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<Straßenlärm, Klappern> < Uhrticken in den Gesprächspausen > <CG spricht mit französischem Akzent und durchweg mit stark vom Französischen beeinflusster Syntax und Grammatik, siehe dazu Info-Datei> KAM: Ich habe sie gefunden. INT: Wir laufen. KAM: Kamera läuft. INT: Mein Name ist Birgit Keller-Reddeman. Heute ist der 11. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit


Segment [1]
Zur Person
Zum Interview
Cornelia Gawior
* 21.10.1924 in Frankreich - Wallers
Überlebende Zeugen Jehovas
Lager und Ghettos
Stutthof (Danzig (FC))
interviewt am 11.07.1997 in Dortmund - Bundesrepublik Deutschland
Sprache Deutsch
Länge 01:34:27
Interviewer(in) Birgit Keller-Reddeman
Kamera Rudolph Runge
Transkription Corinna Böcker
Code 32768
<Straßenlärm, Klappern> < Uhrticken in den Gesprächspausen > <CG spricht mit französischem Akzent und durchweg mit stark vom Französischen beeinflusster Syntax und Grammatik, siehe dazu Info-Datei> KAM: Ich habe sie gefunden. INT: Wir laufen. KAM: Kamera läuft. INT: Mein Name ist Birgit Keller-Reddeman. Heute ist der 11. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit
Cornelia Gawior in Dortmund, Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Die Interviewsprache ist Deutsch. CG: Ja, ja, aber schon jetzt? INT: Nee, das läuft noch nicht. CG: Nee, läuft nicht, aha. KAM: Ok. INT: Jetzt laufen wir? KAM: Hmhm. INT: Frau Gawior, wir beding-, wir beginnen mit dem Interview. Bitte nennen Sie mir Ihren Namen. CG: Mein Name ist Gawior, Cornelia. // INT: Und Ihr Geburtsname? /// Äh, gebor-, äh, Geburtsname, äh, Kucinski, <französische Aussprache> Kucinsk-, Kucinski. INT: Wann ist Ihr Geburtstag? CG: Mein Geburtstag ist, äh, 21. 10. 1924. // INT: Dann sind Sie jetzt? /// Äh, in Oktober (--) 72. INT: Und Ihr Geburtsort?
CG: Frankreich. Wallers, Valenciennes. Département de Valenciennes [Département Nord, Kanton Valenciennes). INT: Wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken, wie war das alltägliche Leben bei Ihnen zu Hause in Frankreich? CG: Ach, ganz normal. Lebte mit meine Eltern [Anton und Klara Kucinski]. Ich magte (mochte) so sehr meine Mutter, mehr als, als der Vater. INT: Sie haben mit Ihren Eltern zusammen in einem Haus gelebt? CG: In einem Haus. // INT: Haben Sie auch Geschwister? // Ja, hab ich, äh, zwei Brüder [Paul Kucinski] und eine Schwester [Helene Bomba]. INT: Und beschreiben Sie doch mal n Tag. Äh, was haben Sie morgens gemacht und was haben Sie gegessen? Haben Sie zusammen am Tisch gesessen, gefrühstückt? CG: Meistens haben wir ge-, äh, Vater war nicht da, war in der Zeche, ne, bei der Arbeit. Und mit Mutter, ja, zu Hause, Kinder zur Schule gegangen, in der Zeit der Schule, ja. Meistens Frühstück, Mittag zusammen, Mittag. INT: Hatten Sie Freundinnen?
CG: Freundin hatte ich, aber die habe ich schon lange vergessen. Sie ist umgezogen, hab ich korre-, Korresponden-, kurz, äh, geschrieben, ne, korres-, korrespondiert. Aber sie ist umgezogen, plötzlich das Krieg ist gekommen und das hat sich unterbrochen. INT: Können Sie sich an Kinderspiele erinnern? CG: Kinderspielen, auf die Straße nur, au-, auf dem Hof von Schule, ja, das ja. INT: Wie sah es in Ihrem Zuhause aus? CG: Mein, mein Zuhause? Äh, unten war der, äh, große Wohnzimmer, kleine Küche, Schlafzimmer, wir Kinder oben, in der ersten Etage zwei Zimmer, zwei Kinderzimmer waren (da). INT: Wie war das, äh, Ihre Eltern waren auch Zeugen Jehovas? CG: Ja. INT: Wie sind Sie dann religiös erzogen worden? Was,
wie ging das vonstatten? CG: Äh, als, als Zeuge Jehovas bin ich erwachsen (aufgewachsen). INT: Was hat Ihnen Ihre Mutter erzählt, oder Ihr Vater? CG: Von der Bibel. // INT: Haben Sie zusammen die Bibel gelesen? /// Ja, zusammen, äh, die Bibel gelesen. Wir sind, wir haben uns versammelt auch, ja. Aber das war damals in polnischer Sprache, die Versammlung, ne. Und deswegen später, vor dem Krieg, soll ich schon so weit gehen? INT: Nee, erzählen Sie ruhig, was noch in Wallers war. CG: In Wallers, in Wallers. Das war alles. Bis der Krieg kommt, ne, vor dem Krieg. INT: Waren das denn alles polnische Zeugen Jehovas, wenn die Versammlungen in Polnisch abgehalten wurden? CG: Wir, wir gingen ja zu den polnischen, ne, in Frankreich. INT: Und Ihre Mutter war Polin? CG: Ähm, die Mutter stammte von deutscher Familie. Nur Vater, bin ich nicht so, äh, so richtig informiert, weil so, so
weit bin ich noch nicht gekommen, äh, zu_. INT: Welche Sprache haben Sie denn zu Hause in Wallers gesprochen? CG: Französi-, Polnisch und Französisch. Die, die mit die Eltern, sie Französisch konnten nicht so gut, ne. Und wir, von der Schule haben wir die französische Sprache gelernt, da haben wir Französisch gesprochen. INT: Hatten Sie nur Bekannte, die auch Zeugen Jehovas waren? CG: Nee. Nachbarn, ähm, V-, Verwandten waren, auch war, da war ne Tante noch, eine Cousine hab ich gehabt. Die wohnte bei uns, und ein Cousin auch. Da haben wir mit, mit jemanden zu spielen (gehabt), ne. INT: Wie war das in der Schule? Haben Sie da an dem Religionsunterricht teilgenommen? CG: Da war keine Unterricht, Religionsunterricht, mhmh. INT: Sind Sie denn dann, ähm, von den Zeugen Jehovas ||| unterrichtet worden? CG: Oder meine Mutter ||| hat mich befreit, weiß ich nicht. Aber, hab-,
ich erinner mich nicht, überhaupt wenn, ob, ob da war Religion. Ich glaube nicht. Und? INT: Hat Ihre Mutter Ihnen dann, äh, das beigebracht, was in der Bibel steht? CG: Ja. // INT: Und Sie haben auch zu Hause gebetet? /// Ja. // INT: Mit der ganzen Familie? /// Hmhm, auch. Zusammen, wenn wir haben Mittag gegessen zusammen, ne, da haben wir zusammen gebetet. INT: Und wie war es in der Schule? Waren Sie die einzige Zeugin Jehovas in der Klasse? CG: Nee, da war(en) viel mehr. Gerade meine Freundinnen, ne. INT: Wie kam das denn, dass Ihre Eltern dann nach Wallers gegangen sind, in Frankreich? Wissen Sie, warum das so war? CG: Na ja, <seufzt>, meine Eltern, äh, wo-, eigentlich haben sie sich kennengelernt in Hannover. Da haben sie ver-, äh, sind verheiratet. Da sind auch zwei Kinder geboren, aber war keine
Arbeit da. Mein Vater hatte, hatte keine Arbeit gekriegt. Die Kinder sind auf (an der) Spanische Grippe gestorben, die Babys. Und da, wegen der Arbeit müssen (mussten) sie, sind sie zu meine Großeltern nach Pommern hingezogen. Da auch kriegen sie keine Arbeit. Dann Vater suchte wieder woanders, und=äh, ist er nach Frankreich gefahren. Und da hat er eine Arbeit gekriegt bei der Zeche. Und nach einem Jahr, das war in 1921, ja, und hat er 1922 die Mutter, äh, nach Frankreich, äh, gebracht, ne. Und=äh, da wieder zwei Kinder geboren. Da, da bin ich geboren und der jüngste Bruder, in Frankreich.
Durch so kam das, dass wir in Frankreich waren, ne. INT: Und da waren dann auch Kollegen von Ihrem Vater? Bei den Zeugen Jehovas? CG: Ja. Ja, ja, der, der, äh, M-, Mietek [Mietek Kowalik] nannten wir ihn, ja, und die (der) Jul-, Julian [Julian Kowalik]. Zwei Brüder, die wohnten bei uns früher, und dann mussten sie ausziehen, weil die Familie ist gekommen. Davon haben wir sie, die beiden kennengelernt, ja. INT: Wie war das da in dem Versammlungsraum? Wie sah der aus? CG: Privathaus. Wohn-, Wohnzimmer, ne. <räuspert sich> INT: Können Sie sich noch erinnern, wie viele zu den Versammlungen kamen? CG: Ach, so ungefähr 25, (---) ja. // INT: Mit vielen Kindern, oder waren_? /// Mit Kin-, mit Kindern auch, ja. Auch, äh, Kinder dazu noch, ja, da waren viele Kinder. Unsere vier, noch
ich spreche von Erwachsene, ja, und Kinder dazu. INT: Und in der Schule, hat man sich da, hat man Sie da gehänselt, weil Sie Zeugin Jehovas waren? CG: Kann ich nicht sagen, nee. INT: Wie war das Verhältnis Ihrer Eltern zu den anderen Dorfbewohnern? CG: Zu Nachbarn, wir haben gute Freundschaft zu unseren Nachbarn gehabt. INT: Wie lange sind Sie in Wallers geblieben? CG: Bis vor dem Krieg (---)1939. Äh, da, äh, die Geheimdienst ist gekommen, und=äh, meine Mutter, zuerst meine Schwester, die hatte erst 16 Jahre, und ausgewiesen. Die dachten, dass vielleicht die ganze Familie geht weg, ne, mit das Kind, mit das Mädchen.
Aber nein, weil die haben den ganzen Versammlung ausgewies-, äh, ganze bald, ja, ausgewiesen. Und die haben, äh, meine Eltern, die, die, meine Schwester, die sechszehnjährige Mädchen, mit. Und wir sind geblieben, Mutter noch auch. Und später, nach, nach wie viel, zwei, vier Wochen, die haben gesehen, dass, äh, die Familie ist geblieben, haben sie die Mutter ausgewiesen. Und Vater und Brüder sind geblieben. Also ich bin dann mit meiner Mutter. Mutter hat die Mädchen mit sich da, nach Pommern, ne, und Vater mit Sö-, mit Söhne ist da geblieben. INT: Warum sind Sie nach Pommern gegangen? CG: Weil meine Eltern schon aus Frankreich haben einen kleinen Bauernhof gekauft. Und da sind wir nach Pommern.
Und die Großeltern davon stammen, ne, aus Pommern, die wohnten da auch. INT: Was hat Ihr Vater dann, äh, mit Ihren Brüdern in Frankreich noch gemacht? CG: Da, äh, kommt das, der Krieg kommt (kam) da sofort, ne. Also irgend-, die, die Deutsche, äh, äh, haben meinen jüngsten Bruder zur Zwangsarbeit nach Sylt, Insel Sylt geschickt, und der Ältere ist nach England. Wie kam er da, <lacht> weiß ich nicht. INT: Hat Ihr Vater dann am Krieg teilgenommen? CG: Nee. // INT: Hat er sich geweigert? /// Weiß nicht, da weiß ich nichts. Er war schon nicht (mehr) jung, ne. KAM: Ganz kurz, weil das Mikrofon an dem, an dem Revers_. <CG lehnt sich zurück> KAM: Ja. CG: (unverständlich)
INT: Äh, wie haben Sie denn 1933 erlebt als Hitler in Deutschland die Macht ergriffen ht? Wie waren die Reaktionen da in Wallers, bei Ihren Eltern, bei Ihren Bekannten? CG: Ich war noch ein Kind, weiß ich, genau so kann ich nicht (mich erinnern). // INT: Hat man sich darüber_? /// Haben wir nicht, haben wir nicht darüber gesprochen. INT: Als Sie dann 1933 nach Pommern gekommen sind, wie war das da? Können Sie das beschreiben? Wie sind Sie da überhaupt hingekommen? CG: Das war ganz schwer. Da, äh, unsere Brüder haben organisiert einen Punkt in Posen [Poznań], ne, auch zu Bekannten, auch unsere Brüder, ne. Da sind wir uns angehalten zwei Wochen bis meine Mutter irgendwie konnte da zu dem Bauernhof kommen, ne, mit uns. INT: Mit welchen Verkehrsmitteln sind Sie bis Posen gekommen? CG: Mit dem Zug. INT: Und das ging 1939 ohne Probleme?
CG: Irgendwie sind wir gekommen, mit dem Zug, ja. // INT: An der Grenze_ ? /// Das war vor dem Krieg, 39 [1939] im Juni, und das kommt ja erst in 1. September [1. September 1939] das Krieg, ne, ausbrach. INT: Und wie war das dann in Pommern bei Ihrer Großmutter? Können Sie das beschreiben? Wie haben Sie da gelebt? CG: Die waren schon gestorben. Nur Vater, äh, Mutter war, die Großmutter von meine Vater (väterlicherseits). Na ja, und von meine Mutter Seite die Großeltern lebten schon nicht (mehr). // INT: Mit denen haben Sie dann in einem Haus gelebt? /// In einem Haus. INT: Und Sie mussten dann ja langsam mal überlegen, eine Berufsausbildung zu beginnen. Sie waren da 15 Jahre, denke ich. CG: Da hab ich nur ein Jahr deutsche Schule gehabt, nicht, und dann musste ich helfen auf dem Bauernhof. Ältere Schwester ist zum Zwangsarbeit,
äh, weggeschickt, und da bleib (blieb) ich, ich alleine. 16, ja, noch nicht 15 Jahre, mit zwei, meiner Mutter und Großmutter, ältere Frauen. Also ich musste alles (machen), und schwere Arbeit. <lächelt> INT: Was haben Sie gearbeitet? CG: Auf dem Hof. Mit dem, mit dem Pferd musste ich auch lernen zu arbeiten auf dem Feld, nicht, ich musste das alles. Und ich finde das ganz gut, weil wir haben wenigstens von was zu leben (gehabt). INT: Und zu der Zeit waren Sie nicht mehr auf der Schule? CG: Zu der Zeit war ich nicht in der Schule. INT: Von wann bis wann waren Sie denn dann auf der deutschen Schule? CG: <seufzt> Sofort na-, nach der Besatzung ein Jahr ungefähr. Das war im, im, ja, gerade September fängt er an, ne, bis vielleicht Juni, Juli, weiß ich nicht jetzt genau. Das ist nicht,
hab vergessen schon, <lacht> lange Zeit. INT: Können Sie sich noch daran erinnern, was sich verändert hat nach dem Überfall auf Polen? CG: Tja, viele Dinge habe ich gehört, ne, was wurde getan mit die Menschen. Auch von Dorf weggenommen, weiß man nicht wo verschwinden, gar, gar nicht zurückgekommen. Ja, aber habe ich auch damals gehört, dass Babies, damals als Mädchen hab ich das gehört, Babies Soldaten haben durch die (an den) Füßen genommen und auf dem (an die) Wand mit dem Kopf, sowas haben die getan. Also ha-, hatte ich schon eine, äh, ein, äh, ein-, anweisende Einstellung, ne.
Wie kann man sowas tun, ne? INT: Was waren das für Soldaten? CG: Deutsche Soldaten. // INT: Und wer hat Ihnen das erzählt? /// Die Menschen im, aus dem Dorf, ne. INT: Haben Sie selbst solche Überfälle und Misshandlungen gesehen? CG: Gesehen hab ich sie nicht, ne, zu der Zeit, da wo ich wohn(te), da in Pommern. INT: Waren denn an dem Ort in Pommern auch viele Zeugen Jehovas? CG: Da, äh, waren auch ein paar, aber nicht viele. In andere Dörfer da. INT: Haben Sie da Versammlungen abgehalten? CG: Geheim sind (haben) wir sie besucht. Und so konnten wir uns ein bisschen geistig stärken. INT: Und Sie mussten ja auch, Sie brauchen ja auch ungesäuertes Brot und Wein, haben Sie das bekommen können? CG: Äh, das war schon auch, ja. Aber da sind wir gefahren nach Konitz [Chojnice]. Und da wurde
auch ich in 42 [1942] im Dezember getauft, mit meiner Schwester. INT: Konitz [Chojnice] ist dann ein Ort in der Nähe? CG: Konitz, das ist ja, Tuchel [Tuchola] ist 10 Kilometer, und da muss ja irgendwo, 17, 18 Kilometer_. INT: Wie sind Sie denn dann immer nach Konitz gefahren? CG: Äh, mit, mit dem Zug, der ging ja, hmhm. Sogar nach Elbing [Elbląg, Ermland-Masuren] bin ich gefahren, mit unsere Literatur, <lachend> zu meine-, Mäd-, Mädchen, die zur Zwangsarbeit sind wegge-, geschickt, ne. Da haben sie sie (wir sie) besucht auch, und die haben sich sehr gefreut. Waren sie ein bisschen geistig gestärkt. INT: Also Sie sind von den Zeugen Jehovas zu anderen Zeugen Jehovas geschickt worden, // CG: Ja. /// die Zwangsarbeit gemacht haben? CG: Hmhm. INT: Als Sie die besucht haben, wie haben die gelebt? Was haben Sie da gesehen? CG: Ach, die waren beim Bauern,
ne, zu, zu arbeiten. Ja, ein bisschen war, äh, die haben mit den Ernährung und so und beha-, (wurden) behandelt, sie waren ein bisschen so niedrig, ne. Aber es gehte (ging), ne, so schlimm war das nicht. INT: Wissen Sie, warum Sie da noch nicht zur Zwangsarbeit // CG: Weil, /// angewiesen wurden? CG: Weil ich, äh, zu Hause mu-, musste helfen, die zwei ältere Frauen, meine Mutter und Großmutter. INT: Wussten Sie denn zu dem Zeitpunkt, was mit Ihrem Vater und Ihren Brüdern geschah? CG: Nichts, absolut nichts. INT: Worüber haben Sie sich mit Ihrer Mutter und Ihrer Großmutter unterhalten? CG: Ach, verschiedene Dinge, erinnere ich mich schon nicht (mehr). INT: Ging es auch um die Situation, um den Krieg, um die Besetzung und wie es weitergehen würde? CG: Ja, ab und zu war, waren so Wechselworte, ne,
Wechselgedanken und so. Aber das kann man nicht so genau jetzt sagen, ne. INT: Fühlten Sie sich in Gefahr? CG: In Gefahr, ja, doch. // INT: Warum? /// Meine Mutter wurde der Treu-, Treuhändler, das war ein Treuhändler (Vertreter der Treuhandstelle), Deutsche (ein Deutscher). Und der hat bedroht, dass er hängt meine Mutter, wegen, weil sie ging ja mit Menschen im Dorf unterhalten sich über die biblischen Gedanken, ne. INT: Also Ihre Mutter hat auch im Dorf /// || Ja, ja. // INT: missioniert. /// ||| CG: Hat sie erzählt, ja, Predigten, hm. INT: Und was haben die Dorfbewohner dazu gesagt? CG: Nichts. Die haben gerne sie, äh, als Besuch ge-, gehabt haben, ne. INT: Ist denn daraufhin auch
jemand zu der Versammlung dann noch gekommen? CG: Von Brüder, ja, ja, aber das war weiter ein bisschen, ein paar Kilometer. INT: Gab's im Dorf, ähm, ja, sowas wie Ablehnung gegen Sie, weil Sie Zeugin Jehovas waren? CG: Die waren selbst unter Druck. Also kann man nicht sagen. Wir haben all-, wir waren el-, alle so unter Druck, ne, verfolgt kann man sagen, ne. INT: Wie sah das Alltagsleben dann in dem Dorf aus zu der Zeit, um 1939, 1940? Hatten Sie genug zu essen? CG: Die meisten hatten, äh, Bauernhöfe. Da waren auch viele deutsche Familien, ne. Die waren auch mit uns ganz_, weil meine Mutter beherrschte die deutsche Sprache gut, ne, von Hannover. Und=äh, sie hat mit Deutschen viel zu tun gehabt, erzählt, sogar auch Studium
mit der Bibel durchgeführt, ja. Da (wurde sie) freundlich angenommen, kann man nicht (anders) sagen. INT: Wie würden Sie denn das Verhältnis zwischen Deutschen dort in Polen und den Polen selbst beschreiben, zu der Zeit? CG: Da-, das kann ich Ihnen nicht sagen, da das, äh, ein bisschen_, da mehr diese Dorfgrundstadt war mehr deutsch als pol-, als polnisch. INT: Gab's dann da Ressentiments, also Vorurteile und Repressalien gegenüber Polen? CG: Das kann ich nicht sagen. INT: Sie haben eben schon den Tag Ihrer Taufe angesprochen. // CG: Ja. /// Können Sie mir den Tag beschreiben? Wie war das da? CG: Da, das war in einem Privathaus, ne. Und=äh, in der Wanne war ich getauft, so, das war geheim. <lacht> INT: Ja, wie ist das abgelaufen? Wann sind Sie morgens aufgestanden und
losgefahren? CG: <lacht> Das sind Kleinigkeiten, die, die k-, die kann man nicht mehr behalten. <lacht> Ist nicht zu beschreiben, nur grob, ne, wie dass in der Wanne war ich getauft. Da haben wir gesprochen, da haben wir über die Bibel, die Wahrheit, ne, der Bibel, und gebetet // INT: Ja, ich weiß nicht, /// || und getauft. INT: wie so eine Taufe ||| dann abläuft, wenn man schon erwachsen ist. Können Sie das genauer beschreiben? CG: Zuerst, zuerst erklärt man. Da der V-, äh, der Bruder, der Familienvater, das war auch eine Familie, er kannte schon lange auch die Wahrheit, die biblische Wahrheit, ne, war ein Zeuge. Und er erklärte uns. INT: Wie viele waren Sie? CG: Was ist_, damals nur ich und meine Schwester. // INT: Hmhm. /// Ja, und dann haben sie so vorbereitet extra für uns beide, ne. Und er erklärte, wozu ist, äh, solche
Taufe, ne. Äh, eigentlich so wie Jesus. Erst (das Erste) was er, was er hat gesagt: "Vater, ich gehe, um deinen Willen zu tun. Und taufe ich mich, um deinen Willen zu tun. Nicht nur dass ich bin ein Zeuge, Zeuge Jehovas, aber um die Willen Gottes zu tun." Sogar Jesus hat so gesagt, ne. Das ist das Wichtigste, um treu zu bleiben weiter, ne. Das ist, äh, kann man, wie kann man sagen, wie eine, ein Antrag, wie ein Beweis seiner Hingabe. Zuerst, die Hingabe ist zuerst als die Taufe, man sich bereitet schon psychisch, ich möchte Gott dienen
und ihm treu bleiben. Dann bewies ich das durch die Taufe. INT: Wie geht das rein praktisch vonstatten? CG: Äh, einfach, äh, setzt man sich ins Wasser. Haben Sie nicht gesehen im Kongress, wie man in große Becher (Becken) oder, oder Schwimmbäder, ne, also, äh, hinsetzt sich oder, oder kniet, hinsetzt sich, äh, ja. Und dann, äh, der ganze Körper muss unter Wassen, Wasser sein. Und dann hebt (nach Gehör) man sofort, ne. So Jesus war auch getauft. Ganze Körper untertauchen und hochheben. Das bedeutet, dass ich mein früheres Leben hinter, äh, runter, unter Wasser und ein neues Leben anfange. INT: Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie dann an hatten dabei?
CG: Äh, Badeanzug. So heute ist auch, bei dem Kongress auch. INT: Und das war ein Fluss, wo Sie rein getaucht wurden? CG: In, ich in der Wanne. // INT: In der Wanne? /// In der Wanne. // INT: In der Badewanne. /// Ach, Badewanne, ja. <lacht> Das fehlte mir, ja. INT: Sie und Ihre Schwester waren dann dabei, und Ihre Schwester ist auch_? CG: Ja, einer nach dem anderen, ja. INT: Und wer war da noch anwesend? CG: Die ganze Familie und ein paar Brüder, unsere, ne, unsere Gemeinschaft, ja. INT: Haben Sie das anschließend dann noch irgendwie gefeiert? CG: Kaffee getrunken, ja, so, da erinnere ich mich schon nicht. <lacht> Ich weiß (nicht), ist so lange (her). INT: Ich denke, dass das ein ganz wichtiger Tag war für Sie. CG: Ja, das war ein wichtiger, aber ich nehm (erinnere mich) eher die geistige Fühlung, was ich fühlte damals, nicht, als die
Nebensache.<lacht> INT: Ja, dann beschreiben Sie mir, was Sie gefühlt haben. CG: Ich, wie ich fühlte mich? Dass ich hab eine Aufgabe zu tun, ne, und muss ich sich (mich), äh, jetzt die Richtlinie behalten, ne. Die Gesetze (ein)halten und so. Aber ich fühlte mich sehr wohl, ja, dass ich hab mich Gott hingegeben. INT: Das stand für Sie auch bis dato nie außer Zweifel, irgendetwas anderes zu machen? CG: Kein Zweifel. Ich war so, äh, bezeugt (überzeugt) von dieser Wahrheit, weil ich hab auch gehört und gesehen, ne, viele Dinge, die, äh, sogar selbst das Krieg, zu töten. Das Gesetz Gottes sagt: Du sollst nicht töten, in Frieden leben mit anderen, kein Hass. Und das (emp)finde ich als richtig,
um Frieden zwischen die Menschen, dass das herrscht, die Frieden zwischen die Menschen. Und Kriege sind nichts Gutes. Sogar lernen zu, äh, Kriege zu führen ist nur, um Menschen zu töten. INT: Aber es war ja Krieg. Und wie hatten Sie das Gefühl, konnten Sie da was dran ändern? Und was war für Sie da jetzt Ihre Aufgabe, für Frieden zu sorgen? CG: Menschen, wie die Bibel sagt, sind nicht in der Lage, Frieden auf der Erde zu schaffen. Warum? Weil die Menschen sind sündig. Sie brauchen selbst Hilfe. Und die unterschiedliche Religionen, Gemeinschaften, Denken, das bringt nie zusammen. Wir haben schon jetzt Beweise auch.
Die haben so Päpste, äh, Popen und ver-, verschiedene Hoch-, äh, Religions-, äh, zusammen sich gesetzt, weiß nicht, welcher war das. Die haben nicht zum Frieden gekommen, weil jeder vertritt eine andere Meinung, wie seine Religion gelernt, äh, lehrte. Und wir halten uns an die alte, an der Muster, die Jesus hat uns mitgebracht. An das, was Gott lassen schreiben lassen (hat schreiben lassen), sein Wort. Und das ist gerecht. Er ist der höchste Univer-, äh, höchste Herrscher der Welt im Universum, er hat das alles geschaffen. Er hat den Menschen geschaffen und er weiß, was der Mensch braucht. Und er sorgt dafür, dass ein Frieden auf der Erde wird. Kein
Hass, keine Kriege. INT: Aber 1942, wie gesagt, war Krieg, Sie haben von Misshandlungen gehört, Sie haben gehört, dass die deutsche, äh, Wehrmacht immer weiter nach Osten vorgedrungen ist, dass_. Haben Sie da schon gehört, dass auch Zeugen Jehovas in Deutschland selbst verfolgt wurden? CG: Ich hab gehört schon damals, dass, äh, in Berlin einer wurde, äh, Feld-, Feld-, äh, ge-, unter Feldgericht, er hat abgelehnt, äh, Wehrmacht, im Krieg zu gehen, ne. Und wurde, äh, mit Todesstrafe hingerichtet. INT: Wussten Sie noch mehr von den Dingen, die in || Deutschland passierten? CG: Ja, haben wir viel, ||| haben wir viel mehr gehört, ne. Verfolgung, die die mit, mit Literatur wollten ein bisschen, weil, äh, man braucht ja eine geistige Stärkung zu haben,
ne, und weiter im Glauben zu bleiben. Und da Brüder haben gesor-, besorgt, um irgendwie eine Literatur durchzu-, äh, bringen, wie soll ich das sagen? Dass die auch, äh, durch die Grenze geht, ja, und so. Wir von Deu-, von Berlin haben wir gekriegt auch, Wachturm (religiöse Zeitschrift der Zeugen Jehovas). // INT: Wie? /// Ja, unsere Brüder haben gesorgt dafür. Und das war so, eine Schwester hat gearbeitet auf'n Post in, äh, Danzig [Gdańsk]. Und sie fuhr ja öfter, eine Beamtin war sie, ne, fuhr ja öfter nach Berlin, von Berlin hier nach Danzig. Und so konnten (wir) unseren Wachturm bekommen. <lacht> Ich selbst hab schon, um meine Brüder zu stärken geistig, hab ich selbst Wachtürme hand-, händig geschrieben, um die anderen zu-,
weiterzugeben. INT: Haben Sie dann was abgeschrieben? CG: Hab ganze Wachturm. INT: Und an, wie haben Sie das dann weiterverbreitet? CG: Ähm, durch jemand, hab ich, äh, ich, äh, zum Beispiel in Posen [Poznań], wir waren auf einem Bauernhof, nach Posen, da kannten wir uns genau, ne, zu Besuch manchmal da, ne. Oder, oder da kommt der Sohn zu uns, ne, und dann haben wir (sie) übergeben, ne. INT: Sind denn Zeugen, und=äh, von, von Ihrer Versammlung, aus Ihrer unmittelbaren Nähe, auch verhaftet worden und weggebracht worden? CG: Da weiß ich (nicht), was ist geschehen, weil ich bin da ins Konzentrationslager gekommen. Weiter da weiß ich nicht. // INT: Also niemand aus Ihrer Umgebung /// von // INT: ist weggekommen? /// Da weiß ich nicht davon. INT: Wann sind Sie verhaftet
worden? CG: Ich wurde im August 44 [1944] (verhaftet). Da hat-, hatte ich bekannt gekriegt schriftlich, dass ich soll mich stellen in Szeczoen (nach Gehör) (Szeczin?), und weiter, wenn (als) ich bin da schon (an)gekommen, dann=äh, guck ich, viel, viel mehr Mädchen, Frauen, ne. Und die haben uns in Lastwagen eingeladen und nach Umgebung, auf'm Feld von Thorn [Toruń] // INT: Gut. /// gebracht. INT: Machen wir an dieser Stelle ne kurze Pause und wechseln die Kassette. <Ende Tape 1>
INT: Ich komm ganz gut ran, da hab ich was, wo ich mich festhalten kann. KAM: Ja. <Lachen mehrerer Personen> CG: Zu Hause mein Mann spricht auch Französisch, weil die waren auch_, nur die mussten früher_. Und da konnten wir uns zu Hause unterhalten, wenn die, die Kinder sollten nichts hören, dann, <lacht> na ja, gehen wir dann. // INT: Na ja, aber die Kinder haben's wahrscheinlich schnell_ /// verstanden. INT: (unverständlich) schon? CG: Nee, nee. INT: Das ist die zweite Kassette des Interviews mit Cornelia Gawior und wir waren da stehengeblieben an dem Tag Ihrer Verhaftung. So, Sie bekamen einen Brief, dass Sie sich irgendwo einfinden lassen sollten. Von wem kam der Brief? CG: Von die Beamte, von, (--) von Beamten, ja, von, von, von Szeczin (nach Gehör), glaube ich, ja. Na, da, da war ein Punkt, ein deutsche,
äh, äh, ich weiß nicht, ja, Beamten, ne. // INT: In Deutsch? /// Ja. Meistens machen das SS, das waren SS, zwei SS mit uns waren. Und=äh, <räuspert sich> Entschuldigung. INT: Also was stand genau in dem Brief? CG: Ich soll mich kurz (in Kürze) da hinstellen, in Szeczin (nach Gehör). Und da haben sie uns eingeladen auf'n Lastwagen, und=äh, sind mit uns gefahren bis, äh, auf'n Feld vor Thorn [Toruń] (Außenlager des KZ Stutthof), eine Stadt. INT: Hatten Sie eine Ahnung davon, was Sie erwartet? CG: Nee, da erst, auf'm Feld haben wir gesehen, die haben uns Schippen, äh, gaben jedem, ne, und mir auch. Und ich wollte nicht nehmen, <lacht> die anderen sind schon weitergegangen, ne, und dazu die haben gesagt, was (wir) sollen tun, ne. Dass wir sollen Schützengräben graben, ne,
äh, für die Soldaten. Und=äh, ich hab abgelehnt. Hab ich gesagt: "Ich bin Zeugin Jehovas und möchte ich nicht mit dem Krieg was zu tun haben. Mein Gewissen zu lässt mir nicht." Weil das ist alles, um Menschen zu töten, ne. Hab ich abgelehnt. Und die haben geschrien, die haben mich mit, mit, äh, mit Birken-, äh, stöcken gehauen. Aber ich stehe bei meine Meinung, weil, äh, stand, weil mein Gewissen zulässt mir nicht, und irgendwas, äh, gegen die Menschen zu tun, ne. Und überhaupt zu töten. Und dann letztens die haben nicht, äh, geschafft mit mir, äh, mit dem Zwang was zu tun. Da plötzlich stand einer hinter
mir, ein SS, einer vor mir. Und das ging ja so schnell, kann man sagen Sekunden. Die haben, äh, er hat ja die Waffe gezogen und zu mich, mich zu erschießen, aber ich war bereit. Bevor das alles passiert, habe ich Gedanken gehabt. Die Menschen sind in der Lage sich (zu) opfern, in den Krieg (zu) gehen, sind, sich opfern, um sich selbst opfern zu, für einen Menschen. Und die (denen) sage ich: "Für Gott." Ich, ich tue nichts Schlechs-, Schlechtes, nur um Frieden zu halten, ne, zwischen die Menschen, keinen Hass. Ich sage: "Nein". Da, deswegen hab ich je, hab ich die Kraft gehabt, das abzulehnen, und war ich bereit, mich zu opfern. Und gerade will er mich erschießen, plötzlich seine Hand geht langsam mit die Waffe runter. "Nach Gestapo!", schreit er,
ne, das waren Sekunden. Und ich war so erleichtert, so froh, hab ich sogar, sofort, äh, so in Gedanken: Bedanke mich Jehovas, dass du hast mich am Leben zurückgelassen, ne. Und das war, bin ich nach Gestapo gebracht da, äh, dauerte nicht lange bis nicht, da war ich übernachten, und nächste Tag die haben mich ins Gefängnis gebracht. Thorn, in Thorn [Toruń], das war eine runde Gefängnis. INT: Wie war das bei der Gestapo, was war das da? CG: Die haben, die haben mich noch befragt, ne, und hab ich meine Meinung gesagt. Ich bleib, ich will nichts mit dem Krieg zu tun haben, ne, und möchten zu (und möchte niemanden) Schaden zu, zu-, äh, zufügen, ne. Und dann, äh, haben sie nicht versucht weiter, nur mich ins Gefängnis geworfen. INT: Wie war das Gefängnis? CG: Gefängnis, gerade in eine Zelle, wo waren nur,
wie nennt man das, (---) die, die auf die Straße stehen. // INT: Prostituierte. /// Prostituierte, nur Prostituierte. Da hab ich einen Kampf auch gehabt. // INT: Warum? /// Weil die nicht nur mit die Sprache, brutale Sprache, schmutzige Sprache, aber die, die haben sich selbst, Sie wissen ja, Mädchen <lacht>. Und ich musste mich rein da halten, aber bin ich geblieben rein, mit ihnen habe ich nichts zu tun gehabt. INT: Und wie ging es dann weiter? CG: Dann nach 5, 6 Wochen so ungefähr, da haben die mich transportiert nach Marienburg, kurz vor dem Stutthof-Konzentrationslager, nach Marienburg. Da hab ich eine oder zwei Wochen, war ich da auch im Gefängnis, bis
die haben, äh, wieder mehr gehabt von Häftlingen. Und dann kam von Stutthof eine Kleinbahn, die uns fuhr ja rein in Konzentrationslager. INT: Lassen Sie uns mal eben zurück zum Gefängnis kommen. Sie waren 5 Wochen dort eingesperrt. // CG: Hmhm. /// Ähm, haben Sie da auch, äh, andere Zeugen Jehovas noch getroffen? CG: Keine, war ich alleine. INT: Hat man Ihnen da schon mal, ähm, gesagt, wenn Sie jetzt abschwören von Ihrem Glauben, lassen wir Sie frei? CG: Die, die haben, die haben mich nicht versucht wieder zu_, ich glaube, das hat genug schon da, dass ich, nein, haben sie nicht versucht. INT: Welche, äh, Gefängnisinsassen waren noch mit Ihnen? CG: Nur die Frauen da, nur. INT: Waren das auch politische // CG: Nee. /// Gefangene oder || aus dem politischen Widerstand? CG: Nee, das waren nur, ||| das waren nur die Prostituierte da in Thorn [Toruń].
INT: 5 Wochen waren Sie dann da. CG: Da 5 Wochen war ich (da). INT: Ja, und dann, ähm, waren Sie gerade schon stehengeblieben, dass Sie in Stutthof angekommen sind. // CG: Ja. /// Können Sie da die Ankunft beschreiben, wie war das? CG: Ah, Ankunft, äh, in eine Stube alle Häftlinge, nackt ausgezogen, alle seine Sachen weg. Dann in eine andere Stube, und=äh, nein, da war noch nichts. Die, die, die lila Winkel hab ich später gekriegt. Dann in andere Stube, die haben uns nicht die Haare, sonst haben sie immer die Haare, äh, ganz kahl abgeschnitten. Die haben uns zurückgelassen nur mit, äh, Kup-, Kup-, Kupper (nach Gehör), äh, so ein Zeug, ein Flüssigkeit, das war so klebrig. Nur gegossen, dass=äh, ob wir vielleicht haben Läuse oder was, ne. Aber die Haare haben die
mir ge-, zurückgelassen <lacht>, hab ich mich gefreut. Und dann haben wir gekriegt, äh, KZ-, äh, Kleidung, Kleidung, ne. Unterwäsche, kann ich, Streifenkleid hab ich gekriegt, und irgendwie kurze Hose dann, ne, solche, als, als, äh, und das war alles. Dann sind wir, äh, in eine Baracke, ach, da haben wir gekriegt registriert, ja, das war (es). Und=äh, was war da in der Waschraum, die Waschraum waren so runde, und die Flüss-, Wasser lief, da sollen wir uns abwaschen. Und ich da, hab ich so meine Dokumente, sogar noch deutsche Geld hab ich versteckt, <lacht> meine Geburtsurkunde, die die haben gesehen, die ha-, ist durch den KZ auch
durchgegangen, hab ich sie behalten, bis heute. Hab ich versteckt, und dann später hab ich sie rausgeholt, da war sie noch. <lacht> Und=äh, dann, äh, in eine Stube, da wo ich übernachten sollte, ne. Aber da haben schon, die lila Winkel war, haben sie, weiß ich nicht, wann haben die uns gegeben, die haben uns da bei Registrierung, da haben sie mir gegeben. Und=äh, nächste Tag komme ich raus mit einem lila Winkel. Da haben schon, da waren schon unsere Brüder, Zeugen Jehovas. Jede Transport die haben beobachtet, ob eine von uns ist angekommen. Und sofort sind sie zu mir gekommen, aber so ein bisschen vorsichtig, ne, und haben sie mich an die Seite genommen, ne, zu ihrer Stube, und haben wir uns unterhalten. Da waren wir mehr dann, sogar meine Schwägerin
heu-, heutige, <lacht> später ist geworden, ja. INT: Was mussten Sie da machen in dem Lager? CG: Da waren versch-, verschiedene, äh, Beschäftigung. Ah, zuerst das Essen, wie die war, schrecklich. Zuerst kein Löffel, ein Blechteller, ach, äh, das war eine Suppe mit, äh, mit Kartoffel, Pellkartoffel, eine Brühe, das, das war nicht zu essen. Das war schlimmer als, als für die Tiere. So mit Stroh, mit alles zusammen gekocht, ne. Und ohne Löffel, ne, musste ich aus, das Wasser au-, ich hab Hunger gehabt, ich musste, ich musste das, hab ich das Wasser ausgetrunken, und dann mit die Hände
das alles rausessen. Und dann, äh, später die haben, äh, die haben in, in die Stube ein auch, äh, (in einer) Milchkanne mit Kartoffel gekocht, auch Pellkartoffel, mit Stroh, mit Sand, alles zusammen. Und die, alle Gefangenen sich, haben sich geworfen und, und mit, die, die waren schon so hungrig da, schmal, Haut und Knochen, ne. Ich bin, ich bin so überhaupt nicht dann gegangen da rein. Ich, ich war hungrig. <lacht> Aber wenn die, die, das waren Schwestern, ja, das war ein Frauenlager, getrennt mit einem Zaun vom Männerlager. Und die haben mich, äh, gesehen, haben wir sofort, wie ich hab gesehen, er hab, hab gesagt, und da, äh, die sorgten, eine, die hat schon lange da
gesessen im KZ, 12 Jahre ungefähr damals war, ja, die Älteste. Die hat noch geholfen beim Bauen der Stutthof, ne, mit Wagen zu zie-, ziehen sie und, und, und schuppen sie (nach Gehör), ne. Die hat, äh, schon damals, nach so viele Jahre hat sie gearbeitet in SS-Küche. Und die hat für uns Frauen gesorgt (besorgt) ein besseres Essen, saubere Kartoffel wenigstens, ne, ein bisschen Fett drauf. Da waren wir so froh, dass wir konnten so noch besorgt (versorgt) sein, ne. Nicht viel, ein bisschen, aber das war schon gut. INT: Sie haben also sehr zusammengehalten als Zeugen Jehovas? CG: Sehr, sehr haben wir (uns) geholfen, ja. INT: Haben Sie auch anderen helfen können? CG: Ja, ja, ja, ja, hmhm. // INT: Wie? /// Äh, wenn wir haben gesehen, ne, dass, dass sie auch leiden. Was in unsere Lager war, ne, was wir,
wir konnten nicht viel, weil wir haben auch nicht viel gehabt, ne. Aber wir haben geholfen. Manche konnten schon nicht in, in sein Bett rei-, reinzugehen, da haben wir geholfen, ne. Und Arbeit, Sie haben gefragt über Arbeit. Da in erste, äh, Nähraum, da hab ich kurz gearbeitet, da hab ich gearbeitet in Garten, die haben sei-, sein eigenen Garten gehabt. Da hab ich in, äh, Waschküche gearbeitet, äh, große Maschinen, äh, und was wollt ich sagen, Arbeit haben wir jeden Tag gehabt. Die Floh haben wir uns gefressen (haben uns zerfressen) <zeigt unter die Achsel> hier unter die Kleidung. Obwohl die haben in eine geworfen, in ein Wagen stat-, stand auf dem Hof mit solche
giftige Sachen, das die sollen töten die, die Flohen, ne. Aber das hat nicht geschafft, da, da bra-, sind solche Eier geblieben in die Nahten (den Nähten), ne, und dann beim warme Körper die entwickeln sich und weiter uns fressen. Und wir saßen immer auf dem Bett um, um sie, um sie (um uns davon) zu befreien, ein bisschen weniger. <lacht> Das war auch schrecklich mit dem (damit). INT: Haben Sie auch mit anderen Häftlingen gesprochen über Ihren Glauben? CG: Ja. Da ist sogar zu-, äh, sogar, äh, kennengelernt, die Wahr-, biblische Wahrheit eine Russin, Russinmädchen und eine La-, La-, Létonie (frz. Lettland, meint Lituanie, Litauen) Lettau_. // INT: Litauen. /// Litauen, ja. // INT: Aus Litauen oder aus Lettland? Aus Litauen, aus Litauen, ja. INT: Sind die dann im Lager Zeugen Jehovas geworden? CG: Ja. INT: Haben die dann auch den lila Winkel
sofort bekommen? Wusste man das in der Lagerleitung auch? CG: Äh, das weiß ich_ (nicht), noch nicht, nee, noch nicht, soweit noch nicht. Aber die haben immer mit uns, äh, zusammengehalten, die haben angenommen (den Glauben), die haben gesprochen davon, ne. Nur die Taufe konnte nicht sein, ne, und die lila Winkel noch nicht. INT: Wie haben Sie eigentlich, ähm, haben Sie denn auch Brot und Wein bekommen können? Haben Sie_? CG: Das war schwer, das war schwer. Nur das Gespräch war. Aber warten Sie, (--) wir waren im Transport <schüttelt den Kopf>. Aber ich erinnere mich, wir sind am Ende April, und das, das damals müsste Anfang April oder Ende März sein. Dass eine, wir haben eine Gespräch gehabt
über diese Dinge. Dass von der, äh, Männerlager, vielleicht haben sie gebeten, ob die können den Feier nicht durchmachen. Irgendwas ist so passiert, ne, dass wir, dass wir heim-, haben, haben eine kurze Vortrag gehabt, Besprechung. Da haben wir gefeiert dieses, ohne die Embleme. INT: Ja, können Sie die Feier beschreiben? Wie, wie sah das aus? CG: Nur das Gespräch. Wir waren zusammen in unserer Stube, ne, Zeugen Jehovas, ne, und das (da) wurde gesprochen. INT: Hatten Sie im Lager irgendeine Sonderbehandlung? CG: Nee. Aber waren wir, waren wir nicht so verfolgt, ne. Weil das war schon zu Ende, da ging es schon zum Ende. Und die spürten schon, die SS, die, die, äh, Gestapo und alles was da
war, die spürten, dass Russen gehen schon und sie müssen rücken, ne. Also war nicht so streng. Deswegen die Haare haben sie uns schon nicht geschnitten so, so liegt ein bisschen besser. INT: Haben Sie denn auch, äh, die Vernichtung anderer gesehen, irgendetwas || mitbekommen? CG: Hab ich, ||| hab ich. Haben wir gesehen, äh, durch die Fenster, weil der, äh, Gaskammer haben wir gesehen von unserer Baracke, und=äh, Krematorium. Aber à part (außerdem) das haben wir gesehen, wenn die, da waren zwei, äh, zwei Raum in Gaskammer. Zuerst Nackten, meistens die Juden damals, da mussten sie rein, mussten rein, ausge-, ohne Kleider, als zu waschen, baden, waschen, ne. Und dann sind sie eingesperrt worden und in andere Raum, in zweite Raum reinge-,
weil die, die, sogar die Häftlinge, die da lange waren, ne, die waren, die haben näher das gesehen, ne. Weil manche arbeiteten da auch, ne. Da, äh, und dann den, äh, den Gas oben, durch ein Loch, Xy-, wie nennt das? (---) Wie nennt man das? Hab vergessen diese Wort. X-, Xlon? // KAM: Zyklon. /// Zyklon, ja. [Zyklon B] // INT: Das Gas. /// Zyklon, das Gas, ja. Und dann, äh, am Ende haben wir gesehen, solche plattforme Wagen, die haben schon nicht geschafft, im Krematorium zu verbrennen. Also durch den Lager, durch die große, äh, äh, Tür, Toren, die haben
(sie in die) Außenlager zur Verbrennung gebracht. Und da haben wir gesehen die Leichen dann, ne. Und das wollte ich sehen, ob das wirklich wurde. Dann, äh, wenn ich war zur Besichtigung später (in) den Stutthof-Lager als Museum, da, da musste ich sehen den Loch da, wo die waren verbrannt. Und richtig, Knochen, äh, Asche und alles da war. INT: Wussten Sie eigentlich, als Sie in dem Lager waren, was mit Ihrer Mutter und Ihrer Großmutter war? CG: <schüttelt den Kopf> Wusste ich nichts. INT: Hatten Sie die Möglichkeit, Briefe zu schreiben oder zu bekommen? CG: Nichts. Nur vor der erste Transport, erste oder zweite, weiß ich nicht genau, da war die Möglichkeit, dass einer kommt aus Gdynia (dt.: Gdingen, Gotenhafen, bei Danzig), und=äh, eine Paket
mit, äh, getrocknete Brot voll. Und wir standen gerade im Appell. Aber das war nicht der erste, da-, das müsste der zweite, das war der zweite Transport. Erste Transport war zur Versenkung im Januar. INT: Was waren das für Transporte? CG: Zur Versenkung. Wir sollen alles unter, im Meer versenkt werden (Todesmarsch aus dem KZ Stutthof an die Ostsee). Und die haben uns gebracht, mit Peitschen, mit alles Mögliche, die haben uns zu Fuß gebracht nach Danzig [Gdańsk]. Und=äh, mit Hunde, bissige Hunde, manche konn-, schafften das schon nicht, ne, die wurden erschossen, ne, und geblieben. Und die haben uns, äh, bis nach Danzig, da sollten wir in ein Schiff. Das war, da sollte ein Schiff
kommen, die die für die Transport von=äh, von=äh, Lastwagen, Militärlastwagen und, äh, wie nennt man das? // INT: Panzer? /// Panzer, ja, mit Panzer, zu Panzer, und die wollten uns da einladen und vielleicht, weil was altes oder was haben wir gedacht, ne, zu versenken. Aber der ist (das Schiff) ist nicht gekommen und die haben uns zurück von Bord (meint Küste, Strand, frz.: bord de la mer), und=äh, // INT: Sie waren schon an Bord? /// Wir waren schon am Meer, am Wasser. // INT: Am Wasser. /// Ja, am Strand, der kommt an den Strand, ne. Jetzt ist mir das Wort eingeko-. Und dann, äh, der ist nicht gekommen. Die haben uns in Barken, in Danzig, nicht weit von dem Strand, in ein Lager, äh, eingeführt. Und da war auch, auch was
Merkmales (nach Gehör, Merkwürdiges) von der Häftlinge. Wir alle als Zeugen Jehovas, wir waren 20 da. Und sind wir in eine Stube gegangen, und die anderen sollen sich verteilen überall. Die haben uns gedrängt und gedrängt da rein, ne. Und viele andere Leute mit uns: "Wir wollen mit uns (euch), weil euer Gott uns, uns rettet", ne. So die drängten uns mit Kraft, die wollten mit uns in unsere Stube. Und da waren wir, äh, Übernachtung nur, nächste Tag die haben uns zurück nach Stutthof, mit Peitschen, mit alles so, die SS waren so brutal. Und da plötzlich, die Älteste, die war in Stutthof, die Schwester, die ruft seine Tochter. An einem Hochhaus gehen wir vorbei, voll toter Tiere,
Menschen. Gerade war ein, äh, Flugalarm, ne, und die schießen überall so, ne. Und deswegen die haben uns so schnell, äh, schnell wollten durchführen, ne, durch Peitschen. Und sie ruft seine Tochter, sie ruft ihre Tochter, und die haben gehört und sind gekommen. Und das Begrüßung, ach, wie die haben sich gedrückt, wie die haben sich gedrückt, so gefreut mit, mit larmen (larmes, frz.: Tränen), mit, mit Tränen, ne. Aber die mussten schnell, die haben sie getrennt, die SS haben sie getrennt, die mussten zurück nach Hause und weiter wir mussten, weil der, äh, äh, die, die Flugalarm war, ne, mussten weiter. Und die haben dann uns eingeladen in der, äh, Kleinbahn zurück nach Stutthof. Gerade über die Weichsel,
englische Flugzeuge, die wollten das anhalten, ne, nicht zurück in, ins, ins KZ, und haben geschießen (geschossen) so neben weil (deshalb). Und eine von uns Jüngeren ist getroffen in den Fer-, Ferse, ne. Aber das ging ja, im Revier die haben sie, wenn wir sind da angekommen, die haben sie be-, äh, umgewickelt und so, besorgt. Das hat geheilt. Und da waren wir weiter bis, äh, bis April, zweite Hälfte Ap-, äh, Hälfte April, zweite Mal in den Transport wieder um (uns) zu versenken. Dann, da haben sie uns wieder auch zu Fuß bis an den Strand da, Danzig. Und, und, nee, im Hafen, da haben sie uns eingeladen bis Hel [Półwysep Helski, dt.: Hela],
Halbinsel Hel (Polen). Und da haben sie uns eingeladen in drei Barken (Boote), Häftlinge. Aber da kam auch ein Fliegeralarm und ein Schiff wurde getroffen, klein(e) Schiffe. Da waren klein(e) Schiffe und, und, äh, Kahn (Kähne). Das waren Barken, wir haben sie genannt, Barken ohne Motor. Und ein klein(es) Schiff zog uns, ne, wir alle Zeugen Jehovas in eine, und die anderen_. INT: Aber in den Barken waren nur Häftlinge, da waren keine Bewacher? CG: Nur Häftlinge, ja (meint doch). // INT: Doch? /// In unsere Barke waren 20 Polizei mit einem Kommandant und sechs SS mit uns. Und da schleppten sie uns acht Tage, acht Nächte durch die Wasser. Warum? Weil, später haben wir das erfahren, dass der Kommandant von
Polizei, äh, wollte nicht, dass wir zum Versenken gehen. Und die haben (da)zwischen noch bis wir nach Bochholm [Bornholm, Dänemark], Insel Bochholm gekommen sind, da, äh, da haben manche, wir haben Süßwasser mitgenommen, und die, das trockene Brot, wir haben ein bisschen was gehabt, ne. Sogar die SS ein bisschen Süßwasser von uns haben auch genommen. Die haben uns gut behandelt. Und=äh, und die andere Häftlinge, die wollten Wasser vom Meerwasser, und das eine, äh, kriegt man einen Durchfall, ne. Das hab ich vergessen. Von der, wenn wir an den den Transport von der KZ, da haben wir zwei unserer Brüder aus Krankenrevier genommen, auf Typhus krank, die haben wir mitgenommen. Und=äh, dann weiter,
die, die haben von das Meerwasser getrunken, die haben ihnen mit einer sehr großen Schnur, äh, wie die Fischerei hat, oder was auf die Fische, so, so dicke Schnur // INT: Taue. /// Hmhm, ja, die haben 24 (Mal) so geschlagen und die waren tot, ins Wasser. Die haben sie weggeworfen. Und mit uns weiter. Zuerst sind sie mit, mit der Barke, mit dem Kahn, die haben sie, äh, die Bretter gingen kaputt oben, ne, das war eine alte Barke, alter Kahn, ne, zum Versenken. Also konnte nicht, äh, was Gutes genommen werden, ne. Die, die oben saßen, manche sind runter, da unten voller Toter, schon Gestorbener, die Häftlinge, die waren schwach schon. Die haben kein, nichts
zu trinken, nichts zu essen, ne, durch die paar Tage. Und die sind mit uns mit die Barke in Steine von Bochholm. // INT: Bornholm. /// Bornholm, ja. // INT: Die dänische Insel. /// Dänische Insel, ja. Und der kleine Schiff hat die Barke da zurück gelassen, sogar mit Polizei und SS. Und der kleine Schiff ist zurück nach Hel (Polen) gefahren. Und da von Sturm und alles, die Barke am Ende ist, geht kaputt, ne, und die versenken. Aber die, der Kommandant sorgte dafür, die SS zuerst, mit einem Gummiponton, Gummikleinschiff, ne, auf die Insel. Und, aber der, er hat uns später gesagt, der Kommandant hat gesorgt (besorgt) eine andere Barke mit Motor, ohne Kleinschiff und uns, zuerst die, die Polizei
und alles, waren die zuerst da. Und dann zuerst die stärkeren Häftlinge, erst Zeugen Jehovas alle und stärkere Häftlinge. Und mit uns sind sie weiter gefahren. Und dann erst die versuchten ingen-, irgendwelche Hafen, so, so wie, äh, DDR so war früher, ne. An die Hafen da, den Namen, kann, hab ich nicht behalten. Und die wollten uns nicht haben. Und dann sind sie, sind wir weiter gefahren bis, äh, Insel Rügen. Insel Rügen, Saßnitz, nicht weit von Saßnitz da, eine, äh, wie kann man sagen, wie am Fluss ist, von Sand, von Steine, ne.
Äh, und da konnten, äh, Schiffe, äh, kleine Schiffe anhalten. Und die Barke ist da auch angehalten. Da standen wir drei Tage, und=äh, die lassen uns, da haben gesperrt den kleine Mole, ne, von dem Land gesperrt mit Polizei. Da kei-, keiner konnte heraus. Erste Tage kommen, äh, der Kommandant Polizei kommt zu die Älteste da, die, die, äh, saß da so 12 Jahre in, in KZ. Die, äh, er, er hat (zu ihr hat er)so gesagt. Er betete (bat): "Ich weiß, wer Sie sind, Sie sind Zeugin Jehovas. Ich schätze euch sehr und ich will, Sie wissen, dass Sie sollen ver-, zu versenken gebracht werden, und
ich will euch nicht ins (auf dem) Gewissen haben. Wir machen, wenn die Pause ist draußen, dass die Häftlinge sind draußen ein bisschen Luft zu schnappen, machen wir ein Durcheinander zwischen die Häftlinge, gehen Sie raus. Gehen Sie raus", sagt er, "ich will euch nicht auf's Gewissen haben." Aber die Schwester sagte: "Wir können das nicht tun. Wir haben hier Merkmale, Ölfarben auf dem Rücken, die werden uns erkennen, und sie kennen (wissen), dass wir sind geflüchtet und dürfen uns erschießen. Und zweitens", äh, sie sagte: "Wir dürfen das nicht tun. Da spreche ich mit meine Mitbrüder", sagt sie, ne. Also er ist weggegangen, und=äh, wir sind, wir haben ein Gespräch gehabt abends, ne. Und alle einverstanden, dass wir können das
nicht machen. Sogar ob können wir vertrauen, dass sie versuchen nicht, dass wir flüchten und uns erschießen, ne. Also wir, wir sind da geblieben, wenn wir haben nicht schwarz auf weiß, dass wir sind freigelassen, dann, äh, bleiben wir. INT: Lassen Sie uns an dieser Stelle kurz unterbrechen, um die Kassette zu wechseln. <Ende Tape 2|>
<Rauschen, Verkehrslärm, 8 Sek.> KAM: Hmhm. INT: Die dritte Kassette des Interviews mit Cornelia Gawior. Wir sind stehengeblieben bei der Entscheidung, ob Sie das machen sollten, was der Kommandant Ihnen empfohlen hat oder nicht, also flüchten ja oder nein. Wie haben Sie sich dann schlussendlich entschieden? CG: Wir haben uns entschieden, äh, nicht da-, das nicht zu tun, weil, äh, da war, äh, die Möglichkeit, wir wussten nicht genau, ob, ob ist das ehrlich gemeint oder möchten sie nur, dass wir als Flüchtlinge und er-, uns erschießen, ne. Also wir haben so
entschlossen, dass=äh, wenn wir haben nicht schriftlich weiß auf, weiß auf schwarz (schwarz au weiß), dass wir sind frei, dann bleiben wir. Und er ist zweite Tag gekommen, der Kommandant Polizei, und wollte wissen, was für Entschei-, Entscheidung, äh, war. Und zu einer zweiten Schwester, gerade die, die einmal war, äh, <lacht> der Video erste (nach Gehör, meint wahrscheinlich das Video einer vorher interviewten Zeugin Jehovas). Und=äh, sie sagte: "Wir, wir können das nicht tun", wiederholt das, nicht, dass wir können das nicht tun, weil wenn wir frei kommen, können sie uns erschießen. Also wir bleiben. Wir müssen, äh, schriftlich haben, dass wir sind frei, dass wir können weg, äh, frei gehen,
ne. Und er sagte: "Aber ich will euch nicht ins (auf dem) Gewissen haben. Wir mei-, meinen ehrlich. Wir wollen Ihnen helfen", sagt er. "Wir versuchen noch mal, gehen Sie raus." Er versuchte, uns (zu) überzeugen. Und=äh, die Schwester sagte wieder: "Ich glaube, dass wir bleiben bei denen." Er versuchte verschiedene Möglichkeit, um uns, uns zu überzeugen, dass es ehrlich gemeint (ist), ne. Und wieder bleiben wir bei diesen. Aber (er) kommt noch dritte Tag, er versuchte noch mal. Aber da kommte (kam) er zu einer aus Polen, eine verheiratete Frau. Wir waren alles Mädchen noch, ne, 18, 17, 18, ich auch noch, noch nicht 19, kann man sagen 18, ne, zu diese
verheiratete Frau. Und wir haben schon früher uns, die zweite Nacht, schon wir selbst uns unterhalten, ne. Und=äh, er kam dritte, dritte Tag zu dieser und sie, sie sagte: "Eigentlich wir bleiben auch bei, bei dieser Meinung", ne, dass wir können nicht. Aber er, er betete (bat), er mit Tränen schon. Da haben wir schon gesehen, dass das wirklich, er wollte wirklich uns befreien. "Der Russe ist da". Wir haben schon gehört, ne, die, die Bombardement und alles, dass, dass ru-, ru-, die Soldaten, russische Soldaten waren in der Nähe schon. "Wir müssen raus, wir müssen weg von hier. Wir wollen nicht in russische Gefangenschaft kommen, weil die werden uns alles erschießen", ne. Und sie, er sagte, der Kommandant: "Machen Sie, wir versuchen alles."
Noch dritte, die, äh, heute, ne, dritte Tag, dass, dass er ist gekommen, mit die Häftlinge alles gemacht, dass wir raus gehen, ne. Dann, äh, wir haben, er ist weg, und da haben wir nachgedacht. Und vier (von uns) haben wir versucht, vier sind sie, äh, haben wir geschafft, rauszugehen, nicht. Und wirklich, er war, er wollte, dass wir frei kommen, ne, weil die müssen wieder weiter um zu versenken sein (Todesmarsch zur Ostsee), ne. Äh, und die fünfte war auf das Brett schon zwischen dem, äh, die Barke und, und dem Land. Und da plötzlich schreit (er): "Alle rein, alles rein, alles rein, wir müssen weg, der Russe ist da", ne. Und die, vor Angst, die Fünfte ist zurückgegangen, ne, und die, das Rest ist geblieben, die, die sind weiter mit ihnen gefahren. Aber die haben sie auch nicht versenkt. Sonst müssten die auch
die SS und die Polizei (wären auch versenkt worden). Die wollten sich auch retten. Und die sind weiter früher, äh, später, die sind weitergefahren, erzähle ich das später, die sind weitergefahren Richtung Dänemark, und da schon ging Wasser rein, drohte Versenkung, ne. Und dann die, die SS und Polizei versuchten, den nicht, schon am Hafen, in die Nähe von Hafen, einer mit Lappen da, die haben irgendwo welche Zeichen gemacht. Und ist ein dänische Kleinschiff gekommen und die ha-, äh, die haben sie gerettet alle. Und alles in Lager, ne. Da(s), äh, erfuhren wir, weil nach dem Krieg, wenn ich bin zurück, die haben uns gesucht, durch unsere Informator in unsere
Gesellschaft. Und da konnten wir, äh, bekan-, bekamen wir, äh, dass sie leben, sind alle am Leben. Die haben uns erzählt, und die wollten wissen, ob wir leben, ne. <lacht> Und haben wir uns sehr gefreut, dass alles am Leben war, ne. Die da die war in Dänemark, äh, für die SS war auch ein bisschen günstig, ne. Die waren nicht so sch-, so <lacht> schränkt (nach Gehör, streng?) wie die Russen würden. Und=äh, unsere Brüder haben gefragt: "Wo sind Zeugen Jehovas hie-, hier in die Nähe?" Und die eine Villa, eine Familie, die haben geke-, gekannt, äh, die sind sofort gekommen und alle genommen in ihre Villa. Da ernährt, dass sie Kraft bekommen, ne, und was sie wollen tun oder nach Hause zurück oder was anderes, ne, konnten sie tun. Haben sie sich sehr
gefreut. Aber wir, in Rügen, da, wenn wir raus sind gegangen, sofort im Wald, da war ein klein Wald, und hier die Ölfarben rausgekratzt und rausgekratzt und zum Bauer gegangen. Der Bauer wollte uns nicht, äh, in, in Wohn-, Wohn-, in Haus nehmen. "In die Scheune", sagt er, die haben gemerkt, dass wir Häftlinge sind und so, ne. In Scheune, in der Scheune, das war 9 Uhr abends, 21, 21 Uhr, ne. Um, äh, plötzlich, wir haben uns, uns zum Schlafen hingelegt, ne, und auf'm Heu, da plötzlich eine, äh, solche Hauen und Türen und alles. Gucken wir, da Russen kommen rein, die Russen waren schon da, um 11 Uhr
abends. Und die gucken, wer ist da, mit Lampen ge-, geleuchtet, und die, und die mit Pferden und alles da rein. Und=äh: "Was für eine seid ihr?" Die eine zwischen uns war aus, äh, Bialystok [Białystok], an die Grenze, polnische-russische Grenze. Sie, sie verstanden, sie konnten, sie konnte die Sprache, russische Sprache. Und sie konnte sich mit ihnen, äh, verständigen. Das hat uns geholfen überhaupt, dass uns nichts passiert ist, ne, dass sie hat die Sprache kennengelernt. Und sie erzählt ihnen, wir sind Zeugen Jehovas. Und sie sagte: "Gläubige", dann so erzählten sie ihren Soldaten, ne, äh, "Flüchtlinge aus KZ, die wollten uns als zu versenken", erzählte sie das alles, die alle (ganze) Geschichte. Und sie
sagten: "Und warum hier? Warum nicht da im Haus?" Und sofort gingen sie zu die Bauer, zu dem Bauer, und sagten: "Warum da nicht ein Zimmer da oben?" "Ja, ja, ja." Und sofort haben sie uns ein Zimmer gesorgt. Da konnten wir uns einri-, ein bisschen einrichten, noch ein bisschen uns abwaschen und so, und so, ne. Das brauchten wir. Und da die Russen von Feldküche haben uns ernährt, zwei Wochen waren wir da. Und nach zwei Wochen, und sofort dann, ne, haben wir dem Kommandant die, die, äh, die Lonia, die, die hat die russische Sprache kennengelernt, hat sofort dem Kommandant russische gesagt, was für eine (wir) sind, ne. Dass wir von KZ, sind und von Schiff geflüchtet. Und=äh, er sagte, er hat ja eine, morgens hat er die Soldaten
zusammen-, äh, ge-, versammelt auf'm Hof und ihnen erzählt, was für eine wir sind. Dass sie sollen uns keine Schaden stiften und Ruhe in lassen. Er sagte: "Das ist alles erste Front, seien Sie vorsichtig", sagt er, ne. Und=äh, die haben uns nichts getan. Die zwei Wochen haben wir Ruhe gehabt, sogar ernährt, dass wir ein bisschen Kraft bekommen, ne. Und dann nach zwei Wochen wollten wir schon nach Hause. Und er sagte: "Das ist gefährlich. Das ist erste Front. Die Soldaten sind hungrig von Frauen", sagt er. "Das ist gefährlich, warten Sie noch." Aber wir waren ungeduldig. Nächste Tag gingen wir wieder zu ihm: "Wir wollen nach Hause." <seufzt> Er hat uns gegeben einen Wagen,
was zu essen, Speck, Erbsen und noch was da, dass wir zu essen haben, ein Pferd. Und da, nächste Tag sind wir weggefahren. Und jetzt Übernachtung, ne, so wie er hat uns, äh, vorgestellt das alles, haben wir uns ein bisschen Gedanken gemacht. Und da ist eine große Hof, und da wollten wir übernachten. Gucken wir, fahren wir mit dem Wagen in, auf'n Hof. Keine Person ist zu sehen, kein Mensch, also werden wir Ruhe haben hier, ne. Und haben wir schon gesehen, dass ein Wagen hinter uns, weit, weit, fährt auch diese Richtung. Aber haben wir uns keine Gedanken gemacht, und=äh, haben wir gesucht einen Platz, die, wo wir können übernachten. Und da
gerade, das könnte uns zu Gedanken bringen, drei oder vier Betten standen. Aber haben wir uns keine Gedanken gemacht, dass irgend-, ist möglich, dass jemand (dort) ist doch, ne. Aber keiner hat sich gezeigt. Und wo (als) haben wir uns, äh, eingerichtet zu schlafen, da plötzlich kommen vier rüss-, russische Offiziere. Was dann? Wir haben ein, eine Stunde geschafft, nur haben wir ü-, über Gottes Wort geredet, ne. Die Lonia hat uns geholfen. Und wirklich, die haben die ganze Stunde gehört, aber jetzt das war zu viel schon zu ihnen. Jeder zu einer bereitet, und wir wussten nicht, dass der Soldat da in die eine ra-, äh, Zimmer ist. Er wusste, er wollte, der Kommandant
musste von der Insel Rügen ihn schicken, um uns, äh, zu helfen, dass sie, dass wir können in, äh, in Strapazen (Schwierigkeiten) kommen, ne. Und so war es. Und wenn (als) die schon jeder zu uns eine, äh, ins Bett wollte <lacht> reinkriechen, der kommt, läuft runter und mit dem Gewehr, tratata, nach oben. Und die auf die Beine, alle runtergelaufen, und dann er erzählte ihnen, dass sie sollen keine Schaden machen. Das sind so und so, von KZ und so, ne. Dann sind wir, wir haben in Ruhe geschlafen, <lacht> und morgens weitergefahren. <lacht> So nächste Tag war auch schrecklich, aber waren wir, wir immer mit Gebet zu Jehovagott, dass er uns hilft, dass er irgendwie die
Menschen einfluss (beeinflusst), um uns eine Hilfe (zu) bringen, ne. Da war die nächs-, nächste Nächte war auch so, in einer Scheune. Aber die (da) sind wir weitergefahren. Wir haben nicht da geschlafen. Eine Scheune voll Frauen, die Soldaten, die, das Jammern haben wir gehört, Tränen, und alles, was da passiert. Wir sind zurück auf den Wagen und weitergefahren. Da mit Freude, ach, haben wir gesungen unsere Lieder, das hat uns ein bisschen geistig gestärkt, ne. Und fuhren wir weiter, das, das dritte, äh, Nacht war am (an der) Oder. Und da, wo sollen wir übernachten, über-, äh, überall auf, auf die Straße haben wir gesehen Frauen liegen. Voller Blut, (hin)gestreckt und
vergewaltigt und so, ne. Wo sollen wir übernachten? Aber schon, schon vo-, ja, ja, erste Mal hier, nein, ein Mal haben wir schon ein Pferd, die Russen haben wir (uns) ein Pferd genommen. Und wir haben ein, ein graues Pferd mit solche schöne Flecken, schöne Pferd, so sportlich, ne, die haben uns gegeben. Da an, an den Oder die haben (es) uns weggenommen, die, die Russen. Die sind gekommen, die haben die Frauen von, von den Hof weggenommen. Und wir haben übernachten, äh, eine, äh, Stall unten. Der Stall unten stand noch, nur der Dach, nur die Seiten standen so, <zeigt mit beiden Händen die Stallwände> und ein bisschen Stroh da, ne. Da haben wir gedacht, da übernachten wir. Dem, dem Pferd haben wir in Stall reingestellt, gefüttert, eine hat gefüttert. Ich hab, ich hab gelei-, <lacht> mit die Leitzen (nach Gehör, Weizen?) den gefüttert. <lacht>
Nie das getan, ne, da musste ich. Jede hatte was zu tun. Und da kommten die Russen in der Nacht, so abends spät schon, ne. Und: "Wem gehört den Pferd?", die haben gefragt, ne. Wie die wollen die Frauen weg, äh, um zu vergewaltigen. "Wem gehört den, den, den Pfe-, den Pferd?" Ah, da, da eine sind (ist einer), ne, und die, die Lonia, (die) Russischsprachige, die ist runter gelaufen und wieder erzählt unsere Geschichte von KZ und so, dass wir Häftlinge sind, ne. Also der Russe hat uns in Ruhe gelassen, nur hat er den Pferd weggenommen. Und sie sagte: "Wie sollen wir weiterfahren? Wir wollen nach Hause", und so und so. Also: "Ich geb Ihnen einen andere." Also er hat den genommen und hat uns mitgebracht eine Schwerlastwagen (Lastpferd),
mit eine weiße Augen, er siehte (sah) nur mit einem Auge, der Pferd. "Der sieht ja nichts", die Lonia sagte, <lacht> "uns bringt nicht nach Hause." Sie (er) sagte: "Ja, er sieht, er ging ja gut", sagt, sagt er, ne, der Russe. Na, sind wir weiter. Durch die Oder, die haben uns nichts getan. Weiter, das war ein Ponton, äh, mit Gummi, äh, -boot, ein, eine Brücke gemacht durch Oder, ne, weil die war zerstört. Ach, Strapazen war auch, da haben wir Schwierigkeiten gehabt mit die Russen. Die wollten weiter uns, äh, zur Arbeit nehmen, und wir haben uns wie wir konnten, haben wir uns gewehrt, weil wir wollten nach Hause von KZ und so und so, ne. Die haben uns gelassen, aber den Pferd haben sie wieder uns weggenommen und einen kleinen Wa-, Wagen von einem, einem Mensch weggenommen. Da (haben wir) was wir haben mitgehabt, reingetan. Und 60
noch Kilometer zu Fuß bis den Bauernhof da. Wo sollten wir gehen? Vielleicht da Mutter lebt noch. Da sind wir zu Fuß die 60 Kilometer gemacht. Meine Mutter war da, Großmutter auch noch, war alles in Ordnung. Gefreut, und da war mein Bruder, der jüngste, aus Insel Sylt. Vor dem Krieg(sende), kurz, dass die Russen schon, äh, in die Nähe waren, der Arbeitgeber, auch Soldaten alles, ne, der hat ihn in Urlaub nach Hause freigelassen. Ja, er wusste, er hat das mit Ziel (Absicht) gemacht, ne, dass er nicht mehr zurück kommt. Dass er schafft noch zu die Mutter da kommen. Und wirklich, er war eher als ich. <lacht> Da, da war ne Freude. Aber da war ich nur, äh, einen Monat, und mit meine spätere
Schwägerin nach Gdynia bei Danzig [Gdansk], Gotenhafen [Gdingen]. Das war alles. INT: Was haben Sie dann in Danzig gemacht? CG: Da haben wir versucht, eine Arbeit zu kriegen, haben wir versucht, mit unsere Brüder zusammen zu kommen. Haben sie, haben wir geschafft. Haben wir uns getroffen, da war frei schon, ne. Konnten wir bis fünf-, bis 1950 war noch, Zeugen Jehovas waren frei, anerkannt. Und da, äh, erst in fü-, 1950 war verboten. Da hab ich geschafft, zu heiraten, meinen Mann kennenzulernen und so, und so. <lächelt> INT: Äh, sind Sie dann noch mal verfolgt worden in Polen, wegen Ihrer || Mitgliedschaft? CG: Nach dem ||| Verbot. Zur Zeit Stalins, nach dem Verbot. Mein Mann war
verhaftet. Wusste ich nicht, 8 Monate wusste ich nicht, wo er ist. Bin ich nach Dei-, Danzig vor Gefängnis. Gewartet, vielleicht guckt er, gefragt, keiner wollte was sagen, ne. Äh, und da verfolgten (sie) uns auch. Sogar bei der Verhaftung, der Geheimdienst kommte (kam), ich gerade ein Baby gehabt, zwei Monate. Und der wollte mich schlagen. Und=äh, mein Mann, äh, er auf, auf die Treppe schon, haben ihn geschlagen, weil er war gerade weg. Und kommt er, und die wollten mich schlagen. Und er sagte: "Was? Zu Hitlers Zeit in KZ geschlagen und jetzt auch geschlagen? Und die haben aufgehört, die haben nicht den, die, die Hand nicht mehr gehoben, ne, um mich zu schlagen. Und die haben unsere
ganze Literatur genommen, alles, was wir haben gehabt, voll Sack. Die Bibel, alles haben uns weg-, zu verbrennen, ne. Und meinen Mann weggenommen, da bleib (blieb) ich alleine mit dem Baby. Aber meine Mutter war schon da. Nee, später haben wir meine Mutter hier nach Gotenhafen [Gdynia] gebracht, ja. INT: Ich möchte noch mal ein Mal zurückkommen, ich wollte Sie da nicht unterbrechen, weil Sie so schön hintereinander erzählt haben. // CG: Ja. /// Der Kommandant, der Sie quasi gerettet hat, der gesagt hat, Sie sollen von dem Schiff gehen, was war das für ein Mensch? CG: Das, das war ein guter Mensch. INT: Was hatte der für eine Uniform an? CG: Ach, was_? Das war, äh, Polizei, deutsche Polizei. // INT: Also nicht || SA oder SS? /// Uniform, nee, ||| das war nicht SA. Das war eine grau, grau-blau wie jetzt. Und SS haben grüne Uniform gehabt.
INT: Haben Sie den noch mal wiedergetroffen? Oder // CG: Nee. /// von dem was gehört? CG: Mhmh, nie wieder gehört was oder was, nee. Aber das war ein guter Mensch, ja. INT: Wie lange sind Sie dann noch in Polen geblieben? CG: In Polen musste ich blieben (bleiben), da, da, wenn da kommt der, wenn der Verbot kommte (kam). Nach Frankreich ko-, das war in, schon, das war schon, äh, Schluss, konnten wir nicht rüber, äh, nach Frankreich. Mein Vater war noch in Frankreich. Meine, äh, nein, der, der war in England. Der ältere Bruder ist auch erst später gekommen. Erst ist der Vater in 47 [1947] zurückgekommen, und dann der Bruder aus England. Alle zu meine Mutter. Wir haben sehr meine Mutter geliebt. <lacht> INT: Und dann ist Ihre Mutter irgendwann zu Ihnen gezogen, wann war das? // CG: Ja. /// Nach Danzig? CG: Nach Danzig, ja, Gotenhafen [Gdynia].
INT: Wissen Sie noch, wann das war? CG: Da kann ich mich nicht erinnern. INT: Und wann sind Sie dann nach Deutschland gekommen? CG: Na-, nach Deutschland in 81, Juni 81 [1981]. INT: War das schwer? CG: Nee. Gerade von den Krieg da, im Dezember war der Krieg da in Polen (Kriegszustand 1981-1983). Und deswegen so viele flüchteten. Und mein Schwiegersohn deutscher Abstammung, Attfeld, ich hab, äh, mit ihnen bin ich weggefahren. INT: Mit Krieg meinen Sie dann die ersten Streikaktionen || in Danzig? CG: Ja, ja, ja, ||| damals, ja, hmhm. Aber wir spürten dort nichts davon, nur mein Schwiegersohn wollte nach Deutschland. Die waren schon in 79 [1979], die wo-, wollten schon
da bleiben, aber meine Tochter wollte mich haben. "Mama, kommt, komm mit uns, komm mit uns." Ich hab kein, äh, kein Visum gekriegt. Und da musste ich_. "Wenn Violetka [Violette Attfeld] kommt zurück, dann können Sie fahren", sagt er, ne. Also bin ich geblieben, und dann wollte sie nicht, äh, bleiben ohne mich. Die sind in 79 [1979] zurück, da ist noch die, die Enkelin ge-, geboren, 80 [1980], und dann, äh, in 81 [1981] haben wir alle drei gekriegt das Visum, <lacht> mit dem Baby. INT: Noch mal zu der Frage, ähm, zu Ihrem Glauben und wie Sie Ihren Glauben dann leben konnten in Polen. Wurde es dann irgendwann besser auch mit der Verfolgung? Oder schlimmer? Äh, mussten Sie im Geheimen operieren? CG: Bis 1950 war frei, aber nach, nach dem Verbot war
sehr schlimm. Das, der, äh, der, ähm, wie soll ich sagen, (--) unter Stalin, äh, diktatorische Regierung, das war schon, schon schlimm. Das Leben war sehr schwer, war nichts zu essen, keine Arbeit. Das formierte erst sich alles, ne, so wie in Deutschland, ne. Aber später noch schlimmer. Der, der, der Gewalt, der, der, der, äh, für Zeugen Jehovas überhaupt. Wir mussten alles geheim machen. INT: Sind Ihre Kinder auch Zeugen Jehovas? CG: Ja, äh, die, meine Kinder, die, äh, (die am) jüngsten war, ne. Aber jetzt hier auch frei, kann sie machen, was sie will, ne.
Aber sie schätzt das, ja, sehr schätzt das. Da in die Ehe ist was schief gegangen, ne, deswegen, will ich nicht erzählen davon, ne. INT: Was hat Sie denn immer an Ihrem Glauben festgehalten? CG: Mich? // INT: Hmhm. /// Dass das ist die wahre Wahrheit. Nur unser Schöpfer, der Allmächtige, ist in der Lage hier auf die Erde Frieden, Gerechtigkeit (zu) schaffen. Kein Mensch ist in der Lage. So wie die Bibel sagte: Der Mensch kann selbst sich seine Schritte nicht richten. Was kann er tun für die anderen? Nichts. Er ist nicht, der Mensch ist nicht in der Lage. So viele, äh, Mächte
versuchten durch so verschiedene Formen von Regierungen, die haben das Frieden nicht geschafft. Religionen, verschiedene Religionen haben auch nicht geschafft. Nur der Schöpfer ist in der Lage, er, er schafft der Ordnung auf die Erde. Und die Glaube, die starke Glaube hat mich gehalten bis heute. INT: Frau Gawior, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview. CG: Danke auch. INT: Wollen wir eben ausmachen? <sämtliche Fragen und Kommentare zu den folgenden Abbildungen und Fotos sehr leise und von Rauschen überlagert.> <Bild 1> INT: Was ist das? CG: Das ist , das ist meine Nummer und lila Winkel, äh, die ich war (hatte) in KZ als Hälft-, Häftling.
<Bild 2> INT: Was ist da auf dem Foto? CG: Ich steh hier von, vor, äh, die Baracke, die ich da saß. // INT: Von wann ist das? /// In KZ. INT: Und von wann ist das Foto? CG: Von, ach, äh, neunzehnhundert, (--) siebziger Jahre so. INT: Gut. KAM: Ja. <Bild 3> INT: Hmhm. Und was sieht man hier? CG: Das Krematorium und Gaskammer hier. <zeigt mit dem Finger auf die Gaskammer> INT: Das war auch bei Ihrem Besuch? CG: Auch, äh, ich hab mal besichtigt als Museum Stutthof, äh, der KZ, und da hab ich Bilder gemacht. <Bild 4> CG: <zeigt auf das Foto> Hier stand mein Bett, drei-Etagen-Bett. <lacht>
INT: Auch im_? CG: Damals, ja, in KZ, ja. <Ende Tape 3> <Ende des Interviews>
Abzeichen und Armbinden (Fotos)
antireligiöse Maßnahmen und Gesetzgebung der Sowjetunion
Bauernhöfe
Befolgung religiöser und kultureller Gebräuche (Zeugen Jehovas)
Befreiung während der Transporte
Berichtigung nach der Befreiung
Besuchen von Stätten der Verfolgung nach der Befreiung (Fotos)
Bornholm (Dänemark : Landkreis)
Brüder
brutale Behandlung während der Todesmärsche
Dänemark 1945 (1. Januar - 7. Mai)
Danzig (Danzig (Freie Stadt))
Danzig (Freie Stadt) (1. Januar - 7. Mai)
Danzig (Freie Stadt) 1944
Deutschland 1944
Deutschland 1945 (1. Januar - 7. Mai)
Deutschland 1945 (8. Mai) - 1949 (23. Mai)
Deutschland 1945 (8. Mai) - 1990 (1. Juli)
Diskussionen über Flucht
Ehemänner
Ernährung in den Lagern
Familienangehörige im weiteren Sinne
Familiengeschichte
Familienleben
Frankreich 1918 (11. November) - 1939 (31. August)
Furcht vor Vergewaltigung/sexueller Belästigung
Gefängnisse
Gemeinschaften (Zeugen Jehovas)
Großmütter
Häftlinge, "Asoziale"
Häftlinge, Zeugen Jehovas
Heimkehr nach der Befreiung
Hel (Polen)
Hilfe in den Lagern
Hilfe: Unterstützung bei der Migration
Hilfe: Versorgung mit Nahrung und/oder Getränken
Hinrichtungen
Identität von Zeugen Jehovas
Kenntnis von der Verfolgung von Zeugen Jehovas
Kenntnis von Massenmorden
Kontakt mit Häftlingen
Kontakt mit nahestehenden Personen, erneuter
Lageraufnahmeverfahren
Leben unter dem Kommunismus
Lebensbedingungen
Lebensbedingungen in den Lagern
Lebensbedingungen in Gefängnissen
Marienburg (Ostpreußen, Preußen, Deutschland)
Migration aus Deutschland
Migration aus Polen
Migration nach Deutschland
Migration nach Polen
missionarische Aktivitäten (Zeugen Jehovas)
Mitglieder von SS/SD
Polen 1935 (13. Mai) - 1939 (31. August)
Polen 1939 (1. September) - 1941 (21. Juni)
Polen 1939 (1. September) - 1945 (7. Mai)
Polen 1944
Polen 1945 (1. Januar - 7. Mai)
Polen 1945 (8. Mai) - 1948 (20. Dezember)
Polen 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Polen 1980 (14. August) - 1985 (5. November)
Polizei und Sicherheitskräfte, deutsch
Pommern (Polen : Woiwodschaft)
Prügel
Publikationen, Zeugen Jehovas
Reaktion von Tätern auf das Näherrücken der Alliierten
religiöse Überzeugungen und Lehren (Zeugen Jehovas)
Schiffe und Wasserfahrzeuge
Schulen
Soldaten, sowjetisch
Streitkräfte, sowjetische
Stutthof (Danzig (Freie Stadt) : Konzentrationslager)
Taufen
Thorn (Polen)
Todesmärsche
Töchter
Transport aus Gefängnissen
Transport aus Stutthoff (Danzig, Freie Stadt) : Konzentrationslager)
Transport nach Stutthof (Danzig (Freie Stadt) : Konzentrationslager)
Transporte, Transportmittel
Übertritt zu den Zeugen Jehovas
Vergewaltigung/sexuelle Belästigung durch Befreier
Verhaftungen von Zeugen Jehovas
Verstecken von Wertgegenständen
Wallers (Frankreich)
Widerstand
Wohnungen, Häuser der Familie
Zwangsarbeit
Brüder Anton Kucinski
Brüder Paul Kucinski
Enkelinnen Sandra Attfeld
Enkelinnen Particia
Enkelkinder Nicola
Gefangene Lonia*
Interviewer Birgit Keller-Reddeman
Interviewte Cornelia Gawior
Mütter, leiblich Klara [Kucinski]
Schwestern Helene Bomba
sonstige Beziehungen Julian Kowalik
sonstige Beziehungen Mietek Kowalik
Töchter Violette Attfeld
Töchter, leiblich Ennica Zerbst
Väter, leiblich Anton Kucinski