahn war das sogenannte "Trinkwasser". Dort wär, le-, dort=äh haben wir im Jahr etwa fünfzehn bis zwanzig Zentimeter Regen, (-) und des geht aufs Dach, und vom Dach ha-, da haben's a (eine) Dachrinne,
und des wascht (wäscht) den ganzen Dreck runter, und des geht in einen Tank, unten is des, is der Dreck, dann haben sie's Wasser, und die sann (sind) ja so obergescheit, (-) anstatt, dass (sie) da a (ein) <gestikuliert> Gelsengitter davorgeben, tun's, äh, Paraffin reingießen, damit keine Gelsen (Stechmücken) drin nisten, und da trinkt man das Wasser, das, weiß i(ch) neun Monate alt ist oder noch älter, <gestikuliert> zwischen dem Dreck unten und dem Paraffin oben. Des war der dritte Hahn. <INT lacht leise auf> (-) In der Küche. Na, kei(n) Wunder, d-, die trinken a Bier, net? <lächelt> INT: Gut, Sie sind, sind ja, wenn ich's richtig seh, 1967 wieder nach Kenia, oder nach Afrika zurück. NA: Ja, also dann haben=äh_, ich hab ja Bekannte gehabt im, im Ministerium, net? Und die haben gesagt: Ja, kummt's (kommt) zurück nach Afrika. Also bin ich doch Kenia zurück(ge)gangen, dann, zwar war das in Dezember 66 [1966], (-) da
samma (sind wir) erst mit an (einem) Taxi auf die Regionalbahn gefahren, dann mit der Regionalbahn nach Adelaide, von Adelaide mit dem Schiff, (-) äh, hätt ma (hätten wir) nach, äh, na-, nach Ceylon (Sri Lanka), (-) Colombia (Colombo), und dort in Ceylon, da haben die gesagt, man soll mit der Bahn nach Indien fahren. Aber diese Brücke, die wurde vor zwei Jahren (zwei Jahre zuvor) zerstört durch an (einen) Sturm, und so haben ma (wir), haben ma (wir) nach Madras (früherer Name der südindischen Stadt Chennai) geflogen. Dann in Madras samma (sind wir) mit'm Zug nach Bombay gefahren, (--) und die haben natürlich alle (ge)glaubt, mir sann (wir sind) Inder, und dort, in Indien is es üblich, wenn Sie auf'n Zug fahren, dass, da tun's voraustelefonieren, dann am nächsten Haltestell(e) (Bahnhof) kommt das Essen vom Bahnsteig hin, ne? Und in jeder Station überhaupt da steigt einer rein und der tut den
Boden aufputzen, (-) und dahinter steht ein <verschränkt die Arme, ahmt den Sikh nach, lächelt> Sikh, und der schaut, dass der das richtig macht, ne? <lächelt> Also, kurz und gut: Die haben uns des Essen (ge)geben, indisches Essen, und=äh keine Messer und Gabeln, also, mir (wir) haben's geschafft, <lächelt> aber unsere Kinder net, <INT lacht leise auf> überall, ne? Dann in Bombay, des war ja auch so a (ein) Krampf, weil dort, da sann so viel Bettler, und die legen sich hin, und tun einem die, die, die F-, auf die Füße küssen, net? Damit, damit man ihnen Geld gibt. Also, ich seh das a gar keinen Grund zum Geld geben, net? Furchtbare Zustände. Äh, in Madras überhaupt, da samma (sind wir) spazieren (ge)gangen in den Zoo. Die Viecher waren halb verhungert, aber des waren Käfige, stark gebaut von die Engländer, und=äh die Leut, die g-, Viecher haben viel besser gelebt als wie die Inder, aber dann samma (sind wir)
raus(ge)komme(n), und dann hab ich nimmer gewusst, wo ma sann (wir sind), (-) haben ma (wir) a (ein) Taxi genommen, haben den Namen vom Hotel vergessen <INT lacht leise auf> <deutet zur Seite> den Koffer hab ich mitgehabt, und=äh is er mit den (nach Gehör) ganzen Hotels rumgefahren, dann hamma's (haben wir's) schließlich erwischt, hat er gesagt: "Ja, warum hast du's nicht gleich gesagt, dass das gleich beim Puff is?" <lächelt, INT lacht leise auf> (--) Ne? <lacht> INT: Was haben Sie in Kenia gemacht? Wieder unterrichtet, || oder_? NA: Ja, ||| da war ich dann Head of the Engineering Section in der Polytechnic (Fachhochschule). Und dann nach, weil dann, weiß i(ch), sechs Monat(en), wurde ich Prinzipal (Principal, Direktor), ne? Und=äh na ja, des, da war dieser Zwischenfall, von dem ich erzählt hab, wo dieser Eg-, wo der Deutsche, äh, äh, Raketenforscher aus Ägypten_. INT: Können Sie des noch ei(n)mal erzählen? NA: Ähm, ja. Der, äh, wollte eine Stelle haben,
net? Und=äh also, das hab ich an nen Freund von mir weitergegeben, der, äh, mit den Israelis verbunden war. (-) INT: Und des war a (ein) Nazi, a (ein) ehemaliger? NA: Wahrscheinlich a (ein) // INT: Hmhm. /// ehemaliger Nazi, weil sonst wär der nicht dort gewesen, ne? (-) Und=äh na ja, äh, dort war ich Prinzipal, und dann, nach, im Folgejahr 68er Jahr [1968], da war in Mombasa (-) bissel Aufstand unter den Studenten, (-) in der, in dem Technical Institute. (-) Da haben sie sogar die kenianische Navy (Marine) rausgerufen, um Ordnung zu schaffen, und ich ha-, war damals gerade in Local Leave (nach Gehör) in der Nähe von Mombasa, und da haben's mich, das Ministerium beauftragt, die Stelle vom Prinzipal dort zu übernehmen. Und des_, der Prinzipal dort, war a (ein)
Engländer, aber ka (kein) richtiger, denn er durfte nicht nach England einreisen. (-) Denn seit zwei Generationen hat sowohl er als auch seine Frau, die er damals, äh s-, sowohl er als auch seine Frau, keine in England geborene(n) Ahnen gehabt. <INT lacht leise auf> Also, wurd er von'n Engländern als, als Inder betrachtet. (--) Und=äh der hat an des Ministerium geschrieben, dass, äh, er abgesägt wurde und d-, die Stelle wurde von einem Kenianer übernommen. Na, well, hab ich ihm, hamma (haben wir) geschaut, dass er schreibt, dass er, dass ich ka (kein) Niger-, ka (kein)_, <korrigiert sich> von am (einem) Kenianer übernommen, hab ich gesch-, hab ich schreiben sollen, dass er schreibt, dass ich englisch war und kein Kenianer, weil sonst hätt das meine Staatsbürgerschaft beeinträchtigt. Ja, also, dort war's sehr schön, aber er hatte so viel Inder
angestellt, und k-, äh, Afrikaner waren nur in subordinate positions (untergeordneten Positionen), (-) also subordinate, die_. Wir haben dort_, und, also, ich hab damit nich gehalten (hab das nicht beibehalten) und hab=äh den, die kenianischen Bestimmungen, (-) äh, a-, also, in Wirklichkeit umgesetzt, und nachher die, fast die ganzen Inder sann (sind) ja weg, weil die haben für (die) britische Staatsbürgerschaft optiert, und ich hab dann, äh, viele afrikanische einge-, Leute eingestellt. Da hab ich sogar einen, ich kann mich erinnern, ich hab einen guten Tischler aus dem, äh, aus der Justiz gekapert. <INT lacht leise auf> Ne? <lächelt> Ich hab ihn, äh, bisschen angetrunken (betrunken gemacht), und dann hat er gesagt, ja, er kommt zu mir, (-) ne? (-) Das=äh, ähm, äh, ich hab überhaupt=äh mit den
den Gefangenen viel zu tun gehabt, weil ich war Gefängnisbesucher. Des war so, is mit dem Job mitgegangen (gehörte zu dem Job dazu). || Ich konnte_. INT: Was heißt des? ||| NA: Gefängnisbesucher. Ich konnte an, in jedes kenianische Gefängnis zu jeder Zeit gehen und, ähm, mir die Bedingungen der Gefangenen anschauschen, <korrigiert sich> anschauen und dann direkt einen Beri-, Ge-, Bericht an die Kenyatta [Joma Kenyatta, erster Ministerpräsident Kenias, dann Staatspräsident] schicken. (--) Und ich hab mich dann auf die Jugendlichen spezialisiert und hab geschaut, dass die bissel an (einen) Unterricht kriegen und so weiter. Und da hat_, da sind auch manche von denen sogar noch zu mir ins, in die technische Hochschule gegangen, denn ich hab dann_, meine Aufgabe war dann, diese, de-, das von dem Technical Institute in ein, die Kenias zweite Polytechnic (Fachhochschule) umzuwandeln, ne? Das hab ich auch getan.
(--) Dann von=äh Kenia (-) dort hab ich wieder, überhaupt in Kenia hab ich dann wieder einen Freund getroffen von Nigerien, (-) der war bei der U-, äh, (-) Unesco, (--) und dann durch ihn hab ich von ner Stellung erfahren, na, dann bin ich halt zur Unesco gegangen, (--) und die haben mich prompt nach Lagos zurückgeschickt, (--) und dort hab ich im Laboratorium von, (-) äh, mechanical engineering, also, des is so Maschinenbau, gearbeitet und, äh, um das Laboratorium fertigzustellen, und in der Zeit, hab ich die Schüler in die Laboratorien von der, von der Polytechnic, äh, a-, geschickt, und dort
ausgebildet, äh, und ich hab ja das Laboratorium in der Polytechnic selber entworfen und selber eingerichtet. Etwa, äh, fünf, sechs Jahr(e) davor. (---) INT: In der Zeit is, glaub ich, auch Ihr(e) Frau gestorben, oder? || Wie Sie_? NA: Na (nein), ||| meine Frau in ner_, n-, ja, d-, also, nein, nein, das war in Lagos, und dann hab ich das zweite, die zweite Arbeit von der Unesco dort gekriegt. Das war um die, äh, Laborgeräte in den Mittelschulen in Nigerien in Stand zu halten. Des is a (eine) sehr schwierige Aufgabe, weil Nigerien is groß. (-) Und=äh da gibt's viel zu tun. (-) Und=äh dieser Kontrakt (Vertrag) war für drei Jahre, (-) und gegen Ende des Kontrakts, äh, is dann meine Frau gestorben. Also, sie, ich hab sie dann_, sie
is zuerst in_, wir haben uns dann im Urlaub wollten wir uns in England eine Wohnung besorgen, und das hat nich geklappt, also is sie länger geblieben und hat dann die Wohnung gekauft, und dann im nächsten Jahr oder übernächsten Jahr wollten wir eben in die Wohnung ziehen. Und=äh unsere Kinder waren derweil noch in der Schule in (unverständlich). Also, in Sch-, sie waren die einzigen Europäerinnen dort, net? Und=äh da is meine Frau vorgefahren, um alles herzurichten, und=äh die ist dann dort=äh gestorben an irgendeiner Infektionskrankheit. Zuerst haben die (ge)glaubt, das is Lassa Fever (Lassa-Fieber), weil Lassa Fever, das is eine tropische Krankheit, die damals sehr virulent war, und=äh_, (-) aber dann haben sie geglaubt, das war a (eine) Gehirnhautentzündung und
schließlich haben sie sie seziert und haben herausgefunden, dass das a (ein) Lungenvirus war, (-) ne? Also, ich hab dann durch meine afrikanischen Freunde haben mir dort sehr geholfen, und=äh, (-) äh, ich bin_, ich hab sie_, also, sie war schon tot, wie ich, wie ich sie_. Also, z-, zuerst hat sie noch geatmet, dann war sie halt schon tot, wie ich das zweite Mal ins Spital (ge)komme(n) bin. INT: Das heißt, Sie haben eigentlich vorgehabt, nach England zurückzugehen, hab i(ch) des richtig || verstanden? NA: Nein, nein, ||| // INT: || Nicht. /// nur, ||| nur derweil. // INT: Hmhm. /// Bis ich'n neuen Job krieg. (-) I(ch) hab damals, war ich da ac-, actually, ich war ja, des war ja so: Also ich hab von_, d-, gehört, dass sie krank is, während ich im Ministerium in Lagos war, wo ein alter Staatssekretär, äh, den ich kannte, N-, Nigerianer, äh, n-, mich be-, bewegen wollte, eine Stellung, äh, in der
wie sagt man das, in der Provinz von Lagos zu übernehmen wohl. Und dann auch die, äh, in der (-) technischen Ho-, in ner anderen technischen Hochschule in Nigerien, ne? Und d-, die, ich hab w-, einige Angebote gehabt. Na ja, also dann is mei(ne) Frau gestorben, (-) und=äh die Kinder haben nix gewusst davon. (--) Außer die Kleine, die hat nämlich a bissel Yoruba verstanden und die hat so was geahnt, die muss was aufgeschnappt haben. Und=äh ich hab damals schon eben diese Wohnung gehabt, wo ich mit, die ich nie mit meiner Frau geteilt hab. Überhaupt, äh, wir hatten auch uns ein Haus bauen lassen in Nairobi, (-) und=äh dort haben wir_, und dort das Haus war scho(n) fertig, und, aber wir haben dort nie geschlafen, weil, gerad wie's Haus fertig war, worden war, haben sie mich nach Mombasa
transferiert. (--) Also war ich dort mit die Kinder, und dann hamma (haben wir), dann sann ma (sind wir) nach Österreich gefahren zu der <überlegt> Tochter, zu, zu, zu dem Patenkind von meiner Frau. Von meiner ersten Frau. (-) Weil, die war in Linz, und d-, sie, meine Mutter und die Mutter von der waren natürlich eng befreundet. War(en) ma (wir) dort, dort hat sich mein, hat sich die, äh, ältere Tochter'n Fuß gebrochen beim Radelfahren, und das hat sich auch geistig und Mu-, die Mutter, das hat sich alles niedergeschlagen. Also gut, sie war schon früher nicht sehr brillant, aber das is zu_, (hat) alles ärger gemacht. Dann s-, bin ich nach England zurück, die Susan is dann aus'm Spital nachgekommen, (-) die Karin is mit mir gefahren, und dann hab ich eine Stelle bei (-) Dunlop übernommen. (-) Hab denen
das ganze Ausbildungswesen in Nigerien, äh, so auf gleich gebracht (vereinheitlicht?). Und während ich dort war, (-) durch einen früheren Schüler, der dann mein Kollege wurde, da hab ich mei(ne) zweite Frau kennengelernt. Und überhaupt hat sie meine erste Frau auch gen-, getroffen. Denn bevor s-, meine Frau gestorben is, da war(en) ma (wir) bei an, an (einem) Namensgebenfest von diesem Freund von mir, und dort war sie auch, (-) net? Also, da haben sie sich getroffen, aber sie wussten natürlich nix voneinander, und ich hab mit der nie a (ein) Gspusi (Verhältnis) gehabt. Und nach und nach (nach Gehör) haben mir (wir)_, äh, zuerst, also, da (unverständlich) nur so gelegentlich besucht, und schließlich is sie bei mir eingezogen mit ihre, ihren zwei Kindern, (-) na (nein), drei Kinder(n), ne? A (ein)
Bub und=äh_, (-) Mann, also, sie hat an (einen) Mann gehabt, aber net mit ihm gelebt. (--) Und=äh dann, wenn (als) der Kontrakt mit Dunlop aus war, hab ich dann scho(n) a (eine) Stelle gehabt mit (bei der) International Labour Organization in Malawi. Und=äh sie is mit mir nach England kummen (gekommen), und=äh (-) dann bin ich nach Malawi, sie is zurück nach Mala-, nach Nigerien, dann war ich in Malawi. Na ja, und dort hab ich halt a (ein) bissel rumgeschaut und hab=äh meine_, ja, meine Aufgabe dort war, eine berufsbildende Anstalt zu bauen für Leute, die a (ein) eigenes Geschäft haben wollen. Na ja, und=äh (-) ich war halt dort und meine, also die, mei(ne) zweite Frau kam
gelegentlich hin und her. Dort hätt ich beinah a (eine) Österreicherin geheiratet, (-) des war die, die Schwester von an (einem) UN-Beamten. (-) <lächelt> Und, aber mir haben uns des da_, also, zuerst wollt i(ch) net, weil, i(ch) weiß net, äh, (-) <schüttelt den Kopf> des is, die war nix, ne? Also, i(ch) hab lieber mit die Nigerianerin_, hab lieber die Nigerianerin gehabt, und=äh, (--) na, mir haben geheirat(et), und dann 95 [1995] is sie nach England gegangen, is mit mir auf Urlaub (ge)gangen, mit die Kinder, und=äh dann hab ich die, eine andere Stellung in Malawi gehabt, also in der technischen Hochschule, samma (sind wir) wieder zurückgefahren nach Malawi. Und=äh, na ja, also, äh, (-) dann is flöten (ge)gangen, net? Die Ehe.
Sie hat, also, sie is viel herumge-, -gegondelt, net? Und=äh, also, ich auch und sie is flöten (ge)gangen, net? Ähm, 86 [1986], des war im August 86, da bin ich zurück nach Österreich, weil dis, äh, ich hab Angst gehabt, dass sie da, weiß ich, irgendwelche Angaben bei der Polizei macht, die auf an (einem) Schmäh beruhen, und des, des is schon vorgekommen. Und 87 [1987] bin ich, ja, des war 86, 87 bin ich wieder zurück. Und dazwischen hab ich auch diese Österreicherin wieder getroffen, haben beide gesagt: "Ah, des heißt nix." Und sie war auch da in der Wohnung. Ja, da war auch eine Bekannte von mir, (-) die Witwe nach (von) einem Kollegen von mir, er war Engländer, sie war Nigerianerin, aber die hat, die war zu sehr auf ihre Kinder (fixiert) und nachher hat sie gesagt, sie hätte ja doch
wollen, aber i(ch) wollt net, die, zu, zu, die war schon zu englisch, die wollt nicht in Übersee leben, ne? Na ja, also, kurz und gut, ich bin nach Malawi zurück, wie ich auf der Straße war, hat mich gleich ein Inder gebeten, ich soll ihm helfen, äh, a (ein) Radio zu bauen, weil er hat das ganze Material, aber weiß net, wie man des tut. Na ja, hab ich halt für ihm gearbeit(et), und haben da hamma (haben wir) a (ein) Radio produziert und=äh (-) da, aber der hat net gescheit (ge)zahlt, und ich hab da a (eine) kleine Wohnung gehabt. Und=äh (-) da hab i(ch) mei(ne) Frau kennengelernt, also, sie, sie is zu mir (ge)kommen als a (ein) Dienstmädchen, (--) net, und na ja, und nachher hab ich noch bei einer Baufirma gearbeitet, die was Freunden von mir gehört haben, und dann im=äh (--) Jänner
93 [1993] hab ich a (eine) Annonce ge-, geantwortet, das war von der Baptistengemeinde, die a (ein) Haus zu verkaufen haben in Nkhotakota, das war etwa mit=äh, weiß i(ch), dreiviertel Acres, bissel mehr. Und=äh ha-, das Haus hab i(ch) mir (ge)kauft, da samma (sind wir) nach Nkhotakota gezogen. Dazwischen hab ich noch einen Österreicher kennengelernt (-) in Lilongwe, der hat für a (eine) deutsche Firma gearbeit(et), und der, der hat die deutschen Firmen nicht gemagt (gemocht), weil die haben alle sei(n) Deutsch korrigiert und ihn net gescheit behandelt. Er war a (ein) Ingenieur, hat a (eine) chinesische Frau gehabt, weil er war in Australien und dann in (den) Philippinen, und der hat mir s-, viel Möbeln billig verkauft, weil er hat gesagt, er is kei(n) Möbelverkäufer, er is a (ein) Ingenieur und dann, so, hat er so alles_. Und das sann dann unsere Möbel in Nkhotakota, sind solche
Ikea-Möbel. Und=äh da samma (sind wir) nach, äh, dorthin gezogen, und=äh a sehr, liebes, eine Kleinstadt, <zuckt mit den Schultern> eine Stadt, also hier würde es keine Stadt sein. Und meine Frau, (-) die konnte zuerst nicht Englisch, aber sie hat's gelernt, also wir ka-, hatten nicht viel(e) Verständigungsmöglichkeiten, aber es is ja doch gegangen. Ich hab sehr, i(ch) leb ja alleweil, wenn i(ch) allein (bin) (nach Gehör), ich bin sehr armselig, also meinem Haus in Lilongwe, da hab ich zwei Sesseln gehabt und einen Tisch aus Brettern und=äh (-) auf der Wand keine Bilder oder was. An (einen) Vorhang, also, einen gewöhnlichen Leintuch oder was. Weil, was brauch ich, net? Ich hab zwei Teller, zwei Häferl (Tassen) gehabt, das is alles, was ich brauchte, braucht man nie viel Geschirr waschen. <INT lacht leise auf> Ne? Und meine Frau, die hat des, der hat des net (ge)passt, also, obwohl wir
damals noch net verheiratet waren, net gewusst haben, des ma (wir) heirat(en). Hat sogar ihre Mutter gebeten, dass sie mir einen kleinen Stuhl bringt <winkt ab> und weiß ich was alles. Und äh, äh, kurz und gut: Ich hab natürlich mir erst ihre Familie angeschaut, (-) und des sann sehr solide Leut, (-) arm, (unverständlich), da, da gibt, die haben kein elektrisches (Licht), die haben, hatten damals kein Wasser, nix. Und die leben von dem, was sie anbauen, aber der Vater, der is auch a (ein) Spezialist für Radio, <korrigiert sich> net Radio, für Fahrräder, und der tut Fahrräder wieder bauen und so weiter. Und, also hab ich mich entschlossen, noch mal (zu) heiraten und dann kurz darauf hab ich zwei Kinder adoptiert, sind liebe Menscherl, und=äh na ja, da leben mer (wir) halt dort, ich kann kaum Chichewa, also grad, dass ich mich verständigen kann a bissel,
aber ich wünschte, ich wär mehr perfekt darin. Wir stehen g-, mit der Bevölkerung auf sehr gutem Fuß, und da haben wir die sogenannte local authority, das is der Senior Chief, und dann der lokale Chief, die sind alle Muslims (Moslems) und der Ratgeber auch und die gehen bei uns ein und aus. (-) Und=äh der, äh, der Chief, der hat uns jetzt an (einen) Grund (ein Grundstück) gegeben auf der Hauptstraßen, vis-à-vis vom Islamic Center, nu werden wir da a (ein) Geschäft hinstellen. Dann hamma (haben wir) noch a (eine) Farm, etwa, äh, 43 Kilometer südlich von uns. Und da sind, äh, ungefähr (-) achtzehn Hektar oder so. Und tama (tun wir) an (einen) meistens an, äh, Tabak anbauen, aber net viel. Hauptsache is, ma(n) hat a bissel a Holz und Steine
und dann, äh, ich möcht gern Ziegen aussetzen dort. Früher hab i(ch), ähm, Mais anzubauen, des zahlt sich nicht aus, weil das, äh, kost(et) genauso viel in Bewachen wegen den, wegen den Affen. Weil sonst essen die den Mais, ne? Aber meine Frau hat=äh, hat sich noch'n Grund verschafft, und da tun wir unseren Mais anbauen, na, jedes Jahr etwa, weiß i(ch) so a (eine) Tonne Mais, des genügt. Und dann auch noch einen Platz, wo ma (wir) den Reis anbauen können, net? Und dann tut meine Frau handeln mit alten Kleidern und dann noch Fisis (nach Gehör), das ist so eine plastische Röhre, die tut sie frieren im Deep Freeze (Tiefkühler), und das wird dann verkauft, da is ungefähr a (ein) hundertprozentiger Gewinn dran. Und da, da hamma, hamma (haben wir) fünf Leut angestellt, des zu verkaufen, es gibt natürlich || viel Konk-_. INT: Wozu braucht ||| man des? NA: Zum Essen, ||
Schlecken, // INT: Hmhm. ||| /// Eis-Schlecker. // INT: Hmhm. /// Nur da, gibt (es) natürlich viel Konkurrenz, aber wir haben viel, äh, Gefriermöglichkeiten, also tan (tun) mir (wir) die anderen alleweil <lächelt> äh, schlagen in der Hinsicht. <Tape 5, Ende>
INT: Dies ist Band sechs des Interviews mit Herrn Norbert Abeles. Äh, eine Frage hab ich noch zur Religion: Sie haben die Religion noch ei(n)mal gewechselt. Also, Sie sind ja heute nicht mehr lutheranisch, sondern || Presbyterianer, oder? NA: Nu, des, des, des ||| is=äh da, da hängt net viel, des is net_, || des macht nichts aus. INT: Ich wollt nur fragen: Wie is es dazu ||| gekommen? NA: Erstens ei(n)mal_, ja des is ja so: Weil die Hauptkirchen in Malawi is CCAP, das heißt ungefähr Vereinigung der Presbyterianer von Zentralafrika. Aber des wirklich eine Nachfolgekirche von der Scottish Presbyterian Church, die durch, äh, Livingstone und anderen Leuten, äh, die Chri-, äh, Christentum nach Malawi gebracht hat. Es gibt natürlich auch die Katholiken und Anglikaner. Aber meine Frau gehört zu denen
und so auch ihre Familie und die meisten Leute dort. Na ja, und die sann (sind) nebenan bei uns, und i(ch) meine, des Ganze, so viel ich weiß, is der Unterschied, dass die sagen, dass bei dem heiligen Abendmahl, äh, tut sie des, is des Brot, das bleibt a (ein) Brot, und der Wein bleibt a (ein) Wein, während die Lutherianer (Lutheraner) sagen, des verändert sich, aber schaut nur so aus. Also, <INT lacht leise auf> i(ch) lass mir darüber keine grauen Haar(e). <lächelt> wachsen. INT: Na, i(ch) wollt nur fragen, wie, wie's dazu (ge)kommen is. || Äh_. NA: Na ja_, v-, ||| die, die, die Hauptsache is ja, dort die Kirche hat ganz, is ja was ganz anderes als wie hierzulande. Ich mein, die Leute dort, die sind "detribalised", das heißt, die Stammesdisziplin, die Stammes-, äh, s-, Stammeswesen is flöten (ge)gangen. Deshalb haben die Leute jetzt nix außer das sogenannte "moderne Leben". (--) Die, die s-, haben ja nicht so die
Disziplin von den Muslims (Moslems). Die Leut, die saufen sich an, die nehmen ihren, äh, Dagga, des is des lokale Haschisch, das ja dort sehr (viel) angebaut wird und exportiert wird, net, und vor allem, die schauen net auf ihre Leut, auf ihre Kinder und so weiter. Ich meine, des is nichts Außergewöhnliches, wann (wenn) a (ein) Mann, der, weiß ich, fuffzehn Jahr mit einer Frau verheiratet is und ihr fünfzehn Kinder angehängt hat, von denen vielleicht noch acht leben, dass er auf einmal sagt: "Na, geh, schleich dich, i(ch) nehm a Jüngere, ne?" Und das, das, deshalb braucht man eben einen anderen Einfluss wie, wie die Kirche, net? Und auch die jungen Leute, anstatt dass, äh, saufen und, und=äh weiß i(ch) was tun, da, is überraschend, wie, wieviel Zeit die zum Beispiel drauf verwenden nen
gescheiten Chor zusammenzubringen. Und das, das find ich, is gut. INT: Äh, jetzt hätt ich a (eine) Frage: Sie sind ja nach dem Krieg auch nach Österreich zurückgekommen, haben auch überlegt hierher v-_, Sie haben ja gesagt, Sie, Sie haben überlegt nach Österreich zurückzugehen. // NA: Ja. /// (--) Ihre Frau war a (ein) Hinderungsgrund, wenn ich's richtig || verstanden hab, // NA: Ja. ||| Die wollte nicht. // NA: Sie wollte nicht. /// Wenn Sie's jetzt aber sozusagen Revue passieren lassen: Sie sind in Afrika gelandet, und ich, wenn ich's richtig versteh, gefällt's Ihnen dort sehr gut. // NA: || Ja, es is_. /// Aber wenn Sie, ||| wenn Sie jetzt_, wir sind jetzt hier in Österreich, äh, wie sehen Sie das, wenn Sie sozusagen die Alternative für sich sehen: Ich wär nach Österreich zurückgegangen? NA: Ja, wenn ich, äh, nach Österreich zurückgegangen waret (wäre), dann hätt ich ja, dann würd ich ja nicht wissen, wie's ja in Afrika is. Dann wüsst ich die ganzen Vorteile nicht davon, net? INT: Wenn Sie's jetzt vergleichen: Was || würden Sie sagen, // NA: Net, ihr_. ||| was is der Vorteil hier und dort, || also, warum sind sie so gerne in Afrika? NA: Na ja, schauen Sie: Hier ||| haben Sie a (ein) ganz anderes
Leben, das können Sie ja nicht vergleichen, ne? Erstens mal hier, jeder is so stressed, schnell, schnell, schnell. Ich hab da v-, erst gestern oder vorgestern hab i(ch) mit an (einem) drüber geredet, ha(b) i(ch) gesagt: "Mir kommt's so vor, als (ob) in Österreich muss ein jeder die ganze Zeit aufs Klo. Schnell, schnell, schnell, ne?" Aber des kann ma ja net vergleichen, also, die ganzen Sachen, die Sie da im Haus haben, Elektrisches und, und rei-, fließendes Wasser und=äh so, so schöne Kästen <deutet auf den Computer> und die, die, dieses Werkel da, die Computers und, und so weiter. Na ja, i(ch) mein, wenn man das Ganze nicht hat, vermisst man's net, (-) ne? (---) Und so is, so seh ich das. Also, man, man kann des nicht vergleichen, ne? Sie können nicht sagen: "Das ist besser als das andere." Weil, wenn Sie net wissen, wie des andere is_. (--)
(-) INT: Warum sind Sie so gern in Afrika, weil sie || des nicht // NA: Na ja_. ||| /// haben, oder_? NA: Nein, sondern weil's mir dort gut geht. Schauen'S: I(ch) kann auf die Straße gehen (nach Gehör) mit an (einem) reden, ich brauch, i-, da gibt's ka (keinen) Stress net, wenn's net heut is, is morgen, ne? Es_, und ma(n) hat kan (keinen) Winter, net? Das is wichtig. Und=äh außerdem, (-) auf Englisch gibt's das Sprichwort: "Es is besser, ein großer Fisch in einem kleinen See zu sehen, sein, als ein, als ein kleiner Fisch in einem großen See", (-) ne? (-) Das Leben is sorglos, und außerdem geht's mir finanziell viel besser. (--) Weil, schauen Sie: Ich zahl meinen Leuten gut und pass auf sie auf (kümmere mich um sie), aber trotzdem, mir (wir) haben zehn Angestellte im Haus, und für die zahl ich
im Monat etwa 1700 Schilling. (-) Monatslohn, (4) net? Und viele von denen arbeiten auch an ein(em) Sonntag. Da hamma (haben wir) <zählt an den Fingern ab> a Koch, dann hamma a Frau zum Wäsch(e) waschen, dann zwei Gärtner, zwei Nachtwächter, dann, äh, an (einen) Maurer und seinen Gehilfen und dann hamma (haben wir) noch=äh Fisis-Verkäufer und=äh dann weiß i(ch) was alles. Ja, an (einen) Schneider, an (einen) Schneider hamma auch noch. Des is a so: Der arbeit(et) für uns in der Früh, mir leichen (leihen) ihm die Nähmaschin(e), und er arbeit(et) für die anderen Leut am Nachmittag. (--) Ne? So (-) s'geht, ne?
(-) Und=äh ich meine, des is, man kann des vergleichen. Gut, wir haben keine, keine, äh, Oper oder so was. Und gestern war mei(ne) Frau zum ersten Mal in der, hat sie zum ersten Mal eine Operette gesehen. (-) Na, a (eine) Oper hat sie a(uch) net gesehen. Und sie war so entzückt davon. Gut, des, des hat man eben nicht, ne? (-) INT: Und das geht Ihnen nicht ab, oder? NA: I(ch) hab's a (ein) Leben lang net gehabt. <INT lacht leise auf> (-) Ne? Und finanziell, wie gesagt, geht's uns dort viel besser, ne? Und man kann Sachen machen, net? Also, da braucht ma-_, mir bauen a (ein) Geschäft, net? Oder wir wollen mal a (eine) Gartenwand bauen. Oder, oder ich hab an (einen) Tiefbrunnen bei angelegt, ne? (-) (unverständlich) wir haben a hundertzwanzig Hähndeln (Hühner), verkauft ma(n) die Eier. Und die Hähndeln, wenn (die) net mehr so gut sind. Und dann hamma
E-, fünfzig Enten umeinander, kosten uns nix. Brauch(t) man nur essen und verkaufen, <korrigiert sich> oder verkaufen. INT: Sie haben ja mit Ihrer jetzigen Frau auch Kinder adoptiert, oder hab i(ch) des, || des sind_? NA: Ja, das sann (sind) ||| || die ihrigen Kinder, // INT: Des sind, sind ihre ||| Kinder. /// die aus der ersten Ehe. Ihr Mann is bei ein(em) Autounfall ums Leben gekommen. (--) INT: Is des eigentlich für die, sozusagen für die, (-) äh, Kinder aus der ersten Ehe, die Sie adoptiert haben, aus Griechenland, oder auch für die || Kinder, // NA: Ah, die_. ||| /// äh, für Ihre jetzig adoptierten Kinder, wissen die eigentlich, wo Sie herkommen? Sagt ihnen_, wissen die zum Beispiel, von (--) davon, ja, dass Sie vertrieben worden sind, dass Sie Ihre || Mutter verloren haben? NA: Na, ich versuch_, ||| ja, ja, das, äh, versuch ich denen beizubringen. Aber wissen Sie, die Engländer haben sehr drauf aufgepasst, dass über diese ganze Angelegenheit in Afrika nix bekannt wird. Weil genauso wie Sie an (einen) jeden Neger als den Bruder von
an (einem) anderen Neger empfinden, tun das natürlich die Neger auch. Die denken, a Weiße (ein Weißer) is wie a (ein) andere(r Weißer). (-) Ne? Und die Engländer wollten eben nicht, dass die wissen, was die Deutschen gemacht haben, weil sie, sonst sagen sie: "Ja, schau, was denen, denen ihre Brüder getan haben", net? Und des, die ganzen Vorkommnisse sann (sind) dort praktisch unbekannt. (--) INT: Und wie, wie halten Sie es? (-) Wie machen Sie das? Erzählen Sie's || Ihren Kindern? NA: Ja, i(ch) probier ||| den Leuten zu erzählen, was da vorgefallen is. Wenn i(ch) Bilder hab, zeig ich sie Ihnen. (5) Ja. (--) INT: Is des eigentlich für Sie, also, wenn man das jetzt Revue passieren lässt, i(ch) denk mal, (-) sozusagen der, der entscheidende oder das, wahrscheinlich des Schlimmste, was Sie erlebt haben, is, des Sie die Mutter zurücklassen mussten und sie umgekommen is. (-) Äh, is,
is des was, was Sie oft noch beschäftigt, woran Sie || oft denken, oder_? NA: N-, nein, ||| i(ch), ich hab, schauen Sie: I(ch) hab des erlebt mit mein(em) Vater, net? Komm i(ch) von, von zurück, und der is net da, net? Und dann des mit der Mutter, net? Und wo man jahrelang net weiß, was davor geschehen is, ne? Da gewöhnt man sich an sowas, tut einen nix schockieren. Zum Beispiel wie, wie i(ch) wegrennt (weggerannt) bin von, von dem Haus in (nach Gehör) mit meiner zweiten Frau, alles las-, liegen und stehen gelassen, net? Und überhaupt net schockiert. (--) I(ch) bin ziemlich in-, unshockable, ne? (---) Na, alles verlieren, des man schließlich, was ma(n) hat, hat man im Hirn, (--) ne? I(ch) hab ja Glück, dass ich finanziell abgesichert bin. (---) INT: Ähm, i(ch) mein, trotzdem, wenn man diese
Erfahrung, die Sie gemacht haben oder überhaupt der Holocaust, diese, dieser Mord, dieser Genozid, äh, gibt's was? Also, gibt's, wenn man des so Revue passieren lässt, oder wenn Sie so a (eine) Moral aus dieser Geschichte ziehen würden, gibt's was, was Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung zum Beispiel Ihren Kindern sagen wollen oder gesagt haben, was man aus dem lernen || kann? Worauf ma(n) aufpassen // NA: Ja, schauen Sie: ||| /// soll? NA: Wir als Europäer (--) denken so viel über den Genozid und so weiter. Aber was is da, geht da in Afrika vor und den anderen Teilen der Welt? Man spricht nicht drüber. Was is da in, in, äh, Ruanda passiert? (-) Ne? (-) Und dann, diese, in der Kolonialherrschaft, (-) wissen Sie, dass die Leute dort in gewissen Gegenden jahrelang nicht nach sechs Uhr abends aus die Häuser rausdurften, weil sie schwarz waren. (-) Zum Beispiel in, äh,
Malawi (-) wurde kein Schwarzer, konnte a Schwarzer auf die Mittelschul, äh, bis zum_, konnt nicht einmal in die Mittelschule gehen, (-) ne? Während, weil er schwarz war. Und wieviel Leut sann (sind) im, haben darunter gelitten, ne? (-) Und ich mein, das war ja auch nicht anders als wie unter den Nazis hier. (--) Und diese dauernden Stammesfehden dort. Schauen'S, da hören Sie im Radio, weiß i(ch), in Nordghana sind dreihundert Leut getötet worden in Ausschreitungen zwischen den Muslims und Nicht-Muslims und so. Das is ja auch nichts anderes, als wie es bei uns war. Nur geht's dort a bissel anders vor, weil die haben ja Macheten, und die, die massakrieren die Peop-, die Leute, ne? Des is, des is sehr relativ. Nur gut, in Europa, da glaubt man alleweil: "Ja,
zweitausend Jahre Christianity (Christentum) und, und Zivilisation, aber die ganzen Leute sann (sind) desselbe, kratzt man a little (nach Gehör) und man findet den Urmensch darunter, ne? Nur, nur, in, in, hier war's besonders organisiert, weil die haben nämlich ihr, ihr Gehirn dafür eingesetzt dafür mehr, und in Afrika sind's gewöhnlich irgendeine Bande, net? Außer es is wie in Mosambik, was ja gleich neben, neben uns liegt, net? Da haben sie, haben sie fünfzehn Jahre Bürgerkrieg gehabt, und diese, äh, äh, äh, R-, Renamo, die von den Amerikanern und Südafrikanern unterstützt war, (-) und die haben auch absolut Terror, ver-, äh, verbreitet, net? Haben's den Kindern und Leut Händ und Füß abgehackt und so weiter, hab ich selber gesehen, ne?(-) Des is || auch nich_. INT: Gibt's da, ||| gibt's da was, diese, sozusagen, also, diese Tatsache oder, und
ihre eigene Erfahrungen, gibt's da was, was Sie Ihren Kindern mit auf'n Weg geben können? (--) NA: Na ja, i(ch) denk, sie sollten (-) sozusagen (nach Gehör): "Do unto others as you want to have done to yourself", also: "Tu, tue den, deinem Nächsten, was du willst_, liebe deinen Nächsten und tue ihm, was du willst, ma-, das man dir tut." (-) Net? Ob des jetzt da der Holocaust is oder was da, äh, weiß i(ch), (-) fünfzig Kilometer von uns in Mosambik vorgefallen is. INT: Gut. Danke für das Interview. Danke. (5) <Bild 1> NA: Dieses Bild wurde anlässlich meiner Hochzeit zu meiner jetzigen Frau am 24. September 91 [1991] im Golf Club Lilongwe in Malawi aufgenommen. Vor mir
Norbert Abeles, <korrigiert sich> neben mir, Norbert Abeles, sitzt meine Frau, Jane Kutchire Abeles, hinter mir im weißen Hemd, is ihr Vater, Herr Kutchire und hinter meiner Frau, kaum sichtbar, steht ihre Mutter. (---) <Bild 2> NA: Dieses Bild zeigt, äh, Alice Abeles in meinem Garten in Nkhotakhota, ungefähr im März 1998, als sie etwa15 Jahr is. (---) <Bild 3> NA: Dieses Bild in etwa März 1988 (meint: 1998) aufgenommen, zeigt von rechts nach links meine Frau Jane, meinen Sohn Hastings und meine Tochter,
äh, Martha. <Bild 4> NA: Dieses Bild wurde im Juni 93 [1993] aufgenommen, und es zeigt in einem Wagen im Riesenrad meine Frau und meine älteste Tochter Susan. // INT: Is in Wien aufgenommen. /// In Wien aufgenommen im Riesenrad. (--) <Bild 5> NA: Hier ist Sarah Haylock, (-) ein En-, eine Enkelin von mir, im Dezember 1996 aufgenommen. (4) <Bild 6> NA: Das is ein Hochzeitsbild meiner Tochter Karin Abeles, die jetzt Haylock heißt, ihr Mann, Paul Haylock und Karins erstes Kind Dean Abeles. (-) Des Bild wurde ungefähr in s-, 93 [1993] in London aufgenommen,<leise> i(ch) glaub, es war
dreiund-_. <Bild 7> NA: Dieses Bild wurde im Dezember 96 [1996] im Kasasa (nach Gehör) Club Dwangwa, Malawi, aufgenommen. Es zeigt von links nach rechts meine Enkelin, äh, (--) Rachel (-) Haylock, (-) meine Tochter Karin Haylock, früher Abeles, (-) und meine zwei Töchter, (--) äh, Martha und Alice Abeles. (---) <Bild 8> NA: Das is die Hinteransicht von (einem) Teil meines Hauses in Nkhotakhota. Es wurde ungefähr im=äh März neu-, 89, <korrigiert sich> 98 [1998] aufgenommen. <Tape 6, Ende> <Interview, Ende>
 
Adoptionen
Angriffe auf jüdisches Eigentum
Anschluss (13. März 1938)
Antisemitismus in Schulen
Anzahl und Zusammensetzung der Häftlinge im Lager
Arbeitsleben
Australien 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Austria 1918 (11. November) - 1938 (12. März)
Befolgung religiöser und kultureller Bräuche (jüdisch)
Beziehungen zwischen Flüchtlingen und der ortsansässigen Bevölkerung
Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden
Botschaft für die Zukunft
christliche Identität
Edinburgh (Schottland, Großbritannien)
Entlassung aus der Inhaftierung
Entscheidungen in Bezug auf Flucht
Entscheidungen in Bezug auf Migration
Erniedrigung und Schikanierung
Familienangehörige im weiteren Sinne
Familienfotos (Nachkriegszeit) (Fotos)
Familiengeschichte
Familienleben
feindliche Ausländer
Flucht aus Österreich
Flucht nach Großbritannien
Fotografien (Fotos) 1998
Gemeindefürsorge (jüdisch)
Großbritannien 1933 (30. Januar) - 1939 (31. August)
Großbritannien 1939 (1. September) - 1945 (7. Mai)
Großbritannien 1940
Großbritannien 1945 (8. Mai) - 1979 (2. Mai)
Hakhsharot
Indien 1945 (9. Mai) - 1999 (1. Juli)
jüdische Identität
Kenia 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Kenntnis von politischen oder militärischen Ereignissen
Kindertransport
kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten
Lagos (Nigeria)
Lehrer
Lilongwe (Malawi)
Lingfield Racecourse Camp (Großbritannien : Internierungslager)
Lutherische Kirchen
Malawi 1964 (6. Juli) - 2000 (1. Januar)
Middlesbrough (England, Großbritannien)
Migration aus Australien
Migration nach Indien
Migrationsrouten (international)
Mumbai (Bombay) (Indien)
Niederösterreich (Österreich : Bundesland)
Nigeria 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Novemberpogrom (9.-10. November 1938)
Österreich 1938
Österreich 1955 (15. Mai) - 2000 (1. Januar)
politische Identität
Preston (Lancashire, England, Großbritannien)
protetantische Kirchen
religiöse Feiertage (jüdisch)
Schicksal nahestehender Personen
Schottland (Großbritannien : Verwaltungseinheit)
Schulen
Schulen (jüdisch)
Soldaten, deutsch
Tod von nahestehenden Personen
Trennung von nahestehenden Personen
Übertritt zum Christentum
Unterricht
Unterricht (jüdisch)
Wien (Österreich : Autonome Stadt/Distrikt)
Bekannte Heller
Bekannte Eisinger
Bekannte Karl Gehr
Cousins/ Cousinen, väterlicherseits Hanni Abeles
Ehefrauen Gertrud Abeles
Ehefrauen Jane Kutchire-Abeles
Frühere Ehefrauen Olabunmi Oyewole
Großmütter, väterlicherseits Abeles
Großväter, mütterlicherseits Griffel
Großväter, väterlicherseits Abeles
Interviewer Albert Lichtblau
Interviewte Norbert Abeles
Lehrer Rudolf Grieg
Lehrer Oskar Anschel
Lehrer Bräm
Lehrer Holländer
Lehrer Maxwell
Mütter, leiblich Sabine Abeles
Onkel Goldmann
Onkel, väterlicherseits Adolf Abeles
Onkel, väterlicherseits Leo Abeles
Rabbiner Schwartz
Söhne, adoptiert Hastings Phiri-Abeles
sonstige Beziehungen Müller
sonstige Beziehungen Balfour
Tanten Juli Abeles
Tanten Eva
Tanten, mütterlicherseits Rosa Goldmann
Tanten, väterlicherseits Fani Driedl*
Töchter, adoptiert Susan Abeles
Töchter, adoptiert Karin Haylock
Töchter, adoptiert Sabine Abeles
Töchter, adoptiert Alice Phiri-Abeles
Töchter, adoptiert Martha Phiri-Abeles
Väter, leiblich Siegfried Abeles
weitere Familienmitglieder Dean Abeles
weitere Familienmitglieder Lisa Singh
weitere Familienmitglieder Rachel Haylock
weitere Familienmitglieder Sara Haylock
Ziehmütter Buchanan