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KAM: Heut ist der 18. Januar 1996. Der Interviewte heißt Djordje Alpar. Die Interviewerin heißt Ute Müller. Ort, Bundesland: Frankfurt am Main, Hessen. Land: Deutschland. Sprache: deutsch.


Segment [1]
Zur Person
Zum Interview
Djordje Alpar
* 28.01.1922 in Ungarn
Jüdische Überlebende
interviewt am 18.01.1996 in Frankfurt/Main - Bundesrepublik Deutschland
Sprache Deutsch
Länge 01:50:25
Interviewer(in) Ute Müller
Kamera Fiore Pietro
Transkription Siegrid Steinhauer
Code 9923
KAM: Heut ist der 18. Januar 1996. Der Interviewte heißt Djordje Alpar. Die Interviewerin heißt Ute Müller. Ort, Bundesland: Frankfurt am Main, Hessen. Land: Deutschland. Sprache: deutsch.
INT: Mein Name ist Ute Müller. Heute ist der 18. Februar 1996. Ich halte ein Interview mit Herrn Djordje Alpar. Wir befinden uns in Frankfurt am Main, Deutschland. <Bildwechsel> Namen? DA: Mein Name ist Djordje Alpar. D-J-O-R-D-J-E. A-L-P-A-R. INT: Wann sind Sie geboren? DA: Geboren bin ich 28. Januar 1922. INT: Und wie alt sind Sie jetzt? DA: Jetzt bin ich 74 Jahre. Geboren bin ich Pecuj. P-E-C-U-J. In Ungarn.
INT: Herr Alpar, erzählen Sie uns bitte etwas aus Ihrer Kindheit. DA: Meine Kindheit fangt an damit, dass meine Eltern umgezogen sind. Ende des 1922. August 22 [1922]. Nach Belgrad. Und so wir sind nach Belgrad angekommen. Ich mit, als sechs Monate Kind. Mit meinem Bruder, der damal war 5, 6 Jahre. Und mein Vater hat gesucht Job. Und hatte gefunden bei einem Bauunternehmen Tunnel und Wagner (nach Gehör). Die dort gearbeitet, weil er war Architekt. Nach paar Jahre hat sich selbständig gemacht und hatte eine Bauunternehmung aufgebaut. Die dann gearbeitet hat bis Krieg. Wir sind, äh_. Meine Jugend ist normal. Ich bin bei eine bürgerliche Familie, ziemlich gut situiert. Mein Vater hat dann 33 [1933] ein Haus gebaut. Haben wir auch unseren Bauernhof gehabt.
Und hab, kann man sagen, sorglos gelebt. Meine Schulausbildung hat angefangt. Mit 7 Jahren bin ich in die Grundschule gegangen. Grundschule Palilula. Damalige Zeiten <pustet Luft aus> war ich als jede andere Kind ein bisschen sportlich tätig. Nicht viel Hobby. Meine Eltern waren nicht orthodox. Die waren religiös, aber nicht in der, streng orthodox. Ich hab, bin dann, äh, nach der Grundschule bin ich in Gymnasium gekommen. In zweite männliche Gymnasium. So hieß das in Belgrad. Den, Religion hab ich in der Schule nicht gehabt. Ich hab die Religion besucht in der Synagoge, wo wir unsere Religionsunterricht hatten. Und das ging bis zum 33 [1933], wo ich dann angefangt habe, äh,
das heißt, Entschuldigung bis 36 [1936], da hab ich dann angefangt. Bin ich, weil ich nicht ein besonders gut Schüler war. Und mein Vater wollte etwas unternehmen, der hat mich gebr-, äh, ins Internat nach Wien. Und so bin ich 37 [1937], nach einer Vorbereitung in deutscher Sprache. Die ich, äh, mit, äh, Roten Kreuz und Jugend aus Österreich mitgemacht habe, sechs Wochen. Äh. Bin ich dann gelandet in Wien in Internat in höhere, gewerbliche Schule in Mödling. Und so hab ich angefangt dort zu studieren. In der Jugendzeit bis dahin war ich, äh, sportlich ziemlich aktiv, weil ich war in Scout. Das ist Pfadfinderbewegung. War ich in Sokol. Das ist Turnverein. Und das waren
meine jugendliche Tätigkeit. In (-) Mödling hat gut angefangen das Schuljahr. Ich war dort auch ziemlich Sport tätig in Handball. Sogar in der Mannschaft von meiner Generation. Bis nicht Anschluss kam. Als jetzt der Anschluss kam, hat sich alles grundsätzlich geändert. Weil die Hitlerjugend, die in unseren Institu-, unseren Internat war, die als Untergrundbeweg-, Bewegun-, Bewegung tätig war. Die ist ausgebrochen an die, dieser=dieser Nacht. Und ist wieder zurück gekömmet [gekommen] mit Hakenkreuzen, mit, äh, Fahnen, mit Beschimpfung von die Juden. Und wir sind, äh, wir waren ungefähr zwölf Juden in dem Internat. Die haben angefangt, uns zu jagen, wa-, äh, und beschimpfen. Die wollten
uns mit dem Schuhpaste schmieren. Und als ich das erfahren dann, ich bin persönlich geflüchtet in Ambulanz von dem Internat. Wo hab ich mich versteckt gehalten ungefähr zehn Tage bis sich die Lage nicht beruhigt hat. Inzwischen haben die alle mögliche Bücher, die antisemitisch, äh=äh, gestempelt waren, äh, waren. Als jüdische Bücher und so weiter. Haben sie gebracht auf einen Haufen und haben sie angezündet. Die Professoren, die Juden waren, die müssten von die Schule weg. Die, Unterricht für denen war verboten. Für, für mich war die Lage dann so, dass ich als Ausländer und Jude irgendwie bleiben konnte. Bis zum Schuljahr. Mein, äh, mein Klassenlehrer hat mich, zu mich, sich gerufen und gesagt, ich soll mich
bemühen diese Klasse zu Ende zu bringen. Aber kann nicht meine Unterricht nicht fortsetzen als Jude, egal, trotzdem, dass ich Ausländer bin, haben sie mir nicht erlaubt. Ich hab das inzwischen dann ausgenützt. Als Osterferien waren, hab ich nach Hause gefahren nach Belgrad. Meine Eltern wussten davon nichts. Beide waren überrascht, dass ich ankam. Und diese Schulferien hab ich in Belgrad verbracht. Und trotz dies, die, die Gewissheit, was mit Juden geschieht in Wien, bin ich zurückgekehrt wieder nach Mödling. Und do [dort] hab ich versucht zu Ende zu bringen, zu Ende zu bringen diese Klasse. Bei diese Gelegenheit hab, äh, hab, bin ich umgezogen aus Internat zu Privatwohnung, weil war sehr, schon gefährlich in Internat zu bleiben. Bei einem Schulfreund, deren Eltern waren Sozialdemokraten, die haben mich aufgenommen.
Aber, äh, die Fortsetzung von dem Unterricht war ziemlich schwierig. Ich wurde boykottiert. Keine dürfte mit mir sprechen. Wurde von alle Sporttätigkeit, äh, fern gehalten. Durfte nicht mitmachen. Und so hab ich es bis zum, äh, bis zum 16. Juli gemacht. Bin ich, äh, dann, äh, als ich alle Prüfungen in, in meinen Klassen gemacht habe, bin ich wieder nach Belgrad zurückgekehrt. Und die haben mir den Zeugnis von den absolvierten erste Klasse zu-, äh, wei-, äh, zugeschickt. In Belgrad, und zur Fortsetzung meiner Unterricht musste wieder eine Aufnahmeprüfung machen, dass ich in die zweite Klasse kommen kann. Und da bin ich in der zweite, mitteltechnische Schule gekommen. Und wurde ich aufgenommen. Als ich zurück kam, äh,
hab ich dann mich, äh, aktiviert in den jü-, jüd-, zionistischen Jugendbewegung Hashomer Hatzair, wo mein Bruder schon tätig war und ziemlich, äh, aktiv war. Und als besonder deswegen, als ich in Wien hab ich gesehen, was mit Juden gemacht wurde. Dass sie dort, äh=äh, vor ihren eigenen Läden müssen sie Parolen, äh, schauen: "Nicht bei Saujuden zu kaufen." Oder wurden gespuckt oder, od-, gedemütigt. Diese Demütig [Demütigung] hat mich tief beeindruckt, so dass ich nicht, äh=äh, dass ich mich auch aktiviert habe in diese zionistische Bewegung. Und so bi-, bin ich die zweite, dritte und vierte Klasse in diese mitteltechnische Schule gewesen. Und parallel aktiv in Hashomer Hatzair. Dort war ich, äh, äh, inzwischen <hebräisch> Menahel. Das heißt Erzieher von eine Gruppe Jugendlicher von 13, 14 Jahre, die
meine <hebräisch> Kwutza war. Und, äh, hab ich mich vorbereitet nach Palästina auszuwandern. Mein Bruder hat inzwischen Gymnasium gemacht. Und dann wurde auf den Grund der Aufgabe von Hashomer Hatzair Schlossertätigkeit gemacht zwei Jahre mit Schlosserprüfung. Dann ist er nach <hebräisch> Hachschara bei Osijek zur Vorbereitung für ein Kibbuz. Und 39 [1939] hat, äh, dann versucht nach Pastilin-, Pal-, Palästina zu kommen. Da man die Visum nicht kriegen konnte von die Engländer, musste mein Vater 10.000 Dinar als, äh, Haft hinterlegen. Und hat er ein touristischen Visum bekommen. So ist mein Bruder 39 nach Palästina ausgewandert. Und später war er der Gri-, Gründer vom Kibbuz Gat (nach Gehör). Mein Vater selbst ist 39. Da er auch ein aktiver Zionist war, hat, ist er nach, als Tourist nach In-, nach Palästina damals
gekommen. War noch nicht Israel, äh, um umzuschauen. Er war bereit auszusiedeln. Als zurückkam, hat er seine Firma aufge-, gelöscht, äh, gelöscht und wollte hin nach Palästina auswandern. Aber meine Mutter war dagegen wegen die ganze, äh, ganze Guthaben, was wir hatten, unser Haus und so weiter. Sie war das schwer alles zu verlassen. Und so sind wir geblieben. Und sag-, so kam 41 [1941], 27. März 41 war in, in Belgrad Putsch. Ein Aufstand gegen die_. Den Pakt, wo sich Jugoslawien anschließen sollte an de-, Deutschland. Als Antwort, am 6. April, haben die Deutschen den Belgrad bombardiert ohne Krieg zu sagen. Ohne_. War Überraschung. Früh um sechs Uhr
haben die bombardiert. Ich, äh, war erschrocken. Was geschieht jetzt? Bin ich sofort gegangen in unsere Organisation Hashomer Hatzair, die im Judenviertel war. Weil, wir haben nicht gewohnt im Judenviertel. Wir waren in den, soll man sagen, Stadtrand, in Palilula, wo mein Vater seinen Bauernhof aufgebaut hat. Aber die Organisation war in Judenviertel. Und von den Bombardierung war die Judenviertel sehr getroffen. Viele Häuser und viele waren, äh, getötet. Und, äh, rum_. Äh. Mit die_. Die Leichen war hin und her, rum <stockt> gewesen. Wir sind hingekommen, um zu sehen, was wir als Jugendliche machen. Da war so eine große Verwirrung, dass wir nicht, äh, irgendwie wussten, was sollen wir machen. Ich bin dann mit zwei meiner Freunde,
einer Banko de Major-, (de) Mayorovicz und, äh, Kraus, Jura, als mein Nachbarn. Sind wir dann abends um sechs Uhr geflüchtet aus Belgrad. Und haben wir unsere Odyssee angefangen. Äh. Wollten wir irgendwie durchdringen auf Adria. Wir dachten, wir würden die Engländer treffen. Ich werde mit ihren Marine dort hinkommen, und dann können wir uns freiwillig melden. Hat gedauert ungefähr sechs Wochen diese Odyssee, weil wir sind mit Zug, mit Bus, zu Fuß. Irgendwie sind wir gekommen dann bis zum Sarajevo. In Sarajevo sind wir dann uns angeschlossen wieder auf unsere Ver-, Verein die Hashomer Hatzair, wo wir dann, äh, versucht haben zu sehen, was sollen wir Jugendliche machen. Da war, äh, wieder einige Verzweiflung. Einige Jugendliche wollten nach, äh, gleich in Partisanen. Und sind sie dort auch hingegangen. In Romania, das ist Berg. Und Igman
neben den Sarajevo. Haben sie sich dort angeschlossen. Die Partisanen, die dann schon angefangen, sich zu organisieren. Und wir, ungefähr fünfzehn, sin-, wollten wir weiter nach Palästina beziehungsweise nach Adria, um Engländer zu, abwarten. Wir sind dann mit den Zug weiter bis zu Mostar gekommen. Mostar haben die Italiener bombardiert. Äh. Das haben wir erlebt. Dann wurde der Eisenbahn unterbrochen, weil die Ustasche [Ustascha], die dort in Nähe von Mostar waren, haben sie gesprengt die Eisenbahn. Und dann von dort sind wir mit, wieder mit den verschiedenen LKWs, Busse, Militär, äh, Fahrzeuge doch durchgedrungen bis zu Herceg Novi. Unterwegs haben wir begegnet die Italiener, die aus Albanien kamen. Die haben geeilt nach Norden zu du-, durchdringen, um je mehr Gebiete von Jugoslawien einzuvernehmen.
Aber die haben uns nicht aufgehalten. Wir sind, äh, die sind nur neben uns vorbei gefahren. Wir sind doch nach Herceg Novi gekommen. Dort haben wir_. Äh. Inzwischen ist die Kapitulation von Jugoslawien gewesen. Jugoslawia hat kapituliert. Die Deutschen, Italiener haben besetzt. Die kroatische St-, Staat wurde ausgerufen. Die Ustascha sind dort an die Macht gekommen, die auch, äh, äh, antisemitisch waren und gegen Juden. So dass wir dann, äh, vor Herceg Novi wollten wir kommen in diesen Hafen, in Kriegshafen. Boka Kotorska nennt sich. Weil wir dachten, Engländer werden doch kommen. Wir sind dann, äh, mit Zug von Herceg Novi nach Zelenika. In Zelenika haben wir einige la-, Magazin von den Militär. Dort eingedrungen, haben wir viele Sachen geholt und mit einem Boot durch den Hafen, Militärhafen.
Neben den Hydropläne (nach Gehör), nee, neben den Marinen, äh, die Schiffe waren da geankert. Wir sind da vorbei nach Kotor. Das heißt vier Kilometer vor Kotor, Ort Prčanj. In diesen Ort sind, wurden wir untergebracht in einen Heim, wo wir bezahlt haben. Haben wir uns ernährt davon, was wir mitgenommen haben. Geld. Haben wir gekauft in Kotor. So haben wir gewartet vierzehn Tage. Aber da niemand kam, nix, äh, hat sich geändert. Wir haben keine weiteren Mittel gehabt. Wir sind dann nach Dubrovnik gekommen alle. Und da ich keine Mittel hatte, ich hab mich beschäftigt als, äh=äh, bei den Bauunternehmen Dubrovnik als Bauarbeiter. Bei diese Gelegenheit hab ich gekriegt meine Baubuch, dem ich dann später verdanke, dass ich weiter flüchten konnte. Weil in diesem Baubuch wurde die Frage gestellt, außer meine Daten,
Geburtsdaten, alles was Original war. Wurde gefragt, wo ist mein Heimatstadt. Und ich hab, dass die alle Juden aus Dubrovnik nach Split wollten, hab ich dann so plötzlich gesagt Split. Und die haben das auch eingeschrieben in diesen Buch. Ein Tag bevor die Ustascha kamen nach der Abmachung zwischen Italien und Kroatien. Dass Dubrovnik sollte zu Kroatien kommen. Ich bin ein Tag vorher nach Belgrad gekommen. Und die andere Juden, die waren, äh, überwiegend sind dann nach Split gefahren. Wo auch weiter Italiener als Besatzungsmann blieben. INT: Mit wem waren Sie in diesen Wochen zusammen gewesen? Waren das Freunde aus Belgrad gewesen? DA: Das waren Freunde aus Belgrad und Freunde aus Sarajevo. Das ist eine Gruppe, die gebildet wurde in den Hashomer Hatzair in Sarajevo. Diese zwei Freunde, die mit mitgegangen sind, die ich schon nannte, Banko de Mayo-, de Mayorovicz, der in, äh,
dann später, äh, in, Partisanen kam und dort ist im Gefecht gefallen. Und der Kraus, Jura, der mein Nachbarn waren, war auch dabei. Er hat seine Eltern zufällig getroffen in Mostar. Und hat sich von uns abgespalten und mit Eltern weiter geblieben. Aber das ist, äh, die Gruppe war all-, alles Jugendliche, meine Generation ungefähr, zwei, drei Jahre Unterschied. Die sich gebildet haben, alles vom Hashomer Hatzair, von mei-, unserer Bewegung. Wir wollten nach Palästina durchkommen, aber leider ist uns nicht das gelungen. INT: Und wie haben Ihre Eltern zu der Flucht gestanden? Haben sie es unterstützt, oder? DA: Die haben, es, äh, soll man sagen, nicht unterstützt, aber die konnten nichts unternehmen. Und ich wollte nicht bleiben. Ich war, äh, ich wollte weg. Äh. Ich wollte nicht bleiben. Und die haben sich damit abgefunden. Denen ist das schwer gefallen, aber_. Mir, mir übrigens auch.
Aber was konnte man machen? Damalige Zeiten wusste man nicht, was die Zukunft ist. Als ich nach Belgrad kam, da hab ich dann, die, die, gesehen. Meine Eltern wurden dann registriert zwischen die Juden. In, übrigens in Belgrad war ungefähr zwölftausend Juden, die dort gewohnt haben, überwiegend sind da geblieben. Und, äh, die wurden alle registriert. Wurden, alle haben sie ge-, gekriegt diesen gelben Bal-, Balken, den Stern. Die müssten jedes Mal, wenn sie außer Haus, müssen sie immer tragen. Die durften nicht mehr ins Straßenbahn gehen, die durften nicht in Parks gehen. Die wurden von alle Tätigkeit, äh, wurden abgeschnitten, das heißt, ihre Berufe konnten sie nicht weiter machen. Die dann, mussten, äh, die Männliche waren sie, solche Kolonnen wurden gebildet, die dann, äh,
den Schutt abtransportieren müssen. Als Zwangsarbeiter gearbeitet. So hat auch mein Vater gearbeitet. Und als ich zurückkam, ich wollte mich nicht melden. Ich hab mich nicht angemeldet. Und wollte, quasi hab ich illegal gelebt. INT: Zu welchem Zeitpunkt war das? DA: Das war, äh, das war Mai 41 [1941]. Und da wollte ich wieder in die Schule gehen, weil, äh, meine Klasse hat weiter die Schule besucht. Weil die wollten Abschluss machen. Als ich dann, äh, in meine Schule kam, die übrigens in den Nachbarschaft von die Judenviertel war, bin ich, äh, einfach, äh, hab ich den Band von meine Mutter genommen. Hab ich in der Tasche gesteckt. Und, äh, bevor ich in den Schulhof kam, hab ich das, äh, an-, aufgesteckt auf meine Hand. Und so bin ich erschienen in der Schule.
Die waren alle erschrocken als ich kam, dass ich, äh, mit so einem Band komme und so_. Und ich hab gesagt, ich wollte weiter jetzt fortbilden, dass ich auch die Abschlussprüfung mache. Hab mit dem Klassenlehrer Bayalovitsch, Architekt Bayalovitsch (nach Gehör), hat er mich zu sich gerufen. Und hat er gesagt, das geht nicht, dass ich das besuche. Aber er hat nichts dagegen, dass ich zuhause mich vorbereite dafür. Ich soll auch meine Zeichnungen machen. Das war die, die, äh, die Abschlusszeichnung für ein Architektprojekt von einem Haus. Und so wurde auch, so hab ich auch dann weiter gemacht. Mein Schulfreund Jovanowitsch (nach Gehör), der ist immer gekommen zu mir nach Hause. Hat er mir erzählt, was sie gelernt haben. Hat er mir dann auch ihre, seine Bücher gegeben, gezeigt. Und ich hab davon auch mich vorbereitet. INT: Er war aber kein Jude? DA: Er war kein Jude. Ich war der einzige Jude in unserer Klasse. Wir waren zwölf Schüler in der Klasse. In dieser vierten Klasse. Und ich war
war der einzige Jude. INT: Aber er war Ihr Freund und blieb auch Ihr Freund? DA: Blieb auch ganze Zeit. Auch nach dem Krieg. Und auch, dass war später auch mein Generaldirektor, zufällig. Aber er war, äh, ganze Zeit waren wir sehr gut befreundet. // INT: Aber er hat_? /// Er kannte meine Familie. Und er ist sehr oft zu uns nach Hause gekommen. Er war ein, äh, Bauernsohn von Umgebung von Belgrad. Und so waren wir auch geblieben nach dem Krieg Freunde. INT: Sie sagen, Ihre Eltern waren registriert und Sie selbst nicht. Wie war das möglich? DA: Einfach, ich hab mich nicht angemeldet. Und keiner kann mich angezeigt. Hätte mich jemand angezeigt, wäre für mich sehr gefährlich. // INT: Ja, die Nachbarn und, || haben Sie ja gekannt. /// Die wussten nicht, dass ||| ich nicht angemeldet bin. INT: Ach, die wussten das nicht. DA: Die wussten das nicht, dass ich nicht angemeldet bin. Weil, wenn ich außer Hause ging, hab ich immer den Band genommen. Und die wussten nicht, dass ich nicht angemeldet bin. Deswegen hab ich_. Und ich bin sehr wenig auch außer Haus gegangen. Ich damals, äh, hab ich zuhause gelernt. Und hab
ich mich nicht viel bewegt irgendwohin. Nur, dass ich damals in die Schule ging, sonst hab ich mich nicht bewegt. Und, äh, als die Prüfung stattfinden sollte am Montag. Mir wurde Donnerstag oder Freitag mitgeteilt, dass mir die, das nicht erlaubt ist. Dass, äh, ist mir verweigert diese Prüfung zu machen. Mein Vater wollte irgendwie mir helfen, weil der Mini-, zuständige Minister war sein Ingenieur, der er sehr gut kannte. Wollte zu ihm gehen. Aber die haben ihn nicht empfangen. Er wollte dort hartnäckig zu ihm kommen. Und die haben ihn nicht vorgelassen. Hat er eine Ohrfeige gekriegt und musste nach Haus. Und Inzwischenzeit ist so, dass sie unseren Bauernhof, die neben unser Haus war, wurde eine militärdeutsche Einheit sich einquartiert. Und die haben einen lauten Radio gehabt. Und
da hab ich gehört, dass der Krieg ausgebrochen ist gegen die Russen. Das war der 27. Juli 41 [1941]. Einige, äh_. Und ich hab mich schon vorbereitet, dass ich wieder flüchte aus Belgrad. Und da hat mir diese Bau-, äh, Baubuch aus Dubrovnik geholfen. Weil ich bin dann an die Vertretung von, kroatische Vertretung in Belgrad bin ich hingegangen. Hab ich diese Baubuch gezeigt. Und hab ich gesagt, ich möchte nach Hause nach Split. Und wollte mich freiwillig melden zu dem Militär in Kroatia. Die haben das akzeptiert. Und haben sie mir so einen, äh, lassier-, Passierschein. Das heißt, eine Passierschein gegeben, womit ich fahren konnte. Und so kostenlos, dass ich nach Split zurück käme. Damit ich mich dort melde bei den Militärverwaltung. Nachdem, äh, äh, Ausbruch des Krieges. Einige Tage danach bin ich dann mit, äh, auf Gru-,
mit diesen Passierschein bin ich über Zagreb nach Split gelandet. Inzwischen, schon vorher hat mein Vater ausgemacht mit seinem, einem Kollegen, der in Zagreb gewohnt hat. Der hat einen großen Auftrag in Šibenik gekriegt für ein Bauvorhaben. Und er war bereit, mich zu beschäftigen. Das ist Fischbein nannte er sich. Elmando Fischbein (nach Gehör). Und als ich nach Split kam, hab ich mich bei ihm gemeldet. Und tatsächlich, nach ungefähr drei Wochen hat er die Genehmigung von die Italiener gekriegt, weil da war die Italiener Besatzungsmacht. Dass ich nach Šibenik kommen konnte. Weil der Šibenik waren ein Kriegshafen. Und da wusste, ohne solche Schein konnte niemand hinkommen. Ich bin dann angekommen in Šibenik. Und hab ich angefangt zu arbeiten, äh, glaub ich, 4. August. Nein, 24. August 41 [1941] hab ich angefangen
zu arbeiten in Šibenik. INT: Welche Erwartungen hatten Sie in dieser Zeit? Was sich verändern würde? DA: Ha, ich hab kein andere Ausweg, äh, gehabt. Ich war, bin geflüchtet dort. Und hab ich gewartet, wie sich dann die Kriegsabwicklung abwickelt. Ob ich, äh_. Italiener waren nicht so gegen die Juden wie die Deutschen. Und ich konnte nichts unternehmen, weil in Grund genommen, äh, das ist ein Problem, dass wir, jüdische Organisationen, wir als Jugendliche, die bereit waren zu kämpfen, nicht organisiert waren. Ich wusste nicht, was, was man weiter machen kann. Da hab ich dort, äh, so in Abwartestellung gewesen, Grunde genommen. Mein Vater ist dann, bevor man alle männliche Juden angesammelt hat ins KZ, äh, zu hinzubringen. Er hat auch geflüchtet. Er hat gefälschte Papiere gekauft. Und ist, hat sein eigenes Exodus gehabt. Er hat, ist durch ganzen Serbien
über Albanien auch gekommen nach Split mit diesen gekauften Papieren. INT: Wo hat er die Papiere gekauft? DA: In Belgrad. Hat er gekauft vor_. War Schwarzmarkt. Und bei diese Schwarzmarkt_. Ich wusste nicht, wie viel er musste bezahlen. Aber er hatte dann angeschafft und ist geflüchtet. Und ist gekommen in Split. Und er hat wieder, der Fischbein (nach Gehör) hat auch für ihm ausgemacht die Papiere, dass er als Arbeiter, er hat nicht gesagt, dass er Diplom-Ingenieur ist. Er hat, ist als Arbeiter gekommen auch zu arbeiten in die Firma. Und so ist er in November 41 [1941] auch hingekommen. || Und meine_. INT: Die ||| gefälschten Papiere, die haben ja ausgesagt, dass er nicht Jude ist. DA: Die gefälschten Papiere waren, ausgesagt, dass er nicht Jude. Und das war eine Genehmigung, dass er hinkommen konnte. So, so genannte Passierscheine, die man damal-, in damalige Zeiten gegeben hat für diejenige, die, sagen wir, er hat auch als erzählt, als er nach Split kam, dass er von Split kam und
dass er nach Hause geht. Und, meine Mutter ist in Belgrad geblieben. Sie hat dann in Vrnjatschka Banja, das ist, äh, ein Kurort, geflüchtet. Und von dort dann, in April 42 [1942], hat auch, äh, ein Passierschein gekauft, dass sie von Belgrad kommt nach Se-, nach Semli-, nach Semung-, Semmlin (nach Gehör) wie die Kroaten. Da war schon Kroaten. Und dort hat sich versteckt als Muslime mit einem solchen Schleier. Und unter, mit diesem Schleier ist sie spazieren gegangen. Und hat, sie ist gekommen auch den Haus zu beobachten. Ihr wär sehr schwer, weil das ist ihr Lebens-, äh, ganze Leben war in diesem Vermögen, in diesem Haus und diesem Hof und alles_. Und jetzt musste alles verlassen. Für ihr, ihr war das unglau-, unglaublich schwer. Aber als sie gesehen hat, gibt es kein Ausweg. Haben sie auch Frauen angesammelt. Da ist dann auch geflüchtet. Und ist auch nach Spli-,
nach Split gekommen. // INT: Zuerst sind die Männer || eingesammelt worden?/// Zuerst die Männer. ||| Ja. INT: Und was passierte mit den Männern? Haben Sie das mitbekommen? DA: Die Männer sind dann alle umgebracht geworden. Die sind gekommen in, äh, in, äh, in Messegelände von Belgrad. Dort wurden angesammelt. Und da haben die Deutschen angefangen, das war die erste Vernichtung mit Gas in, äh, die haben angefertigt solche, äh, solche, äh, Gas-LKWs. Die haben immer gruppenweise hingebracht. Haben sie den Auspuff hinein gemacht in die, und wurden vernichtet. Und irgend, bei Avala wurden sie auch dann vernichtet. <Ende Band 1>
INT: Herr Alpar, mich würde noch mal interessieren, wie sich Ihr persönliches Leben verändert hat nachdem die Deutschen Belgrad besetzt haben. Sie sagen, Sie waren zuhause und haben gelernt? Wie hat sich Ihr Familienleben abgespielt? War Ihr Vater noch da? DA: Ja, die Eltern waren noch da und, äh, das war, äh_. Dadurch, dass ich wusste, was geschah in Wien. Da war ich, äh, war ich selbst nicht überrascht. Aber alle andere, äh, haben das nicht einmal glauben können, dass so eine Antisemitismus kam. Und
diese Verfolgung für Juden kam. Die, äh, alles hat sich geändert in Grund genommen. Die Eltern waren ängstig [ängstlich]. Die waren, äh_. Meine Mutter ist kaum aus'em Hause gekommen. Wenn sie etwas anschaffen musste und so, habe gebeten noch die Nachbarn, die irgendwie, äh, zur, zur Verfügung waren. Und der Vater musste arbeiten gehen, der ist immer früh weg in diese Kolonnen. Die Zwangsarbeit, äh, gemacht. Sogar, das war am, äh, (--) 27. April war die erste, bittere Erfahrung. Die haben, äh, war auf eine unseren Mittel. Von Hashomer Hatzair war ein Überfall auf LKW in Brand gesteckt. Und die Deutschen wollten sich rächen dafür. Und haben sie dann angesammelt, tausende und zweiundzwanzig Juden, männliche sind zusammen gekommen auf den Tennisplatz in Tašmajdan.
Ich hab meinen Vater nicht erlaubt, dass er hingehen soll. Ich hab ihm gesagt, er soll sich krank hinlegen in Bett. Und ich selbst bin ich dann hingegangen mit kurze Hosen. Oben, hab ich von oben beobachtet, was da geschah. Ich wusste nicht, was es geschieht. Aber die haben, sind dann so ein Quadrat eingeordnet, die, die Männliche. Später wohl hab ich erfahren, die haben nach die Berufe dich eingeordnet. Architekten, äh, Rechtsanwälte, Ärzte, dann müssten, oder, oder Schüler. Die haben sie so nach die Gruppen, Gruppen gebildet. Und dann haben sie jeden Fünften herausgeholt. Das waren die ersten hundertzweiundzwanzig, die wurden weggeschleppt und ermordet als Vergeltung für diesen Anschlag. INT: Bei dem Anschlag wurde ein Auto angezündet? DA: Ja, einen LKW angezündet, von dem Militär LKW. Und, äh, das war als, äh, Räche-, äh,
Ra-, Rache dafür. Und später haben wir immer die Juden, als die Partisanen tätig waren und so weiter. Die, immer wurden dann die Juden als Vergeltung aus dem Lager genommen und, äh, erschossen. Äh. Die waren immer zur Verfügung als Geiseln sozu-, sozusagen. Aber, äh, Veränderung war so, wir konnten_. Äh, äh, die_. Vater konnte nicht weiter arbeiten, alle, die_. Wir sind so ängstlich zusammen gekommen mit einige Bekannten oder telefoniert. Und so, noch das war. Und dann hat angefangen die Razzia. Die müssen sich, haben sie angefangt anzusammeln. Ich hab das nicht erlebt, weil ich bin geflüchtet. Aber da haben die Eltern erzählt. Das war eine Periode, die dann, äh, die Männliche angesammelt haben. Später haben die Frauen angesammelt. Sie wollten_. Und die Serbien, im Grunde genommen, im Bericht, dann hab ich gelesen. Das war der erste, äh, Gegend oder Gebiet, wo die gemeldet haben, dass Serbien judenfrei ist.
Das heißt, sie haben alle vernichtet. Äh. Und das hat im Grunde genommen die Militär gemacht. Nicht einmal so die SS. Sondern die Militär aufge-, hatte das, äh, mitgemacht mit den, mit die Einheimischen. Da waren die Faschisten, serbische Faschisten, Ljotić, die dann geholfen haben. Äh, so dass keine_. Sogar müssten die Geld bezahlen. Da war die Strafe eine_. Dass die alle Juden müssen, ich weiß nicht, welchen Betrag, ansammeln, um, äh, als Strafe. Und da haben sie das Geld gesammelt, dass sie das geben für eigene Rettung. Aber das hat auch nix geholfen. Später wurden alle weg. Äh_. INT: Haben Sie selbst eine Razzia erlebt? DA: Ich nicht. INT: Und Ihre Eltern? DA: Meine Eltern? Ja. Aber ich sage, die haben auch geflüchtet. Ich wusste nicht, äh, der ist, äh_. Mein Vater ist in November gekommen und meine Mutter in April.
Das heißt, // INT: 42 [1942]? /// Äh, äh, 42. Ich, <stottert> November 41 [1941] mein Vater. Und ich bin schon in August 41 weg, Ende Juli, Anfang August, so dass sie_. Ich war die Erste, der noch einmal geflüchtet bin. Ich bin zuerst, früher wollte ich b-, mit meinen Freunden von Hashomer Hatzair bin ich geflüchtet. Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich weg war. INT: Beim zweiten Mal sind Sie da alleine geflüchtet? DA: Allein, ganz allein. Weil ich bin gegangen im Grunde genommen zu arbeiten. Ich hab diese Arbeit gefunden, Job in Šibenik. Und da war die Italiener, nicht die Deutschen. Und da hab ich mich entschlossen hinzugehen. Mit, äh, mit, äh, Hoffnung, dass ich eines Tages von dort auch weiterkommen kann. Aber leider hat sich nicht, nicht ergeben. INT: Haben Sie in der Zeit in Šibenik von Ihrer Mutter gehört? Und von Ihrem Vater zuerst noch? DA: Wir haben, äh, gehört. Wir, ich hab gehört von die Eltern. Weil die haben, äh, geschrieben an den Bekannten in Split.
Und er hat an uns dann weiter die Nachricht gegeben. Die Kontakte hat, hatten wir. Die Kontakte hatten wir. Und, äh, da der Vater sich dann entschlossen hat zu uns, äh, zu mir zu kommen, da hab ich auch, äh, von den_. Als er nach Split kam, hab ich schon, wusst ich, dass er dort hingekommen ist. Und da hat er mein, der Fischbein (nach Gehör), der uns beschäftigt hat, hat er mir gesagt, dass er beantragt hat auch für ihn eine Genehmigung, dass er nach Šibenik kommt. Das war so. Nur als meine Mutter kam, aber die konnte nick-, äh, die konnte nicht die Genehmigung nach Šibenik zu kriegen. Das war sehr schwierig. Sie wollte schwarz kaufen, konnte man nicht. Und dann hat sie sich entschlossen eines Tages mit einen Taxi mit noch drei anderen zu kommen bis zur Grenze nach Šibenik. Weil der Ort Šibenik war blockiert, immer Zufahrten gesperrt. Als die an diese Kontrollpunkt kam, sie ist einfach
ausgestiegen vor diese Kontrollpunkt und zu Fuß sich hinein geschmuggelt. Und so ist sie auch gekommen. So waren alle drei zusammen. Und da hab ich halt in, als wir zusammen waren in April, da haben wir gemietet eine Wohnung bei einem Schneider heißt Goretta (nach Gehör). Das war ein Haus in der Gegend, wo ich gearbeitet habe. Die Gegend heißt Zernica von Šibenik. Und ich hab gearbeitet in Fabrik La Damaz-, Dalmatien (nach Gehör). So hieß, das war eine neue Fabrik für den Schmelzung von Eis-, Eisschmelzung, wo der Fischbein (nach Gehör) diesen Auftrag hatte. So, das war in der Nähe. Und dort waren wir jetzt alle zusammen in eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung. Und do-, dort haben wir sie versteckt. INT: Aber Ihre Mutter hatte immer noch keinen gefälschten Pass? DA: Sie hat gar nichts gehabt. Sie hat eigentlich für, ohne Papiere gekommen. INT: War das nicht gefährlich für sie? DA: Sehr gefährlich. Sie war sehr gefährlich, hätte die irgendwie auf einen_. Die würde bestimmt verhaftet
und, äh_. Das war eine reine Risiko, dass sie dort_. Sie hat nur Papiere gehabt bis zu Split zu kommen. Die gefälsch-, gefälschte Papiere waren, die sie gekauft hat in Belgrad. Aber, äh, weil viele, äh, viele haben dadurch, dass die Juden bedrängt waren, viele haben davon Geschäft gemacht. Haben sie sich angeboten falsche Papiere zu machen mit viel Geld. Und viele sind auch, äh, die haben die Papiere gekriegt und dann wurden die angezeigt. Erstens haben sie ihnen Geld genommen. Und dann, als die wollten weg und so weiter, wurden sie dann angezeigt, dann wurden die auch weggenommen das. Und sind sie, äh, in Lager gekommen. INT: Also hatte man auch Angst, sich Papiere zu besorgen? DA: Alles war Angst. Das war, äh, das ganze, die ganze Leben, unter diese Umständen, war eine ständige Angst. Man wusste nicht, dass diese Vernichtung so viel Ausmaß genommen hat 41 [1941].
Äh, in Belgrad wusste man das noch nicht. Keiner hat geglaubt, weil alles war verschwiegen. Die Menschen wurden verschwunden, aber ihnen wurde gesagt, die sind zum Arbeit geb-, gebracht worden und so. So dass, äh, mit einer sehr großen Angst haben die Leute geleben. Ich selbst, äh, war entschlossen nie unter die Deutsche zu kommen. Und deswegen hab ich immer alles unternommen, äh, zu, irgendwie zu flüchten. INT: Warum wollten Sie nie unter die Deutschen kommen? Warum waren Sie so fest entschlossen im || Gegensatz zu Ihren Eltern? DA: Weil ich erlebt ||| habe, was in Wien geschah. Als 15jährige Kind ist mir so das tief eingeprägt diese Demüt-, Demütigung und so. Dass ich das, äh, nicht erleben wollt. INT: Haben Ihre Eltern das verstanden? DA: Schwer. Die haben der, als ich erzählt habe, die konnten das nicht vorstellen. Die konnten sich nicht vorstellen, dass ein, die Deutschen und eine, eine Kulturvolk wie das ist, dass man, dass man so eine starke Antisemitismus prägt. Und da sind, nach meiner Meinung, die Juden selbst schuld, dass die
oder die Organisationen, die sollten uns warnen. Äh. Die haben wahrscheinlich den Mein Kampf ge-, gelesen. Wir haben das nicht gelesen. Wussten nicht über die Hitlerbewegung und die ganze Verfolgung, die da vorgeschrieben wurde. So dass wir, äh, waren, wie soll man sagen, sehr, sehr überrascht von die Entwicklung. Und konnten überhaupt nicht so was vorstellen, dass man so die Menschen jagt und=und so, äh, vernichtet die Kinder, die, die_. Unschuldige Menschen, die nichts damit zu tun hatten aus einem Rassenwahn. Aber sage, das ist, äh, später erst, äh, die Erfahrung da gewesen. Für mich war schon das, was ich gesehen habe, so eine Dem-, Demütigung, dass ich da_. Und, äh, besonders, äh, die ganze_. Dass ich boykottiert war in die Schule. Keiner wollte mit mir sprechen. Äh=äh=äh. Tief eingeprägt,
dass ich nicht das noch einmal erleben wollt. INT: Als Sie in Šibenik mit Ihren Eltern zusammen waren. Haben Sie da noch Kontakt gehabt zu Freunden oder Verwandten in Belgrad? DA: Nein. INT: Oder gehört, was mit ihnen passiert? DA: Nein, ich hab mit niemand Kontakte gehabt. Ich hab jetzt Kontakte aufgenommen mit Einheimischen. Und wir waren dort vier Familien. Jüdische Familien, die sich gerettet haben. Über diese Firma. Das war ein Gän-, Ganges (nach Gehör) mit zwei Kinder, die heute leben in Haifa. Er kam von, von Subotica auch, ist Jugoslawien. Da war der Bruder von diesem Fischbein. Janko Fischbein (nach Gehör). Der auch da war. Wir waren vier Familien, die jüdische Familien gerettet. Und wir haben dann sehr zusammen gehalten. Wir haben die Nachrichten immer illegal gehört, weil das war verboten. Äh. Haben wir verfolgt, was geschieht. Und ich persönlich, bin ich dann aktiv geworden in Untergrundorganisation,
äh, a-, in Mai 43 [1943]. Hab ich mich angeschlossen Untergrundorganisation. Und, wir haben auch bei mir zuhause dann, meine, Jugendliche haben wir uns zusammen getroffen. Haben wir auch illegales Material gehabt, äh, die ich versteckt habe bei mir zuhause. INT: Wie hieß diese Organisation? DA: Skoy. Das war die, hieß die kommunistische Jugend von Jugoslawia. INT: Können Sie das buchstabieren? DA: Ja. Das Siegfried, Konrad, Otto, Jot. Kürzung von <serbisch> savez, Verein, äh, kommunistische Jugend Jugoslawia. INT: Und wer hat das organisiert und was || haben Sie gemacht? DA: Die kommunistische ||| Partei Jugoslawia hat das organisiert, Jugend anzusammeln. Und da haben wir die Aufgabe gehabt, äh, solche aufkleben, ill-, abends. Oder Parolen zu schmieren. Oder die illegal gedrücktes Material zu verteilen.
Und, äh, immer sich, äh, solche kleine Aktionen zu Anfang. Aber bald danach, äh, ist, äh, der Zusammenbruch von Italien gekommen. Weil am 7.9.93 [1993] ist die Zusammenbruch in Šibenik gekommen. // INT: 43 [1943]? /// 43. Die Partisanen sind eingedrungen. Das heißt, die zwei Tage waren die Partisanen an die Macht. Aber dann sind die Deutschen von den Norden herein gerückt und sind in Šibenik eingerückt. Und als die Deutschen kamen am 9.9.43 in Šibenik, bin ich wieder geflüchtet. Wollte nicht die deutsche Besatzung erleben. Und bin ich dann mit eine Boot mit noch andere diese, von diese Jugend-, kommunistische Organisation, sind ich nach Ort Vodizza [Vodice] gekommen. Das ist in Bucht von Šibenik. Und dort haben wir uns angeschlossen an
Partisanen. INT: Ich hab noch mal ne Frage zu der Organisation Skoy? Wussten, äh, wusste die Organisation, dass Sie Juden sind? Und waren da noch mehr jüdische Jugendliche? DA: Die wussten, dass ich Jude bin, aber ich war, ich war der einzige Jude dort. Äh. War ein Einheimischer dort, der aktiv war. Aber er war ein Älter. Der war in einer kommunistische Organisation. Weil außer jugendliche Organisation waren auch Senioren. Ältere, die tätig waren. Das war die Untergründ, -grundbewegung, die organisiert war in ganz Jugoslawien. Und die haben dann auch die Partisanen organisiert. Und unsere Rettung war, dass wir in Partisanen kamen. Aber von meiner Gruppe, ich war der einzige, jugendliche Jude. Aber die wussten, dass ich Jude bin. INT: Und Ihre Eltern, wie haben die darauf reagiert, dass sie da mitgearbeitet haben? DA: Ha, die, ängstlich, sehr ängstlich. Das war, die Frage ist, äh, was soll man machen. Und, waren sehr ängstlich. Und, die konnten trotzdem
nichts unternehmen, die haben das irgendwie geduldet. Weil das war wirklich der einzige Weg, dass man etwas unternimmt. Und später, als ich in Partisanen kam. Die haben dann in November, haben, sind meine Eltern geflüchtet, desw-, aber nicht als Juden, muss ich sagen, sondern als Eltern von Partisanen. Weil die Deutschen haben dann Vergeltung gemacht gegen die Eltern, der, die, äh, die Par-, die, die Jud-, die Kinder in Partisanen war. Und meine, und die, durch diese Untergrundorganisation wurden die dann, äh, veranlasst zu flüchten. Und die sind mit einem kleinen Schiff dann, äh, mit vielen anderen, hunderte anderen Eltern, wurde dann aus Šibenik und Umgebung, wurden sie dann weggebracht. INT: Kann ich das eben noch mal klären? Sie sind zuerst geflohen? DA: Ja. INT: Schon als Partisanenmitglied oder
als Mitglied dieser, dieser Untergrundorganisation? DA: Als Mitglied dieser Organisation. Jugendorganisation. Noch kein Partisan. INT: Und das haben die Deutschen dann irgendwann, äh, rausbekommen oder || warum_? DA: Die Deutsche ||| haben heraus gekommen alle Jugendliche, die weg waren. Weil die, als die Deutschen kamen, die haben gesucht, weil alle waren angemeldet. Jetzt diejenigen, die angemeldet waren, waren nicht da. Das heißt, sie wussten, dass sie geflüchtet haben und, nach Partisanen. Und jetzt wollten sie Vergeltung machen gegen die Eltern den Parti-, wollten sie die einsammeln. INT: Wann haben Ihre Eltern davon erfahren? Oder wie haben sie davon erfahren? Wer hat || sie gewarnt? DA: Die haben ||| von dieser Untergrundbewegung, die kommunistische Partei hat dann das organisiert, dass man die, äh, irgendwie retten konnte. Und die, das war eine Rettungsaktion von die Deutschen. Von den_. Dass die Deutschen nicht, äh, die ein-, einsammeln können, haben sie die, die gerettet. Und die haben dann, die wussten, dass sie da was vorbereiten, weil die haben dann wahrscheinlich ihre Spitzel gehabt bei die
Behörden. Die, die gearbeitet haben. Weil die Deutschen haben dann über die Lokalbehörden das durchzogen [durchziehen] wollen. Die haben auch von denen erfahren, wer nicht da ist. Und wollten sie jetzt, äh_. Und da haben sie, äh, die mit dem Schiff gerettet. Und alle sind so genannten <serbisch> zbeg. Das nennt sich, dass die, diese ganze Übersiedlungsaktion, soll ich sagen, die sollten nach Ägypten kommen. Weil dort wurden die, die, die Gerettete angesammelt. Zuerst neben Bari nach Italien oder was ist, äh, hinunter nach, äh, nach Ägypten. Und meine Eltern sind dann geblieben auf Insel Vis. Insel Vis war der einzige Insel, wo die Deutsche nicht hinkommen konnten, weil war das tief im Meer drin. Und die haben keine Marine gehabt, das zu beherrschen. Und der Tito mit seinem Stab hat sich dort angesiedelt
43 [1943]. Und da mein Vater Bauingenieur war, haben sie ihn behalten dort, dass er die, die Fortifikation baut. Das heißt diese Abwehr, Bunker und Geschütze. Was weiß ich für, für Geschütze, dass er das mitwirkt bei Bauen. Und so ist er geblieben und hat er dort gebaut die Festungen. Und meine Mutter war jetzt, äh, allein. Aber sie hat dann in eine Schneiderei hingekommen. Und hat dann gearbeitet in Schneiderei, wo man dann die Anzüge für Militär ge-, äh, angefertigt hat. // INT: Auch auf der Insel Vis? /// Auch auf Insel Vis. So, die sind dann nicht nach Ägypten gekommen, wo die alle andere gekommen sind, sondern geblieben an diese Insel Vis. Und 43 [1943], äh, 45 [1945], als jetzt Dalmatien befreit war, sind sie von Vis zurück gekommen nach Šibenik. Weil in Šibenik war der Hauptquartier
von den kroatischen Untergrundbewegung in Šibenik. Und ich war in Partisanen. Und hab ich angefangt zuerst mit, in der 19. Division tätig zu werden. Und da ich tapfer war, wurde ich auf ein Seminar geschickt für Fortbildung. Da war ich drei Wochen in Parčić, so nennt sich ein kleines Ort. INT: Zu welcher Zeit war das? DA: Das war, äh, das war November 43 [1943]. INT: Und wo war der Ort? DA: Parčić war in Dalmatien. In der Nähe von Split und Šibenik. Das ist, äh, in der Nähe von Knin, wo die Partisanen ziemlich stark waren. INT: War das noch nicht deutsch besetzt? DA: Das war deutsch besetzt. Aber das war ein Befreiungsgebiet. Dass er, die Deu-, die Deutschen haben besetzt nur die große Städte. Und die konnten nicht die kleine Städte Besatzungsmacht ausüben.
Und, äh, die Partisanen haben die kleinere Orte, die kleinere haben die immer befreit. Und wenn die eine deutsche Offensive kam, dann sind wir wieder geflüchtet. Aber die konnten nicht besatzen, alle Orte in Besatzung halten. Die haben nur immer die strategische, wichtige Orte gehalten. Aber Inland und die in Bergen oder_. Da konnten sie nicht. Da waren wir als Partisanen dann tätig. Und wir haben ständig dann Übergriffe gemacht auf die Deutschen, die unterwegs waren zur Versorgung. Oder, äh, in Kämpfe gekommen mit den Einheiten. Äh, äh, Überfälle gemacht an dene als Partisanen auf verschiedenen Orten. Wir sind manchmal fünfzig, sechzig Kilometer zu Fuß marschiert von einen Gebiet zu anderen Gebiet zu kommen. Zum Beispiel in Berg Velebit, wo überhaupt keine Partisanen war. Überfall gemacht und dann zurück und so. Und als die Deutschen wollten die Partisanen vernichten, haben
sie dann ihre Offensive gemacht. Das war die Prinz Eugen Division und die kroatische Vražja Divizija, die, die Offensive gemacht hat. Und leider ist so, in Orten, wo die kamen, die haben die Einheimischen dann angesammelt und als Sympathisanten von Partisanen, haben sie alle dann erschossen. Konnte sich nur gerettet, die nicht im Ort waren. Nach_. INT: Wie haben Sie davon erfahren? Sie waren ja nicht mehr da. Sie sind ja schon_. DA: Wir waren, wir waren da. Wir sind von dort, äh, zurück, uns zurück gezogen. Nach drei Tagen sind wir wieder in die Gebiet gekommen, weil die Deutschen sind vorbei gefahren, weiter gefahren. Und wir sind gekommen, haben wir die Leichen gesehen. Wir haben die Leiche bestattet dann. Nur haben sie gerettet, diejenige, die, äh, mit ihren Schafen waren draußen in Bergen, die wurd-, die sind geblieben. Das war Jammer, was man da gesehen hat. Weil das war, diese Offensive war im Grund genommen eine Vergeltung
gegen den Volk, weil die unterstützt haben die Partisanen. Und, äh, der Endeffekt war, dass der Volk immer mehr unterstützt hat die Partisanen nach diesen Gräueltaten, was die Deutschen da durchgeführt haben. Und, äh, so wurde der Kampf sich hingezogen. Ich war dann, als 44 [1944] haben die a-, angefangen die Deutschen sich zurückziehen. Weil die Wende kam. Sie haben den Krieg an-, angefangen zu verlieren. Das heißt nach Stalingrad war alles bergab. Sie haben dann, aus Griechenland haben sie sich zurückgezogen über Balkan. Und eine, äh, eine Kolonne ist gegangen über Split, Šibenik, nach, äh, Knin. Und die Partisanen haben die immer verfolgt, äh, die, und immer Angriffe gemacht. So waren wir in Knin, waren wir, acht Tage haben wir gekämpft gegen die Deutschen, die den Knin
gehalten haben. Und am Ende müssen sie sich die, die verlassen den Knin, zurückgezogen. Viele Deutsche sin-, wurden da umgebracht in, in diesen Schlacht. Aber viele haben sie sich auch wieder gerettet. Die haben selbst dann eigenen, eigenen, äh, Kranken, äh, die in einen Grotte waren. Mit Munition haben sie alles gesprengt. Auch unsere, die Kranken, die sie nicht mitnehmen konnten, haben sie umgebracht, um nicht zu Partisanen zu kommen. INT: Ihre eigenen Kranken? DA: Eigene Kranken. Ihre eigenen Kranken. Das war alles in Knin. INT: Und wie waren Sie als Partisane organisiert? DA: Partisanen waren organisiert in den Bataillonen. Das heißt in kleinere Einheit, nicht? Und dann Bataillonen, Divisionen. In, nach den Gebieten. Wir waren dalmatische Gebiet, das war die 19. Division. Dann, äh, dann bin ich gekommen in den zwanzigsten, 20., das ist 20. dalmatinische Division.
Und wir haben dann alle gehört zu den vierten Armee. Das ist so genannte vierte Armee. Ich glaube, die haben, äh, die Partisanen haben vier solche Armeen gehabt. Und haben sie auch den so genannte Lokaleinheiten gehabt. Jede Ort hat irgendeine, äh, Lokaleinheit gehabt. Weil die Partisanen haben gleich versucht auch ihre Verwaltung aufzubauen in diesen Orten, wo die befreit haben. INT: Und wer war bei den Partisanen? Nur Jugoslawen oder auch, äh, Leute aus anderen Ländern? DA: Nur Jugoslawen. INT: Nur Jugoslawen. Nur Jugoslawen. Und das war, da Jugoslawien sowieso Vielvölkerstaat war, waren die Serben, die Dalmatiener, die Montenegrinen. Später als die, 45 [1945] war, wurden auch die Albanesen mo-, mobilisiert. Die sind auch dazugekommen. Da war Problem, weil die waren Islam, wegen den Ernährung, wegen ihren Sitten. Aber wir sind dann alle gegangen, die,
unsere vierte Armee ist, äh, hat gekämpft nach Rijeka. Hat befreit. Und von Rijeka ist gekommen nach Triest. Wir waren in den Kämpfen von Triest. Und da war die Frage, wer würde Ge-, äh, den Triest als Erster erobern. Weil wir waren, die Partisanen wollten den Triest, äh, befreien und die Macht aufbauen dort. Aber die Engländer sind von die andere Seite gekommen, und das haben die Partisanen nicht geschafft. Wir waren dann, äh, in eine Mobilsituation, dass wir, äh, war-, gewartet haben, kommt der Kampf zwischen Engländer und Partisanen. Inzwischen hat sich das beruhigt. Die Par-, die, inzwischen Abmachung zwischen Tito und Engländer wurde so, dass wir verlassen haben die Parti-, die, den Triest. Wurde so genannte Zone A und Zone B gebildet. Zone B war unsere. Und meine Divi-,
meine Division, die 20. Division hat sich zurückgezogen in Iliriska Bistrica. Das in Istrien. Und da war große Spannung zwischen Partisanen, das heißt zwischen Tito und die englische Armee. Weil die Deutschen wollten, die waren in den Gerichtsgebäude sich einbunkeriert. Und wollten sie nicht, äh, übergeben den Partisanen. Die haben dort gekämpft und verteidigt sich, bis die nicht Engländer gekommen. Und haben sie sich dann ergeben den Engländer, weil sie haben davor Angst gehabt, wenn sie sich den Partisanen, die werden umgebracht. Und, äh, nach dieser Spannung hab ich zurückgezogen. Und da waren wir, sag ich, in Iliriska Bistrica, das war schon jetzt 45 [1945], nicht, äh. Belgrad war befreit schon im Oktober 44 [1944]. Wir sind dann, ich sollte dann, äh, zur weitere Ausbildung nach Moskau kommen, nach Russland.
Wurde ich abkommandiert von meine Armee. Bin ich gekommen nach Novi Sad. Dort hab ich gewartet, dass ich hinkomme. Inzwischen war Spannung zwischen Jugoslawien und Russland. Ich bin dann nicht hingekommen. Wir waren sechs vorgesehen für Ingenieurakademie. Weil ich war in mitteltechnische Schule. Aber von uns sechs sind nur zwei nach Russland gegangen. Ich bin zurück gekommen wieder nach Ljubljana, wo der der Sitz war von meiner Division. Und, da wurde ich demobilisiert. Habe ich beantragt, dass ich weiter studieren will. Und, äh, da schon mein Posten war besetzt, war gute Gelegenheit. Und ich hab mich dann nach meinen Antrag, hab mich demobilisiert. Und so bin ich nach Belgrad wieder zurück gekommen 45 [1945], Oktober 45. INT: Ich hab noch ne Frage zu den Partisanen. Gab's da auch Frauen? DA: Ja. Frauen waren mit und die haben, äh, mitgewirkt. Und, äh, meisten
auch Sanitäts und solche Einheiten. Aber, äh, haben sie mitgewirkt. Sie haben dann auch in den Verwaltung, sag ich, in Division gearbeitet. Haben sie mitgewirkt. <Ende Band 2>
DA: <Ton ohne Bild> Je nachdem, welche Gelegenheit, nicht? Manchmal haben wir getrunken von den, von, // INT: Bach? /// von_. KAM: <leise> Und ab. INT: <Ton mit Bild> Herr Alpar, mich würde noch interessieren, wo Sie gelebt haben als Partisan. DA: Ah ja, das war verschiedentlich, wenn_. In die Orten, die wir befreit haben, die Dörfer soll ich sagen. Da haben wir dann, äh, waren wir untergebracht bei die Familien. Und das war dann auch ziemlich angenehm, weil diese_. Besonders im Winter, wo wir dann geheizte Räume hatten und konnten wir sie unterbringen. Waren immer zwei, drei Personen bei irgendeiner Familie.
Und verteilt in verschiedenen Orten. Da haben wir immer unsere Wachtposten gehabt, außer den Orten. Dass man, äh_. Weil das war ganze Gebiete. Das ist nicht ein Dorf. Das waren mehrere Dörfer, die befreit waren. Und die waren unterbewirt-. Wir waren schon, so sagen wir, eine Einheit von uns, äh, so, hat, sagen wir, äh, tausend Mann. Und diese tausend Mann zu unterbringen, da musste man schon viele Häuser zur Verfügung haben, viele Dörfer haben. Wir haben auch schon, äh, gehabt, äh, schwere Ausrüstung mit uns. Wir haben unsere Pferde gehabt oder auch Esel. Am meisten haben wir dort die Esel gehabt, die unsere Transporte gemacht haben. Wir haben auch Krankenstation gehabt, für die Kranken zu besorgen. Wir waren schon als eine Militäreinheit eingerichtet, nur dann, wenn wir von diese Dörfern weg waren oder wann die, die
deu-, deutsche und kroatische Ustascha-Offensive war. Da müssten wir uns zu, in Bergen zurückziehen. Und in diesen Berge als wir zurückgezogen, da waren solche Scheunen in die Bergen, wo die Tiere untergebracht waren. Da haben wir diese Scheune genommen für unsere Unterkunft und, im, wenn der Winter und so. Wenn es Sommer war, dann waren wir einfach in dem Wald. In Waldgebieten, wo dichter Wald war, waren wir untergebracht. Die Einheimische haben uns immer geholfen. Weil die wussten die Gegebenheiten. Und die wussten, wo man Wiese gibt im Wald, wo man sich hin, äh, hin quartieren kann. Wo Wasser gibt. Das war sehr wichtig für uns, dass wir immer, äh, Quellen hatten, um, um zu trinken zu haben. Die, das Essen war auch Versorgung von den Einheimischen. Wir haben von denen gekriegt oder zum Beispiel für, wir sind dann auch in Orten, die zu Ustascha waren, die, die zur kroatischen Regierung halten. Wir sind auch
eingedrungen in diese Orte. Da haben wir auch Beschlagnahmungen gemacht von denen haben wir den, von denen die Tiere zum Schlachten oder die=die, was die als Vorräte hatten. Haben wir von denen Mais oder, oder andere Sachen einfach, äh, von denen genommen, mitgenommen und so. Das war schwere Zeiten. Wir haben als Partisanen sehr schweres Erlebnisse gehabt, äh, weil war, wir waren immer in Bewegung. Wir waren nie an einem Ort fast. Wenn wir einige Tage an einem Ort waren, war schon, schon gut. Weil immer haben wir Aufgaben gekriegt. Haben wir ein-, einige Schlacht gehabt. Weil wir die Übergriffe machten oder Angriffe gemacht haben. Mussten wir uns wieder zurückziehen ganz andere Gebiete. Weil wir waren, äh, Stärkeverhält-, im Stärkeverhältnis ung-, untergeordnet. Nur die Deutschen haben ihre Stationen gehabt
in großen Städten. Die haben gehabt in Split, in Šibenik, in Knin. Die konnten, äh, nicht, äh, ihre Macht ausüben in die Dörfer, in die kleinere Orte. Und da war sehr wichtig, wie das Volk zu uns steht. Und gerad in dieser Gebieten waren sehr viel Orthodoxen. Und diese Orthodoxen waren untergejocht von die Ustascha, von Kroaten. Weil die Kroaten haben sie eine Vernichtungsaktion gehabt gegenüber die Orthodoxen. So haben sich die Orthodoxen angeschlossen den Partisanen. Und haben sie auch unterstützt die Partisanen mit, äh, allen möglichen Mitteln. Und, äh, da, diese Auseinandersetzung hat sich wiederholt jetzt in diesem Krieg, was jetzt stattfindet. So dass, äh, wir als Partisanen konnten nur in diesen Orten überstehen. Wir haben keine große Orte gehabt. Erst
später 44 [1944] als die Deutschen sich zurückgezogen, da haben, wollten die größeren Orte auch befreit wie Split, Šibenik. Da war diese Schlacht beim Knin oder Drniš. Das sind alles solche Orte, die dann, äh, die zurücklassen müssen, weil die sich zurückgezogen haben. Und da haben die Partisanen die Macht übernommen. Aber, äh, während der, äh, während diesen Partisanaktionen, wir haben auch unsere Ausbildung gehabt. Wir haben in, ich war noch, ich hab noch einen Kursus dann später, äh, mitgewirkt zehn Tage direkt in Šibenik. Gerade in diesem Haus, wo ich auch gewohnt habe, im Haus Gorettat (nach Gehör). Weil ich kannte da-, dieses Haus und da hab ich empfohlen, dass wir den Seminar dort halten sollen. INT: Als Šibenik schon wieder befreit war? DA: Als die Šibenik befreit war. Als auch meine Eltern schon in Šibenik wieder kamen. So dass, äh, bis zum Befreiung. Das heißt bis sich die Deutschen zurückgezogen haben. Wir haben überwiegend in Wälder
und in diesen kleinen Orten waren wir untergebracht. Und da war für die Verpflegung ziemlich schwer. Manchmal haben wir direkt gehungert, weil wir haben nicht genügend, äh, zum Essen gehabt. Wir haben Waldfrüchte gegessen. Für uns war es manchmal sehr schwer für trinken. Dass wir keine Möglichkeit haben, um an Trinkwasser zu kommen. So, das waren sehr schlimme Zeiten. Aber die Moral war sehr gut, weil wir wussten, dass wir kämpfen gegen die Deutschen. Die wussten, dass ich Jude bin. Ich hab keine da Schwierigkeiten gehabt bis die Befreiung. Erst später wurde ein bisschen eine, äh, Problem gewesen für, auch die Juden und für die Intellektuelle, die in Partisanen waren. Besonders diejenige, die mehrsprachig waren, dass die eventuell Spionen waren. Wurden man die dann
angeklä-, angeklagt oder_. Vielleicht waren auch, äh, manche Spione in Partisanen. Das weiß ich nicht, aber war so eine Aktion, als jetzt die, die so genannte OZNA. Das war die Geheim-, äh, äh, Geheimorganisation von Partisanen, wo die das dann verfolgt haben solche Leute. Ich hab da keine Schwierigkeiten persönlich gehabt. Ich hab da-, dadurch, dass ich ziemlich tapfer war, hab ich auch zwei Tapfermedaillen gekriegt für die, für damalige Zeit ziemlich, äh, gut. Und war ich auch auf Posten als Offizier gewesen. War ich, äh, in den einen Bataillon war ich dann Kommissar von diesem Bataillon. Weil ich war politisch ausgebildet. War ich in den, äh, kommunistische Partei aufgenommen April 45 [1945]. So dass, äh,
diese Zeit, äh, äh, wo_. Kinder konnten nicht hinkommen, waren nur einige Jugendliche, so, sagen wir, 12 bis 15 Jahre, die dazu gestoßen. Aber das waren nur einige, die haben dann als Kurier eingesetzt wurden. Die mitmachen wollten mit Partisanen, weil wir konnten nicht aufnehmen so viel Jugendliche wegen die Bewegung, wegen die Schwierigkeiten, wegen die Last, was wir hatten. Wir haben manchmal sehr schwer. Zum Beispiel wir haben in Livno in einen, in Winter mussten wir das durchqueren. Und wir wussten nicht, dass das so gefährlich ist. Keiner hat uns das so genau gesagt. Und, und manche haben geraten, sollen wir nicht durchqueren diese Livanjsko Polje, so heißt das. Und da ist gekommen so ein Wind mit Schnee. INT: Was war das? Ne Gegend, oder? DA: Eine Gegend. Ja. Eine Gegend,
wo wir, äh, wo Winter war, aber gefährlich war mit, wegen diesen Wind. Und, wir haben gedacht, wir können durchkommen. Und, dann ist das Wind wirklich durchgekommen. Und ungefähr dreißig Leute von unseren Partisanen sind erfroren. Alle diejenigen, die sind stehen geblieben und hinter solche Scheune, irgendein Schutz genommen haben, die sind erfroren. // INT: Zu wie vielen waren sie? /// Wir waren ungefähr hundertzwanzig. Die, da, und dann einige sind gegangen an die Rande von diesem Feld. Gibt da am Rande, wo die, wo die Wälder waren, da sind am Rande, die sind durchgekommen. Die, die quer wollten und, äh, die sind nicht durchgekommen und war sehr schwer. Nur diejenige, die sich ständig bewegen haben, die nie, äh, sich, äh, irgendwie Schutz genommen haben vom Wind und so weiter, die sind dann im Leben geblieben. INT: Wie lange mussten Sie da durch? DA: Den ganzen Tag. INT: Ganzen Tag?
DA: Ganzen Tag. INT: Hat Ihnen jemand geholfen? DA: Nur die Einheimische. Eine Einheimische war. Und aber der hat uns gesagt, dass es gefährlich ist. Er wollte nicht. Und wir haben irgendwie ihn überredet, gezwungen, soll er mit uns gehen. Und das war unser Schicksal. Das war_. Wir haben dann sehr dezimiert gelebt. Das ist, äh, für mich, äh, eine der schlimmsten Erlebnisse, was wir in Partisanen hatten, weil wir so viel Menschen verloren haben. Sonst die Toten haben wir immer sehr gehabt, aber nicht in diesem Ausmaß wie damals. Aber Toten haben wir immer gehabt. In den Gefechten sind immer einige gefallen. Weil, äh, die Deutschen haben ihre Geschütze gehabt. Und, äh, die konnten uns, äh, von weit auf unseren Posten immer schießen. Und wir haben keine, äh, keine Bunker gehabt oder so etwas. Wir haben sich so in, in Feld uns an-, eingegraben. Aber das hat nicht ausgereicht.
INT: Was haben Sie mit den Verwundeten gemacht? DA: Mit Verwundeten, sag ich. Wir haben unsere Kranken-, äh, -abteilung gehabt. Die wurden dann in Hinterland ge-, transportiert, wo unsere Krankenstationen waren, nich? Und Verwundete, die werden dann vergraben irgendwo. In Bergen oder in Dörfer, wo die schon waren, wurden vergraben. Deswegen ist, äh, sagt man, dass in Jugoslawien in den Krieg hat verloren 1,7 Millionen Menschen. Einmal wegen die Vergeltung von die Deutschen und dann Krieg, und dann den Partisanenkrieg. War ziemlich, äh, hart in Jugoslawia durch diesen Partisanenkrieg. Aber, äh, ich hab immer den Standpunkt gehabt, dass es, äh, dass wir eine gute Sache machen. Dass wir kämpfen gegen Deutschen, gegen Befreiung. Und haben wir da, da haben wir, hab ich als Jude auch mein Leben gerettet. Durch diesen Partisanentätigkeit.
INT: Wie war sonst Ihre Ausrüstung im Winter? Wenn Sie zum Beispiel in den Wäldern waren? Wie konnten Sie sich schützen? DA: Ah ja, die Einheimische haben uns gegeben, nich? Wir haben alles Mögliche. Erstes haben wir von die, äh, getöteten Deutschen oder Italiener haben wir ihre, äh, ihre Sachen genommen. Da haben wir uns, äh, von denen die Sachen getragen, was die hatten. Da haben sie uns Einheimischen auch von Wolle haben sie gestrickt. War eine ganze Aktion, dass man die Pullis oder solche Sachen strickt. Das war, keine Uniform hatten wir, jeder hat etwas gefunden, was er hatte. Am Schlimmsten war wegen die Schuhe, weil wir haben keine richtige Schuhen gehabt. Und das ist so ein karges Gebiet, wo die Steine sind. Und am meisten haben wir nur von den, vom Leder von denen, Tierleder gehabt, solche Schuhe, die wir irgendwie gebunden haben, dass wir_.
Wir haben keine richtige Ausrüstung. Und auch die, die, die Geschütze und alles, was wir beschlagnahmt haben. Was wir von den Deutschen oder Italienern oder die Kroaten, die Ustascha, was wir von denen weggenommen haben. Da war später, später haben die Engländer schon uns, äh, geschickt, die Ausrüstung, auch die Nahrung, auch die Militär, mit, äh, mit, äh, Flugzeuge. Die haben abgeworfen dann mit den, äh, (--) äh, mit Flugzeuge, wie nennt sich, mit Schirm. Ja? Haben sie uns dann die, die Nahrung geschickt, wir haben dann angefangt. Und das war schon in, äh, in zweite Hälfte 44 [1944]. Haben wir die Unterstützung gekriegt von die. Und besonders in Dalmatien haben die auch an die Vis gebracht. Äh, war, und besonders was befreit war das Split und Šibenik, haben wir schon in 44 ange-, angefangt für die
englische Unterstützung in den Ausrüstung, in den Anziehen und, äh, und zum Essen gekriegt. INT: Und wie haben Sie die Information bekommen? Wo die Deutschen sind und wo die Engländer sind? DA: Gut, das ist, äh, mit, über den Funkgerät. Funkgeräte haben die alle Einheiten gehabt. Die Funkgeräte haben immer diese Codenumme-, Code untereinander gehabt, nicht? Und haben versucht die Verbindung. Weil das war auf, äh, der Widerstand war ziemlich gut aufgebaut, nicht? Diesen Partisaneneinheiten, durch diese Verwaltung. Divisionen und Armee. Haben sie Kontakte gehabt, so dass diese Koordinierung schon dann da war. Der Tito hat versucht das irgendwie aufzubauen auf eine reguläre Art. Und wir haben diese Funkgeräte wahrscheinlich aus Ausland auch angeschafft. Mit dem Schirm irgendwie geworfen. Gekriegt haben
diese, diese Ausrüstung, so dass wir diese Kontakte hatten. Und auch, manchmal haben wir das, äh, auch von den, äh, Gegner angeschafft. Von die kroatische Einheiten oder von diese <stottert> Übergriffe, wo wir, wo wir gemacht haben, ja? Haben wir auch solche Ausrüstung auch gekriegt, weil, äh, die Partisaneneinheiten. Und da war schon die Gründung von der Staat in Jajce, weil 29. November 43 [1943] wurde schon proklamiert die Staat Jugoslawien von dem Tito. Das heißt, äh, der Partisanenkrieg war ziemlich, äh, entwickelt. Das Problem war, dass die untereinander, äh, feindselig waren mit Tschetniks. Die Tschetniks war, das war auch eine Bewegung, die gegen die Deutschen war. Aber die (-) waren königstreu.
Und die Partisanen und die Königstreue, das heißt diese Tschetniks haben keine einheitliche Standpunkt gehabt im Kampf gegen die Deutsche. Die war dann ein Kampf um die Macht. Die Tschetniks wollten, haben gedacht, die würden auch kooperieren eventuell mit die Italiener und mit, äh, Deu-, Deutschen, um dann später die Macht zu übernehmen. Und Partisanen waren dagegen, die waren für eine harte Kampf und dann waren auch gegen die Tschetnik. So wurde auch zwischen diese zwei Untergrundorganisationen auch zu Kampf gekommen. INT: Waren Sie auch in Kämpfen beteiligt? DA: Ich war ständig, ich war, äh, nie in Hinterland. Im Grunde genommen, ich war damals, äh, immer in Vorderfront. Das war so, ich, (-) herausgegeben, dass ich immer in Front war. Und meine Verwandte
aus Belgrad, die Schauspieler waren, die haben, die Leitner. Die haben sich auch gerettet. Die waren auch nach Split gekommen. Aber die sind dann von Split gekommen nach Rab. In Rab war eine Sammellager von die Juden. Die Italiener, äh, unter italienische Verwaltung. Und die waren nicht verfolgt. Die waren in Rab bis zu 43 [1943]. Und dann sind alle Juden, die dort waren. Dort waren einige hunderte Juden dort. Einige sind in Partisanen, einige sind nach Italien gekommen. Diese mei-, äh, diese zwei Verwandten von mir, die Schauspieler waren, die sind gekommen nach, äh, in Partisanen. Aber die waren dann in, äh, Schauspielergruppe von den Stab von kroatische Untergrundbewegung. So weit war der schon die Organisation (-) erweitert. Dass sich sogar eine Schauspielergruppe gegangen, die dann an Front ihre Vorführungen gemacht haben. (---) Wo die Krankenhäuser
waren, wo=wo der Stab war. Der Stab von der kroatischen Bewegung. War der Stab von der serbischen und so. Und, äh, diese Untergrundbewegung war so organisiert, do-, dort war der Krankenhaus, dort war der Schauspielhau-, die=diese Theater, wo die auch mitgespielt haben und so. Aber ich war immer in den Front, an Front. INT: Welche Hoffnungen haben Sie zum Beispiel im Jahr 1944 gehegt? Oder welche Erwartung hatten Sie, wann=wann hört das auf? Und was kommt danach? DA: Die Hoffnung war, dass die Deutschen den Krieg verlieren. Deswegen haben wir immer die Nachrichten geguckt und alles. Und als der Stalingrad geschah und als das, die Deutschen verloren haben, das war für uns ein Sonnenschein. Das war für uns der Anfang vom Ende. Nur musste man erwarten. Und das hat gedauert ziemlich lang. Hätte damals, damals die Deutschen schon aufgegeben, wäre für uns auch eine Rettung und für viele Menschen. Viele Juden, für viele Menschen überhaupt.
Auch in Jugoslawien hätten gerettet. Aber da die hart-, äh, die Deutschen so hartnäckig waren, haben sie das hingeschleppt bis zu 45 [1945]. Da sind noch viele dann gefallen, unnötig. Weil der Krieg war schon verloren. Das, da wusste <stottert> nicht nur ich als Jugendlicher, sondern wusste jeder, der etwas von dem Krieg, äh, weiß, dass der Krieg verloren war. Besonders als die Russen und die Amerikaner nach der_. Dass die Amerikaner die Normandie gelandet waren. Die Russen von, die Offensive gegen die Deutschen schon an die polnische Boden, deutsche Boden gekommen sind, schon längst war der Krieg verloren. INT: Haben Sie von den Lagern in Jugoslawien gewusst? DA: Ich wusste gar nichts. Ich wusste von, äh_. Wir als Partisanen haben wir_. Gut, das war eine Propaganda. Wir haben auch solche Vorlesungen gehabt. Wir haben gehört. Aber nie haben wir über die Lager und die
Vernichtung von Juden damals gehört oder überhaupt, äh, von die Lager in Jugoslawien oder_. Da war, äh, haben wir gehört von Jasenovac, aber nicht da dieses Ausmaß, was in Wirklichkeit war. Weil in Jasenovac waren die, die jugoslawische Juden vernichtet. Besonders die kroatische. Und da waren auch Zigeuner, waren auch die Partisanen dabei. Und, äh, da war jetzt immer Streit. Ob da siebenhunderttausend wurden vernichtet oder weniger. Wie das über-, übrigens auch in deutschen jetzt KZ oder diese_. Wie viel sind vernichtet. Aber das ist, äh, Nebensache. Die Frage, Ja-, Jasenovac war. Die Überlebenden sind da. Die erzählen darüber. Und da war eine, äh, eine Vernichtungslager. Genauso wie Auschwitz, das war Jasenovac in Kroatien. INT: Aber Sie haben damals noch nichts davon gewusst? DA: Am Anfang. Später hab ich gehört auch davon. In Partisanen auch, weil da wurde es schon übertragen.
Aber sag ich, in unserer Gegend, wo ich in Partisanen war. Ich war in Dalmatien grundsätzlich. Weil ich bin von, in Šibenik war. Und von Šibenik in dalma-, in dalmatinische Einheiten gewesen. Dort hab ich gekämpft, dort waren keine Lager. Nur die Menschen waren verschleppt. Oder, oder war Kommando. Zum Beispiel, die Kommunisten, die wurden, äh, äh, Untergrundbewegung wurde aufgedeckt. Die Kommunisten wurden dann, äh, hingerichtet. So war in Šibenik eine Gruppe von Kommunisten, war auch schon, schon 41 [1941] hingerichtet. INT: Sie sprachen vorhin davon, dass Sie nach dem Krieg, äh, aus dem Militär entlassen worden. DA: <stottert> Nach dem Krieg, äh, entlassen worden. Nur, dadurch dass ich Glück hatte, dass ich vorgesehen war für die weitere Ausbildung. Ich bin von meiner Einheit, wo ich war in dem Stab von 20. Division, wo ich
als Kommissar tätig war, wurde abgelöst. Ein anderer ist dann auf meinen Posten gekommen. Ich bin dann von den meine Armee, ist quasi, mich verabschiedet. Und war ich in Novi Sad, habe gewartet nach Russland zu kommen. Nach Moskau in die Ingenieurschule. Aber da schon damals Streitigkeit war zwischen Jugoslawien und Russen ü-, über die Ausbildung, über die Modalitäten. Dann sind von uns sechs, die wir vorgesehen waren für diese Ingenieurschule, sind wir nur zwei sind hin. Und ich bin zurück gekommen. Und dass ich Antrag stellen wollte, dass ich weiter studieren wollte, war für mich leicht, weil auf meine Posten war schon eine andere gekommen, so konnte ich das durchführen. INT: Und Ihre Eltern, wann haben Sie die wieder gesehen? DA: Die Eltern hab ich in Šibenik gesehen. Die sind dann von den Vis nach Šibenik gekommen als Šibenik befreit war. Das war ungefähr, glaub ich, Oktober fünfundvierz-, äh, 45 [1945].
Genau. Nein. Oktober 44 [1944]. // INT: <leise> 44. /// Weil dieser Ge-, äh, Krieg, Krieg ist, äh, zu Ende ging am 9.9.45 [1945]. Aber diese Gebiete waren schon in 44 befreit. Split, Šibenik oder, und Vis. Und die sind von Vis, das unser, der Stab von der kroatische, kroatische Untergrundbewegung, von Partisanenbewegung, war in Vis. Die sind dann umgezogen nach Šibenik. Und da meine Eltern da mit waren in diesem Stab. Wegen die_. Mein Vater in diesen Auf-, diese Fortifikation. Meine Mutter in der, in der Schneiderei. Die sind dann auch nach Šibenik gekommen. Und als ich dann auf dieses Seminar kam, zufällig. Zehn Tage war ich auf ein Seminar für die politische Ausbildung. Da hab ich die getroffen. So dass, war das Zufall. Und mein Vater war in diese Stab von diese kroatische, äh, kroatische, kommunistische Bewegung, Partisanenbewegung. Die wollten
ihn behalten. Aber er wollte nicht bleiben. Und hatte dann Genehmigung gekriegt nach Belgrad zu kommen. Und er ist dann damals, war schon die Möglichkeit nach Belgrad zu kommen. Weil war Belgrad auch befreit August 44 [1944] von die Russen und von Partisanen. So ist er in September oder Oktober 44 schon nach Belgrad gekommen. Und später ist auch Mutter nach Belgrad gegangen. Weil da war schon befreite Gebiete und da konnte man schon reisen. So dass die dann nach Belgrad gekommen. Und ich bin geblieben in Partisanen noch weiter. Und, äh, da hab ich mit Belgrad keinen Kontakt gehabt, weil wir waren noch im Krieg. Ich war noch in Mai, war ich noch an die, in die Kämpfen in Triest. Und erst später als das, die Kapitulation in Deutschen war, da konnte ich schon aufnehmen den Kontakt mit meine Eltern. Und meine Eltern haben inzwischen, haben sie zurück gekriegt die Wohnung, was wir, was denen
beschlagnahmt war. Sind sie auch zurückgekehrt. Unsere Sachen waren alle weg, nicht wahr? Haben wir nichts gehabt. Jetzt haben wir dann solche Feldbetten gehabt. Und haben angefangt neu das Leben zu organisieren. Aber dann bin ich auch dazu gekommen in, äh, 45 [1945]. Sie sind schon 44 [1944] gekommen. Ich bin fast ein Jahr danach gekommen erst. INT: Und wie ging's für Sie dann weiter? DA: Ah. Weiter, als ich zurückkam, jetzt, äh, wollte ich meine, meine Abschlussprüfung, die ich nicht machen konnte 41 [1941], wollte ich jetzt das, äh, been-, äh, fertig machen. Da bin ich in die Schule gegangen jetzt wieder. Und hab ich mich erkundigt, wie ich das mache. Und die haben mir dann zugesagt, dass sie eine Prüfung für mich machen, dass ich diese Abschlussprüfung machen kann. Ich soll mich vorbereiten für diese Prüfung. Da hab ich mich wieder vorbereitet.
Noch einmal gelernt und die Zeichnungen gemacht. Und in (--) März 46 [1946] hab ich diese Abschlussprüfung nachgeholt. Hab ich diese Abschlussprüfung gekriegt. Und als ich Abschlussprüfung ge-, gekriegt haben und mit der Schulausbildung fertig, war Dilemma, soll ich jetzt in den Hochschule weiter als Student, äh, mich weiter tätigen oder soll ich arbeiten. Und da haben mich dann, äh, da ich, äh, politisch aktiv war jetzt als Kommunist und was weiß ich, haben mich aufgenommen in Verwaltung. 8. April 41 [1941] hab ich angefangt zu arbeiten. War ich zuerst in den Bezirksverwaltung als Techniker. War ich zuständig für die Baugenehmigungen und als Baudezernat gearbeitet in den Be-, 2. Bezirk von Stadt Belgrad. INT: Sie sagten 41 [1941], aber Sie meinen 46 [1946]? DA: Nein,
nein 46 [1946]. 46 hab ich angefangen zu_. 8. April 46 hab ich angefangen zu arbeiten. Und, äh, seitdem kommt meine Arbeitstätigkeit, alles war normal Arbeit bis ich, bis nicht den Infobüro kam. Infobüro war diese Auseinandersetzung zwischen Kommunistische Partei Jugoslawien und Kommunistische Partei von Russland. Diese Infobüro ist ausgebrochen 47 [1947]. Inzwischen muss ich sagen 47 hab ich geheiratet. 28. September 47 hab ich geheiratet. Und haben wir die Tochter gekriegt 9. Mai 48 [1948]. || Wir_. INT: Wo ||| haben Sie Ihre Frau kennen gelernt, auch in Belgrad? DA: Meine Frau hab ich kennen gelernt, weil sie war zugeordnet zu meiner Abteilung,
wo ich Direktor war. Ich war dann Direktor von eine, äh, Verein für die Bauindustrie. Und sie war zugeordnet zu mir, Bauindustrie. Und dass, als, da sie auch Jüdin war, und, äh, zukam. Da haben wir uns kennen gelernt, angefreundet. Und da haben wir auch schnell geheiratet in drei, vier Monaten. Dass wir uns kennen ge-, haben wir auch geheiratet. Und, äh, als jetzt ausbrach der, diese Infobüro, diese Auseinandersetzung, und ich hab mich geäußert gegen Tito. Und, äh, gegen die Kommunistische Partei von Jugoslawien. Wurde ich von meinem Posten aufgehoben. Und wurde ich als Techniker, als Techniker eingesetzt bei dem Baukonzern Congrab (nach Gehör). Und Zufall war, dass in diese Baukonzern Congrab (nach Gehör) mein ehemaliger Freund Jowanowitsch (nach Gehör)
der Generaldirektor war. Und, ich hab, er hat mich aufgenommen. Dort hab ich gearbeitet. Und dort wurde ich 22. Februar 49 [1949] verhaftet. <Ende Band 3>
INT: <ohne Bild, nur Ton> Pedro, wir, wir stoppen dann irgendwann früh genug, dass wir die Sachen noch aufnehmen können. KAM: Hmhm. Ja. Ich würd sagen. Zehn Bilder habt ihr, ne? INT: Das ist sogar ein bisschen mehr. Du müsstest mal gucken, wie du das überhaupt drauf kriegst und ob das geht. Wollte Ihre Frau am Ende noch mit aufs Bild kommen? Soll ich Sie fragen? DA: Sie ist bereit. INT: Möchte sie? DA: Weiß nicht. Kann man fragen. INT: Soll ich fragen oder wollen Sie? DA: Egal, können Sie auch_. <Bildwechsel: Ton mit Bild> KAM: <leise> Gut. INT: Sie haben gerade erzählt, dass Sie verhaftet wurden. Was war mit Ihren Eltern zu der Zeit? DA: Meine Eltern
haben sich entschlossen, auszuwandern nach Palästina. Und zwar schon Israelgebiet. Die sind in November, äh, November, äh, is mir, vierund-, ich bin verhaftet worden am, äh, 43 [1943]. Die sind, äh, ausgewandert November, äh, November, äh, <leise> ja, äh_. || // INT: Sieben-? /// 48 [1948]. ||| // INT: 48. /// 48. November 48 war. Wir sollten auch, meine Frau und ich, auch auswandern mit denen zusammen. Und war dann schon Antrag gestellt. Formalitäten erledigt. Aber da haben wir uns entschlossen, weil meine Frau war schwer von die Schwester, äh, zu trennen. Da haben wir uns entschlossen, erst sollen zuerst die Eltern gehen und dann werden wir nachkommen mit, äh=äh, nächste Gruppe. Nächste Gruppe sollte in April, aber, äh, inzwischen bin ich verhaftet und so ist das, äh, dann nicht stattgefunden.
Als ich verhaftet war, dann bin ich in Untersuchungshaft gekommen. In Untersuchungshaft bin ich leider vierzehn Monate geblieben. Und das nur deswegen, weil meine Eltern haben Antrag gestellt haben. Der Tito soll mir erlauben, dass ich auswandere. Und ich bin dann, äh, von einen Untersuchungshaft, äh, in andere gekommen. U-, und, äh, inzwischen haben wir auch, äh, umgesiedelt worden, in Februar neunund-, äh, -fünfzig [1959], weil, äh, in eine andere Zuchthaus. Und keiner wusste davon. Nur ich konnte Verbindung aufbauen mit meiner, äh, meiner Frau, da ich geschmuggelt habe in einer Kartonpappe, die mir die Wäsche geschickt hat bis ich in Untersuchung hab. Und hab ich meine Frau benachrichtigt, dass wir nicht dort sind. Das ist ein, auch eine kleine Geschichte, dass man, äh, versucht hat_. Ich hab versucht, in den, diese Pappe, weil ich eine Mine hatte, zu schreiben und Nachricht zu geben. Und hab ich Magen David eingezeichnet.
Sie soll suchen, wo ist diese Stelle. Und sie hat tatsächlich gesucht, gefunden. Und seitdem hab ich ungefähr zwei Monate Verbindung gehabt. Und sie hat mir dann auch kleine Bilder eingesch-, hinein geschmuggelt, die dann ganze Zeit, vier Jahre, die ich in Zuchthaus und Verbannung hatte, hatte ich bei sich. Das war einzige Kontakt, was ich mit meine Familie hatte, weil, als ich in Verbannunginsel hatten wir überhaupt keine Nachricht, drei Jahre, von Familie gehabt. INT: Wo waren Sie in Verbannung? DA: Verbannung war so. Wir sind in, äh, Goli Otok heißt, das ist eine, eine Insel, der nichts gewesen war. Eine Verbannungsinsel, die wie ein Gulag war wie in Russland, ganz hart. Wir sind, äh, von unsere Zuchthaus, wo wir in Kovačica waren. In Juni 1950, äh, hinuntergebracht mit solchen Furgonwaggons, äh, gekettet je zwei Personen. Sind wir an den, äh, in den Hafen Bačka
angekommen. Dort hat ein Schiff gewartet. Wir wurden hinaus geschleust von den Wagen, hinein geschleust in den, äh, in diesen, äh, Schi-, Schiff. Das heißt wohl dann_. Äh, in, äh, in Bačka. Und von dort sind wir dann zu den Verbannungsinseln gekommen. Als wir für Verbannungsinseln gekommen sind, ein Spalier gegr-, gebildet von ungefähr eine Kilometer und mehr, wo die, die Sträflinge schon dort waren. Und die haben uns dann in Spalier, durch den Spalier mussten wir durchkommen. Die haben uns geschlagen, geschimpft, gespuckt und gedemütigt, dass man sieht, dass wir überhaupt keine Rechte mehr haben. Die wollten unsere, äh, unsere Seele vernichten, dass wir kein Widerstand geben, dass wir niemand sind. Und so wurde die ganze Zeit in der Verbannung, mussten wir schwer arbeiten. Haben wir gearbeitet in der Steinbrücke mit schweren, äh, schwere Arbeit hinrichten.
Acht Stunden, zehn Stunden. Abends gekommen in den Lager. Im Lager waren wir erschöpft. Da wurden dann auch weitere Maßnahme durchgegriffen, da wir mussten jeden erzählen über unser Leben, über unsere Geschichte. Und wenn etwas nicht in Ordnung war, wurden wir wieder geschlagen, wurden wir dann auch, äh, mit Strafmaßnahmen bestraft. War, äh, fürchterlich dort. Die Schwächeren, die nicht aushalten konnten, sind dabei gestorben, weil die konnten nicht diese, diese, diese Druck aushalten. Weil da war die ständige Schlägerei, ständige schwere Arbeit. Oder, oder Wachposten mussten wir machen bei den Kübeln, dort wo man uriniert, müssen wir Wache machen. Manchmal sind wir eingeschlafen als_. Einfach hingefallen, weil konnten wir diesen, nicht das aushalten. Das hat gedauert ziemlich, äh, lange.
Ungefähr, äh, sechs Monaten. Dann war für diejenigen, die schon das alles durchgemacht haben, die angeblich, äh, Gehirnwäsche durchgeführt wurde, haben wir eine jetzt, äh, normale unter der Anschrift Arbeit gehabt, dass man nicht so, äh, geschlagen wurde. Und haben wir gewartet, dass wir wieder befreit werden. Wir waren nicht, äh, ange-, wir waren nicht bestraft. Keine gerichtliche Verfahren. Wir waren, äh, einfach eingesperrt und verbannt auf diese Insel mit eine administrative Verfügung. Ohne irgendeinen Schutz. Wir könnten uns, nicht gerichtlich, äh, waren wir nicht, äh, bestraft. Wir könnten uns nicht verteidigen, schützen, gar nichts. Wir waren einfach namenlos weg. INT: Wann sind Sie, äh, von dort wieder befreit? DA: Von dort bin ich, äh, befreit dann dreiundvier-, äh, dreiundfuffzig [1953]. Sind wir
dann, äh_. In April 53 [1953] waren wir befreit und dann müssten wir freiwillig noch zwei Monate arbeiten in Montenegro auf einen Bahnstrecke, die wir dort ausgebaut haben. Und als ich dort kam, da konnte mich schon meine Frau und die Tochter, die erst einige Jahre war, konnte mich besuchen kommen. Und die waren bei=bei=bei mir zu Besuch. Und am 17. Juli dann 53 bin ich endgültig nach Hause gekommen. So ist, äh, diese vier Jahre und zwei Monate Haft und Verbannung vorbei. INT: Sind Sie in Jugoslawien geblieben? DA: Ich bin dann, äh, geblieben. Ich hab dann wieder Arbeit gesucht. Und, äh, Dank meinen Freund hab ich, wurde ich wieder aufgenommen in den, denselben Baukonzern, wo ich gearbeitet habe. Bin ich in Baukonzern Congrad (nach Gehör) und da hab ich angefangt als Techniker
zu arbeiten an der Baustelle. Dann bin ich Bauleiter geworden, dann Oberbauleiter. Und da war eine Entwicklung, eine berufliche Entwicklung. Trotzdem, dass ich im Verbannungort war, weil viele konnten nicht. Aber irgendwie hab ich ein Schutz gehabt von meinem Schulfreund, der mich, äh, Möglichkeit gegeben hat, dass ich beruflich mich entwickeln konnte. Als unserer Konzern, äh, angefangt hat in Deutschland zu arbeiten. Und das war 65 [1965], äh, wurde entschlossen, dass man eine Niederlassung aufbaut in Deutschland. Da hat man gesucht einen Fachmann, der, äh, deutschsprachig war. Und da ich ein Einziger war, in dem, in unserem Betr-, Firma, trotzdem, dass wir zwölftausend Mitarbeiter hatten und von Bauingenieure keiner deutsch konnte. Wurde auf die Empfehlung von meinem Generaldirektor, meinen Schulfreund, wurde ich, äh, empfohlen und akzeptiert, dass ich nach Deutschland komme. So bin ich
nach Deutschland gekommen 65 [1965]. Hab ich, äh, diese Niederlassung gegründet. Hab ich aufgebaut die ganze Betrieb. Im höchsten Betrieb haben wir ungefähr sechshundert Leute gehabt. Ich war der Geschäftsleiter von diesen Betrieb. Und bin ich geblieben zwölf Jahre bis zum 77 [1977]. 77, äh, bin ich in Ruhestand gegangen nach dem jugoslawischen Recht. Weil, als Partisane konnte ich mit 55 Jahre in Ruhestand gehen. Statt 65 hier in Deutschland. Oder normal auch in Jugoslawien, wenn ich nicht in Partisane wäre. Habe ich diese Benefizium genützt. 77 bin ich in Ruhestand gegangen. Und hab ich meinen eigenen Betrieb aufgebaut hier in Fran-, in Frankfurt als beratender Ingenieur. Und trotzdem, dass ich jetzt 74 Jahre, ich noch immer arbeite ich. Und hab ich diese beratende Tätigkeit noch heute. INT: Haben Sie noch mehr Kinder bekommen außer Ihrer Tochter? DA: Nach, nach der Befreiung,
äh, von, äh, von Verbannungsinsel als ich zurückkam, hab ich dann noch einen Sohn gekriegt, der ist, der ist geboren dann 54 [1954]. Bin vier-, äh, 53 [1953] nach Hause gekommen, 54 ist geboren. Und, äh, der ist dann mit meiner Frau mitgekommen 65 [1965]. Wir waren hier. Die Tochter ist geblieben, weil sie war schon dort Student in Belgrad. Sie ist geblieben bis sie nicht seine Examen gemacht hat in Belgrad. Mein Sohn hat hier Gymnasium gemacht, Goethe-Gymnasium, hat, hatte Uni. An Universität die Volkswirtschaft gemacht. Dann hat er die Speziele-, die Spezialisation Informatik. Hat doktoriert. Und von hier aus ist dann nach Chicago, sechs Jahre war dort in Chicago, in Abu Kergi (nach Gehör) als Professor. Und jetzt ist zurzeit hier in Marburg Professor an der Universität, Informatik. Und die Tochter arbeitet auch noch immer hier, als, äh, in Rewe als, äh,
Spezialist für die System-, Systeme. Auch Diplomvolkswirt. INT: Haben Ihre eigenen Erlebnisse die Erziehung Ihrer Kinder beeinflusst und wie? DA: Hat vielleicht, äh=äh, vielleicht, äh, ich kann das nicht so beurteilen, aber ich nehme an, dass die durch alle Erlebnisse, was wir hatten, einigermaßen, äh, übernommen haben, dass sie bewusst sind, dass man muss, äh, Ausbildung haben. Muss man dort die kämpfen, dass sie anständige Menschen geblieben sind. Und, äh, wir haben nie Probleme mit unsere Kindern gehabt. Unsere Kinder haben, sind ihren eigenen Weg gegangen. Haben sie sich selbständig gemacht. Und wir waren froh, dass sie ihren Weg gefunden hat. Leider ist meine Tochter nach sieben Jahren geschieden, hatte zwei Kinder, zwei Enkelkinder. Heute sind 21 Jahre, 17 Jahre. War, hatte es schwer gehabt mit zwei Buben, sich durchzukriegen. Wir haben da geholfen. Der Sohn dadurch, dass er,
äh, doktoriert hat und viel lange studierte. Hat geheiratet erst mit, mit 40 Jahre. Er hat auch zwei Enkelkinder, so das haben wir jetzt vier Enkelkinder. Und die ganze Familie lebt jetzt in Frankfurt. Wir sind jetzt neun Personen. Und jeden Geburtstag, den wir feiern, kommen wir irgendwie zusammen. INT: <flüstert leise> <Bildwechsel: Djordje Alpar mit Ehefrau Lili Blum> DA: Ich stelle Ihnen vor jetzt meine Frau, die seit 48 [1948] zusammen sind. Und wir hoffen, dass wir auch die fünfzig Jahre unsere Ehe nächstes Jahr erleben können. Und dass wir weiter mit unsere Kinder und Enkelkinder in, in Frieden leben können. Ich kann dazu nur sagen zu Ende, meine Familie ist eine <weint>
seltene Familie von Juden, die geblieben ist. Die anderen haben diese Glück nicht gehabt. Das ist Schicksal. Und ich hoffe, ich hoffe, dass die, die, die neue Generation nicht das erleben muss, was wir, wir erlebt haben. Das wär es. <weint, Ende> INT: Ja, Herr Alpar, ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen und auch bei Ihrer Frau bedanken für das Interview. <Bild 1> DA: Das ist meine Familie. Von links, meine Mutter, dann mein Bruder, ich und mein Vater. Die Aufnahme ist ungefähr 1938. Das ist meine Familie. Von links ist meine Mutter
Esther (nach Gehör), dann mein Bruder Oto, der jetzt lebt in Israel. Dann ich und dann mein Vater Andrea Abraham. Die Eltern sind ausgewandert 48 [1948]. Beide sind dort gestorben und begraben.
<Bild 2> DA: Das ist ein Arbeiterbuch, die ich in Dubrovnik erhalten habe als Bauarbeiter im Bauunternehmen Dubrovnik. Auf Grund diese Buches, da dort eingetragen ist mein Heimatort Split, konnte ich dann später aus Belgrad nach Split hin kommen. Einen Durchreisegenehmigung kriegen, um mich freiwillig dort zu melden zum Militär. So wurde das von mir aus ausgesagt und so konnte ich dann
flüchten aus Belgrad.
<Bild 3> DA: Das ist ein Bild Mitte 40 [1940] in Partisanen, wo ich schon als Kommissar von Bataillon war. Haben wir eigene Pferde gehabt und da bin ich geritten vor unsere Einheit, die eingedrungen ist irgendwo in Dalmatien.
<Bild 4> DA: Das ist Aufnahme Ende 40 [1940]. // LB: <leise> Stimmt nicht. /// Mit meinem Vater zusammen als er nach Šibenik kam. Dort haben wir uns getroffen. Und er war auch in Partisanen. Diese Aufnahme, wir beide zusammen. LB: Stimmt nicht. Das Jahr stimmt nicht. DA: Wieso? (---) Das ist Aufnahme Ende 44 [1944], wo mein Vater von Insel Vis nach Šibenik kam. Dort haben wir uns getroffen. Und da er auch in Partisanen war. Beide haben wir aufgenommen.
<Bild 5> DA: Das ist eine von den zwei Tapferkeitsmedaillen, die ich gekriegt habe für meinen Einsatz im Kampf in Partisanen. <Bild 6> DA: Das ist Aufnahme als wir geheiratet haben 28. September 47 [1947] mit meine Eltern. Die kleine Bilder, das ist schon von meiner Tochter, die geboren ist in 48 [1948] und als noch Baby. Meine Frau hat mich hinein geschmuggelt ins Zuchthaus. Und diese Bilder hab ich dann drei Jahre mit mir gehabt. Und das war einzige Kontakt mit meiner Familie. (-)
(23) <leise> Auf der Verbannungsinsel hatt ich gar keinen Kontakt. Im Zuchthaus, ja. Aber auf der Verbannungsinsel. INT: Und haben Sie gewusst gehabt, dass er noch lebt? LB: Na ja. DA: Von die, die befreit waren wahrscheinlich das gehört. LB: Nein, die haben nie was gesprochen darüber. Nee, man wusste es, es gibt so ein Lager und dort sind sie und dort arbeiten sie. DA: Aber gut, so wie Sie sagen, dort sind sie vernichtet worden. Gestorben sind da. LB: Ja. Überall. DA: Aber gehört hat man nicht etwas? LB: Nicht. Doch. Äh. Eine_. Doch, eine Karte hast du mal geschrieben. DA: Ich hab geschrieben Karten.
LB: Auf, äh, äh_. <leise, Ende> <Bild 7> DA: Das ist unsere jetzige Familie. Sind wir neun. Hier in Frankfurt leben alle. Von links meine Tochter Judit, hinter und neben ihr sind die zwei Söhne. An der Schulter von den Kleinere, Enkelkind von meinem Sohn. Dann meine Frau, dazwischen mein Sohn. Ich und Schwiegertochter. Und hinten, ah, hinten an den Sohnrücken ist die Enkelin, äh, Dina, oh, Dana. LB: <lacht> Man ist ganz || verwirrt nach so viel. DA: Alles. ||| (13) Das ist unsere Familie. Neun Mitglieder, die jetzt alle leben in Frankfurt. Von links meine Tochter, hinter und daneben ist die zwei Enkelkinder, Andrija und Filip.
Auf der Rücken von Filip ist der Junge Ron von meinem Sohn. Daneben ist meine Tochte-, meine Frau. Dann mein Sohn. Am Rücken ist meine Enkelin Dana, dann ich. Und neben mir die Schwiegertochter. <Ende Interview> <Infotafel wird eingeblendet> KAM: Heute ist der 18. Februar 1996. Der Überlebende heißt Djordje Alpar. Interviewerin ist, ist Ute Müller. Ort, Bundesland: Frankfurt am Main in Hessen. Land: Deutschland. Die Sprache ist deutsch. <Ende>
äußere Bedingungen
Anpassungs- und Überlebensstrategien
Antisemitismus in Schulen
Arbeitsleben
Ausschluss der Juden von Schulen
Belgrad (Jugolawien)
Berufe des Vaters
Bestrafungen
Deutschland 1945 (8. Mai) - 1990 (1. Juli)
Diskussionen über Flucht
Diskussionen über Migration
Diskussionen über Rettungsaktionen
Dokumente und Artefakte (Fotos) Kriegszeit
Dubrovnik (Jugoslawien)
Ehrungen und Preise (Fotos)
Entlassung aus der Inhaftierung
falsche Papiere
Familienangehörige im weiteren Sinne
Familienfotos (nach der Befreiung) (Fotos)
Familienfotos (Nachkriegszeit) (Fotos)
Familienfotos (Vorkriegszeit) (Fotos)
Flucht
Fluchtwege (einheimisch)
Fotografien (Fotos) 1930er
Fotografien (Fotos) Kriegszeit
Fotografien von Interviewten (Fotos)
Gefängnisse
Geschichte: Holocaust
Hashomer Hatzair (sozialistisch-zionistische Jugendorganisation)
Herceg Novi (Jugoslawien)
Italien 1943 (8. September) - 1945 (7. Mai)
Jugoslawien 1918 (11. November) - 1939 (31. August)
Jugoslawien 1933 (30. Januar) - 1939 (31. August)
Jugoslawien 1939 (1. September) - 1945 (7. Mai)
Jugoslawien 1941
Jugoslawien 1941 (6. April) - 1944 (19. Oktober)
Jugoslawien 1943
Jugoslawien 1944
Jugoslawien 1944 (20. Oktober) - 1945 (7. Mai)
Jugoslawien, Föderative Volksrepublik 1945 (8. Mai) - 1948 (27. Juni)
Jugoslawien, Föderative Volksrepublik 1945 (May 8) - 1992 (April 26)
Kenntnis von der Verfolgung von Juden
Kenntnis von Massenmorden
Kenntnis von politischen oder militärischen Ereignissen
Kontakt mit nahestehenden Personen
Kontakt mit nahestehenden Personen, erneuter
Leben unter dem Kommunismus
Leichen
Massenhinrichtungen
Maßnahmen und Gesetzgebung gegen Juden
Mostar (Jugoslawien)
Novi Sad (Jugoslawien)
Österreich 1932 (20. Mai) - 1938 (12. März)
Pässe (Fotos)
Parcic (Jugoslawien)
politische Aktivitäten
Razzien gegen Juden
Registrierung bei Behörden
Sarajewo (Jugoslawien)
Savez Komunisticke Omladine Jugoslavije/Kommunistischer Jugendverband in Jugoslawien
Schulen
Sibenik (Jugoslawien)
Split (Jugoslawien)
Streitkräfte, britisch
Todesfälle in Widerstandsgruppen
Triest (Italien)
Untergrund/Versteck
Unterricht
Verhaftungen
Verhöre
Vorstellung von Freunden und/oder Familienangehörigen
Widerstandsgruppen : Beziehungen zur lokalen Bevölkerung
Widerstandsgruppen : Zusammenarbeit mit Streitkräften
Widerstandsgruppen, jugoslawische
Widerstandsgruppen: Bekleidung
Widerstandsgruppen: Konflikte zwischen Gruppen
Widerstandsgruppen: Lebensbedingungen
Widerstandsgruppen: militärische Operationen
Widerstandskämpfer (Fotos)
Widerstandskämpfer, weiblich
Wien (Österreich : Autonome Stadt/Distrikt)
Wohnverhältnisse
Zionismus
Brüder Oto Alpar
Ehefrauen Lili Blum
Enkel Andrija Alpar
Enkel Filip Alpar
Enkel Ron Alpar
Enkelinnen Dana Alpar
Freunde Banko Mayorovicz
Freunde Jura Krause
Großmütter, väterlicherseits Nanette Münz
Großväter, väterlicherseits Vilmos Münz
Interviewer Ute Müller
Interviewte Djordje Alpar
Mütter Elisabeth Weisz
Onkel Zsigmond Alpar
Onkel Alfred Alpar
Onkel Vilmos Alpar
Söhne, leiblich Pavle Alpar
sonstige Beziehungen Samnilo Pejakovic
sonstige Beziehungen Goretta
Tanten Boriska Alpar
Töchter Judit Alpar-Maric
Väter Abraham Münz
weitere Familienmitglieder Zazo Leitner
weitere Familienmitglieder Ela Leitner
weitere Familienmitglieder Ina Leitner
Widerstandsgruppen: Anführer Bogdan Pecohc
zivile Helfer Branko Pudar
zivile Helfer Kolin family