Downloads
PDF XML
INT: Mein Name ist Sandra Wachtel, W-A-C-H-T-E-L. Heute ist der 13. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit Frau Mathilde Lewit in Wien, Österreich. <Schnitt> INT: Wie ist Ihr Name?


Segment [1]
Zur Person
Zum Interview
Mathilde Lewit
* 11.06.1924 in Österreich - Wien
Jüdische Überlebende
Lager und Ghettos
Ravensbrück (Deutschland)
Genshagen (Deutschland)
interviewt am 13.07.1997 in Wien - Österreich
Sprache Deutsch
Länge 01:31:02
Interviewer(in) Sandra Wachtel
Kamera Oskar Goldberger
Transkription Stefan Auch
Code 32119
INT: Mein Name ist Sandra Wachtel, W-A-C-H-T-E-L. Heute ist der 13. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit Frau Mathilde Lewit in Wien, Österreich. <Schnitt> INT: Wie ist Ihr Name?
ML: Mein Name ist Lewit, <buchstabiert> Ludwig, Emil, Walter, Idit, Theodor. Mathilde. INT: Wie war || Ihr Name // ML: Und ein_. ||| /// zur Zeit der Geburt? ML: Kohn, K-O-H-N. INT: Haben Sie noch andere Namen? ML: Nein. (-) Ja, Lea. Als=äh jüdischen Namen. INT: Wann wurden Sie geboren? ML: 11.6.24 [1924]. INT: Wie alt sind Sie heute? ML: 73. INT: Wo wurden Sie geboren? ML: In Wien. INT: Frau Lewit, wer gehörte zu Ihrer Familie? ML: Zu meiner Familie gehörte mein Vater, meine Mutter, (--) meine Tante und ein Onkel. INT: Wie hießen Ihre Eltern? ML: Kohn. INT: Wie würden Sie die religiöse Identität in Ihrem Elternhaus
besch-, bezeichnen? ML: Halbfrei. (--) <lacht nervös> Ne? Wie soll ich sagen? (Ich) mein, man ist ja nicht in den Tempel gegangen, aber nicht=äh, wir waren nicht orthodox. <räuspert sich> INT: Wie oft besuchte Ihre Familie den Tempel? ML: Zu den großen Feiertagen. INT: Welche Schulen haben Sie besucht? ML: Volksschule und Gymnasium. INT: Wo? ML: It-. <räuspert sich> Das eine war Karajangasse und das andere war Unterberggasse. INT: In welchem Bezirk || waren die beiden Schulen? ML: 20. Bezirk. ||| INT: Wieviele Juden lebten vor dem Krieg? ML: Das weiß ich nicht. (--) Das weiß ich nicht. INT: Als Sie ein Kind waren, hatten Sie eher jüdische Kinder als Spielgefährten || oder // ML: Ja. ||| /// christliche
Kinder? ML: Jüdische. INT: Woher kannten Sie diese Kinder? ML: Das sind die Kinder, die im Haus wohnten. INT: Wieviele jüdische Familien lebten in Ihrem Haus? ML: (---) Acht, neun Familien. INT: Wie war das Verhältnis zwischen den jüdischen Hausbewohnern und den nicht-jüdischen Hausbewohnern? ML: Nicht schlecht. (--) Nicht schlecht. INT: Wo man wusste, dass Sie Juden waren? ML: Ja. Ja, selbstverständlich. (---) Waren auch sehr orthodoxe Juden. Das=äh, aber trotzdem=äh alle haben sich, äh, in dem Haus hat man sich nicht=äh, haben wir uns=äh (-) nicht=äh, nicht=äh abgesondert gefühlt.
INT: Wo haben Sie gespielt? ML: Wir hatten gespielt im Garten, also im Hof, hinter die, die, wir hatten einen Hof, der als Garten war. Und auf der Straße. INT: Auf der Straße? ML: Ja, auf der Straße. INT: Wie war das möglich? ML: Ach, die Straßen, das war in einer Seitengasse und da konnte man auf der Straße, (--) wir haben=äh so, äh, ge-, gezeichnet und sind dort gesprungen und, und, äh, Schnurspringen. Das konnte man alles auf der Straße machen. Ball spielen. Weil es ist hin und wieder einmal ein Fuhrwerk durchgefahren. Das kennen_. <lacht> INT: Wie hieß Ihre beste Freundin zu dieser Zeit. ML: Lili. INT: War sie ebenfalls Jüdin? ML: Ja. INT: Waren Sie oft bei ihr zu Hause? ML: Ja, sie wo-, wo-, sie haben im dritten Stock gewohnt und wir im ersten.
Waren viel sch-=äh, waren viel zusammen. Ich hab sie auch dann nach dem Krieg, ist sie, sie ist nach Amerika gegangen und wir hatten sie noch einmal, wie ich sie gesehen. Aber ich hab keine Verbindung mehr mit ihr. INT: Haben Sie Schabbat gehalten? ML: Jän. <lacht> INT: Sind Sie, haben Sie gemeinsam mit Ihrer Mutter vorbereitet für den Freitagabend? ML: Mit der Tante. Mit der || Tante und mit der // INT: Wie war das? ||| /// Großmutter. INT: Was haben Sie vorbereitet? ML: Äh, man hat Challa gebacken. Das hat man schon gemacht. Solange die Großmutter gelebt hat, die woi-, war das Haus, äh, sagen wir, fromm. (-) Ja? Erst dann im, im Krieg, äh, die, wenn die Großmutter nicht mehr gelebt hat sich das alles aufgehört.
INT: 1933 kam Hitler an die Macht. ML: Das hab ich, habe ich nicht mitbekommen. Also nicht=äh bewusst mitbekommen. (--) Bei unserer, in unserem Haus wurde nicht politisiert. (--) Zumindestens nicht vor den Kindern. INT: Wie veränderte sich die Situation dann 1938, als es zum sogenannten || Anschluss kam? ML: 1938, ||| das war abrupt, und zwar waren wir, wir sind in der Früh noch zur Schule gegangen. INT: Wie alt waren Sie damals? ML: <leise> Was sag ich? Vierzehn. Wir sind noch zur Schule gegangen und=äh dann war z-, noch mehr (oder) weniger ruhig auf der Straße, nicht? Und=äh wie wir nach Hause, äh, wir wurden dann nach Hause geschickt und=äh da haben schon die Polizei und alles
Hakenkreuzfahnen gehabt. Und dann hat man die Fenster zugehängt oder_, nicht? Dann sind schon die ersten, äh, gekommen, und u-, auszuplündern. INT: Wie viele jüdische Kinder waren in Ihrer Klasse? ML: (4) <leise> In meiner Klasse, fünf? (--) Fünf. Mit m-, mit mir. INT: Hatten Sie in der Schule, äh, vor dem Anschluss Antisemitismus zu spüren bekommen? ML: Wenig. Wenig. A mal, dass einer gerufen hat, äh, äh, äh, Jud, oder, oder, äh, wie, ich, da hat's einen Spruch gegeben, den man, äh, den man Ki-, Kindern nachgerufen hat. Ich weiß ihn nur jetzt nicht mehr auswendig. INT: Haben Sie versucht sich gegenseitig zu schützen? ML: Nein, nein, jeder hat nur für sich selbst
gesorgt. INT: Wie war das dann, als es im März 38 [1938] zum Anschluss kam? Sie erzählten, dass die Plünderungen begannen. ML: Ja, na, das hier, die, sagen wir die, äh, wir haben ja nicht nur mit Juden gespielt, auch wir, unsere zwei Freunde, äh, die anscheinend doch älter waren wie wir. Freunde waren das, äh, mit denen wir halt gespielt haben, ne? Die, die haben, sind reingekommen, die haben dann schon weggetragen Sachen und=äh die, (unverständlich, eine Sekunde) haben genau gewusst, wo was ist und sie haben's Klavier haben sie absch-, abtransportieren lassen. INT: Wie alt waren diese Fr-, ehemaligen Freunde damals? ML: Ich kann's nicht sagen, als ich sechzehn war, waren sie siebzehn. Also fünfzehn, ich kann's nicht mehr sagen. Ich weiß es nicht mehr. INT: Wie war die Reaktion Ihrer Eltern? ML: Hm-, mein Vater, mein Vater war ein großer
Phlegmatiker und hat immer gesagt: "Ich war ja Kriegsoffizier, was soll mir schon passieren?" (4) Also er war großer Phlegmatiker. Er konnte halt, die haben's eigentlich nicht geglaubt, dass es so was passieren kann. Nicht? Nur 38 [1938], die Kristallnacht [Reichspogromnacht], habens meinen Vater dann geholt. Und der war in Dachau. INT: Kurz nach dem sogenannten Anschluss gab es=äh die Anschluss=äh=pogrome, das heißt=äh, jüdische Leute wurden gezwungen auf der Straße mit Bürsten zu putzen. Haben Sie etwas gesehen, wurden Sie Zeuge? ML: Ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich nicht mehr erinnern. (---) Ja. INT: Am 9., 10. November || war die_.
ML: Ja, da haben sie den ||| Klucky-Tempel [Brigittenauer Tempel, Kluckygasse 11] angezündet. Und da haben, da haben sie meinen Vater geholt. INT: Wo waren Sie? ML: Zu Hause. INT: Wer hat Ihren Vater, Ihren Vater || geholt? ML: Äh, ||| (--) äh, SA (--) die, die gekommen sind, kam einer und hat (gesagt): "Anziehen, mitgehen." Und dann war er in Dachau. INT: Als sie ihn abholten, hat man Ihnen gesagt, || wohin man ihn bringen würde? ML: Nichts, ||| nein, nein, nichts. Gar nichts. (8) Das war ja auch gar nicht (unverständlich, eine Sek.), äh, "jetzt ziehen Sie sich an und komme, gehen Sie", also, die haben keinen, keinen Kommentar gegeben. INT: Hat Ihr Mutter danach versucht herauszubekommen? ML: Ja, sicher haben sie's besucht (versucht). Wie, das weiß ich nicht. (-)
(-) Nicht? Wir haben nur dann gewusst, dass er in Dachau ist und dann konnte man mit=äh, mit Shanghai-Karten konnte man die Leute freikaufen. Und, naja, die zweite Frau von meinem Vater war Christin und=äh wir haben das ausgenützt, wir haben ganz einfach gesagt, sie ist unsere Mutter und wir haben das ausgenützt und haben das=äh, und wir ha-, und=äh, als, äh, Arierin hat sie ihn aus=äh, aus Dachau raus bekommen. (--) Und musste sich damals anstellen und man konnte, und man konnte's, wenn man Glück gehabt hat, hat man wen raus gekriegt damals. Und der kam auch nach Hause und musste dann=äh in die, äh, nach Kaprun. In Kapr-, mein Vater war gelernter Schlosser, und in Kaprun=äh hat man im=äh, hat er dann müssen arbeiten in, die haben mit auch das Stauwerk gebaut.
Und da musste er bei den Maschinen, äh, arbeiten, also bei den Maschinen. Ich weiß nicht, hat er's repariert oder etwas. Kam dann zurück und war dann bei der Müllauswertung. INT: Sie sagten das war die zweite Frau Ihres || Vaters? ML: Ja. ||| (4) Meine Mutter ist gestorben, da war ich sechseinhalb Jahre. (--) Sie ist bei einem U-, durch einen Unfall, den sie hatte, ist ihr eine Ader gerissen in der Lunge und sie ist inner-, nach innerlich verblutet. INT: Wie hat sich Ihr Leben verändert durch den Anschluss? ML: Durch den Anschluss, in Anfang nichts. Dann hat man, äh, hat, musste ich aus der Schule gehen.
Und dann habe ich, äh, müssen=äh, also dann haben w-, hat es dieses Jugend am Werk gegeben, da habe ich Kindergärtnerin gelernt. Dann war ich in, in, im jüdischen Kindergarten, hier in der Tempelgasse. Und dann wurde ich dienstverpflichtet in eine Wäscherei. Und dann am 29. Februar 44 [1944] hat mich dann, hat die Gestapo geholt. INT: Was war dieses Jugend am Werk? ML: Das Jugend am Werk war eine Organisation, die Jugendliche ausgebildet hat auf einen Beruf, um eventuell nach Erez Israel zu kommen, zu gehen und so weiter, (4) nicht? Man konnte alles mögliche lernen noch. Tischler und, und, und=äh, also es waren Jungen
und Mädchen, es ist, sie haben alle, sie haben, äh, eine Berufsvorbereitung sozusagen, nicht? INT: Haben Sie zu dieser Zeit überlegt nach Israel zu gehen? ML: Ja. Ja, ich habe überlegt. Und ich habe mich auch angemeldet gehabt, ich war bei Betar. Aber ich hatte damals, äh, im, ähm, Eiweiß im Harn und sie haben mich nicht mehr genommen. || // INT: Würde Sie erkl-_? /// Das war wegen, und zwar wegen einer, das ist, jeder der mit einer, mit der Niere irgendetwas nicht in Ordnung gewesen, und da haben sie mich nicht genommen. Meine Freundin ist gefahren, ich nicht. INT: Würden Sie erklären bitte was Betar war? ML: Betar war eine jüdische Vereinigung. INT: Haben Sie // ML: Jugendvereinigung, nicht? /// Ihrer Familie von Ihrem Wi-, von Ihrem Wunsch, Österreich zu verlassen, erzählt? ML: Ja, ja, sicher, nicht?
INT: Haben sie ebenfalls Pläne || gehabt das Land zu verlassen? ML: Nein, mein Vater nicht, nein. ||| Nein, mein Vater hat=äh immer dran gegla-, äh, dass=äh so schlimm wird's nicht werden. <Person geht durch den Raum und lenkt ML und INT kurz ab> INT: Sie sagten vorhin, dass Sie dann zwangsverpflichtet worden sind, // ML: Ja. /// um in einer || Wäscherei zu arbeiten. ML: Wäscherei zu arbeiten, ||| ja. (-) Dort habe ich dann meine Freundin kennengelernt. Sie war bei der Widerstandsbewegung mit ihrem Freund, ich hatte damals keinen Freund noch, und sie hat mich angeworben und wir haben, zusammen waren wir dann bei dem Widerstand. INT: Hatte diese Widerstandsbewegung einen Namen? ML: Ich weiß es nicht. (-) Ich hab das ver-, verdrängt, vergessen. INT: Haben
Sie untereinander Codenamen verwendet? ML: Ja, ja. INT: Was war Ihr Name? ML: Hachanna (nach Gehör). INT: Wie groß war diese Widerstandsbewegung circa? ML: Wie groß? Es, es waren lauter Zellen mit fünf bis acht Leuten. (--) Maximal zehn, das waren schon die größten Zellen. Also es waren viele kleine Zellen. (--) // INT: Gab || es denn_? /// Sie haben sich, ||| sie haben sich eher, sagen wir, an der, an den K-=äh, Kommunismus angelehnt, als an=äh Sozialismus, äh, als an, an den_, ja? INT: Gab es einen Anführer? ML: Ja. Er hat Monti (nach Gehör) geheißen. INT: Monti? ML: Ja. (-) Nicht? Und dann noch den Otto Horn, das waren die zwei, die die Zelle geführt haben. INT: Was war Ihr Aufgabenbereich? ML: Wir hatten noch nicht sehr viel, wir sind erst, ich bin ja
erst spät dazugekommen. Es waren, äh, Sabotage=äh=sachen zu machen. INT: Was zum Beispiel? ML: Äh, äh, Telefonzellen zerstören, äh, ähm, äh, ähm, was noch? Sagen wir, die was in eine, wo gearbeitet haben, äh, zu sabotieren ihre Arbeit und so weiter. (-) Nicht? Wir sollten ja nach zu den Partisanen, wurden aber vorher verhaftet. Nicht? Also wir waren eigentlich schon als Elitetruppe nach, zu den Partisanen. INT: Welche Personen waren diese Widerstandsgruppe? ML: Wir waren (--) <leise> fünf. Muss ich jetzt, Moment. Ich glaube fünf. (-) Davon war einer, d-, der uns dann verraten hat. // INT: Waren || das_? /// Die Trude, der Otto, der Monti, <leise> Wik (nach Gehör) und ich, fünf ja. INT: Waren das nur jüdische Personen, oder
auch || nicht-jüdische? ML: Nein, es waren nur jüdische. ||| Also es waren f-, fast lauter Mischlinge. (4) Jüdische und Mischlinge, nicht? INT: Wie lange waren Sie bei dieser Widerstandsgruppe? ML: <leise> Ein Jahr. (--) <lauter> Eineinhalb Jahre. INT: Wo trafen Sie sich? ML: Bei meinen Eltern. In meinem, im Haus meiner Eltern, also in der Wohnung meiner Eltern. INT: Wussten (das) Ihre Eltern? ML: Ja. INT: Was haben sie dazu gesagt? ML: Nichts. Sie haben's akzeptiert. (4) Im Gegenteil, mein Vater kam immer von Zeit zu Zeit hinein und hat uns sogar noch etwas angeboten zu trinken oder etwas. Weil viel hatte man nicht, ne? INT: Sie erzählten vorhin, dass ein Mitglied Ihrer Zelle Sie
verraten || hat. ML: Ja. ||| Und zwar wusste er unsere Namen nicht, nur so wie wir alle praktisch, äh, äh, die Namen der anderen nicht gekannt haben und=äh er hat irgendw-, äh, im, äh, in einer Fabrik gearbeitet und hat dort, äh, w-, was gestohlen und dann hat er gesagt: "Und wenn ihr mir das, äh, äh, ver-," <leise> wie sagt, was sagt, (--), "wenn ihr mir das nicht anrechnet, dann s-, äh, sag ich euch, ich weiß eine geheime Zelle, wo, für, die im Widerstand ist." Und hat die Leute bis zur Tür geführt. Hat gesagt: "Da drinnen ist es." (4) Nicht? Und dann haben sie mich=äh am 29. Februar 44 [1944] haben sie mich, äh, verhaftet. In der Firma, wo ich, in dieser Wäscherei, wo ich war, und die Trude auch. Also uns beide. (--) <leise> Nicht?
(--) Und, (-) also weil wir Juden waren, sind wir ins KZ gegangen und die Mischlinge, die haben dann einen Prozess gehabt, und=äh die wurden zus-, äh, äh, (-) der Monti (nach Gehör) zu Tode verurteilt und der Otto weiß ich, bt-, das weiß ich nicht. Ja, jedenfalls haben sie dann, äh, i-, i-, ausgegraben Bomben und so weiter und Monti ist wirklich ot-, äh, damals zugrundegegangen. INT: Sie arbeiteten in dieser Wäscherei, // ML: Ja. /// wussten die anderen, Ihre, Ihre Kollegen, dass Sie Jüdin waren? ML: Ja, freilich. INT: Wie war das Verhältnis zu den Arbeitskollegen? ML: Da hat's kein, kein Verhältnis gegeben, denn da ist jeder vor seiner Maschine gestanden und es gab überhaupt keinen Kontakt mit den nächsten.
(-) Wenn nicht die Trude und ich, sagen wir, in der Früh und am Abend nach Hause gefahren wären, hätten wir auch praktisch keinen Kontakt gehabt. INT: Ab dem 1. April 1942 mussten Sie ja bereits den gelben Stern tragen. // ML: Ja, ja. /// Kam es=äh (--) || dadurch // ML: Nein. ||| /// zu Anpöbelungen auf der || Straße? ML: Nein, ||| eigentlich nicht. INT: Haben Sie jemals versucht, dass=äh, Ihre Identität als Jude || zu verbergen? ML: Nein, ||| nein, nein. INT: Als Sie schließlich verhaftet worden sind, // ML: Ja. /// wer kam zu Ihnen in die Wohnung? ML: Was heißt, wer kam zu mir in Wohn-, also, in der, meiner, ich, beim, man hat mich nicht in der Wohnung verhaftet. INT: Entschuldigung, ja, ja. ML: Sie haben dann
Hausdurchsuchung gemacht, aber da war ich nicht zu Hause mehr. INT: Wohin hat man Sie gebracht? ML: Erst auf, äh, auf die Roßauer Lände, das ist ein Gefangenenha-, äh , Polizeigefangenenhaus. Und ich war Häftling zu Handen der Gestapo. INT: Was heißt das genau? ML: Das heißt, dass ich wohl immer im Gefangenenhaus war, aber nicht ein Häftling der Polizei war, sondern ein Häftling der Gestapo. INT: Wie lange blieben Sie auf der Roßauer Lände? ML: <pustet> August. (---) August, glaube ich. August, September, ich kann es nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur, es war schon der=äh, es war schon, äh, Späthe-, also Spätsommer oder Anfang Herbst. INT: Wie waren die Verhöre? ML: Die Verhöre waren
einmal li-, lieb und freundlich und dann, äh, dann wieder Ohrfeigen, also, äh, das, das, äh, ja? Und dann hat man einen vorgehalten, Beispiel, "also der hat das über Sie gesagt" und dass er_, ja? Das gar nicht wahr war oder nicht wahr sein konnte, nicht? INT: Wurden Frauen (--) || besser behandelt // ML: Nein, nein. ||| /// als Männer? ML: Das kann ich nicht sagen. Das kann ich nicht sagen. Ich glaube aber nicht. Ich glaube nicht, aber ich kann es nicht, ich müs-, ich, äh, we-, kann da nichts sagen. Weil die ja, sagen wir, nie, äh, haben wir ein, äh, wurde ein Verhör mit zwei P-, Leuten, Menschen, sondern ein Verhör war immer einer alleine. INT: Wieviele Personen waren dann anwesend beim Verhör? ML: Eins bis drei. INT: Wer waren diese Personen? ML: Das waren Zivilisten. INT: Hatten
Sie während der, Ihrer Gefangenschaft die Möglichkeit=äh, mit Ihrer Freundin zu sprechen? ML: Nein. Nein. (-) Nein. INT: Mit wem waren Sie in der Zelle? ML: Wir waren vielleicht zehn, zwölf Menschen. Mit allen möglichen=äh Gefangenen. Angefangen von politischen Häftlingen bis, bis zu Freimädchen. (---) <österreichisch, leise, schnell> Jetzt fragen Sie mich nicht, wer ein Freimädchen ist. (--) <lacht verschämt> (-) Oder sollen wir das=äh, sollen wir das, äh, äh, (-) nein, nicht. (--) <leise> Ja? <lauter> Ein Freimädchen ist ein Mädchen, dass sich für Geld verkauft und die dann, äh, krank geworden ist, wurde ins, äh, ein Spital gebracht, wenn man, sie, sie musste immer zur Untersuchung gehen und wenn sie dann krank geworden ist, musste sie, äh, ins Sp-, hat man nicht, da hat es
ein eigenes Spital gegeben für diese Leute und dann, wenn sie zurück nach, gesund waren, dann kamen sie zurück und mussten noch eine Strafe absitzen. INT: Hatten Sie während Ihrer Zeit in Haft die Möglichkeit mit Ihren Eltern Kontakt || aufzunehmen? ML: Ja, ich habe, ||| ich glaube, bitte, ich müsste Sie jetzt anlügen. Entweder haben wir einmal in zwei Monaten oder einmal in drei Monaten konnten wir Ba-, Besuch empfangen. (--) || Ja? INT: Wer ||| kam zu Ihnen? ML: Meine Stiefmutter. INT: Und was erzählte Sie? ML: Nichts. Wir wurden ja, wir konnten ja nichts erzählen, denn wir wur-, waren, es war ja be-, be-, beaufsichtigt, was man so spricht. Sie konnte nur sagen: "Dem Papa geht's gut und, äh, äh, i-, ich mu-, ich habe jetzt die Arbeit oder etwas." Mehr konnten wir nicht sprechen, nicht? (---) Nicht? Nur wie
ich dann schon gewusst habe, dass ich ins K-, ja, ins KZ komme, da haben wir vorher eine, einen Schein bekommen von Herrn Kaltenbrunner [Ernst Kaltenbrunner] unterschrieben. Das war der, der Mann, der die Leute ins KZ geschickt hat. <undeutlich> Das ist der, der Name wird Ihnen ja schon bekannt sein. Das war so ein lila Schein und da ist draufgestanden, dass=äh, dass ich ins, ins KZ komme, nicht? Und damals habe ich's durch dann die St-, der, meine Stiefmutter das letzte Mal gesehen hab, habe ich ihr auch alles, was ich noch hatte, ich hatte noch meinen goldenen Ohrgehänge, und, ich glaub, äh, äh, dann hab ich ihr das auch noch runter gegeben, was ich noch hatte. INT: In welches KZ kamen Sie? ML: Äh, gleich von Wien nach Auschwitz. Wir waren ein Sondertransport mit sechs Personen. INT: Weshalb ein Sondertransport? ML: Weil wir ja von der Gestapo waren. Und=äh, also wir waren sechs Personen v-,
ja, unter anderem die Trude und die anderen k-, habe ich nicht gekannt, die waren sicher von woanders. Wir sechs kamen dorthin nach Auschwitz. INT: Wann war das? ML: Im (-) vierundvierziger Jahr [1944] noch. INT: Wie gestaltete sich der Transport || von Wien nach Auschwitz? ML: Der Transport war, war in ein, ||| war in einem, in einem Waggon. Und als wir dort angekommen, sitzt_, ja? Dann ha-, haben wir, hat man uns in ein Zimmer gesperrt, also so in eine Zelle. Und am nächsten Tag dann kamen wir zu=äh, zu noch welchen daz-, Leuten dazu, und das war ein Raum, der eigentlich wie eine Arena war. So et-, irgendwie n bisschen, äh, die Stü-, die, die Sessel, die, die Bänke r-, immer erhöht. Und da mussten wir uns hinsetzen, wir mussten die ganzen Kleider ausziehen,
dann kam=äh ein=äh, ein Mädchen, und tätowierte uns die Nummer ein. Also unsere Kleider wurden entlaust angeblich. Wir bekamen d-, aber dann andere, und während dem wir da so gs-, splitternackt gesessen sind, äh, sind, äh, ist die SS hin und her gegangen. Und hat sich uns a-, gut angeschaut, nicht? Und wie wir von dort rausgegangen sind, da haben wir dann Holzschuhe gehabt und, und die Sesseln (nach Gehör) und dann, äh, uns wurde nicht, keine Glatze geschnitten, weil, weil, weil wir noch immer irgendwie hätten müssen, wenn die Gestapo uns gewollt hätte, dass sie, sagen wir, noch eine Zelle wäre aufgeflogen, hätten sie uns zurückgeholt. Dadurch wurden uns die Haare nicht, nicht rasiert, sondern nur ganz kurz geschnitten, so dass wir immer wieder in die, sagen wir, in die Öffentlichkeit zurück gekonnt hätten, ja? Nicht? Dann, wie wir dann durchgegangen sind, und das weiß ich noch
immer, ich habe gelacht und ich habe geweint, wie ein, wie ein Narr. (---) Nicht? Dann sind wir in eine Baracke gekommen, (unverständlich, eine Sek.) da waren wir, äh, a-, auf einem Bett, glaube ich, acht Leute, die sich so (unverständlich, eine Sekunde) schlafen gelegt haben, und dann sind wir so wie die Heringe hingelegt und wenn sich eine umdrehen wollte, musste sich, mussten sich alle acht mit umdrehen, nicht? Nicht? Ich habe dort nicht gearbeitet (--) und bin dann (-) nach der Selektion, (--) äh, nach Ravensbrück gekommen. INT: Wurden Sie am Anfang noch immer als=äh Sondergruppe, also dass Sie_? ML: Nein, nein. Dann waren wir keine Sondergruppe mehr. Nicht? Wir wurden eine Sondergruppe hingeschickt, was, äh, weil wir noch eben an der Sondergruppe waren, dass wir unsere Haare hatten, während die anderen eine Glatze hatten.
Nicht? INT: Frau Lewit, das Band wird gleich zu Ende sein_. <Aufnahme endet während INT noch spricht> <Tape 1, Ende>
KAM: (unverständlich, eine Sek.). INT: Frau Mathilde Lewit, 13. Juli 1997, Band Nummer 2. // ML: <leise> Ja. /// Frau Lewit, bevor wir weitergehen möchte ich kurz noch einmal zurückkommen. Sie erzählten vorhin, dass=äh es sogenannte Shanghai-Karten gab. Würden Sie das bitte genauer erklären? ML: Ja. Leute, die genug Geld hatten, konnten bei d-, einer Schiffsgesellschaft, bei welcher weiß ich nicht mehr, eine Shanghai-Karte besorgen. Mit dieser Shanghai-Karte
ist man d-=äh, auf das, äh, zur Poliz-, äh, zu der SS gegangen, und zwar das war in, in, äh, beim Belvedere, und wenn man das vorgewiesen hat, wurde der Mann aus, a-, äh, aus Dachau zurückgebracht und musste dann mit dieser Karte ausreisen in, in vierzehn Tagen, drei Wochen, ja? Nur konnte man auch, sagen wir, wenn man, äh, es wurde beschwindelt, man hat zwei Leute mit der selben Karte geschickt, wenn man gute Bekannte, gute Beziehungen hatte. Wer kein Geld hatte, na, der, der wu-, ist in Dachau geblieben. Außer er hat eben eine arische Frau gehabt oder_, nicht? So, das wo-, das war jetzt die Shanghai-Karte. INT: Galt das nur für Dachau? ML: Dass ich's weiß es nicht, ich weiß es nur, dass es für Dachau war. Ob das auch für andere KZ war, bi-, weiß ich nicht, bitte. INT: Danke. ML: So. (---) Nicht? Also || wir sind // INT: Kehren wir jetzt_. ||| /// ja nach Auschwitz, in || Auschwitz, äh. // INT: Genau, nach Auschwitz |||
zurück. /// In Auschwitz, äh, sind, ha-, waren wir in einer Baracke und=äh, es, äh, gearbeitet haben wir nicht. Wir si-, wir, wir konnten nur herumgehen. Und, äh, haben eigentlich, äh, nichts g-, nichts gemacht, die Zeit wurde, wurde dort totgeschlagen. Es hat Kolonnen gegeben, die zur Arbeit gegangen sind. Wir sind nicht zur Ar-, ich bin nicht zur Arbeit gegangen und, äh, nach einer, nach einer Zeit, also wir haben, wir sind dann im Lager spa-, herumgegangen und dann haben wir einen, eine, eine (-) Barackenmauer, also eine Holz-=äh=wand (gesehen) und dahinter waren Kinder und mit den Kindern haben wir uns=äh, haben wir immer gesagt wir sind die Mutti und haben den Kindern zugesprochen, äh, Trost. Die Kinder, was mit den Kindern hinter diesem
Holzzaun war, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass es Kinder waren. Ob es jüdische Kinder waren oder andere Kinder, das weiß ich nicht. INT: Welche Sprachen sprachen diese Kinder? ML: Wir haben mit ihnen Deutsch gesprochen. Die Kinder haben, ich weiß nicht, welche Sprachen sie gesprochen haben, ja? Nicht? Und dann=äh wurde eine Selektion gemacht und zwar, wir wurden, wir wurden, äh, erst wurden wir ins Bad geschickt, und das Bad war immer eine, ein großer Horror, und zwar deshalb, weil die, äh, Badehäuser, und zwar waren das, waren das Baracken mit viel, mit vielen Brausen. Und es konnte Wasser durchkommen genausogut wie Gas. Also man wusste nie, ob, ob man da jetzt, wenn man hineingeht, äh, wir sind beisp-=äh, wir sind da angestellt gestanden vor=äh,
bei, bei der Baracke und man sah nie wie einen hinauskommen, weil die wurden auf der anderen Seite hinausgeschickt. So was, sagen wir, die Angst war immer da, man wusste nie, äh, sind die, sind die rausgekommen oder sind die, sind die umgebracht worden, net? Und dann hat man ein, ein Stück Seife bekommen und dann haben sie sich eingesei-, haben, es sind zwei Tropfen Wasser gekommen und haben sich eingeseift, und dann kommen noch zwei Tropfen Wasser, weil die Schrauben wurde nicht, und sie wurdens praktisch mit dem Schaum rausgeschickt wieder auf=äh, zum=äh Ding. Dann musste man sich, äh, äh, in die B-, in die Kolonne stellen, man musste sich sämtliche Kleider ausziehen, die Kleidung auf die rechte Hand geben, damit die linke Hand mit der Nummer frei war. Ja, weil man hat ja auf der linken Hand die Nummer, damit die Nummer auf der linken Hand frei war und, äh, dann, äh, k-, ist man in eine
Baracke und da stand ein, ein SS-, äh, Mann, eigentlich zwei, drei SS-Leute, und=äh der eine ist auf einer Kiste gestanden und der hatte immer gesagt, also, wird, es waren zwei Eingänge, und in der, der eine wu-, musste da hineingehen und der andere dort hinein, das war eine ganze Willkür. Und die einen haben sie dann vergast und die anderen, wir sind dann nach Ravensbrück gekommen, nicht? Ja, <leise> soll_? INT: Wenn so eine Selektion war, haben Sie versucht irgendetwas zu machen, damit Sie besser aussahen, // ML: <schüttelt den Kopf> /// gesünder || aussahen? ML: Nein, nein, ||| nein. Denn das, w-, wir hätten auch gar keine Zeit gehabt dazu. Denn das kam ja immer irgendwie überfallsartig. Ja, das also. Wir hätten nie Zeit gehabt, äh, dass wir uns=äh herrichten oder was, ne? (--) Nicht? Und dann=äh also bei der letzten Selektion
dann hat man uns=äh gleich abgesondert von den anderen und dann hat man u-, äh, dann wurde im, unter den Häftlingen schon gesprochen, wir kommen nach Ravensbrück. Ja, ich, wov-, von wo die Häftlinge das wussten, das weiß ich nicht. Und, äh, dann haben sie, äh, Waggons gemacht, also Viehwaggons angefüllt mit Leuten und wir=äh wurden_. Und, da weiß ich noch eines, als-, also das war unser letztes Essen dort, da bekamen wir Sauerkraut mit Erbsen. Und das habe ich mein Leben noch nie gegessen gehabt. Sauerkraut mit Spalterbsen. Ja? Und dann wurden wir in die Waggons und wir, bis wir's nach Ravensbrück. In Ravensbrück, äh, hat man uns, äh, da sind wir, äh, ich weiß nicht wie lange wir gefahren sind. N paar Tage, zwei Tage oder drei Tage. Und in Ravensbrück hat man uns ausgeladen und hat man uns in
Quanrantän-, in, in Baracken gegeben. Und das war noch sehr, sehr warm und wir waren so durstig und plötzlich kam's, hat's dann zu regnen angefangen und da haben wir uns das Wasser mit den Händen aufgefangen und haben das getrunken. Das war unsere Quarantäne und ich gl-=wei-, da haben wir aber schon Essen bekommen. Ich kann nicht mehr sagen was, aber wir haben Essen bekommen. Trinken haben wir keines bekommen, aber Essen bekamen wir. Und, und auch Suppe, also es war alles immer suppig, so dass es eigentlich Flüssigkeit war. Und dann wurden wir auf Baracken aufgeteilt, die Leute, die die Quarantäne überstanden hatten, und da bin ich dann in eine Baracke gekommen, da waren, mit zweitausend Leuten in einer Baracke. INT: Wie lange dauerte die Quarantäne? ML: Ich habe es, ich weiß es nicht mehr. Das ist eine, äh, Zeit, die mir, äh, also
ohne Zeitbegriff, ja? Ich weiß nicht, ich habe, hatte keinen Zeitbegriff. Und ich bin dann zurück in die Ba-, also wir sind dann in s-, in diese Baracke und dann bekamen wir alle eine Nummer und einen Winkel, ich hatte einen roten Winkel, einen politischen, und das musste man aufnähen. Und das war aber für zweitausend, äh, Leute ich glaube vier Nadeln. Und ich konnte die, ich konnte zu der Nadel nicht kommen und ich konnte auch die, diese Blockälteste war ja immer eine, die=äh auch ein Häftling, das hat geheißen die Blockälteste, die war irgendwie verantwortlich für den Block. Und diese, äh, Blockälteste, äh, hat, äh, war eine Polin und sie hat ges-, wohl deutsch gesprochen, aber man konnte sie nicht verstehen. Und sie hat nur geredet, a-, alle müssen zur Arbeit. Und da bi-, habe ich mich zur Arbeit gemeldet und wie
ich dann, wie wir, äh, a-, aus, aus, aus dem Lager zur Arbeit gehen sollten, hatte ich keine Nummer und keinen Winkel aufgenäht. Und da hat mich dann ein Häftling aufgehalten und hat sagt, ich muss sofort zurückgehen zur Baracke, und ich habe gesagt, ja, und ein paar Schritte später hat sie mir das noch einmal gesagt. Dann sage ich: "Ja, ich habe es verstanden." Und nach einem, gar nicht weit, dann sagt es mir dann noch einmal wer, und und ich dann sage ich schon, äh: "Ich hab's doch jetzt schon verstanden, ich verstehe ja deutsch." Und das war die berühmte Koch [Ilse Koch]. // INT: Hm. /// Und=äh ich habe mich dann umgedreht und ich habe mich entschuldigt und habe ihr eben gesagt, ich=äh habe das jetzt schon, man hat mir das schon so oft gesagt, und sie sagte zu mir, ich müsste mich mit Nummer und Winkel in einer Stunde melden. Und ich bin wirklich dann gleich zurückgegangen und, wenn nicht, dann bekomme ich 25,
25, das waren fünf-, 25 Peitschenhiebe. Und ich bin dann zurück und hab dieser Blockältesten, so das hat geheißen Blockova, weil das war aus dem Polnischen übersetzt, dieser Blockova gesagt: "Ich muss eine Nadel haben" und die haben ich_. Und mit mit mir sind aber noch v-, v-, andere vier zurückgegangen, und ich hab ge-=äh, sie hat mir gesagt, ich soll mich nicht melden, weil, äh, ich bekomme, ich werde sowieso die, die 25 Stockhiebe bekommen. Und, äh, ich habe gesagt: "Nein, das mache ich nicht. Wenn ich es=äh, was ausgefressen hab, dann tue ich es auch, stehe ich dafür gerade." Und, äh, sie hat mir dann die Nadel geb-, gegeben und ich habe das aufgenäht und bin zu der, i-, in, in, auf die, äh, auf, auf die Wache und hab das, habe mich gemeldet, also der Häftling mit Nummer und Winkel, so hat das geheißen, meldet sich, äh, äh, zum Appell. Und es, sie hat mir gesagt: "Ja, und was ich,
äh, wo die anderen sind. Und ich sagte: "Ich weiß es nicht, ich, unter so vielen, ich habe sie nicht mehr gefunden oder ich hab's, ich hab's der Blockova gesagt, aber ich habe sie nicht gefunden." Und sie sagte mir dann, ich müsste strafweise nachmittags zur Arbeit gehen, mitgehen. Habe ich gesagt: "Ja." Und ich konnte zurückgehen im, in den Block. Am nächsten Tag in der Früh war Frühappell und sie hat sich die vier hinausgenommen, sie hat sich diese vier Leute gemerkt. INT: Und was geschah mit || diesen vier Personen? ML: Sie haben, äh, ||| entweder Stock- oder Peitschenhiebe 25 bekommen. Ja? Und dann=äh bin ich also jeden Tag zur Arbeit gegangen. Und zwar hatten, waren wir für Siemens-Werke, die musste, äh, das war ein Berg und der musste planiert werden, damit sie dort die F-, die Firma auf-=äh, -bauen konnten. Und da haben wir einen Berg abgetragen, also wir haben, äh, Steine und Sand <räuspert sich> haben wir
in Loren, äh, von oben runtergenommen und g-, und, und dann wieder in, in das Tal hinuntersch-, äh, ge-, ge-, bis, bis eine Eben war, nicht? Und das habe ich, äh, gemacht jeden Tag, bis, äh, bis dann eines schönen Tages Appell war und meine Freundin war mit mir. Meine Freundin Trude, wir sind zusammen gewesen. Und=äh da ist ein Mann mit der Koch [Ilse Koch] gegangen und dann haben sie einzelne Leute rausgenommen und ich bin dann zu der Koch hin und hab ges-, äh, zur Arbeit, zu einer anderen Arbeit, und ich bin dann zur Koch hin und habe gesagt, äh, äh: "Ich möchte auch so gern meine Freundin." Äh, und dann hat sie, ist sie mit mir hingegangen zu dem Ingenieur und hat zu dem gesagt: "Herr Ingenieur, nehmen Sie die Kleine, die ist sehr fleißig." Und dann hat er mich genommen und so bin ich mit der Trude zusammengeblieben bis zum Ende.
Wir sind dann von, von Ravensbrück nach Genshagen. Das wurde ein Lastauto, das war eine Flugzeugfabrik, eine unterirdische, und da ha-, waren ein paar tausend Leu-, äh, Frauen, die die Motore zusammengesetzt haben, die, äh, äh, dann f-, die f-, Motore ver-=äh, äh, verla-, äh, verpackt haben und verladen haben. Und da habe ich die Motoren verpackt. Und zwar das war, das wurde mit einem Kran die, der Motor in eine Kiste gegeben und ich musste das mit einem großen Schraubenschlüssel, äh, dies-, den zuschrauben. Und eines schönes Tages hat er dann, ist, äh, ein Mann gekommen, das ist auch ein SS-Mann gewesen, und dann: "Komm mit mir", weil die waren ja mit allen per du, "komm mit mir", und dann hat er mich, sind wir bei den Stiegen rauf und dann, i-, ich bin in eine Kabine hinein, und dann sagt er: "So, das ist ein Kran und mit dem fährst du jetzt." Und dann musste ich dann die Motoren ver-=äh.
Und dann hat er mir nichts anderes gezeigt wie hinauf: "So ziehst du's hinauf, so zieht er hinuter, da fährst du rechts und da fährst du links." Mehr nicht. Und dann habe ich Motoren ver-, verladen und_. INT: Frau Lewit, ich möchte gerne noch einmal || nach // // ML: Fragen. ||| /// Ravensbrück zurück. Zur besseren Verständigung würden Sie trotzdem bitte erklären, wer diese Frau Koch [Ilse Koch] war? ML: Die Frau Koch war, äh, SS-Scharfführerin, eine der gefürchtesten SS-F-, äh, Frauen im ganzen Lager. INT: Weshalb war sie || gefürchtet? ML: Deshalb, sie war, ||| sie, äh, war sehr brutal. Sie war, (--) sie war sehr brutal und sie war, äh, wenn s-, wenn ihr wer nicht zu Gesicht gestanden ist, den hat sie so lange, äh, mit irgendeiner Art gequält, bi-, bi-, bis er, bis er nicht mehr da war, ja? Also (zum) Beispiel meine Schwester, die ja zweiundneu-, äh, zweiund=äh,
-vierzig [1942] schon ins Lager kam und das man mir dann erzählt hat. Die hatte hellblondes Haar, sie werden es dann da sehen, und das hat sie, ja, hat ihr aufge-, das hat ihr nicht gepasst. Sie war eine d-, das reinste arische Mädchen, blonde Haare, blaue Augen, ja? Und=äh sie hat sie so lange, äh, zu den schwersten Arbeiten, zu den Ding (nach Gehör) genommen, bis, bis sie, äh, äh, äh, gestorben ist. (---) Ja? Also sie war sehr gefürchtet von allen, von allen Leuten. (--) Weil man eben nicht gewusst hat o-, äh, wie, wie, wie wird, wie passt es sie, äh, äh, wie, wie, wie wei-, wie, wie steht sie ihnen zu Gesicht. INT: Das Lager Ravensbrück war ursprünglich als ein Frauenlager || geplant. // ML: War ein Frauenlager, ||| ja. /// Gab es=ähm unter den Frauen
eine, eine Solidarität, hat man versucht=äh // ML: <schüttelt den Kopf> /// sich zu schützen, einander zu helfen? ML: Nein. Nein. Es gab ja und zwar, äh, sagen wir, sie waren vor dem Krieg bei der Sozialistischen Partei, da haben sich schon, äh, so G-, so Gruppen gebildet. Aber wenn sie ni-, nicht=äh bei, bei einer Pa-, äh, so, so, äh, früher organisiert gewesen sind, und die Ganze (nach Gehör) das hat, das hat denen ja überhaupt nicht interessiert, die haben sich gegenseitig geholfen. INT: Gab es nicht=äh irgendwelche Zweckgemeinschaften, || dass man versucht hätte_? ML: Nein, nein, ||| nein. Nein, gab es nicht. Nein. Zumindestens ich habe sie gewu-, nicht gekannt und nicht gewusst. Nein. Es, ich sage ja, die, sagen wir die sozialistischen, äh, Frauen, die haben dort, äh, also sozusagen so eine Untergru-, so eine kleine Untergrundbewegung gehabt, aber es kam niemand dazu, wer nicht von den, von denen, äh, als halt ein Außenstehender, äh, konnte da nicht. Sie ha-, die haben sich untereinander
geholfen, die haben sich untereinander auch äh v-, äh, wie sollen wir sagen, äh, äh, äh, Erleichterungen zugeschanzt und, und, und, äh, wenn's gegangen ist. INT: Abgesehen=äh von dieser Frau Koch [Ilse Koch], wie waren andere Frauen? ML: Ich habe mit den Frauen nichts, nicht viel zu tun gehabt. Ich war nicht sehr lange in Ravensbrück, weil ich bin dann nach Genshagen, da waren nur zwei Frauen und drei Frauen und, äh, und sonst nur Männer. Also wir hatten nur drei SS-Frauen und die sich eigentlich nicht um uns gekümmert haben. Genshagen war im Verhältnis ein, ein, sagen wir, ein gute Lager. INT: Wo liegt Genshagen? ML: Das liegt auf der Strecke, (--) wir sind von Genshagen nach, äh, Oranienburg zu Fuß gegangen. Also das muss
bei irgend-_. Wir haben aber einen, einen Atlas, <deutet neben sich> wir können vielleicht dann schauen, wo das liegt, ja? Gehört hat das Lager zu Oranienburg, also zur, zum Lager Oranienburg, nicht? INT: Bekamen Sie in Genshagen eine neue Nummer? ML: Nein. Nein. In Genshagen haben wir überhau-, also, also unsere alte Nummer, aber wir ha-, wir sind gänzlichst ohne, denn das L-, das war so übersichtlich, dass sie genau gewusst haben, wer wer ist? INT: Wie viele Personen waren in Genshagen? ML: Maximal dreitausend. INT: Und welche Personen? ML: Nur Frauen, es waren nur Frauen. Und=äh der v-, hauptsächlich waren, äh, äh, F-, äh, wir haben gehabt Zeugen Jehovas, wir gehabt, äh, also F-, Fr-=äh, Freimädchen, habe ich schon erklärt, nicht? Und die wurden,
äh, und Politische. Also das waren die Frauen, die dort waren. Wir hatten auch kein, keine Schwarzen. Die Schwarzen das waren Mörder und so weiter, die hatten wir in Genshagen nicht. Wohl in Ravensbrück, aber nicht in Genshagen. Wir waren anscheinend nur ein, ein Teillager von, äh, von, äh, Ravensbrück, nicht? Oranienburg. Und, also dort, der, äh, äh, Oberscharführer, der, der das geleitet hat, der hat uns wirklich, sagen wir, hätte uns wie Menschen behandelt. Und zwar wir durften uns waschen, das war eine große Sache. (--) Ich habe gerettet v-, über von Wien weg meinen Staubkamm. Und zwar das ist, ein Staubkamm, das ist ein Kamm mit ganz feinen Z-, äh, Zacken,
wo man die Läuse ausge-=äh, ausbürsten k-, auskämmen konnte, ja? Und den habe ich sogar gerettet bis nach Genshagen, dort wurde er mir dann gestohlen. <lacht> INT: Wie konnten Sie ihn verstecken? ML: Eigentlich, ich habe ihn nicht versteckt. Ich bin immer mit dem, mit dem durchgekommen, ja? Ich habe, weiß ich, immer im Kleid drinnen gehabt oder in, in, in, ja? Ich bin mit dem immer durchgekommen. Anscheinend, äh, sie haben uns ja nicht=äh so in dem Sinne untersucht. Nur dann, wenn sie, wenn sie, ähm, wie soll ich sagen, Verdacht gehabt haben oder was, nicht? Äh, ich war ja noch, äh, i-, ich hab's ja sehr jung ausgesehen und in Ravensbrück, da wurd-_. (--) <leise> Nein, in Genshagen schon war das. <bedächtig> In Genshagen war das schon, dann haben, waren einige schwanger, eine v-,
einige Mädchen, und da haben sie dann_. INT: Entschuldigen Sie, ich hab's nicht || verstanden. ML: Waren || schwanger. Und=äh da haben sie Untersuchung gemacht und=äh da ha-, also ich war noch, äh, ich habe noch keinen Mann gehabt damals, also ich war noch ein Mädchen. Und das haben sie mir irgendwie, das war also, das war was besonderes. Und sie haben mich auch, und sie mir auch nie, ist mir nie wer nahegetreten. Ja? INT: Sie sagten jetzt=äh ins Genshagen gab es Frauen, welche schwanger waren. // ML: Ja. /// Ähm, // ML: Die waren, die sind_. /// von wo kamen diese Frauen? Wissen Sie das vielleicht? ML: Nein. Auch von, äh, von Ravensbrück anscheinend, ich weiß es nicht genau, ich kann es nicht sagen. INT: In welchem Monat waren diese Fra-_? Hat man || das bereits gesehen? ML: Das weiß ich nicht. ||| Nein, eben noch nicht. // INT: Hm. /// Sie sind irgendwie drauf gekommen, dass sie schwanger sind, und haben das untersucht. INT: Wer hat sie untersucht? ML: Ein Arzt.
Das war ein || Arzt. INT: Was ||| geschah mit diesen Frauen? ML: Die sind weggekommen. (Unverständlich, eine Sek.), weiß ich nicht. Die hat man weggegeben. INT: Hat man drüber gesprochen unter den anderen Häftlingen? ML: Nein, schauen Sie, wie's haben zwölf Stunden gearbeitet, und wenn wir dann, äh, wenn wir dann von der Schicht, hat das geheißen, zurückgekommen sind, dann sind wir reingefallen und haben geschlafen. Und haben nur gewartet bis wir wieder was zu essen kriegen und Debatten oder so was hat's nicht gegeben, nicht? Wir, äh, sagen wir, wir, wie soll ich sagen, ich weiß nicht, ob die Deutschsprachigen irgendwie still=äh, mu- mu-, mundarmer waren. Na gut, die Ungarn haben sich, ja, unterhalten. Was wir nicht=äh verstehen konnten, na ja. Aber die haben, sagen sich, auch untereinander, und während der Arbeit durfte man nicht sprechen, nicht? Während der Arbeit war es tabu. Na und eines sch-, nachts da bin ich dann
wohin gegangen, und wie ich dann sitze und dann sehe ich ein Sackerl liegt am Boden und ich hab das aufgehoben und bin dann zu der Trude ins, ins Bett, wir sind zu zweit in einem Bett geschlafen. Und ich sage: "Du, Trudi, ich hab was gefunden. Ich glaube ich habe ein silbernes Armband gefunden." Und, äh, aber ich weiß eh, und das waren Erle-=äh, Bro-=äh, Essensmarken, weil wir hatten Essensmarken, wir bekamen jede Woche Marken und die gaben wir ab und dann haben wir unser Essen bekommen. Da waren so kleine Marken und die mussten wir abgeben, dann haben wir unser Essen bekommen. Wer keine Marke hat, bekommt kein Essen. Und da waren Essensmarken auch drinnen und ich sag dann noch zu der Trude: "Du, ich muss das abgeben, bei dem, äh, da sind Essensmarken drinnen, weil, äh_." Ja?" Und in der Früh, wie ich mir das so angeschaut hab, habe ich gesehen, das ist Gold. Jetzt habe mal ich da
selbst Angst bekommen und bin dann zu der, zu der einen SS-Frau zugegangen und hab zu ihr gesagt: "Ich habe das in der Nacht gefunden und ich möchte das abgeben, weil ich_." Ja? Und dann haben sie das ausgerufen und haben gesagt: "Wem gehört das?" Weil das, äh, das Band angeblich, hat, ist der SS-Frau gestohlen worden. Oder sie hat es verloren. Und einer nicht dieser, sonder einer anderen. <räuspert sich> Und dann haben sie mich verwöhnt und zwar ich bekam Brot und ich bekam Butter und Marmelade, zu zeigen, ja, wenn man ehrlich ist, bekommt man was, ja? Aber ich habe mich durch das mit dieser einen, äh, SS-Frau, äh, näher bekannt gemacht gehabt und sie hat mich dann in die Schreibstube genommen. Nicht? (-) Und dort bin ich gewesen bis, bis man, äh, eine Kolonne gemacht hat
und man uns=äh weggesch-, äh, nach Ravensbrück. Und da war ein Phänomen, man hat uns_. Ja, ich wollt, da muss ich aber noch vorher sagen, er musste stem-=äh, abstempeln Entlausung. Ja? Der SS-Mann. Und im Winter nach, wie es kalt war, hat er es nicht gemacht. Und im Sommer ist er, äh, zweimal in der Woche mit uns zur Entlausung gegangen, dass er die Stempel bekommt. Und, äh, dieser, dieser SS-Mann hat uns z-, zum Appell antreten lassen, hat er gesagt, wir müssen zurück nach Ravensbrück, aber sollte ein Häftling fehlen, wir er erschossen. Und wir haben uns ausgemacht, wir lassen keinen Häftling gehen untereinander, weil wir wollten nicht, dass er nachdem er zu uns anständig war, wollten wir nicht, dass er
o-, erschossen wird. Und wirklich, wir sind von, von Genshagen bis nach Sachsenhausen zu Fuß gegangen. <räuspert sich> In Sachsenhausen haben wir übernachtet, da waren aber schon die Häftlinge in SS-Uniform au-=äh. Da haben Häftlinge schon SS-Uniformen gehabt und die uns gesagt haben, sie, äh, sie kommen an die Front. (--) Am nächsten Tag sind wir dann weiter, wir sind dann durch Berlin nach, äh, Ravensbrück. (--) Und wirklich in Ravensbrück hat ihm nicht eine gefehlt. (--) Ja. INT: Weshalb wurden Personen aus Genshagen überhaupt_? ML: Evakuiert schon. INT: Wann war das circa? ML: Das war schon in 45 [1945]. Das war vielleicht sechs Wochen vor Kriegsende. INT: Was wusste man zu diesem Zeitpunkt? ML: Nichts, wir hatten nichts
gewusst. Genshagen war so abgeschirmt, durch das, dass es unterirdisch war, wir mit niemanden, äh, in Verbindung kommen konnten. Ja? Haben wir gar nichts gewusst. (-) Wir haben erst in, in, äh, in Sachsenhausen haben wir erst=äh, äh, bekommen die sozusagen, äh, der Krieg dauert nicht mehr lange und, und, und, äh, ja? Wir wussten auch nicht warum das Lager aufgelöst würde, warum wir von Genshagen weg mussten, nicht? Erst dann wussten wir das. Und dann sind wir in, in Ravensbrück angekommen und dann haben sie den Mann genommen und haben ihn sofort an die Front geschickt, den SS-Mann. (--) Nicht? Wir sind dann angekommen, dann es, da waren aber schon die ungarischen Juden dort, die man da hingebracht hat während der Zeit. (--) <Mikrofongeräusche> Dabei waren die Baracken schon voll, ü-=äh, übervoll. Und da haben sie dann schon, sage ich, wir waren noch, vielleicht vierzehn Tage waren wir noch in,
in=äh Ravensbrück, da haben sie aber schon auch Kolonnen gemacht. Eine Freundin von mir, äh, ist dann mit der, haben sie schon nach Schweden Leute geschickt. (---) Von Ravensbrück wurde, sind Transporte nach Schweden gegangen. Meine Freundin ist noch in Schweden, die ist heut noch in Schweden. Ihre Mutter war bei der, bei der, (--) <denkt nach> na? (-) Polizei, aber wie hat das geheißen? Bei der Lagerpolizei. Ihre Mutter (war) bei der Lagerpolizei und da haben sie sie mit ihrer Tochter und, äh, war ein Transport, haben sie sie nach Schweden geschickt. Und es hätte noch mehrere Transporte nach Schweden gehen, aber, äh, wer da gegangen ist und wer hingekommen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls die Freundin von uns, die haben wir ja, äh, Freundin war sie ja nicht, sie war, wir haben sie im Lager kennengelernt,
nicht? Die Trude und ich. Und da waren wir sechs, äh, äh, österreichische Mädchen, die, die dann so n bisschen zusammengehalten haben, ne? U-=äh, die wir so am, im, immer am Weg aufgeklaubt haben, net? Und die haben wir dann, äh, die sind ja nach Schweden gekommen, (--) nach Växjö, und wir, und wir sind, äh, äh, dann hat man Kolonnen gemacht und dann sagt noch diese von der SS zu mir: "Ge, du hast s-, so schlechte Schuhe, ich geb dir meine Stiefel." (---) Und ich Dummerl nehme die Stiefel und zieh ihre Stiefeln an. Und sie geht und=äh ich bin weggegangen. Und wie wir dann auf der Kolonne waren, sind wir, äh, sind wir, äh, äh, sind wir mit, da ist SS gegangen mit uns, und am Abend haben sie so ein, so eine, ne Scheune, da haben sie uns reingetrieben und dort mussten wir über-=äh,
sollten wir übernachten, und am nächsten Tag war die SS, war die SS weg und wir und_. <nickt auf Zeichen des KAM> <Tape 2, Ende>
KAM: Es geht schon. INT: Frau Mathilde Lewit, 13. Juli 1997, Band Nummer 3. (-) Frau Lewit, noch=äh, dass wir's ein bisschen genauer erklären, das gesamte Lager Genshagen || wurde // ML: Wurde evakuiert. ||| /// evakuiert? // ML: Ja. /// Sie kamen nach Sachsenhausen? ML: Nach Sachsenhausen nur übernachten. W-, man hat uns nur, äh, dort zum übernachten hin-, hingeführt. Wir sind zu Fuß gegangen und man hat uns dort zum übernachten hingeführt. Wir waren nur eine Nacht dort. INT: Wurden Sie bewacht (-) während des_? ML: Bewacht hatte uns eine
SS, die uns dann gesagt hat, sie waren gestern selbst noch Häftlinge. INT: Ein SS, welche sagten, || sie gestern_? ML: Sehen Sie (nach Gehör), sie waren gestern noch selbst Hälf-, Häftlinge. (---) Ja? Am nächsten Tag sind wir dann über Berlin nach Hau-, nach Ravensbrück zurück. INT: Wie war das, als Sie durch Berlin gekommen sind? ML: Kann ich mich nicht mehr erinnern. INT: Sie, Sie waren eine Kolonne // ML: Eine Kolonne, ja. /// von Frauen? // ML: Ja. /// Ähm, sind Sie in Berührung gekommen mit der Bevölkerung? ML: Sicher, die Menschen sind gegangen, haben geschaut, aber ich kann mich nicht erinnern, dass uns irgendwer einer eingepöbelt oder dass einer was gefragt hätte oder_? INT: Haben Sie versucht irgendwie // ML: Nichts. /// Kontakt aufzunehmen? ML: Nein. Nein, es hat eigentlich_, nein. Wir haben (-) f-, äh, wir haben damals gesagt, nein, wir gehen alle zurück nach Ravensbrück. INT: Was bedeutete das
für Sie? ML: Nichts. INT: Sie gehen zurück nach Ravensbrück? ML: Gar nichts. Wir waren, äh, wenn man eine, eine Kuh treibt, dann geht sie. Und wenn wir, man damals die Menschen getrieben hat, dann sind sie gegangen ohne, äh, irgendeinen Gedanken oder, nicht einen Gedanken an später oder einen Gedanken jetzt ist wieder zurück ins Lager oder etwas. Man ist gegangen. INT: Gab es irgendwelche Frauen, die versucht haben=äh auszubrechen oder, oder || wegzukommen? ML: In meiner Umgebung ||| nicht, und wenn hätten, hätten sie, äh, hätten wir sie verhindert. (-) Denn wir wollten, dass=äh, dass=äh, er, er alle auch noch hin-, alle auch hinbringt. INT: Wie lange dauerte dieser Marsch circa? ML: Hm-, zwei Tage. Zwei Tage. Äh, wir haben nicht mehr übernachtet. Ich weiß nur, dass wir einmal in, in=äh, in, äh, Sachsenhausen übernachtet haben. (--) Dann waren wir schon in, in_.
INT: Wie ist es dann weitergegangen? ML: Na, wir sind dann zu-, hingekommen, dann hat man uns=äh wieder in Baracken gegeben, dann=äh, (--) also Arbeit war keine mehr, man hat nicht mer gege-, äh, man hat nicht mehr_. Dann haben wir Pakete bekommen von, von Roten Kreuz. Auf dem sind noch sehr viele Leute gestorben, weil das war sehr viel Fett und Sardinen und dass die Leute das gegessen, sind dann elend zu Grunde gegangen. Und eines schönes Morgens hat man, einmal hat man wieder Kolonnen gemacht, wieviele Leute kann ich nicht sagen, hat n paar SS-Leute dazugegeben, Frauen, Männer. Wir sind, äh, Richtung Westen marschiert, d-, wir wussten, weil wir grie-=äh, wir marschieren Richtung Westen, nur weg von den Russen und am A-, äh, zu, dann haben wir uns=äh niedergelegt, äh, in so eine Sch-, eine Scheune, also man
hat uns da zugetrieben, weil über Nacht konnte man uns nicht=äh lassen im Freien. Und in der Früh war die SS weg und der=äh, <leise> Wehrst-, Wehrsturm war das. Das waren alte Männer, <zu AL> weißt du noch wie, Evil (nach Gehör), wie hat das geheißen? Wer-, ich glaube, Wehrsturm. (--) AL: Volkssturm. ML: Volkssturm, ja. Das waren alte Männer, äh, die man als, als, äh, äh, sozusagen, sie sollten verteidigen die, letztlich die Frauen in, in den Städten, ja? Und da waren diese, diese Männer waren dann, äh, waren dann, äh, unsere Bewachung. Und dann sind wir noch, sind wir gegangen und, äh, dann haben wir, sind wir an einem Bauernhof vorbeigegangen und=äh das war so schön drinnen. Und bis wir, bis wir gedacht haben, waren wir vorbei und wie wir in das (unverständlich, eine Sek.) war, ist ein zweites Tor gekommen. Und hab ich der Trude einen Schubs gegeben und ich hinten nach und wir waren
weg. Und dann haben wir uns dort ins Heu versch-, verkrochen. Da war so ein, äh, so ein Heu-=äh, äh, eine Scheune und da haben wir uns verkrochen. Und die Kolonne ist weitermarschiert. INT: Wie war Ihre Reaktion, als Sie sahen, dass am Morgen die SS nicht mehr da war, sonder || nur der_? ML: Gar nichts, gar ||| nichts, gar nichts. Gar nichts, wie ich habe Ihnen gesagt, man hat, man hat, äh, nicht Menschen gesch-=äh, auf Kolonnen geschickt, sondern einen, einen stumpfen, ein stumpfes Tier. Ja? Ein Mensch, der überhaupt nicht denken konnte. Ich werde Ihnen sagen, ich werde jetzt eine Episode erzählen, da werden Sie gleich sehen, wie stumpf und man überhaupt keine, äh, Initiative hat. Denn das, diese Initiative, was ich damals gehabt hab, die Trude da reinzustoßen, das war, ich weiß nicht wieso, ja? Und so wir sind dann in, in diesem Heu gewesen, und auf einmal hat das dann bisschen geraschelt und da war noch wer im Heu drinnen, waren nicht alleine.
Und das waren, äh, Italiener, die, das waren aber, äh, vom Militär, ja? Die desertiert waren und die auch nach dem Westen wollten. Und wir haben gesagt, jetzt wir wissen nicht was wir machen sollen, wir melden uns bei der Polizei. Also wir war-, wir waren nicht im Stande, die haben uns gesagt: "Seid ihr denn verrückt, wenn ihr jetzt bei der Polizei meldet, dann schießen sie euch doch nieder." Also dann, äh, ha-, hat uns einer, hat gesagt, er besorgt uns Kleider, weil wir hatten ja noch die Häftlingskleider, diese grau-blau gestreifte Kleidung. Und ich hatte ein normales Kleid, aber mir rückwärts einen, ein weißes Kreuz drauf. Und zwar mit=äh, mit Ölfarbe angestrichen. Das war das selbe Zeichen, nur wie sie keine Kleider mehr gehabt haben, wurde die a-, die Kleiderkammern aufgemacht und die Leute mit dem bekleidet. Und
er hat uns dann, der Trude hat er ein=äh Kleid gebracht und mir hat er einen Rucksack gebracht. Und mit diesem Rucksack konnte ich dieses Kreuz abdecken. Und dann sind, das, dadurch si-, sind wir, äh, äh, das war ein, ein, eine Stadt mit einem Flughafen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie die geheißen hat. Und er sagte, wir müssen da weg, weil hier ist n-, ist ein Flughafen, und wenn die bombardieren werden, dann, äh, kann sein, dass da alles in Flammen aufgeht. Und dann sind wir, und er hat immer gemeint, wenn wir zu viert sind, dann kann uns=äh, dann sind wir eben mal zwei, ein, ein Liebespaare und=äh das wird schon nicht so_. Wir sind dann wirklich bis nach Röbel gekommen und haben dann in Röbel, da ist ein, auf einer Wiese so ein Heuschob-, wo, wo, so ein Heuschober und wo man auch Werkzeug drinnen hatte und, äh, wir sind dann hin-, dort hinein und haben
dort übernachtet und=äh da sagt der, äh, der eine zu uns, wir sollen mit ihm wei-, wir sollen weitergehen. Und wir haben gesagt: "Nein, wir gehen nicht mehr weiter." Und dann sind die alleine weitergegangen und wir sind dort drinnen geblieben. Und das war Vormittag, also gegen Mittag oder ein, ein frühen Nachmittag und am späten Nachmittag kam eine Frau und sagt: "Bleibts nur noch ein bisserl drinnen, Röbel hat schon die weiße Fahne gehisst." Also Röbel, das war die Stadt, wo_, nicht? Und wir haben uns dann w-, wirklich noch versteckt. Essen hat sie uns zwar nichts gegeben, die hat uns nur gesagt, Röbel hat die weiße Fahne gehisst. Und wir sind dann=äh, äh, nächsten Tag in der Frühe sagt die Trude zu mir: "Weißt du Hannele, äh, äh, ich geh in die Stadt, ich schau, ob wa-, ob schon, äh, Ding ist." Und ich hab aber dann, ich bin nicht ganz
gesund gewesen und bin dann geblieben. Und dann kamen zwei Uniformierte, ich wusste ja nicht, dass es Russen waren. Und der sagt: "Warum du, du da?" Wa-, wa-, ja? Und ich sage: "Ich KZ." Und ich zeige ihm meine Nummer und er sagt: "Du KZ, geh gro-=äh, Russen schon in Röbel." Und ich sag: "Nein, ich kann nicht gehen, ich muss warten auf mei-, auf die Trude." Und das konnte er aber nicht verstehen oder er hat dann noch mit mir herum=äh manipuliert, ich solle doch in die Stadt gehen. Und ich habe gesagt: "Nein das, äh, ich b-, ich warte." Nicht? Und dann haja ist er kopfschüttelnd weggegangen. Und dann kam die Trude und sagt: "Du, ich hab schon ein Haus." (--) Und wirklich wir si-, sind dann hin, äh, zurückgekommen. Sie war bei, auf der Kommandantur und man hat ihr schon ein Haus von einem Nazi gegeben. Und wir sind dann dort hineingekommen und also das war alles geplündert. Die, die, die, alles aus den Kassen rausgerissen und so weiter.
Und ich habe dann sofort genommen und alles hinein. Und wenn Plünderer gekommen sind, habe ich gesagt, "das ist unser Haus, schauts, dass ihr weiter kommt." Und dann sind auch Russen gekommen und=äh die wollten uns die Pferde wegnehmen. Und ich habe gesagt: "Nein, die Pferde gebe ich nicht her", das war ein Bauernhof, "die Pferde brauchen wir zum nach Hause fahren." Ich hab's ihm nicht gegeben. Und dann sind sie fort, auch wieder weggegangen. Und dann habe ich gesagt: "So, jetzt gehe ich das Haus ergründen." Und dann bin ich, äh, bin ich das Haus ergründen gegangen und dann habe ich oben im Stock die Großmutter gefunden. Die haben sie <lachend> übergelassen gehabt. Die hatte so Angst vor uns. Habe ich gesagt, sie braucht sich vor uns nicht fürchten. Und die Kühe haben geschrien, Pferde haben gesch-, alles hat Hunger gehabt. Die Kühe hätten gemolken gehört, wir haben nicht gewusst, was wir machen sollen mit den Viehwerk. Und dann kam die Frau und sagt sie sind die ehemaligen Besitzer, ob sie nicht können, äh, ob sie nicht im St-, äh, in der Scheune ein bisschen
dableiben dürfen. Haben wir gesagt: "Na, wir wollen das Haus ja sowieso nicht, weil wir geben's ihm ja sowieso zurück, ja, wir, was machen wir mit dem Haus?" Also sie so-, sie soll aber auf die Kühe melken und wir haben uns ausgedungen (ausgehandelt) gehabt, so lange wir bleiben, müssen sie uns gut versorgen. Ja? Und wenn wir nach Hause fahren nehmen wir die Pferde mit. Das haben wir ihr gleich gesagt, nicht? Und=äh wir's waren dort eine ganze Weile, vielleicht sechs Wochen, waren wir dann dort und=äh dann haben wir eine Familie kennengelernt. Die Familie hieß Klinger (nach Gehör). Das war der Papa Klinger, die Mama Klinger und der Sohn, das war ein kleiner Bub. Und die hatten Fahrräder und die haben gesagt: "Na, was machen wir mit Pferden, wenn wir keinen Wagen haben, n-, schauts, dass Fahrräder bekommts." Und dann haben wir uns Fahrräder besorgt und=äh, besser gesagt die Russen haben uns Fahrräder besorgt. Und dann
wurden sie uns wieder von Russen gestohlen. Und jetzt konnten wir nichts machen, hat er gesagt: "Was machen wir jetzt?" Haben wir gesagt: "Na gut, wir, wir treffen uns immer in der nächsten Stadt, ihr lassts uns be-, bei der Bahn, also beim Bahn hinterm Postkasten lassts ihr uns Post wo ihr seid, weil ihr seids ja mit den Rädern immer schneller dort." Und so war es auch und wir sind_. Und als sie gesagt haben, sie f-, gehen bis Dresden, in Dresden haben sie, hat sie ihre Verwandten gehabt. Weil sie waren aus Prag und er konnte aus Prag, nicht mit nach Prag, nicht mehr zurück. Und wir sind dann, wirklich so haben wir das gemacht, wir sind dann, wir sind zu Fuß gegangen und=äh jedesmal, wir haben gesagt in dieser Stadt in dieser Stadt treffen wir uns und hi-, bei, bei der Bahn, hinter dem Postkastel haben wir dann immer unsere, unsere Post gehabt, so sie sind, wo sie wohnen, denn wir hatten die Marken und die hatten das Geld. Und zwar haben wir die Marken gehabt, ich hab gehabt einen deutschen Ausweis
und einen russischen. In einer Stadt haben wir genommen auf den deutschen Ausweis die Marken und am anderen auf den russischen. Und so haben wir, äh, immer gehabt, so dass wir die mitgefüttert haben. Dafür, dass wir sie ja mitgefüttert haben die das bezahlt. Wir konnten das ja nicht kaufen. Und so sind wir dann bis Dresden gekommen und in Dresden haben sie dann ihre Bekannten gefunden und=äh da war aber alles kaputt und dann mu-, mussten sie nach Fürth. In Fürth hatte sie auch Verwandte. Das ist, Fürth ist bei Nürnberg. Und dann mussten wir von der russischen Zone in die amerikanische Zone. Und jetzt haben wir wohl die russischen Papiere gehabt, aber ja keinen amerikanischen. Also wir sind, äh, bei den Russen schwarz über die Grenze gegangen, weil man gesagt hat, besser ist besser, wenn wir, wenn es so geht, ist gut, und wenn sie uns nicht aufhalten, haben wir ja die russischen Papiere.
Und die Klingers bringen wir schon durch. Äh, ja, weil wir gesagt haben, sind auch KZel, nur's hätten's sie uns beweisen sollen. Also, es ist uns gelungen, wir kommen bei den Amerikanern, ich zeig ihnen die russischen Papiere, dann sperren die uns nicht ein. Wegen, wegen Grenz-, wegen, wegen, äh, Grenzübertritt aus der, aus der russischen Zone haben sie uns, den, den Papa Klinger, der=äh, die Trude und mich haben sie eingesperrt, die Mama mit, mit, mitm Buben haben sie draußen gelassen. Nach 24 Stunden haben sie uns aber dann laufen lassen und dann sind wir nach=äh, nach=äh Fürth. Und in Fürth wollten wir nicht bleiben, dann hat er, dann haben wir gesagt: "Na gut, dann s-, sie geben uns so viel Geld, dass wir's eventuell noch einen Zug bekommen. Aber Zug hat es keinen gegeben, nur Lastzüge. Na, dann sind wir eben auf einen Lastzug aufgesprungen und sind, äh, immer Richtung München gefahren. Dann sind wir in München angekommen, haben uns da bei dieser Flüchtlingsding (nach Gehör) gemeldet, habens uns wieder in
ein Lager gegeben, weil wir Österreicher waren, und wir müssten mit den Ö-, nach Österreich müsste man sozusagen abgeschoben werden. Und dann sind wir_. INT: Was war das für ein Lager? ML: Das war ein, ich weiß es nicht was das war. Das war ein Lager, die haben aufgefangen die Leute, die so kreuz und quer durch die Gegend auf plötzlich daher gekommen sind, ja? INT: Erinnern Sie sich an den Namen? ML: Nein. Nein. Ich erinnere auch nicht einmal wo das war. Jedenfalls sind wir dann von dort davon, weil einsperren konnten sie uns ja nicht. Wir sind dann davon, haben uns dann wieder auf den, auf, durch Züge, wi-, wir in Zügen so, so, nicht? Und sind dann bis an die Gre-, an die österreichische Grenze. Und wie wir an der der österreichischen Grenze waren, da ist gerade drüben ein Zug gestanden. Ein, ein, ein, auch ein Lastzug, net? Und wir haben gesagt, "naja, schön, was machen wir jetzt? Jetzt schauen wir bis der Zug anfängt zum, zum fahren, dann spr-, äh, laufen wir rüber, springen wir auf."
Aber es war nicht notwendig. Sie haben uns anstandslos mit den ös-, mit dem deutschsprechenden Papieren hinübergelassen. Sind rübergekommen und drüberkommen, äh, und da hat uns, äh, haben wir uns, äh, die Leute schon ge-, empfangen: "Ja, es gibt schon österreichisches Geld", und, und, äh, ja? Also Österreich ist wieder frei und so weiter, nicht? Und dann sind wir von dann nach Linz gekommen. Und da hat man uns aber in Linz gesagt: "In Linz müssts aufpassen, da müssts ihr nach Urfahr, in Urfahr, weil das ist die eine Seite ist russisch, die andere ist amerikanisch. Ihr müsst wenn ihr d-, auf der rus-, auf der amerikanischen Seite rübergeht den amerikanischen Pass zei-, also den Ausweis zeigen. Und wenn ihr aber bei den Russen seid, versteckts den so fest, dass die Russen den nicht sehen. Und nur den russischen zeigen." Und so haben wir es gemacht, wir sind dann bis=äh, bis Ybbs-Kemmelbach, also immer mit, mit Lastautos
und, und mit, mi-, äh, ja? Mit La-, mit, haben uns mitgenommen und mit, mit, mit, m-, auf zu, auf, auf Züge, so sind wir auch von Deutschland runtergekommen, nicht? Teilweise mit Lastauto, Züge ja teilweise habens, haben wir uns mit=äh, haben uns Lastautos n Stückchen mitgenommen und so weiter, nicht? Nun, nun von Kemmelbach sind wir dann nach=äh, da haben wir dann einen Zug bekommen, einen Lastzug, der nach Wien gegangen ist. Mit dem sind wir dann nach Wien gefahren und sind dann in Wien am Südbahnh-, äh, am, äh, Westbahnhof angekommen. Und dann hatten wir kein Geld für die Straßenbahn und dann sind wir schwarzgefahren bis Schwedenplatz. Und von Schwedenplatz hat die, äh, d-, äh, das, im Dianabad, gegenüber vom Dianabad, das war, äh, äh, ja? Haben die, die Trude hat, haben die Trude gewohnt, ja? Und wir sind ausgestiegen am Schwedenplatz, haben gesagt: "Jetzt schauen wir, ob euer
Haus steht." Und das, das sind ja nur paar Schritte und da sind wir rüber und da war die Brücke kaputt. Und da haben uns die russischen, äh, Soldaten gesagt, wir dürfen da nicht rübergehen, das ist nur für Autos. Aber sie konnten uns nicht halten, wir sind rübergelaufen und die Trude hat gerufen: "Papa, Papa, Papa, Mama." Und die Frau Fanter [Fanta], das ist die Mutter von der, von der Trude hat beim Fenster rausgeschaut und=äh hat gewunken und wir sind zum Haus gekommen und da ist uns der Herr Fanter schon entgegen gekommen. Der war wohl gerade, die, die Hosenträger waren unten, die Hose hat er sich vorne zusammengehalten und so: "Kinder, Kinder, schön, dass ihr wieder da seids." Nicht? Und dann habe ich gefragt, ob meine Eltern, äh, leben. Und sie haben gesagt: "Ja." Und dann, hab, habe ich dann, ich bin dann noch zwei Minuten raufgegangen, dann bin ich zu meinen Eltern nach Hause gegangen. Und mein Vater war noch da, meine Stiefmutter auch, nicht? (---) So, die Zeit, fragen Sie weiter.
INT: Wie ist's Ihnen nach dem Krieg weiter ergangen? ML: Nach dem Krieg haben ich dann nicht gewusst was soll ich machen. Ich habe mich zur Polizei gemeldet, weil die gesagt haben, ja, äh, sie haben damals zur Polizei genommen und=äh da habe ich mich bei der Polizei gemeldet als Kriminalbeamte. Und=äh (---) das ist=äh, ist noch im Laufen gewesen. Also b-, ich bin nach Hause gekommen, dann sagt mir meine Mutter, bitte, das muss ich jetzt noch dazwischen einschieben: "Du, die Lili ist, äh, im Jüdischen Krankenhaus in, in der Malzgasse." Das war, das war so ein Hilfskrankenhaus für die, nach dem Krieg. Und dann bin ich dann mit der Trude, bin ich, habe ich gesagt, nun, dann gehe ich die Tru-, die Lili besuchen am Abend. Und ich bin dann wirklich ins Spital gegangen die Lili besuchen und dort war ein Bursch. Und der sagt zu mir: "Wo bist du zu
Hause?" Und, und das war ein Freund von der Lili. Und sagt der: "Weißt du was, es ist jetzt schon dunkel, ich begleite dich nach Hause." Nun ich bin dann nach Hau-, mit ihm nach Hause gegangen und ich, äh, äh, sagt er: "Gehst du morgen wieder zur Lili?" Sag ich: "Ja." INT: Wer war die Lili? ML: Das war meine Freundin von vorm Krieg. Das habe, die Lili habe ich ja drinnen. Ja? Mit der ich gespielt habe, meine Spielkameradin. Und ich sag, äh: "Ja." "Weißt du was? Ich hol dich ab." Und so ist es tagelang gegangen, er hat mich abgeholt und er hat mich nach Hause gebracht. Nein, die Lili hat ihn geheiratet. Nein, nein. Nein, nein. Und dann sagt er einmal. "Weißt du, sag, hast du keinen Freund?" Sag ich: "Nein, ich hab keinen. Bin doch erst zurückgekommen." Ne? Sagt er: "Du, ich hab in, in Linz einen F-, einen Freund von, äh, ich bring in dir." (--) Äh, sag ich: "Na gut, bring ihn." Und ich, weil
wir waren ja damals nicht so wie heute, das waren nicht immer Liebschaften, ja? Es wär, sagen wir mal, zwischen Lila, äh, Lili und Truwa (nach Gehör), äh, d-, das ich mich da als Dritte eingespalten hätte, das, das wär mir gar nicht eingefallen, ja? Na jedenfalls hat man ihn mir dann gebracht. <deutet auf AL> Ja? Das muss ich nämlich voraussetzen, wie das dann, äh, äh, äh, spruchreif war mit der Polizei, hat mein <deutet auf AL> damaliger Freund, also mein jetziger Mann gesagt: "Wenn du zur Kro-=äh, äh, Kriminalpolizei gehst, dann heirate ich dich nicht, weil ich will keine Kriminalbeamtin." Und dann habe ich das ganze fallenlassen und bin dann bei, bei meinem Vater im Geschäft gewesen. Mein Vater hat Alteisen und Metalle gehabt und bin dann bei meinem Vater im Geschäft gewesen bis wir uns selbstständig gemacht haben. INT: Wann haben Sie geheiratet? ML: Neuzehnhundert=äh=achtundvierzig [1948]. (--) Am 8. April 1948, also jetzt bald fünfzig Jahre. Nicht? Haben wir dann geheiratet und=äh
dann ich, wir ha-, ich, mein V-, mein Mann hat bei meinem Vater gearbeitet bis wir uns dann selbstständig gemacht haben. Wir haben dann, äh, Textilabfall Großhandel gehabt. Dann hatten wir, ha-, haben wir uns umgesch-, äh, auf Gold. Nein, dann ha-, na, Moment, das ist es nicht. Textilabfall Großhandel, dann hatten wir, äh, Textil=äh=einzelhandel in Döbling und da hatten wir schon Gold dabei, ja? Im Großhandel. Und dann haben wir uns selbstständig gemacht mit Großhandel, dann haben wir zwei Geschäfte gehabt. Eines auf der Praterstraße und einen am St-, am, am Graben, am Trattnerhof. No, hm, das war dann mein Leben. Hab dann ne Tochter bekommen, nicht? Und wir haben dann, ich war dann immer im Geschäft und (--) das andere wissen Sie ja dann von meinem Mann eh. INT: Hatten Sie nach dem Krieg noch weiterhin Kontakt
mit Ihren Freundinnen? ML: Ja. Nei-, äh=die, äh, Jein. Mit der Trude hatte ich Kontakt, wir hatten sehr, sehr losen Kontakt. (--) Und=äh mit, mit, äh, den anderen, mit, äh, die eine, also so die war v-, die war ja die Schwedin mit, die war dann weg. Und die eine, äh, das wurde dann ein Freimädchen, mit der wollten wir nichts zu tun haben. So. (--) Das war, das war, das war ja, so dass wir praktisch nur mit der Trude noch Kontakt hatten und den hab ich s-, der war sehr locker der Kontakt, weil, äh, hm-, ich weiß nicht warum. Es, es hat halt nicht geklappt mehr nach dem Krieg. Die Männer haben sich nicht ver-=äh, so, so, (---) ja? INT: Haben Sie später Freunden erzählt, was Sie erlebt haben // ML: Nein. /// während des Krieges?
ML: Nein. INT: Weshalb nicht? ML: Ich habe immer gefunden, das ist mein Schicksal gewesen und, äh, deshalb habe ich auch nie, äh, sagen wir, das, auch meiner Tochter nicht, ich wollte nie jemanden damit belasten oder irgendwie, ja? Das war mein Schicksal und so, so ist es passiert. INT: Sind Sie Mitglied in irgendwelchen Organisationen? ML: Nicht mehr, nicht? Bin nach dem Krieg rausge-=äh, habe ich nichts, habe, bin mich nicht mehr auf, auf keiner Orgamis-, Organisation mehr mich beteiligt. INT: Haben Ihre Erlebnisse während des Krieges=äh Ihre Einstellung (---) zu den Menschen verändert? ML: Das kann man schlecht sagen. Sie müssen denken ich war damals ein Kind. Ich weiß nicht wie, welche Einstellung ich dann gehabt hätte, wenn <zuckt mit den Schultern>, ja? Das ist ja, ist eine Frage, die ich Ihnen nicht beantworten kann, nicht?
INT: Gibt es etwas, ähm, an Erlebnissen oder an, ja, während des Krieges, was Sie gerne noch erzählen möchten? Hinzufügen? ML: (4) Nein, eigentlich nicht. Wüsste, im Moment wüsste ich nichts. (-) Ich überlege noch. Erlebnisse. INT: Haben Sie jemals daran gedacht, äh, Österreich zu verlassen? ML: Ja. Nach Er-, nach Erez Israel zu gehen, nicht? Was ja damals aus Gesundheitsgründen nicht gegangen (ist), nicht? Da war, da waren wir schon in einer Gruppe und wir haben, äh, Schießübungen gemacht und wir haben, äh, äh, (--) im Wald, äh, äh, Deckung und, und, und, äh, Wachestehen. Und das, das, wenn wir das alles, sollten wir einmal in ein Kibbuz kommen, damit man sich in einem Kibbuz, äh,
äh, gleich etablieren kann, kann man sagen, nicht? Also dass wir alles können, dass wir schießen können, dass wir wachestehen können, dass wir uns, dass wir Deckung nehmen können und so weiter, nicht? INT: Und nach dem Krieg? ML: Nichts. Nein. Nein, mein Mann wollte nach Amerika auswandern, ich nicht. Ich hatte dann doch den Vater hier und solange mein Vater gelebt hätte, wäre ich überhaupt nicht weggegangen. Und nachdem k-, nachdem mein Vater gestorben ist, hat, haben, äh, war die Tochter schon so groß, dass ich gesagt habe: "Naja, was ma-, äh, soll ich sie jetzt aus der Schule, aus allem rausreißen?" Dann haben wir's wieder nicht gemacht. Und=äh dann_. (---) Ich, und außerdem wollte ich nie nach Amerika. Mein Mann wollte immer nach Amerika und für mich war, äh, ich wollte nie nach Amerika. INT: Denken Sie heute noch oft an den Holocaust? ML: Wie soll ich_? Ja. So oft man zusa-, so oft man zusammenkommt, fängt man
damit irgendwie mi-, äh, zu reden an. Äh, irgendwie Erlebnisse oder irgendwie oder, aber im Großen und Ganzen nicht. INT: Gibt es etwas || was Sie uns // ML: Ich habe versucht es ||| zu verdrängen. /// als Botschaft hinterlassen wollen für Ihre Tochter, für nachfolgende Generationen? ML: Nie zu glauben, dass es einem nicht passieren kann. (---) Denn mein Vater hatte immer geglaubt als Offizier beim Militär: "Mir wird schon nichts passieren." Es ist ihm genauso passiert, wie jeden anderen, der, der weder beim Militär war noch, äh. Also nie den Menschen oder so glauben, dass man_, äh, ja? Das, das ist meine Botschaft. Äh, und immer, sagen wir, immer distanziert erst auf-, abzuwiegen, auch bei Freundschaften.
INT: Frau Lewit, vielen Dank, dass Sie heute das Interview gegeben haben. ML: Ja. INT: Danke. ML: So. Wollen Sie jetzt noch die_? <Schnitt> <Bild 1> <Aufnahme beginnt während ML spricht> ML: (unverständlich, eine Sek.) KAM: <flüstert> Geht schon. INT: Frau Lewit, würden Sie bitte erklären, um was für eine Postkarte es sich hier handelt? ML: Es ist eine Postkarte aus dem Lager Genshagen, das wir alle zwei Monate einmal schreiben durften. INT: Von wann circa ist diese Karte? ML: Die ist vom 31.12.1944. INT: Danke. KAM: <flüstert> (unverständlich, eine Sek.) <Bild 2> KAM: Und bitte. INT: Frau Lewit, würden Sie bitte erklären, um was für ein Dokument es sich hier || handelt? ML: Das ist eine ||| Amtsbescheinigung und die wurde ausgestellt von, von der Fürsorge. Und zwar das, diese Beträge bekam ich jedes Jahr einmal. INT: Wann wurde dieses Dokument ausgestellt? ML: Neuzehnhundertz-, (-) drei-, dreiundfünfzig [1953].
INT: Und wo? ML: In Wien. INT: Danke. <Bild 3> KAM: <flüstert> Geht schon. INT: Frau Lewit, würden Sie bitte sagen, wer die Dame auf dem || Foto ist? ML: Das ist meine ||| Mutter. Die wurde 1930 zw-=äh, auf, 32 [1932] ist sie gestorben. INT: Wo wurde dieses Foto aufgenommen? ML: In Wien. INT: Danke. <Bild 4> INT: Freu Lewit, würden Sie bitte erklären, wer diese beiden Kinder auf dem Foto || sind? ML: Es ist ||| meine Schwester und ich. INT: Wann wurde dieses Foto circa aufgenommen? ML: (--) <flüstert> Zwei, fünf. <Lauter> Zwei-, 32, 33 [1932, 1933]. || Neuzehnhundertdrei-_. INT: Und wo? ||| ML: In Wien. Die Bilder sind alle in Wien aufgenommen. INT: Danke. <Bild 5> INT: Frau Lewit, würden Sie bitte erklären, wer auf diesem Foto zu sehen ist? ML: Rechts mein Vater, daneben meine Schwester Franziska, dann bin ich und Schwi-, äh, Stiefmutter Anna. INT: Wann ist dieses Foto entstanden circa? ML: 1939 circa. INT: Danke.
<Bild 6> KAM: <flüstert> Ok, geht. INT: Frau Lewit, würden Sie bitten sagen, wer auf diesem Foto zu sehen ist? ML: Auf dem Foto ist mein Schwiegersohn mit meiner Tochter, äh, Renate. Mein Mann und ich. INT: Wann ist dieses Foto aufgenommen worden? <Zoom-out, ML und AL kommen ins Bild> ML: Ist, äh, 90 [1990]. 1990. AL: <leise> Kann ja nicht sein. INT: Danke. ML: <flüstert zu AL> Heute sind sie verheiratet (nach Gehör). <Schnitt> INT: Jetzt ist es fertig. KAM: Es, es war mir, muss ich sagen, _. INT: <lacht> <Tape 3, Ende> <Interview, Ende>
Abläufe bei Transporten
Abzeichen und Armbinden, Lager
Anpassungs- und Überlebensstrategien
Anschluss (13. März 1938)
Anzahl und Zusammensetzung der Häftlinge im Lager
Aus- und Einwanderungspolitik und -verfahren
Auschwitz (Polen : Konzentrationslager) (*)
Austria 1918 (11. November) - 1938 (12. März)
Berufsausbildung
Beschlagnahme von Eigentum
Betar (jüdische Jugendorganisation)
Botschaft für die Zukunft
Deutschland 1941 (22. Juni) - 1945 (7. Mai)
Deutschland 1944
Deutschland 1945 (1. Januar - 7. Mai)
Deutschland 1945 (8. Mai) - 1949 (23. Mai)
Dokumente und Artefakte (Fotos) 1944
Dokumente und Artefakte (Fotos) 1950er
Durst in den Lagern
Duschen in den Lagern
Familienfotos (Nachkriegszeit) (Fotos)
Familienfotos (Vorkriegszeit) (Fotos)
Familienunternehmen
Fluchtversuche während der Todesmärsche
Fluchtvorbereitungen
Fotografien (Fotos) 1930er
Fotografien (Fotos) 1990
Fotografien (Fotos) Vorkriegszeit
Fotografien von Interviewten (Fotos)
Genshagen (Deutschland : Konzentrationslager)
Häftlinge, "Asoziale"
Häftlinge, politisch
Hochzeiten und Ehen, jüdisch-nichtjüdisch
Holocausterfahrungen, Unwille darüber zu sprechen
jüdische Identität
Jugendorganisationen
klandestine Aktivitäten
Koch, Ilse
Kontakt mit nahestehenden Personen
Korrespondenz aus den Lagern (Fotos)
kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten
Lageraufnahmeverfahren
Lagerkommandanten
Lebensbedingungen in den Lagern
Mitglieder von SS/SD
Novemberpogrom (9.-10. November 1938)
Österreich 1938
Österreich 1938 (13. März) - 1939 (31. August)
Österreich 1938 (13. März) - 1945 (7. Mai)
Österreich 1944
Österreich 1945 (8. Mai) - 1955 (14. Mai)
Österreich 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Polen 1944
Ravensbrück (Deutschland : Konzentrationslager)
Reaktion von Tätern auf das Näherrücken der Alliierten
Röbel (Mecklenburg-Schwerin, Deutschland)
SA-Mitglieder
Schuhe während der Todesmärsche
Schulen
Schwangerschaften und Geburten in den Lagern
Selektion in den Lagern
soziale Beziehungen in den Lagern
Todesmärsche
Transport aus Genshagen (Deutschland : Konzentrationslager)
Transport aus Ravensbrück (Deutschland : Konzentrationslager)
Transport aus Wien (Österreich : Gefängnis)(*)
Transport nach Auschwitz (Polen : Konzentrationslager)
Transport nach Ravensbrück (Deutschland : Konzentrationslager)
Transporte, Transportmittel
Verhaftungen von Juden
Verhöre
Verrat
Vorstellung von Freunden und/oder Familienangehörigen
Widerstandsgruppen, jüdisch
Widerstandsgruppen, österreichische
Wien (Österreich : Autonome Stadt/Distrikt)
Wien (Österreich : Gefängnis)(*)
Züge
Zwangsarbeit
Zwangsarbeit in den Lagern
Ehemänner Aba Lewit
Freunde Lili*
Interviewer Sandra Wachtel
Interviewte Mathilde Lewit
Mütter, leiblich Josefine Kohn
Rabbiner Kohn
Schwestern Franziska Kohn
Stiefmütter Anna Dopiter
Töchter, leiblich Renate Erbst
Väter, leiblich Siegfrid Kohn
Widerstandsgruppen: Anführer Otto Horn
Widerstandsgruppen: Anführer Monty*
Widerstandskämpfer Trude Fanta*