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KAM: Jetzt. INT: Mein Name ist Sandra Wachtel. W-A-C-H-T-E-L. Heute ist der 13. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit Herren Aba Lewit, in Wien, Österreich. <Schnitt> Wie ist Ihr Name?


Segment [1]
Zur Person
Zum Interview
Aba Lewit
* 24.06.1923 in Polen - Dzialoszyce
Jüdische Überlebende
Lager und Ghettos
Krakau-Plaszow (Polen)
Mauthausen (Österreich)
Gusen (Österreich) (nicht spezifiziert)
Krakau-Kostrze (Polen)
interviewt am 13.07.1997 in Wien - Österreich
Sprache Deutsch
Länge 01:59:48
Interviewer(in) Sandra Wachtel
Kamera Oskar Goldberger
Transkription Jochen Böhmer
Code 32113
KAM: Jetzt. INT: Mein Name ist Sandra Wachtel. W-A-C-H-T-E-L. Heute ist der 13. Juli 1997. Ich halte ein Interview mit Herren Aba Lewit, in Wien, Österreich. <Schnitt> Wie ist Ihr Name?
AL: Mein Name ist Aba Schulem Lewit. Ludwig, Emil, Walter, Ida, Theodor. INT: Wie war Ihr Name zur Zeit der Geburt? AL: Genauso wie derzeit. Nie anders. INT: Hatten Sie noch andere Namen? AL: Nein. INT: Wann wurden Sie geboren? AL: Am 24.06., tausendne-, 1923 in Dzialoszyce [Anm. d. T.], Polen. INT: Wie alt sind Sie heute? AL: 74. INT: Wo wurden Sie geboren? AL: In Polen, in Dzialoszyce. INT: Würden Sie Ihren Geburtsort bitte buchstabieren? AL: Ja. Dora, Zeppelin, Ida, Anton, Ludwig, Otto, Siegried, Zeppelin, Ypsilon, Cäsar, Emil. INT: Danke. Herr Lewit, wie groß war Ihre Geburtsstadt, Dzialowice? AL: Dzialoszyce. <Lachen beide kurz> Die war
circa 11.000 Einwohner. Davon mindestens 10.000 Juden. INT: Wie war die jüdische Gemeinde? AL: Man kann sagen zu 98 Prozent orthodox. Wie eine kleine Provinzstadt, also_. In der Großstadt, da hat es gegeben natürlich andere Organisationen auch. Aber in der Kleinstadt nicht. INT: Wie war das Verhältnis zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung? AL: I-, nicht sehr gut. INT: Wieso? AL: Der Antisemitismus war schon auch damals sehr stark in Polen. INT: Wie äußerte sich der Antisemitismus in Ihrer Stadt? AL: In der Stadt weniger, weil d-, sagen wir der gro-, hauptsächlich doch jüdische Bevölkerung war und die,
äh, Nichtjuden, die in der Stadt gelebt haben, meistens waren, äh, Angestellte oder Beschäftigte oder so. Das hat nur sehr wenige, äh, nichtjüdische Geschäfte gegeben, die selbstständig waren. Es hat gegeben ein Gasthaus, ein, nichtjüdisches. Dann, äh, der-, d-, Trafik [Anm. d. T.] war nicht jüdisch. Weil das war irgendwie von Staat-, äh, also prak-, nicht also, äh, eine Kirche hat es gegeben. Auf der einen Kirche hat es gegeben, mindestens 6, 7 Bethäuser. So war das Verhältnis. Aber, äh, ich war praktisch damals noch jugendlich. Trotzdem (unverständlich) sogar in der Schule nicht zurückhalten können. INT: Herr Lewit, wer gehörte zu Ihrer Familie? AL: Wir waren 6 Geschwister, Eltern,
von Vaterseite hat es gegeben einen Bruder mit 8 Kindern. Von der Mutterseite hat es gegeben noch 3 Geschwister, also noch 3 Brüder, sie war die einzige Tochter in der Familie. Von, von der Mutterseite (10)_. INT: Herr Lewit, wie hießen Ihre Geschwister? AL: Abraham, Bella, ich Aba Schulem, eine Schwester Fela, ein Bruder Sismann und eine Schwester Rene. INT: Welche Schulen haben Sie besucht? AL: Nur die allgemeinen. Was sind, der Zwang war, also Muss. Schulzwang, nicht.
Alles andere waren nur die jüdischen Schulen. INT: Was waren das für jüdische Schulen? AL: Das war der Cheder und nach dem Cheder war die Jeschiwa Ketana (nach Gehör) [Anm. d. T.]. INT: Würden Sie erklären bitte, was der Cheder ist? AL: Der Cheder ist, äh, jüdische Gesetze, jüdische Geschichte, die Bibel. Äh, lesen, beten lernen. Das ist der Cheder. INT: Und die Jeschiwa? AL: Die Jeschiwa Ketana (nach Gehör) ist schon der Beginn in höheres_, also Talmud und die höheren Studien sozusagen. Das kann weitergehen bis zur Jeschiwa und zu Rabbiner. Das ist dann die Fortsetzung. Ketana ist noch kleine, das heißt, Vorstufe von der, von der großen Jeschiwa. Wenn man es mit die weltlichen, kann man es vergleichen, Gymnasium
mit Universität. INT: Sie erzählten vorhin, dass der Antisemitismus auch vor der Schule keinen Halt machte. AL: Ja. INT: Wie äußerte sich der Antisemitismus in Ihrer Schulzeit? AL: Insofern, äh, dass die Lehrer praktisch nur, äh, christliche Lehrer waren. Und, äh, wir hatten Schüler auch aus der Umgebung. Die Schule war enorm groß gebaut, so dass die Umgebung, die Dörfer von der Umgebung, sind auch reingekommen nach Dzialoszyce zur Schule. Und da hat es oft sogar Schlägereien gegeben. Wenn es zu Ostern gekommen ist, war es dann sehr krass. Weil dann hat es geheißen, wir haben ihren Gott ermordet. Pessach war schlimm. Mit, mit den Matzes. Also, äh, altbekannt. INT: Würden Sie trotzdem zur Erklärung den Vorwurf mit der, mit der Matze erklären, wieso
es gerade zu diesem Zeitraum so große antisemitische Vorfälle gab? AL: Äh, weil mit, mit den Matzen wurde immer behauptet, dass, dass christliches Blut genommen wird für Matze. Es ist aber ersichtlich, jeder, der, der die Bibel kennt, dass gerade Blut, bei uns etwas ist, was strengstens verboten ist. Sogar in der alten Zeit, es gab für Blutessen, ist die Todesstrafe drauf gestanden. Aber dessen ungeachtet. INT: Gab es von Seiten der Lehrer_? AL: Äußerungen, ja. Sehr oft sogar. Wir wurden, äh, immer irgendwie, äh, heraus-, a-, p-, provoziert kann man sagen. Nicht, wir ha-, es hat sich in die le-, was ich mir erinnern kann, an einen Vorfall, nicht. Also das polnische Militär
trägt ja Kappen, die oben praktisch wie ein Kreuz ausschauen. Und die wollten einführen in die Schule, diese Kappen, damit wir eben auch die Kappen tragen mussten, also so als Schulkleidung. Also es war so eine kleine, kleine Sticheleien, die direkt provozierend waren, und auch das herausgefordert haben. INT: Wie viele jüdische Mitschülern hatten Sie in Ihrer Klasse? AL: Mehr wie die Hälfte. INT: Gab es, äh, äh, untereinander Gespräche, wie man sich dagegen, zur Wehr setzen könnte, oder? AL: Eigentlich nein. Wir konnten, sagen wir, aber es hat nie was erbracht. Der Schulrat, da die Mehrheit in der Stadt praktisch Juden waren, war jüdisch. Aber die haben auch Angst gehabt, nicht. Also der Direktor wurde
eingesetzt, ein Nichtjude, damit sozusagen das nicht heißt, wir beherrschen alles. Dass die Juden alles beherrschen. Man ha-, ist jeden, sagen wir, Konflikt, äh, ausgewichen. Genau wie mit dem Bürgermeister. Das hat´s nie gegeben, einen jüdischen Bürgermeister, obwohl die Mehrheit Juden waren. Der Bürgermeister wurde immer ein Christ eingesetzt. Gemeinderat waren praktisch Juden. Aber es_, die Kirche war immer, dummgehetzt. (nach Gehör) INT: Haben Sie mit Ihren Eltern oder mit Ihren Geschwistern über diese Vorfälle gesprochen? AL: Ja. INT: Wie war Ihre Reaktion? AL: Nun, unser eine-, Re-, Re-, die Reaktion war, da wir in der Mehrheit waren, dass wir uns gewehrt haben und sehr oft Schlägereien mit den anderen Kindern, nicht also,
äh, weil es hat passieren können, dass gerade Pessach, dass irgendwie, wenn sie einen schwachen, äh, erwischt von, von_, einen jüdischen Buben, dass sie ihm etwas, äh, Brot oder was reingestopft haben, in Mund, nicht, also, äh. Solche Kleinigkeiten nicht, also, die, die, die ich_, für sich sprechen. Genau wie, ich glaube, nach 33 [1933], nach der Übernahme von Hitler in Deutschland, haben sie ganz offen ausgesprochen, wart´s nur bis der Hitler kommt, dann werden wir es euch bezahlen. Sie haben´s auch bezahlt. INT: 1933, wie Sie sagten, die Machtergreifung Hitlers, wie alt waren Sie damals? AL: (-) <Lacht etwas> Na, ist leicht zu rechnen. INT: Wie (--)
erfuhren Sie von, von den politischen Begebenheiten? Sprach man in Ihrer Stadt bereits davon? AL: Mh, man hat gesprochen. <Reicht der Interviewerin etwas, bedankt sich leise> Selbstverständlich wurde es gesprochen, man hat, äh, in, sogar in Bethäusern darüber geredet. Man hat noch nicht geglaubt, das Ausmaß. Man hat_, Antisemitismus waren wir gewöhnt. Na, wird ein bisschen strenger werden, der Antisemitismus. Aber mit sowas hat niemand gerechnet. Aber wie gesagt, nicht, also, äh, die Debatten, die Diskussionen haben stattgefunden. INT: Hat man, äh, den Aufstieg, äh, der NSDAP verfolgt? AL: Eigentlich nein. Man hat mit sich selbst zu Tun gehabt. Genug.
Es sind nur dann, ich weiß nur nicht welches Jahr das war, sind auf einmal, // INT: <Putzt sich die Nase> /// äh, sozusagen Flüchtlinge gekommen von, von, äh, Deutschland, glaube ich, dann von Österreich. Die sich angesiedelt haben. Aber es waren sehr wenige, einzelne, das kann ich mich erinnern. INT: Hatten Sie Kontakt zu diesen Flüchtlingen? AL: Ich nicht, weil, was interessiert das als 10 oder 12-jährigen, Flüchtling, Nichtflüchtling. Wir haben gehabt unsere Probleme sozusagen. So dass wir uns politisch nicht, äh, außer im v-, in der Orthodoxie (nach Gehör) hat es nie gegeben, politische Parteien. Es gibt sie jetzt. Aber vor dem Krieg hat es, äh, keine politischen Parteien in der Orthodoxie. INT: Was wollten Sie gerne werden?
AL: Wahrscheinlich dasselbe was mein Vater war, Kaufmann. Nicht, weil der Bruder w-, ist, ist geworden. Wir hatten große-, großes, äh, Getrei-, Großhandel in Getreide. Das war wahrscheinlich mein Ziel auch, nicht. Nur der Vater ist bestanden drauf, dass jeder ein Handwerk lernen muss. Das mussten wir sogar bezahlen, es war nicht so wie heute, so, eine Lehrstelle musste man bezahlen. INT: Welches Handwerk haben Sie gelernt? AL: Ich habe gelernt Obusch-, Ob-, äh, -erteile herrichten, also für Schuhoberteile. Das hat mir damals gefallen, das war, das war in die Mode, nicht, also. Irgendwie, ich hab das gelernt, hab es auch erlernt. (--) || Immer_. INT: Als Sie ||| in die Lehre gegangen sind, // AL: Ja. /// haben Sie, bei einem jüdischen Handwerker gelernt // AL: Bei_. /// oder bei einem || christlichen Handwerker? AL: Beim ||| jüdischen, es hat keine christlichen,
fast nicht gegeben. Sogar jüdische Schuster hat es gegeben. Das war ziemlich ein, ein, äh, sehr reiches Städtchen, das Städtchen. Das_, glaube, dass nach dem Einmarsch von den Deutschen, man hat erzählt, ich hab es selbst nicht gehört, weil ich habe keine Radio gehört, weil wer hat schon bei uns damals Radio gehört, dass der Hitler sogar gesagt haben sollte, er hat Klein Paris eingenommen. Es sind ganze Züge mit Waren raustransportiert worden, aus d-, aus der Stadt. Es war eine riesen Schuhindustrie, mit, äh, Heimwerkstätten sozusagen. Jeder, jeder Haushalt, rund um der Umgebung, in den Dörfern, hat ja (unverständlich) als Schuhe. Viele, viel Industrie oder Textil. Es wurde für ganz Polen
beliefert, wahrscheinlich für den Export auch. Es hat sogar gegeben in Dzialoszyce, zwei Gutsbesitzer, jüdische. Und der Gutsbesitzer war nicht wie heute so ein, sondern Dörfer, ganze Dörfer, war in seinem Besitz. Nein, drei hat es gegeben. Einer hat gewohnt, gegenüber uns. Da haben die Kinder sogar in Israel überlebt. INT: Am 1. September 1939 begann der Krieg. // AL: Ja. /// Wie alt waren Sie damals? AL: 16 Jahre, 16, 16,5 Jahre. INT: Erinnern Sie sich, wie hörten Sie davon? AL: Ich, wir haben nur gehört, dass der Krieg, di-, die Mobilisierung. Die Bomben.
Und ich bin nach Hause gekommen, vom Cheder, von der Jeschiwa Ketana (nach Gehör) sozusagen, nicht, also, äh, auf einmal sitzt mein Vater auf den Wagen, wir haben Pferde gehabt, mit Wagen. Sage ich, was machst du denn? Sagt er, ja, das polnische Militär hat uns konfisziert, die Pferde mit dem Wagen, ich muss fahren als Kutscher. Darauf, der ältere Bruder war schon geflüchtet. Damals. Daraufhin sagte ich, du kannst hier nicht mit dem polnischen Militär fahren, als Jude mit, mit Bart und Pejes, nicht, also das geht doch nicht. Sagt er, na, was soll ich machen? Sage ich, Vater, will ich fahren. (-) Und, sagt er, und du traust dich? Sage ich, ich traue mich. Und dann ist der Vater zu Hause geblieben und ich bin gefahren. Ich bin tatsächlich mit dem Militär bis an die, fast an, an, äh, d-, die Nähe der russischen Grenze gekommen. Das Städtchen heißt Opatow.
Und da ist von einer Seite ist das deutsche Militär. Auf der anderen Seite das russische Militär. Die haben angefangen zu, zu schießen, ich habe alles liegen und stehen gelassen, bin geflüchtet, in ein Haustor rein. Und es war zufällig eine jüdische Familie dort im Keller und dort hab ich´s überstanden, bis oben sich beruhigt hat. Und dann bin ich zu Fuß zurück nach Hause. Und es war so, dass, äh, äh, der kürzere Weg, war ein anderer Weg. Aber dort, äh, anscheinend muss ich sehr, äh, kindisch noch ausgeschaut haben, weil die Familie hat mich gleich angenommen. Und da war ein junger Herr, der hat mir-, auch ein jü-, ein Jude, den sie angenommen hat, sagt er, na, wie willst du nach Hause gehen, wenn es zu Ende ist? Sage ich, na, ich will gehen über Wislica, nicht, so wie, äh, der Weg geht. Sagt er, nein, weißt du was, es ist zwar etwas weiter, du gehst mit mir über Kielce. Ich wohne in Kielce.
Und in Kielce kannst wieder rasten und ich packe dir wieder was zum Essen zusammen und dann kannst du weiter gehen. Und_. (--) Es war auch so. In Kielce hat er mit noch gegeben, zwei Brote, ganze. Er war Bäcker. Und, sagt er, ja, äh, auf der Hälfte Strecke praktisch liegt die St-, die Stadt Pinczow. Dort hatte ich Verwandtschaft. Dann, na, dann werde ich wieder dort Rast machen. (5) Von Kielce nach Dzialoszyce sind es nach 80 Kilometer. (5) INT: Wie lange brauchten Sie zurück in Ihren Heimatort? AL: Ist, weiß nicht, von Kielce aus gemacht nur einen Tag, weil ich in, wie ich in Pinczow angekommen bin, habe ich keine Verwandtschaft nicht getroffen. Ich habe gefragt, dort Leute noch, die gelebt haben,
was ist geschehen hier, äh, äh, d-, das polnische Militär hat sich verteidigt. Und daraufhin haben sie die Juden genommen und da zusammengetrieben. Was sie erwischt haben, haben sie erschossen und angezündet. Schon damals deutsches Militär aus Rache. Und, äh, ich bin dann nach, da ich nicht hatte, wo zu bleiben, mehr sozusagen, bin ich durchgegangen bis Dzialoszyce. Angekommen in Dzialoszyce (--) das kann ich nicht vergessen. Natürlich im Sommer, das war August oder Sept-, nein September, // INT: September <sehr leise> /// September. Bin, äh, die Füße alles voll Blasen. Nun, 80 Kilometer an einem Tag. Und da hat mich noch der, äh, der Vater raufge-, setzt mich auf den Tisch, und hat mir die, die Schuhe ab-, runter genommen und, das alles sozusagen in Ordnung gebracht und hab ich gesagt, zum Vater, was passiert
ist, sage ich, flüchten wir? (--) Sagt er, was erzählst du für, für, für Kindereien. Sagt er, das sind doch Märchen, das stimmt doch gar nicht. Sage ich, wir haben nicht gesagt, äh, Vater, sondern Tatschi (nach Gehör). Tati, Tatschi, also irgend-, äh, wie Kose. Sage ich, ich hab´s doch, man hat mir es doch erzählt. Sagt er, äh, schau, sie sind doch bei uns in Dzialoszyce auch, und sie t-, sie, sie tun gar nichts. Man hat uns nur weggenommen, das Getreidemagazine, das ist, macht jedes Militär. Sag ich, flüchten wir, wir können doch flüchten, wir haben ja das Geld. Sagt er, nein, das sind Märchen, was du erzählst, erzähl es niemanden, man wird dich auslachen und, und. Ich wollte selber dann flüchten. Sage ich, dann, wenn ihr wollt nicht, dann flüchte ich alleine. Weil damals war noch der einzige Weg zum flüchten nach Russland. Und, sagt er, nein, du bleibst hier. Und das, damals war das anders
wie heute, wenn der Vater hat gesagt, du bleibst hier, dann, dann ist man geblieben, so bin ich geblieben. So bin ich geblieben in Dzialoszyce. Und bis 40 [1940], da hat eine Razzia stattgefunden, und hat mich geschnappt. In Arbeitslager Kostrze. Das war ein, ein Bauunternehmen, der hat geheißen, Strauss [Anm. d. T.]. INT: Wie war das bei dieser Razzia? AL: Naja, am Markt, man hat irgendwie_, äh, der Haupttreffpunkt war am Marktplatz. Das war wie immer, wie, wahrscheinlich hier auch, in kleinen Städtchen. Und auf einmal ist, ist SS aufgefahren. Rundherum, alle Straßen abgesperrt und_. Wie viele Jungen wir wir dort waren, haben sie geschnappt. Die älteren nicht, nur die, die, die Jugendlichen, also z-, zwischen, so mein Alter, zwischen 16 und 22, sowas. Und, in Kostzre angekommen,
dann sind wir eingewiesen in, in ein altes Fort, neben Krakau. Und die haben gesagt, ihr könnt also flüchten wann ihr wollt, aber w-, dann holen wir uns jemand anderen von der Familie. So also praktisch, sie haben keine Bewachung gebraucht und haben sie auch nicht gehabt. Wir hatten praktisch keine Bewachung. Und wurde herangezogen zu, äh, Echt-, zu Trockenlegung, neben, neben der Weichsel, die, die Sümpfe. Und dann zu Kanalisation und Wasserleitungsarbeiten. INT: Als Sie in dieses Lager kamen, wurden Sie registriert? AL: Ja. INT: Wie lief das vor sich? AL: Naja, den Namen. Ob nun sie Geburt, oder, äh, Datum so, das weiß ich nicht einmal mehr. Der Name wurde aufgeschrieben, wurde aufgenommen. INT: Bekamen Sie eine Nummer? AL: Nein. Dort hat es keine Nummern noch gegeben. Das war bis 41 [1941], nicht einmal in Plaszow, hats gegeben Nummern. In Plaszow
hats auch nur gegeben, Namen und die Kleidung war beschmiert, also mit der, mit der, äh, X, mit Farbe, am Rücken. Wir hatten nicht einmal Lagerkleidung noch in Plaszow. INT: Zurück noch zu dem ersten Lager. (-) Wie lange blieben Sie dort, circa? AL: Ich schätze ein Jahr. Eineinhalb Jahre maximal, aber nicht mehr <putzt sich die Nase>. Äh, wir wurden dann herangezogen, erstens, haben wir, wir haben aber, äh, die Sümpfe. Dann wurden wir herangezogen zum Aufbau des Lagers Plaszow. Wir waren noch damals dort, das war am jüdischen Friedhof, das Lager. Wie die Bagger planiert haben, die jüdischen Gräber. Mit den Toten alles, hat keine Rolle gespielt. Äh,
die schönen Steine, die Marmor und so, die wurden schön verpackt, wahrscheinlich nach Deutschland geschickt, stelle ich mir vor. Die anderen Steine wurden zerschlagen und damit Sch-, Straßen gebaut im Lager. INT: Wie weit war Plaszow von Kostrze entfernt? AL: Vielleicht 10 Kilometer. Das Plaszow ist eine Vorstadt von, von Krakau. Und das Kostrze das war ein, ein Verteidigungsf-, -fort, weil, wie man sagt, Fort, nicht? Noch vom Ersten Weltkrieg, auch bei Krakau, noch von der Monarchie. INT: Welche Personen befanden sich in Kostrze? AL: Wir waren nur von Dzialoszyce Jugendliche. INT: Wie viele, circa? AL: 2-, 300 nicht mehr. Nicht mehr. Wir
waren in Kostrze bis dann Plaszow aufgebaut war. Plaszow aufgebaut war dann, wurde, haben sie gesagt, jetzt ist ein Gesetz, also kein Privat-, wir waren praktisch bei Privatfirma, der Strauss war Privatfirma, keine Juden mehr halten. Wir müss-, mussten übersiedeln nach, nach, äh, Plaszow. Und da sind wir nach Plaszow gekommen und wurden in Baracken eingewiesen. INT: Als Sie nach Plaszow kamen, wurde Kostrze aufgelöst? AL: Ja, wurde Kostrze aufgelöst. Wir haben aber noch weiter bei der Firma gearbeitet. In, von Plaszow sind wir rausgegangen, aus dem Lager, zur Arbeit nach Krakau. Weil die Firma hat auch, sagen wir, in Krakau, waren die Kanalisationen, die großen Kanalisationen aus Eisen, Gusseisen, die Rohre. Und die haben sie alle rausgenommen, zum Einschmelzen und haben reingelegt Beton. Ah, die haben
sie wahrscheinlich gebraucht für die Rüstung. Und da_, haben, wir haben die Arbeiten durchgeführt. INT: Ich möchte noch gern einmal zurück, als Sie nach Plaszow kamen. Wir wurden Sie, wie kamen Sie dorthin? AL: Das ganze Lager wurde mit, äh, Autos, mit Lastautos, äh, rüber transportiert. INT: Gab es in Plaszow dann wieder eine Registration? AL: Ja. Neu. Und in Plaszow, wie, hat es dann, äh, da die Firma Kanalisationen, Wasserleitungen gemacht, nicht (nach Gehör), also das Baubüro für den Aufbau von Plaszow für das Lager, waren jüdische Ingenieure, die im Lager waren. Und die wurden, äh, haben sie dann praktisch die ganzen, äh, Pläne der ganzen Arbeiten durchgeführt, also die_. INT: Wie wurden Sie für diese Arbeit ausgesucht? AL: Ich wurde nicht ausgesucht, sondern
wir haben, sagen wir, die, das, die von Kostrze, die wo, was bei der Firma Strauss waren, wir waren tätig für die Firma Strauss auch im Lager Plaszow mit Kanalisations- und Wasserleitungsbe-, äh, -arbeiten. Und, äh, Ingenieur, der das gemacht hat, also durchgeführt hat, also der jüdische Ingenieur, der ist dann gekommen, weil ich ja der, der Baumei-, nicht Bau-, äh, Bauleiter, nicht, also, der, der für die Firma geleitet hat, hat Angst gehabt, ins Lager reinzugehen. Und da hat er mich ausgelernt, mit den Nivellierapparate umzugehen und wie das vor sich geht. Und da habe ich dann die ganzen praktisch, äh, Leitungen und Kanalisationen in Plaszow selbst verlegt. Also, das heißt, mit, äh, schon mit unseren Leuten, die ganzen Apparate habe ich sogar bei mir gehabt, in der Baracke. Und wenn der Herr
Strauss gekommen ist, zur Inspektion, der hat, da war irgendwie SS Major, oder, weiß nicht, was für ein Rang das war, ist er reingefahren, ist vorgefahren vor meine Baracke, hat mich genommen, und ich habe ihn auf die Baustellen geführt, was geleistet, was gemacht und so weiter. INT: Wie groß war Plaszow circa? AL: Plaszow war sehr groß, weil Plaszow ist bestanden aus mehreren Lagern. Plaszow war das Wohnlager, für Männer, das Wohnlager für Frauen. Dann waren die deutschen Ausrüstungswerke haben gehabt Betriebe in Plaszow. Und dann wurde noch angebaut, ein ganzes, also im Lager drin, angebaut, für die SS, Baracken. So dass es sehr groß war. Plaszow hat, meiner Schätzung nach, ich glaube es war so, circa 30.000 Leute gehabt. 30.000 Menschen.
INT: Herr Lewit, das Band wird gleich zu Ende sein, // AL: Ja. /// und wir machen deshalb eine kurze Pause. AL: Gut, danke. INT: Danke.
<Ende Tape 1>
INT: Aba Lewit, 13. Juli 1997, Band Nummer 2. // AL: Ja. /// Herr Lewit, Sie sprachen vorhin, dass im Lager Plaszow zuständig waren für die Wasserleitungen und Installationen. AL: Das ist dazu gekommen, da der, der Bauleiter, weiß nicht wer, was für was hatte (nach Gehör), Angst hatte, ins, in das Lager reinzugehen. Hat er mich da ausgebildet und so, dass ich das, die ganzen, Bau-,
ich weiß nicht, wie ich soll sagen, äh, Abschnitte, durchgeführt habe. Und zu 70 Prozent schwarz. Warum? Es ist allgemein bekannt für ein Kanal oder Wasserleitung man braucht einen Plan. Berechnen, wie viel Durchmesser das, die Wasserleitung braucht, f-, für den Wasserverbrauch, oder wie viel, äh, Durchmesser der Kanal braucht für den Abfluss. Da der Kommandant meistens, äh, seinen Wunsch geäußert hat, er möchte einen Kanal von A bis B in 3 Tagen war das Sache nicht möglich. Äh, hat es nicht mir geäußert, sondern Bauingenieur, das waren, das Baubüro war mit jüdischen Ingenieuren besetzt, das Lager-, äh, -büro. Und er ist dann gekommen, Herr Lewit, äh, stellen sie vor, schon wieder. (Unverständlich) nichts haben, was, äh, die Bau-, die Baufirma weiß
ich stiehlt sowieso nicht, also, äh, machen wir den Kanal nicht vor der Stan-, (nach Gehör) an und braucht Rohre und_. Ich habe immer einen Kanal gelegt, ob die Rohre passend waren oder nicht, Hauptsache der Kanal wurde gelegt. Und so haben wir die ganzen Kanäle praktisch im ganzen Lager und Wasserleitungen verlegt. Welches Jahr das passiert ist, weiß ich nicht, an, auf einmal, auch Firmen dürfen keine Juden mehr halten. Und wir wurden ins Lager eingegliedert. Äh, auf einer Baustelle zu arbeiten im Lager war, äh, 95 Prozent Todesurteil. INT: Wieso? AL: Weil jeder SS Mann, wenn er Spaß hatte, hat er geschossen. Wenn man in einem Raum irgendwo beschäftigt war, dann war die Gefahr nicht so groß. Aber draußen auf der Baustelle war 95 Prozent Todesurteil. Und da bin ich zum Ingenieur gegangen,
zu dem Ingenieur, der zu mir immer gekommen ist, wegen, sage ich, jetzt sollen sie mir helfen. Weil a-, am Bau möchte ich nicht arbeiten. Daraufhin hat er gesagt, Lewit, es wird, es ist was in Planung, wenn das fertig ist, garantiere ich ihnen, und das wird sein, einer von den besten Posten, die in-, die sie, die es im Lager gibt. Inzwischen hat er mich reingegeben zu den Installateuren. Ich habe soviel Ahnung gehabt von Installateure [Installation] wie, ich glaube mehr vom Seiltanzen. Aber es war irgendwie, äh, in einer Baracke, nicht, also. Äh, es war auch, äh, (-) einmal hat er, hatte der Herr Göth [Anm. d. T.] angerufen, sein Klo funktioniert nicht, ob ich auch g-, gerade habe ich Dienst gehabt in der Nacht damals. Musste hinauf zu se-, ihm, in die Villa. Ich habe noch nie, also ein Klo gesehen,
in Dzialoszyce, habe ich sowas nicht gesehen. Aber, äh, ich, sagen, ich kenne mich nicht aus, habe ich mich nicht getraut, weil, äh, hätte mich glatt erschossen. Ich habe es zerlegt, ich habe mir gemerkt jede Schraube. Habe ich wieder zusammengestellt, es hat funktioniert. Wieso, weiß ich heute nicht. Daraufhin hat er mir als Geschenk, gesagt, für, von Hundefutter, nicht, was die, die, die Doggen gefüttert werden, zum geben, ein Kübel mit Fleisch. Das habe ich auch genommen, was, für uns war das wirklich was, ein Luxusessen. INT: Haben Sie ihn persönlich gesehen? AL: Ja. Ich habe mit ihm gehabt, ein paar Begegnungen. Ich habe, d-, das war die eine Begegnung. Später wie dann die Pumpstation gebaut wurde, wie fertig wurde, hatte er mir tatsächlich, sein Wort eingehalten, hat mich dort hingegeben. Der Posten war
insofern, äh, einmalig, weil es durfte kein SS Mann dort rein gehen. Nicht einmal ein Offizier, sie haben Angst gehabt vor Sabotage. Der einzige, der dort reingehen durfte, war der Göth, der Kommandant. Und der Frank [Anm. d. T.], der Gouverneur, von Polen. Und wir sind sozusagen dadurch nicht unterstanden mehr dem Lager. Ich war Eigentum vom Frank. INT: Wie viele Personen arbeiteten mit Ihnen zusammen? AL: Äh, erst war ich alleine und noch einer, der zweite Schicht. Wir haben uns_, zw-, je 12 Stunden. Dann habe ich gesagt, ja, es ist ein bisschen, äh, vielleicht ist möglich, dass sie n-, noch en-, jemand dazu bekommen, weil es doch sehr anstrengend ist. Die ganzen, ganzen Maschinen zu warten und, und, wenn eine ausfällt, und_. Daraufhin, äh, habe ich, hier, haben wir noch einen
dazu nehmen. Natürlich habe ich meinen Vater dazu genommen. Dadurch habe ich die Möglichkeit gehabt, dass ich erstens ins Lager rein und raus gehen kann. Das heißt, äh, Lager, SS Lager war auch drin, in Plaszow drin. War genauso eingezäunt, wie das andere. Und dann hatte ich die Möglichkeit zur Kontrolle über die Kanalisationen mit Wasserleitungen, so dass ich mich in jedem Lager bewegen konnte. Ich konnte reingehen z-, ins Frauenlager, und in Frauenlager habe ich reingetragen Essen für meine Geschwister und für meine Mutter. Ich hatte unten sehr viel Essen. INT: Wie kamen Sie zu dem Essen? AL: Ganz einfach. Das erste Mal habe ich, ein Risi-, habe ich es riskiert, da hat die Wasserzuteilung_, es wurde Wasser zugeteilt, weil es war nicht genügend Wasser im Lager. Äh, für die Wäscherei, also
da wurden die ganzen Sachen gewaschen, die, die von den Juden, äh, abgenommen wurden oder die vergast oder ver-, erschossen wurden. Also von ganzen, äh, Polen, sind dort rei-, die Kleider hingekommen. Kleider, Wäsche, alles Mögliche, zum Putzen, in Plaszow. Dann war die, die deutschen Ausrüstungswerke. Und dann das Wohnlager zu waschen und so. Und dann die SS. Und ich hatte einmal für die SS abgesperrt das Wasser und die waren gerade mitten im Kochen. Daraufhin ist er gekommen, obwohl er hat nicht dürfen, der Chef von dem Koch, ich soll das Wasser au-, wieder aufdrehen. Na, ich konnte schon nicht mehr aus-, ich, äh, der Herr Kommandant hat angerufen, er m-, er b-, er will sich baden, da muss das Wasser zu ihm rauf leiten. Ich soll ihm geben Wasser, sonst verbrennt das Essen und wie die Deutschen waren, mit dem Gehorsam, er hat nicht gefragt, ob das stimmt. Sondern er hat geglaubt. Daraufhin habe ich
jeden Tag bekommen zwei Kübel mit Essen von der SS Küche. Und ich soll ihm nie wieder das Wasser absperren. Das war sowieso nie der Fall. Aber ich habe jeden Tag zwei Kübel Essen reingetragen ins Lager. Einmal ist passiert, äh, dass ich überall reingehen konnte, auch in die Quarantäne. Da habe ich sehr viele Goldbrillanten rausgenommen. Ich habe das immer, di-, irgendwie versteckt. Und da ist SS Mann reingekommen, Offizier, ob ich ihm nicht die Stiefel putzen möchte. Na, äh, er hat nicht dürfen reingekommen. Aber ich, als Jude, so mit_, sage ich, ja, putz ihnen. Und, äh, wie er die Stiefel holen kommt, fragt er mich, wie spät es ist. Sage ich, äh, ich habe keine Uhr, wir dürfen sowas nicht besitzen. Aber dass sie keine Uhr haben, wundert mich. Aber sie könnten
in einer Nacht haben goldene Uhren. Daraufhin sagt er, wie meinst du das? Sage ich, wenn sie Brot reinbringen, ins Lager, und ich zahle es ihnen mit goldenen Brillanten. Und er war einverstanden. INT: Zur genaueren Erklärung: Sie sagten, dass Sie in dem Teil, wo Quarantäne waren. // AL: Ja. /// War. Äh, mit Gold herauskamen. // AL: Ja, ja. /// Wo, wo war dieses Gold? AL: Das war i-, im Kanal drinnen. // INT: Im Kanal? /// Ja. Es hat nicht gegeben, so wie hier die, die Toiletten. Sondern es hat gegeben, Latrinen. Unten hat´s gegeben, ein großes <zeigt, wie man sich das vorstellen kann> Halbbetonrohr. Und oben hat´s gegeben, die Reihen. Und, äh, sehr viele Leute, bevor sie von uns weggegangen, haben sie gewusst, wo sie hingehen. Haben es reingeschmissen. Und wenn sie weg waren, bin ich
reingegangen. Das heißt, ich bin auf die Kommandantur, sage ich, ich muss gehen reinigen, den Kanal. Weil musste wirklich das durchwaschen alles. Und da habe ich das alles herausgenommen. Und da hat, daher hatte ich soviel Gold und Brillanten. Und mit dem hat man bezahlt und der hat fast, fast jede Nacht, manchmal zwei-, dreihundert Brote reingebracht. Die Bedingung war, er müsse nicht zu mir, weil ich hätte müssen noch durch´s Tor tragen. Sondern er muss sie ins Wohnlager reinbringen, so dass in Plaszow praktisch, äh, kein Hunger war. Und, äh, das ist sehr, sehr lange Zeit gegangen. INT: Sie erzählten vorhin, dass es Ihnen so möglich war, Lebensmittel, also Brot, // AL: Ja. /// Ihren Familienmitgliedern || zu bringen. // AL: Ja, sehr richtig. /// ||| Waren erfuhren Sie, das Mitglieder Ihrer Familien in Plaszow waren?
AL: Die sind gleich mitgegangen mit mir von Kostrze. Ich hatte sie von Kostrze hereinbringen lassen, ins Lager. Ich bin in Kostrze, war ich eineinhalb Jahre, glaube ich, ein Jahr. Ich weiß nicht. Da haben wir erfahren, dass Dzialoszyce ausgesiedelt wird. Was eine Aussiedlung war, haben wir schon gewusst. Wir haben im Lager sehr vieles gewusst. Und da bin ich z-, zu gegangen, wir haben gerufen, Herr Oberschachtmeister, was für ein Titel das war, weiß ich nicht. Und sagen wir, sagt er, was willst du Jude. Sage ich, Herr Oberschachtmeister, sie hätten die Chance ihres Lebens. Sagt er, wie meinst du das. Sage ich, so wie ich´s gesagt habe. Sagt er, was muss ich machen. Sage ich, wenn sie nehmen ein LKW, mit einer SS Begleitmannschaft, fahren nach Dzialoszyce und bringen mir meine Familie, da ins Lager, nach Kostrze, dürfen sie von
unseren Haus nehmen, was ihr Herz begehrt. Und er sagte, meinst du das ernst. Sage ich, selbstverständlich. Und er hat es tatsächlich gemacht und hat meine ganze Familie nach Kostrze reingebracht. Die kleine Schwester durfte nicht bleiben. Die kleine Rene, die musste natürlich nach Krakau ins Ghetto, kein Lager nicht_. Dann wie wir Plaszow gebaut wurde, wie wir rüberge-, wurden wir alle nach Plaszow rüber genommen. Die Frauen natürlich ins Frauenlager, und wir ins Männerlager. Die ältere Schwester ist runtergekommen, auch nach Plaszow, aber es hat geheißen zu Müller (nach Gehör) [Anm. d. T.]. Zu ihr habe ich keine Kon-, hatte ich keinen Kontakt. Das war über der Straße, war zweites Lager. Das, unter Jerozolimska, das war der Ghettokommandant. Unten war ein Müller Kommandant. Die unten haben
gearbeitet bei Bahn und Straße für die Firma Mayreder (nach Gehör), der Name ist mir geblieben. Welche noch, weiß ich nicht, warum. Mayreder weiß ich sicher. Und so, dadurch habe ich, hatte ich Kontakt zu meiner Familie, nicht, also. Ich habe noch reingetragen Essen und, äh, ich, eines schönen Abends betra-, hab´s betra-, getragen natürlich bei Nacht. Gehe raus zum Frauenlager, und man durfte in der Baracke nicht mit Schuhen gehen, sondern mit Socken. Und war zu faul schon meine Schuhe zuzubinden. Und gehe raus zum Frauenlager und, und der Göth steht vor mir. Was ich da mache. Daraufhin, äh, machte Meldung, nicht, also, ich war auf Inspektion. Äh, darauf
sagt er, mit offenen Schuhen. Ich habe ihm keine Antwort gegeben, da hat er gesagt, hau ab, sonst schieß ich dich über den Haufen. (--) Kein zweites Mal hat´s nicht, brauchen sagen, ich war weg. Das war meine zweite Begegnung mit ihm. Die dritte Begegnung war, da war, hat´s ein sehr starken Regenguss gegeben, so wie jetzt derzeit hier. Und die Pumpstation wurde überschwemmt. Dadurch hat es kein Wasser gegeben. Seine Villa war oben. Also nicht unten im SS-Viertel, sondern oben hinauf auf den Berg. Trotzdem hat er sich einen Brunnen bauen lassen, seine Villa, einen Handbrunnen, mit der, mit dem Tank am Dach oben, am Dachboden, nicht, also. Da kein Wasser da war, musste ich hinauf.
Die ganze Nacht den Tank müssen vollpumpen, damit er Wasser hat. Und, äh, das war meine dritte Begegnung mit ihm. Ich habe damals seine, seine, äh, Geliebte sozusagen getroffen, das war ein jüdisches Mädchen. Er hat nicht gewusst, dass sie eine Jüdin ist. Und, äh, dann bin ich zurück ins Lager, nicht, also. Bis die Pumpstation wieder gereinigt war und das wieder im Betrieb war. Eines schönen Tages gehe ich wieder zurück, geschlafen, habe ich natürlich im, im, im Wohnlager in Plaszow. Fangt man an zu schießen und ich bekomme vier Einschüsse im Oberschenkel, rundherum. Ich habe das Bewusstsein nicht verloren. Das war, da
war in der Nähe die Stallungen für die Reitpferde für die SS. Und dort hat einer gearbeitet von unserer Stadt, ein Freund. Ich bin zu ihm rein, habe mich reingeschleppt auf den Händen, sage ich, äh, Leibl (nach Gehör) hilf mir. Sagt er, was ist geschehen. Sage ich, man hat mich geschossen. Der hat mich auf einen Wagen draufgelegt und mit Heu zugedeckt. Die haben mich gesucht, aber nicht gefunden. Inzwischen haben sie verständigt meinen Vater im Lager, nicht, also, was da geschehen ist. Und man hat mich reingebracht ins Lager. Man hat bestochen Blockältesten, äh, und dann hat mir mit dem Taschenmesser das alles rausgeschnitten. INT: Was war passiert, wieso hat man Sie angeschossen? AL: Äh, darüber möchte ich nicht reden. Weil sonst müsste ich ein paar Juden reinziehen und das möchte ich nicht. INT: Von wem wurden Sie beschossen? AL: Von der SS. Vom Wachturm. Ein
Geschoss war ein Dum-Dum Geschoss. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, was das ist? Das ist eine abgefeilte Kugel, die innen alles zerreißt. <Putzt sich die Nase> Man hat mir das alles gemacht ohne Narkose, ohne allem. Ich durfte nicht einmal einen Pieps machen, dass nicht jemand etwas hört, wo ich bin. Weil die haben mich gesucht. Sogar die jüdische Polizei hat mich gesucht. (---) Nach 6 Monaten hat es angefangen, war es praktisch, sozusagen halb geheilt. Und da habe ich gesagt zu meinem Vater, sage ich, wenn ein Transport von hier weg geht, muss ich schauen, dass ich da reinkomme. Weil sonst, eines schönen Tages, erwischen sie mich. INT: Das heißt, 6 Monate, // AL: War ich versteckt. /// waren Sie versteckt. //
AL: Ja. /// In Plaszow? AL: In Plaszow. INT: Im Lager? AL: Ja. INT: Wie war das möglich? Wo konnte man Sie verstecken? AL: Äh, der, der Blockälteste war bestochen. Äh, ob es stimmt, weiß ich nicht, ich glaub es nicht. Wir haben unlängst mit meinen Schwestern in Israel gesprochen, sagt sie, ja, kannst du dich erinnern. Bei einer Razzia haben wir doch, haben doch mit alten S-, Fetzen zugedeckt. Ich kann_. (---) Ich kann mich nicht erinnern. An diesen Fall. Tatsache ist, dass ich habe gesagt, ich muss weg, sonst ei-, erwischen sie mich einmal. Und da hat der Vater gesagt, nein. Entweder wir gehen alle drei. Der Bruder war auch dort, der ältere, der Abraham. Oder keiner. Und eines schönen Tages wurde wirklich ein
Transport zusammengestellt. INT: Wohin wurde dieser Tra-, für we-, || für welchen Ort? // AL: Wir wussten nicht. /// ||| AL: Wir wussten nicht. Ich habe gesagt, entweder ich gehe in eine Gaskammer oder, oder es geht in ein anderes Lager. In einem anderen Lager habe ich wieder eine Identität. Da habe ich nichts. Sagt er, nein, wir gehen alle. Also es hat nichts genützt, wie, nicht also, sind wir alle drei in den Transport rein. Und der ist gegangen nach Mauthausen. || Und // INT: Wurden S-. /// ||| so bin ich in Mauthausen angekommen. INT: Wie kamen Sie von Plaszow nach Mauthausen? AL: Mit diesem Transport mit der Bahn wurden wir transportiert. Wir waren_, ich habe, wie gesagt, wir hatten ja durch das Gold und, und Brillanten haben wir auch sehr viel Geld gehabt. Auch im Lager versteckt. Wir hatten sehr viel Geld mit, auch mit, am Weg. Wir hatten soviel
Geld, dass ich weiß nicht wo, wir waren doch drei Tage, drei Nächte unterwegs. Im August. Über hundert Leute in einem Waggon. Es sind sehr viele gestorben am Transport, und sind viele auch verrückt geworden, und die Hitze und Durst. Und in der Nacht irgendwo v-, sind wir gestanden auf einer Station, der SS, der draußen vorbei gegangen ist, habe ihn gerufen, ich war bei so ei-, so einem Fenster, und habe rausgegeben, einen Pack mit Geld. Sagt er, äh, warum. Sage ich, ich brauch es nicht mehr. Nicht, und dann hat er es eingesteckt und wie er es eingesteckt hat und wie er wieder vorbei kommt, sage ich, sie können mir ja was bringen. Sagt er, was. Sage ich eine Menaschale (nach Gehör) mit Wasser. Und das hat er auch gebracht. Das hat uns sozusagen, äh, praktisch das Leben gerettet bis Mauthausen.
Mauthausen s-, sind wir angekommen, kann man sagen, die Hälfte mehr lebend. INT: Wo konnten Sie das Geld verstecken? AL: Bei sich. Man hat ja gar nicht kontrolliert mehr. // INT: Wurden_. /// Sie haben nicht angenommen, dass wir Geld bei sich hat. Weil was kann schon ein Häftling haben. INT: Wie wurden die Leute für diesen Transport von dem Sie ja zuerst nicht wussten, wohin er gehen würde, ausgesucht? AL: Das weiß ich nicht. Ich weiß da war am Ha-, am Appellplatz. Wieso, wie das gemacht wurde, weiß ich nicht. Das kann ich nicht sagen. Leider ich habe mit dem Vater, manchmal, haben wir Gespräche gehabt. Aber im Großen und Ganzen nicht. Der Vater war sehr verbittert nach dem Krieg. Und, äh, er wollte nicht von gar nichts mehr
Wissen. Ist, 48 [1948], die erste Gelegenheit ist er gegangen nach Israel. Er wollte von Europa überhaupt nichts mehr Wissen. Auch nicht von Amerika. Und, äh, unsere Ankunft in Mauthausen war auch, erstens der Trans-, der, der Fußweg von der Bahn hinauf. Ich weiß nicht, ob Sie schon mal oben waren? Ich weiß nicht, ob Ihnen je schon mal erzählt hat. Wir mussten uns alle, zu hundert anstellen. Zum so genannten Kleidungswechsel und Dusche. Wir haben gewusst, im Großen und Ganz-, wie die Duschen vor sich gehen. Und je Hundert sind reingegangen und ist niemand zurückgekommen. Wir wussten nicht, dass die auf der anderen Seite, sie herausgelassen haben. Wir haben nur gesehen, hundert gehen rein und k-,
niemand kommt zurück. Also können Sie vorstellen. Aber es ist, wir sind auch drangekommen, wir sind auch auf der anderen Seite raufgekommen. Dann waren wir in Mauthausen, 2 Monate, glaube ich, in Quarantäne, weiß nicht wie lang. Ich glaube, der Block war der 23er Block, hat das geheißen. Bei Tag sind wir gegangen nackt und barfuss im Steinbruch, Steine tragen. Am Abend wurden wir in die Baracke rein, aber ohne Betten. Einer nach dem anderen so reingeschoben. Ich schaute nur, dass ich immer beim Fenster bleibe, wegen Wasser. Und in der Nacht habe ich mich herausgestohlen, ich habe irgendwo organisiert oder gestohlen eine Flasche. Mit der habe ich geholt Wasser. Da habe ich gegeben das Wasser, dem Vater, den Bruder, ich habe getrunken beim Brunnen. Damit es nicht, dass, weil das war kostbar.
INT: Wo befand sich ein Brunnen? AL: In Mauthausen, wenn Sie raufkommen, werden Sie sehen, wo der Brunnen ist. INT: Zu besseren Verständigung. War der auf einem Platz, oder war || der_? AL: Der ||| war am Platz und der war bewacht. Es hat nur gegeben Zeiten, wo er nicht bewacht war. Das war auch in Gusen der Fall. Und ich kann Ihnen nicht heute sagen, ob das war zwischen 12 und 1, oder zwischen 1 und 2. Es hat eine Stunde gegeben, wo d-, wo nichts bewacht war praktisch. Und das war die Gelegenheit sich zu holen was zum trinken. INT: Warum befand sich ein Brunnen auf dem Platz? AL: Äh, da w-. // INT: In einem, in einem Lager, wo man nicht davon trinken durfte? /// Äh, wahrscheinlich moralisch noch schlechter irgendwie, dass einem zu ruinieren seelisch. Ganz einfach. Das ganze A-, ist
noch ausgegangen, den Menschen seelisch zu zerbrechen. Aus dem Mensch zu machen ein Tier. Weil wir haben nichts anderes gedacht, nur in der Früh auf ein bisschen Kaffee und am Abend ein bisschen Suppe mit einem Stückchen Brot. Wann kriegen wir schon das, das war das ganze denken? Und das ist ihnen gelungen. INT: Als Sie nach Mauthausen kamen, wurden Sie registriert? AL: Ja. Noch einmal wieder registriert. Und da haben wir, glaube ich, die Nummer bekommen. Schon in Mauthausen, glaube ich. Und da wir immer zusammen waren, ich immer vor, der Bruder und der Vater, so sind wir immer gestanden. Da hatte ich die Nummer 85.309, der Bruder 85.310,
und der Vater 311. Nach, weiß nicht wie langer Zeit, nach der Quarantäne auf einmal ei-, wieder Appell. Wer ist Spengler, wieder dasselbe, habe ich gesagt, ich bin Spengler, sagt der Ta-, äh, der Vater, bist verrückt geworden, sag ich, ich bin nicht verrückt, ich bin Spengler. Daraufhin hat der Bruder und der Vater auch die Hand gehoben. Und dann sind wir erst gekommen nach Gusen 1. In die Messerschmidt Werke. Und von dort sind wir übersiedelt nach Gusen 2. Warum weiß ich nicht, wie w-, Gusen 1 nach Gusen 2 übersiedelt sind das weiß ich auch nicht, aber Fakt. Wir dadurch wurden wir wieder nicht zum Bau genommen. Sondern wir haben in der Fabrik gearbeitet. Ich war, bin dann später geworden Putz beim Oberkapo. INT: Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht verstanden? AL: Ich wurde dann später Putz. Wissen Sie, was das ist? // INT: Nein. ///
Diener. Beim Oberkapo. So dass ich ein bisschen mit dem Essen, schon ein bisschen leichter hatte. INT: Würden Sie nur erklären bitte, was der Kapo war? AL: Kapo (--) ist schwer zu deklarieren, sehr schwer. Es hat gegeben Kapos und Kapos. Mauthausen hat gehabt, den Vorteil, dass kein politischer praktisch ein Kapo werden konnte, sondern nur Verbrecher. Und die haben gut morden können, die haben gut zusammengearbeitet mit der SS. Unser Oberkapo war, was für Nationalität, wissen wir bis heute nicht. Der hat jede Sprache so perfekt gesprochen, dass wir nicht wussten, ob er Russe
ist, ob er Jugoslawe ist, ob er Deutscher ist, oder Polacke. So perfekt. Aber er war einer von den größten Mördern im Lager. INT: Wissen Sie noch, wie er geheißen hat? AL: Nein. Er lebt nicht mehr. Äh, er war so, gefürchtet, dass nach der Befreiung, haben die russischen Gefangen ihn erwischt. Und die haben ihn umgebracht. Aber die haben wirklich, kann man sagen, leider nur an ihm Rache genommen. Die haben ihm den Kopf abgehackt. Aber die haben ihn solange geschlagen, und es hat lange gedauert, bis sie den Kopf runtergenommen haben. INT: Wie wurde man Kapo? AL: Äh, durch die SS. Allein_, äh, Kapo wurde nie gewählt, Kapo wurde eingesetzt. Haben Sie schon mal ein, ein, hier in Österreich, bei der
FPÖ, irgendwann mal einen gewählten, äh, Vorstand gesehen? <Lacht> Auch eingesetzt. Kapo wurde eingesetzt. INT: Wie weit war Gusen 1 von Mauthausen entfernt? AL: Ich schätze 20, 25 Kilometer. Dagegen Gusen 1 von Gusen 2 waren 2 Kilometer. Zur Entlausung mussten wir von Gusen 2 nach Gusen 1 gehen, barfuss, nackt, Sommer und Winter. (9) INT: Wie kamen Sie von Mauthausen nach Gusen 1? AL: Damals, wie ich mich als Spengler gemeldet habe, nicht, also, da wurden wir von_, angekleidet und transportiert nach, nach, äh, nach Gusen. Mit Lastautos. INT: Herr Lewit, das Band wird gleich
zu Ende sein, // AL: Ja. /// wir machen deshalb eine kleine Pause. AL: Danke schön. INT: Danke. <Ende Tape 2>
INT: Herr Aba Lewit, 13. Juli 1997, Band Nummer 3. Herr Lewit, Sie erzählten vorhin über Mauthausen und Gusen 1. Ähm, ich würde jedoch gern noch einmal zurückkehren zu Plaszow, weil es da noch etwas gibt, was sehr wichtig wäre. Äh, zum einen, als Sie versteckt waren, 6 Monate lang, war es möglich, für Sie, oder für Personen,
welche Ihnen hel-, geholfen haben, Sie medizinisch zu versorgen? AL: Nein. Aus dem einfachen Grund, weil wir Angst hatten, dass nicht jemand doch irgendwas sagt oder ausspricht, dass mich entdecken. Dadurch wurde verzichtet auf Medizin. Wir hatten den Mann, der war Arzt, der mir die Kugel rausgenommen hatte. Ich glaube sein Name war Lewkowitsch, sicher bin ich mir´s nicht. Er war von zu Hause Arzt, der hat mich sozusagen betreut. Er hat auch sei-, da, äh, durch die Kleidung praktisch durchgeschossen wurde, nicht, also, es wurde mit reingenommen in, in Kerb (nach Gehör) oder Fasern, alles mögliche, so dass ich schrecklich geeitert habe. Um das irgendwie zu desinfizieren, da hat er einen Topf mit Wasser gekocht. Hat er Löffel reingesteckt, in das kochende Wasser, und mit dem hat er mir das Eiter gekratzt.
I-, (8), es ist schlimmer wie ein Zahn reißen. <Weint> INT: Als Sie in Plaszow waren, hatten Sie durch Ihre Tätigkeit die Möglichkeit im ganzen Lager || herumzukommen. // AL: Ja, sehr ||| richtig. /// Das heißt, Sie kannten die Lagerverhältnisse, // AL: Ja. /// die Straßen, // AL: Die Straßen, || alle-, ja. /// die Gebäude. ||| Alles. // AL: Alles. /// War es da vielleicht doch einmal, dass, äh, von Seiten, Personen herangetreten worden ist, äh, um Pläne zu bekommen, Widerstand zu leisten? AL: Widerstand weniger, warum weiß ich nicht. Ich wurde kontaktiert mit den, mit den polnischen Partisanen.
Und ich hatte auch Kontakt. Der Kontakt hat so lange gedauert, auch mit was, wer, was ist und, äh, was wer macht und so weiter. Bis es dann kritisch wurde, weil der Vater doch nicht der jüngste war und ich doch Angst hatte. Und ich wollte vom Lager flüchten. Mit meinem Bruder und mit´m Vater. Und da habe ich mich dann geäußert. Und, äh, da, da wurde mir geantwortet, ja, dich und dein Bruder würden wir schon, äh, rausnehmen, nicht, aber einen alten Juden brauchen wir nicht. Darauf habe ich gesagt, wenn ihr keine alten Juden braucht, dann braucht ihr mich auch nicht, in (unverständlich) nicht mehr sehen und hören. Für mich seid ihr gestorben. Und da ist der Kontakt wieder abgebrochen und_. Nie wieder versucht oder man ist nie wieder reingetreten. INT: Wie war man an Sie
herangetreten? AL: Äh, ich weiß es selber heute nicht mehr, sondern es waren Personen auch im Lager, die eben mich kontaktiert haben und ich soll das übermitteln und es hat die Leu-, es hat gegeben welche, die begleitet haben, die SS beim Ausritt. Es wurden Reitpferde im Lager gehalten für SS-Offiziere. Und da hat´s auch gegeben, Lagerinsassen, die die Pferde betreut haben und auch die trainiert haben. Und da hat es auch welche geg-, die, die haben die Möglichkeit gehabt auszureiten. Und die haben den Kontakt gehabt. Die sind auch später geflüchtet, mit den Pferden. INT: Was hätten Sie tun sollen, für die Partisanen? AL: Äh, kann ich nicht sagen (nach Gehör), wer, w-, we-, wer was macht und, äh,
die ganzen Funktionäre, Funktionen, das ist überall, äh, sozusagen, äh, rumgehen konnte, wusste ja ich auch, wer, wo, was tut. Wie er sich benimmt und so weiter. Das war das Ganze. Also von_, Pläne waren nicht notwendig, weil, äh, es hat jeder gewusst, dass, äh, die deutschen Ausrüstungswerke sind oben am Berg. Und unten rechts sind die Wäschereien und neben den Wäschereien ist, äh, ist die Quarantäne. Lied-, neben die, noch weiter hinauf sind, ist das Frauenlager. Und links war das Wohnlager für viele Männer, das heißt praktisch s-, einge-, eingeringelt, eingezäunt. Und, äh, ganz unten war, war, war das SS Viertel, haben wir gesagt. Das war auch im Lager ein Viertel für sich, nicht. Im Lager eingezäunt. Also ins Innere sozusagen verlegt. INT: Ist Ihnen bekannt, äh,
dass man von Seiten der Partisanen nachher versucht, jemand anderen anzusprechen, um eben an diese || Informationen zu kommen? AL: Das weiß ich nicht. ||| Das weiß ich nicht mehr. Das weiß ich nicht mehr, das kann ich auch nicht sagen, nicht, weil ich´s nicht weiß. Und ich bin überzeugt, man hätte es auch mir nicht mehr, weil sie haben doch Ang-, auch Angst gehabt, nicht. U-, und die, es hat sehr viele Opfer gegeben, wobei ich nicht, äh, eben in dem Haus, was ich Ihnen erzählt habe, für die Armen. Da wurde dann die Mauer, die wurde immer eingestürzt, warum weiß ich nicht. Die wurde je-, s-, sobald die b-, Mauer fertig war, für die SS Hauptbaracke, wurde sie ein-, ist sie eingestürzt. Sie haben´s dann gestützt mit Pfeilern und alles, es hat nicht gehalten. Am, ganz am Ende, wie es schon, stehen geblieben ist, und dann zum ausfertigen sind dann gekommen doch natürlich (nach Gehör), die, die, die Wasserleitungen, den Kanal fertig machen.
Hat´s auch keinen Kanal, nicht mehr gegeben, keine Wasserleitung. Es war alles weg. Und alles frisch, neu machen müssen. Es hat_, da wurden sehr viele jüdischen Ingenieure erschossen, weil die haben gesagt, es ist Sabotage. Es war sicher keine Sabotage, weil sie bewacht wurden. Außer in der Nacht, war niemand dort. INT: Ich möchte jetzt gerne wieder etwas weiter nach vor, zu dem Kapital wo wir dav-, was wir vorhin schon besprochen hatten. Und zwar zu Mauthausen. // AL: Ja. /// Gusen 1 und || Gusen 2. // AL: Ja, 2. /// ||| Ich möchte gerne dort wieder anschließen. AL: Gut. Von Gusen 1 bin ich nach Gusen 2 gekommen. Gusen 2, weiß nicht, wie lange ich war, war sehr schlimm. Das war, Lager war wirklich ein reines Vernichtungslager. Ich
glaube, es hat´s Schlimmeres nicht gegeben. [Anm. d. T.] Weil, wenn die Leute, die später dann gekommen sind, sind beim, äh, wie die Deutschen Rückzug gemacht haben von Auschwitz und überall, haben´s gesagt, überall war die Erde zum Küssen, im Vergleich zu Gusen 2. Solche Zustände haben geherrscht in Gusen 2. Äh, eines schönes Tages, kommt, äh, der Meister rein, am, in, in den Stollen. Und, äh, wer kennt sich mit Plänen aus. Naja, habe ich wieder die Hand gehoben. Und er gibt mir einen Plan und sagt, äh, das Material kann ich dort und dort ausfassen und soll, laut Plan, das Musterstück machen. Und das habe ich auch gemacht. Äh, ich bin heute noch, in Hobby gehabt, ich mach vieles auch heute noch. Und es ist zur Kontrolle gegangen, weil es ist beim
Flugzeug muss ein jedes Stück kontrolliert werden. Und es hat auch gestimmt. Na, daraufhin war er doch, äh, kennt sich aus mit Plänen und so weiter, nicht. Hat mich der Oberkapo zu seinem Diener, zu seinem Putz gemacht. Da ist mir schon ein bisschen besser gegangen. Insofern, weil, der hat nicht das Lageressen gegessen. Sondern er hat das, weiß nicht, wie, was und wann, das weiß ich jetzt_, war e-, von wo er das hatte, aber mit der SS haben sie irgendwie, die Kapos, Geschäfte gemacht. Und er gehabt Kartoffel und, und, äh, alles mögliche. Na, der h-, ich habe ihm das gekocht, natürlich, wenn ich, äh, habe gekriegt zum Kochen ein Topf Kartoffel, habe ich gekocht, äh, tof-, äh, k-, für, für 10 Personen, nicht für eine Person. Und da ist was geblieben, ist, das durfte ich mir nehmen. So dass ich immer gekocht habe, dass für uns auch was bleibt. Später hat er es, nicht, also, das muss ich zu seiner
Ehre sagen, er hat, dann, ich weiß nicht wie viel Stollen, unserer hat bekommen, von den Suppen, sagen wir, z-, waren zwei Kessel. Hat der in der Küche gestohlen, noch einen Kessel. Aber den musste ich verkaufen, schwarz, für Zigaretten. Wir hatten manchmal Zigaretten ausgefasst, zwei, fünf, und es hat ja welche gegeben, die, die Zigaretten eingetauscht haben, lieber für Essen, die nicht geraucht haben. Und das hat auch seinen Preis gehabt, nicht. Und er selber als Oberkapo konnte die Suppen nicht verkaufen, nicht, also, habe ich sie müssen für ihn verkaufen. Und da habe ich, äh, meistens so gehandelt, dass ich etwas für mich auch bleibt. So dass, äh, sagen wir, eine Schüssel Suppe hat gehabt einen Preis von einer Zigarette, habe ich ihm gesagt, ja, ich kann sie nicht anbringen. Na, was, äh, s-, was soll er machen, hat er gesagt. N-, s-, sag ich, naja, ich kann´s verkaufen für eine dreiviertel Zigarette. Sagt er, na, verkauf´s. Na, was hätte er sollen machen, nicht, mit dem Kessel Suppe.
Da hat, das, das Viertel Zigarette ist schon für mich geblieben. So dass ich für Zigaretten wieder etwas Brot zukaufen konnte. Das war die Möglichkeit im Lager. Wie das Brot a-, war, das ist eine zweite Sache. Aber es war doch etwas an Brot. So dass wir uns mit dem Essen, halbwegs über Wasser halten konnten. Also der Vater, der Bruder und ich. INT: Welche Personen waren in Gusen 1 und Gusen 2? AL: Das war gemischt. Das waren sämtliche Rassen und Nationen, kann man sagen, die es <lacht> auf der Welt gibt. Sogar, äh, Neger waren dort. Es hat auch sehr viele russische Gefangene gegeben. Es hat auch gegeben, äh, die Polacken, die sie beim Warschauer Aufstand, die haben sie nach Gusen 2 gebracht und dort umgebracht. Also das hat es auch gegeben, nicht, also, äh. Äh, da haben sie mit, mit dem Holzhammer alle erschlagen, das wird man nicht für möglich halten. (---)
INT: Sie sagten jetzt gerade, dass das Personen waren, vom Warschauer Aufstand. AL: Ja, aber keine Juden, das war Po-, die polnische Bevölkerung, die vom polnischen Aufstand. Nicht vom jüdischen, äh. // INT: Ah. /// Nein, nein. // INT: Ja, ja. /// Unterscheiden. // INT: Hm. /// Es hat doch in v-, in 44 [1944] // INT: Ja. /// den Warschauer Aufstand, ich glaube 44 [1944] war es, das war der Warschauer Aufstand, von den Polacken. // INT: Hm. /// Und dieser, was sie zusammen-, also, die haben sie nach Gusen gebracht und umgebracht, in Gusen. Die haben sie alle nicht erschossen, sondern mit Hammer erschlagen. INT: War es möglich für Sie im Lager // AL: <Putzt sich die Nase> /// an Informationen zu kommen, oder zu erfahren, was sich draußen abspielte, wie weit es, äh, mh, wie weit der Krieg war. || Herannahen der Alliierten? AL: Äh, aber nur ||| bis [zu] einem gewissen Grad.
Ein gewisser Grad war, wir hatten den, den Meister, wir hatten einen Meister auf Stollen, ich glaube ich war der Stollen 7, und das war ein wirklich, ein anständiger Mensch. Man kann sagen, weil, damals, äh, fast unfassbar für die damaligen Verhältnisse. Der hat uns Informationen zukommen lassen, ob sie gestimmt haben, weiß ich nicht. Der, weil er uns mehr trösten wollten, als, äh, vielleicht das den Tatsachen entsprochen hat. Der hat immer uns getröstet, es dauert nicht mehr lange, lasst euch nicht gehen. Lasst euch nicht fallen. (5) <Weint leicht> So dass es nicht feststellbar ist, ob die Informationen tatsächlich entsprochen haben. Er hat aber, sagen wir, seit die Zeitung la-, a-, auch eine deutsche Zeitung natürlich, die hat er so zurückgelassen, dass einer von uns der, der deutsch konnte, sie lesen konnte.
Da haben wir auch gewisse Informationen gehabt. Äh, wir, von Russen konnten wir Informationen erfahren, wieso, von wo die sie hatten, weiß ich nicht. Aber komischerweise die Russen haben viel In-, Informationen gehabt. Waren sehr viele Russen und, äh, wir sind mit denen sehr gut ausgekommen. Mit den, äh, Gefangenen in Gusen 2, was, äh, mit den Polen nicht der Fall war. Die waren noch im Lager, waren noch immer die, die, die Saujuden. Und der polnische Blockälteste war, war gefürchtet. Genau wie die SS. Auch in Gusen. Wir waren genau die Saujuden wie, wie vor dem Krieg. Was bei den Russen nicht der Fall war. INT: Wie war das Verhältnis
zu den russischen Leuten? AL: So wie, so wie mit den a-, mit allen anderen. So, wir haben alle gelitten, die haben gelitten, so dass, äh, wenn wir i-, im Appell in der Reihe gestanden sind, wenn einer hat gehabt ein Stückchen Zigarette, hat er einen Zug gemacht, hat es sogar weitergegeben. Also d-, für ihn war es k-, nicht d-, der Unterschied, wie, wie bei den Polacken. Bei den Polacken war es nach wie vor schrecklich. Er ist gewebe-, auf der sel-, auf der selben, selben, äh, Stufe praktisch wie wir, und trotzdem hat er es nicht überwinden können, da-, dass, dass mit uns_. Sie sind geblieben Antisemiten. Nach wie vor. Und das haben sie bewiesen, egal unter was, welchen Umständen. Sie bleiben Antisemiten. INT: Sie erzählten vorhin, dass es einen Mann gab,
der Sie seelisch aufgebaut hatte. Wissen Sie noch, wie er heißt? AL: Leider nein. Ich wusste damals auch f-, wir hatten doch_, äh, weder Kontakt, sagen wir mit dem Namen so. Er war nur, äh, insofern ist er_, äh, er hat, beispielsweise er hat gewusst, man lässt uns nicht schlafen. In Gusen, ha-, das war als-, ein System. Äh, wenn wir Nachtschicht hatten, bei Tag waren die Bombenangriffe. Da mussten wir hinaus, in den Graben, durften nicht in den Baracken bleiben. Das war nichts anderes, sie haben gar keine Angst gehabt um uns. Nur damit wir nicht schlafen. Hatten wir Tagschicht, haben sie uns ge-, geschleppt zum Steine schleppen. So dass wir nicht schlafen. Weil es war auch kein Platz. Wir sind geschlafen, auf so einer schmalen Pritsche, zu oft, zu 8 Leuten. Nicht. Und der hat zwei, drei immer abwechselnd, wenn keine SS Mann oder ein Kapo in der Nähe war, hat er unter dem Werktisch reingeschickt, die Leute, zum schlafen. Und hat aufgepasst, wenn
er gesehe-, von Ferne, dass jemand kommt, hat er angeklopft am Tisch, aufstehen. Oder für Abbrechen eines Bohrers. Es war, äh, unvermeidlich oft bei den Bohrungen, den ganzen Tag gearbeitet haben, dass mal abgebrochen haben. Das war schrecklich, da hat man_ (nach Gehör), mindestens 5 bis 10 Peitschenhiebe bekommen, für Abbrechen einen Bohrer. Der hat immer gehabt, Bohrer in Reserve. Wenn er gesehen hat, dass irgendwo einer war, hat er schon einen gegeben, in Reserve. Also er hat geholfen, wirklich, äh, seelisch, hat er geholfen. Weil materiell, äh, was, äh, wahrscheinlich hat er selber auch nicht gehabt. Nicht, also. Dann hatten wir einen, einen zweiten Meister, habe ich Begebenheit mit ihm gehabt. Dadurch dass ich die Pläne später dann alles, sagen wir, die Musterstücke ausgefertigt habe, äh, auf einmal, äh, fängt er an, äh, und provoziert mich als Jude. Und ich habe mich
wirklich vergessen. Ich hab nichts_, ich habe nur meine Antworten gegeben. Und dann später habe ich gesehen, was er gemacht hat, aber, äh, er hat irgendwie nicht, dass, äh, er hat mir manchmal, ein Stück Brot, hat er mir ja gegeben, weil ich ja ihn praktisch für ihn die Pläne gemacht habe, nicht. Und später hat er mir das nicht mehr gegeben. Also angezeigt hat er mich nicht. Aber d-, das hat er nicht, hat Kontakt abgebrochen, sozusagen. Es hat alles gegeben, nicht, also. INT: Was hatten Sie ihm geantwortet? AL: Ich habe ihm geantwortet, w-, er hat gesagt, wir wer-, es wird keiner von uns überleben. Egal, ob wir den Krieg verlieren oder gewinnen. Und ich habe ihm gesagt, wir werden überleben. Sagt er, das ist nicht möglich. Sage ich, ja, ich bin auch Jude. Und werd´s überleben. Nicht, und daraufhin hat er den Kontakt, äh, sozusagen das Gespräch abgebrochen und ist gegangen, nicht, also. INT: Wie lange waren Sie in Gusen? AL: <Atmet hörbar> (-) Bis
zur Befreiung. Wie lange, weiß ich nicht. Wir wurden befreit am 5. Mai durch die Amerikaner. INT: Wie war das? AL: Das war ganz komisch. Wir wurden 14 Tage, vor der Befreiung, praktisch in den Baracken eingeschlossen. Ohne Essen und alles. Und, äh, nicht einmal in die Fabrik, gar nichts. Dann eines schönes Tages ist vorgefahren vom Roten Kreuz jemand. Und man hat Pakete verteilt mit Essen. Natürlich, äh, war alles mögliche drin. INT: Was war in den Paketen? AL: Es waren Sardinen, es war Margarine, es waren Kekse, ich weiß nicht was alles noch war. Ich weiß nur eines, dass der Vater unsere, uns die Pakete weggenommen hat. INT: Warum hat Ihr Vater Ihnen die Pakete weggenommen?
AL: Weil er hat, (---) wahrscheinlich mehr Verstand gehabt, wie dreiviertel [des] Lagers. Er hat uns für jeden ein paar Kekse gegeben <spricht mit zittriger Stimme>, mehr nicht. Wir wer-, wir sind, der Bruder und ich, praktisch das erste Mal, seit wir Kinder waren, gegen Vater irgendwie aufsässig geworden. <Weint> Sie müssen sich vorstellen, die Erziehung von damals, natürlich, haben wir uns, uns geduckt, aber wir sind aufsässig geworden. Da gibt´s Essen. Und er nimmt es weg. (nach Gehör) Wir haben_, ich zumindest, hab es noch immer nicht verstanden.
Auch nach der Befreiung nicht. Wir sind nach der Befreiung, sind wir nach Linz gegangen. Nächster Ort war Linz. Am Weg haben die Amerika-, das amerikanische Militär, von den deutschen Gefangenen, alles abgenommen. Auch Essen und so weiter. Die haben uns gegeben, ganze Dosen mit Konserven. Und waren s-, sonst sehr fett (nach Gehör). Und ich habe auch ne-, eine Dose Fleisch gegessen. Am Abend sind wir angekommen in Linz. Und sind irgendwo in eine Ruine reingegangen schlafen. Und ich habe gefühlt, es stimmt etwas nicht. Ich habe aber, so viel, irgendwie in, äh, war es Verstand, vielleicht Instinkt. Dass ich mit allen Möglichkeiten, alles herausgebrochen habe. Und das, dadurch habe ich praktisch überlebt. Weil es waren in Linz, nächsten Tag, die Straßen voll, mit den Häftlingen die noch überlebt haben, die es gegessen haben.
Wir hatten erst später gesehen, wie klug der Vater gehandelt hat. Aber im Moment haben wir es nicht gewusst, wir haben es nicht verstanden. Der Mann wurde ja, das war ja zu der Befreiung. Das war ein-, am 5. Mai, gegen Morgens, also es-, 9, 8, 10, das, der, keine Ahnung in der Zeit. Wir waren draußen auf dem Appellplatz. Auf einmal sehen wir die Panzer vorbeifahren. Und wir haben aber gesehen, dass es keine deutschen Panzer sind. Und natürlich sind wir in, in, in Jubel ausgebrochen, mit Freudengeschrei. Und da haben sie noch die Frechheit gehabt uns hereinzutreiben in die Baracken, zu sagen, seid´s nicht so blöd, das sind deutsche Panzer. Und haben uns bis Abend eingesperrt. Und am Abend sind die Panzer von Mauthausen noch einmal
zurückgekommen und haben uns befreit sozusagen. Das war unsere Befreiung. Und über Nacht bin ich noch geblieben im Lager, weil wo hingehen in der Nacht <putzt sich die Nase>. Am nächsten Tag sind wir gegangen nach Linz. Linz war die nächste Stadt. Dort sind wir eben in Urfahr, Linz-Urfahr an der Ruine, dort haben wir lange Zeit gelebt. Bis die Amerikaner das DP-Lager [Anm. d. T.] gegründet haben. Man hat uns vogelfrei erklärt und wir waren wirklich vogelfrei. Wir hatten kein Gewand, wir hatten kein Essen, wir hatten kein Geld, wir hatten keine Sprache und es hat sich niemand um uns gekümmert. INT: Sie sind nach Linz gekommen. //
AL: Ja. /// Sind Sie dort auch auf die Bevölkerung getroffen? AL: Praktisch nein, weil das war noch immer, äh, sozusagen, äh, Kriegszustand. Weil, äh, der Frieden, die Kapitulation ist ja erst am 8. Mai hat_, gewesen. Wir sind schon am 5. b-, befreit worden. Am Abend war noch Ausgangssperre für allgemein. Und, äh, die Bevölkerung ist sozusagen noch gesessen in den Häusern. Im Großen und Ganzen haben sie vor den KZ-lern Angst gehabt, damals. INT: Wieso hatten sie Angst? AL: I-, stellen Sie sich vor, wenn wir Rache genommen hätten, an der Bevölkerung, für das, was man uns angetan hat. Weil die Schuld, haben sie gewusst, was sie angestellt haben. Es kann mir niemand erzählen, dass sie es nicht gewusst haben.
Ich habe das selber als Zeuge bei Prozess gesagt. Weil da hat sich oft in Notbefehl, oder weiß nicht wie das heißt, berufen. Und da habe ich ihm gesagt. Sie hatten vielleicht den Befehl, zu erschießen, zu vergasen. Ganz egal zu-, wozu. Aber sie haben sicher nicht den Befehl gehabt, zu quälen und zu schlagen. Und das haben sie gemacht. INT: Wie lange blieben Sie in Linz? AL: In Linz blei-, bin ich geblieben, (--) mindestens ein halbes, dreiviertel Jahr. Eigentlich länger, aber sagen wir, äh, ich bin dann, i-, um zu leben, habe ich mich bei den Amerikanern, beim Militär gemeldet, in der Küche zu arbeiten, was ich auch gemacht habe.
So das Essen, was, war reichlich. Und ist auch reichlich geblieben, dass muss, h-, habe ich nach Hause genommen. Was heißt (nach Gehör) nach Hause, nicht, also. Für den Vater, den Bruder. Dann habe ich erfahren, was ich die ganze Zeit nicht gewusst habe, dass die jüngere Schwester und eine Schwägerin auch in Mauthausen waren. Ich habe nie gewusst, dass in Mauthausen ein Frauenlager war. Und man hat mir auch gesagt, äh, du musst aber sch-, dich beeilen. Wenn nicht, haben sich schon, zu einem Transport nach Polen gemeldet. Daraufhin habe ich genommen, den älteren Bruder, mit dem Fahrrad, obwohl es, äh, noch Ausgangssperre war. Und man durfte nicht aus der Stadt überhaupt raus. Aber wir wussten, wir haben eine gute Lehre gehabt, im KZ. So dass wir uns herausgeschlichen haben, wir sind, mit den Fahrrädern nach Mauthausen
gefahren. Und haben tatsächlich die Schwester und die Schwägerin angetroffen. Und wir haben sie gleich mit den Fahrrädern wieder zu uns nach Linz gebracht, so dass die Schwester und die Schwägerin einmal bei uns waren, waren wir schon zwei Frauen. INT: Wo waren Sie in Linz untergebracht? AL: In einer Ruine in Linz-Urfahr. Da war ein H-, ein zerbombtes Haus. Die eine Hälfte war zerbombt und die andere war sozusagen halb intakt. Dort hatten wir gewohnt. Da waren noch Kollegen, äh, 5, 6, Kollegen, die alle wie wir, die befreit wurden, zusammen. Wir haben uns dann später aus den Augen verloren. Also di-, jeder ist gegangen einen anderen Weg. Einer ist nach Amerika gegangen, zwei sind nach, nach Israel gegangen, ich bin da geblieben. So dass, wir haben uns aus den Augen verloren. INT: Wie ist es Ihnen dann weiter ergangen?
AL: Weiter, na, dann hat es, äh, natürlich die, die KZ-Insassen, mussten von was leben. Nun hat man sozusagen organisiert Essen. Die Bevölkerung hat sich natürlich beschwert bei der amerikanischen Militärpolizei. Die sind gekommen, haben dann gesucht und gesucht und das und jenes, nicht, also, äh. Natürlich war das kein legaler Weg. Aber leben mussten wir. Und da haben sie angefangen irgendwie ein bisschen zu unterstützen. Später hat sich eingeschaltet die Joint [Anm. d. T.] und dann haben sie eingerichtet die, die, die DP-Lager. Das erste DP-Lager, war, wo wir waren, war in Hart (nach Gehör). Das war ein ehemaliges, äh, Hermann Göring, äh, Gut. Auch bei Linz. Da haben wir wenigstens, äh, sozusagen ein ei-, eigenes Zimmer gehabt. Später s-, äh, habe ich mir geholt, ist die
Mutter von Polen und die Schwester, habe ich erfahren, dass sie draußen sind. Was heißt erfahren, vermutet. INT: Würden Sie kurz noch erklären bitte, was der Joint war? AL: Der Joint war ein-, eine amerikanische jüdische Organisation, die sich sozusagen uns angenommen hat. Hat uns mit Lebensmitteln unterstützt. Äh, wer eingerichtet hat, Bindermichl [Anm. d. T.], äh, als, äh, Wohnlager weiß ich nicht. Aber wir haben von Joint bekommen dann Essen, sogar koscheres Essen wurde ermöglicht. Es wurde ermöglicht, sagen wir mit der, äh, alles, äh, rituell was jemand wollte, das es ist, also es war wirklich, äh, die Überlebenschance. INT: Herr Lewit, das Band wird gleich zu Ende sein. // AL: Ja. /// Wir machen eine kleine Pause. AL: Danke. INT: Danke.
<Ende Tape 3>
INT: Herr Aba Lewit, 13. Juli, 1997, Band Nummer 4. Herr Lewit, Sie erzählten vorhin, dass Sie nach dem Krieg in Hart waren. // AL: Ja. /// (--) Was war Hart? AL: Hart war ein Gutsbesitz der im, äh, Krieg den Hermann Göring gehört hat. Wir wurden von den Amerikanern, von der amerikanischen Militärpolizei oder po-, oder, äh, ich weiß nicht von der Verwaltung damals, dort
eingewiesen, also dort zu leben. Weil wir gewohnt haben in Ruinen und in die Löcher, wo wir noch_ (nach Gehör). Äh, praktisch, sozusagen unterkriechen konnten. Und da die, die, ich weiß nicht die Gebäude, was dort waren, nicht, also die wurden uns zur Verfügung gestellt, dass wir dort leben, wohnen konnten. Dort waren wir bis, äh, bis zu der Gründung des, äh, DP-Lagers Bindermichl. Und von Hart sind wir übersiedelt dann nach Bindermichl. In Bindermichl haben wir bekommen, praktisch eine Wohnung, weil da habe ich schon gehabt meine Mutter aus Polen, meine Schwester, die Schwester, die ich aus Mauthausen mit der Schwägerin und nun die zwei Brüder. Äh, u-, und den Bruder, nicht, nicht, also. So dass wir von, von den Amerikanern praktisch damals ein selbst-, eine eigene Wohnung bekommen hatten.
Das war ein Zufall weil es hat auch nicht, es gibt auch nicht viel Familien, so wie unsere, wo wir alle die Lager, die Hölle durchgemacht haben und überlebt haben. Das ist eine Gnade, ich glaube, die wir sie gar nicht schätzen können, was wir bekommen haben. Unsere Eltern haben noch gelebt nach dem Krieg. Lange Jahre. Mein älterer Bruder ist gestorben in Amerika. Hat aber, überlebt hat er den Krieg. Und zwei Geschwister leben noch immer. Der einzige, die umgekommen sind, von der engsten Familie war der jüngere Bruder Sismann. Der wurde in Plaszow erschossen. Und die kleinere Schwester, die ins_, umgebracht worden im Ghetto, im Krakauer Ghetto wurde sie ermordet. Von der nächsten Verwandtschaft
also von, von der Mutter Seite, hat nur ein Cousin überlebt. Und von Vater Seite eine Cousine, zwei Cousinen. Und das war ein Zufall. Die wurden bei einer Razzia, in ein Dort sind sie gegangen betteln um Essen, wurden sie geschnappt als Polinnen. Zu Fremdarbeit. Die eine ist gestorben in Israel, die andere lebt noch heute in Schweden. || Das ist alles. INT: Welche ||| Personen waren in Bindermichl? AL: In Bindermichl waren hauptsächlich jüdische, äh, KZ-ler, ehemalige KZ-ler, also. Und dann, äh, auch welche, sind welche dazugekommen die, die geflüchtet_, wohl KZ-ler, aber die durch die, äh, in der russischen Zone gelebt haben, die geflüchtet sind. Von der russischen Zone, nicht, also. Von Polen, die überlebt haben, von, von Ungarn,
hat´s welche gegeben. Also die alle, die, die in, denen gelungen ist auch nach dem Krieg noch zu flüchten, weil nach dem Krieg war es noch nicht so schlimm, es war eine Möglichkeit, man konnte sich noch helfen, um zu flüchten. Ich hatte auch meine, meine Mutter und_, von Polen geholt, nach dem Krieg. INT: Wie hatten Sie Kontakt zu ihr aufgenommen? AL: Es war ga-, es ist, äh, unglaublich, aber wahr. Ich, äh, der Vater_, wir hatten von, also wie die, das Unglück eingebrochen ist, haben wir verabredet, wer überlebt. Ist der Treffpunkt Dzialoszyce, wo denn? Und wir hatten, äh, nach, äh, also, in Hart, hat schon der Vater angefangen, das war schon, ja, wirklich in Hart, sagt er, äh, fahr, fahr, äh, such, fahr suchen.
Sage ich, Vater, wenn ich fahr suchen, ich bin der praktisch der Brotgeber, weil ich in der amerikanischen Küche (nach Gehör) gearbeitet habe. Äh, der ältere Bruder, Abraham, warum fährt er nicht. Er war aber irgendwie immer a-, auch im Lager, ein Geschreckter sozusagen. Also, äh, alleine hätte er wahrscheinlich nicht überlebt. Aber mit <hustet> dem Vater, mit mir, wir haben ihn irgendwie gestützt, er hat überlebt. Und über Grenze zu fahren, ohne Papiere, ohne allen, es war au-, ohne Geld, war echt problematisch. Nicht, also, der gute Abraham soll, soll ruhen in, in, in Frieden. (-) Ist gegangen, hat jemanden getroffen, der gekommen ist, von Krakau. Und hat ihn gebeten, sagt er, weißt du was, gehst in der Nacht, klopft bei, bei dem Fenster an. Und übergibst einen Gruß von der Mutter aus Krakau. Weil ich habe gesagt zum Vater, wenn ich weiß,
definitiv, dass jemand lebt, dann werde ich fahren. Und jetzt habe ich schon, as-, und so bin auch gefahren. Das fahren ist vor sich so gegangen, da, wie gesagt, Geld war nicht. Man hat sich registrieren können. Da hat es gegeben, gewisse Transporte. Die, die Länder organisiert haben, für ihre Bürger. Da ist ein tschechischer Transport abgegangen, von Linz nach Prag. Und ich bin auf das Ko-, äh, auf das Komitee dort gegangen und hab sie gebeten, na haben sie mich auch dazu geschrieben. (-) Und ein weiter Verwand-, ein weiterer Verwandter von mir, der auch am Leb-, sagt er, weißt was, ich fahr auch mit. Sage ich, gut, wenn du mitfährst, dann pack ein deine Sachen. Äh, was braucht man, nicht, (unverständlich) zum Anziehen oder me-, kein Geld haben wir, hatten wir nicht. Oder etwas zum Essen.
Weil ich arbeite ja, ich gehe von der Arbeit weg und dann fahren wir gleich. Und wir sind auf den Hauptplatz in Linz gegangen. Sind rein, haben uns reingesetzt in den Autobus. Und unsere zwei Namen (nach Gehör) waren nur mit, mit Feder zu geschrieben. Andere Namen war, war Maschinengedruckt. Wir kommen au-, wir kommen auf die tschechische Grenze. Da waren die Amerikaner damals. Und, äh, nehmen natürlich uns beide raus. Wir sind weder Tschechen noch sonstwas. Durch Zufall, äh, höre ich wie der, der Kommandant spricht polnisch. Na, dann habe ich in polnisch gesagt, sage ich, hörst du, äh, ich habe über Mauthausen überlebt, sage, ich bi-, i-, bin Pole. Und will zurück in die Heimat und du lässt mich nicht durch. Also wir können weiterfahren. In Prag haben wir festgestellt, er hat nichts eingepackt. Nicht einmal ein Hemd.
Ich fahr nur mit dem Laiberl [Anm. d. T.] und mit ein paar Hosen. Kein Geld nichts. Sind wir gegangen auf e-, da hat die Komitees gegeben damals, diese, überall und die haben uns irgendwie, äh, ein Papier ausgestellt. Mit dem sind wir zur Bahn gegangen. Es geht eine Bahn nach Krakau. Und da haben wir uns reingesetzt. Dann ist Schaffner ist gekommen, ei-, F-, Fahrschein. Sage ich, wenn du nicht verschwindest, schmeiß ich dich beim Fenster raus. Ich habe kein Geld und habe gar nichts. Und so sind wir auch tatsächlich in Krakau angekommen. In Krakau bin ich gegangen zur Kultusgemeinde, jüdische. Fragen nach meiner Mutter. Und die schauen die Listen durch und sagen, mh, nein, bei uns gibt´s keine, keine, keine Lewit, Rosa. Wir haben sie nicht. Sage ich, dann muss ich fahren nach Dzialoszyce. Darauf sagt der, der, nach Dzialoszyce kannst nicht fahren, weil dort ist ein Pogrom.
Nach dem Krieg. (---) INT: Wieso gab es ein Pogrom nach dem Krieg? AL: Für die Juden die überlebt haben. Der, jeder hatte was gehabt. Mein Onkel, der überlebt hat, wurde erschossen, weil er sein Haus hätte eventuell zurück verlangt. Der wurde in der Nacht erschossen. Und später hat mir meine Mutter erzählt, sie ist, sie war auch im Haus und ist durch´s Fenster ins Feld geflüchtet. Sonst hätten sie sie auch erschossen. INT: Von wem wurde dieses Pogrom_? AL: Von Polacken. Von der polnischen Bevölkerung. Und, äh, sage ich, na, was soll ich jetzt machen. Jetzt komme ich von Wien, meine Mutter holen, man hat mir einen Gruß abgegeben, dass sie lebt. Dumm, jung, ohne Geld ohne
alles. Sage ich, äh, ich gehe anfangen zu suchen in Krakau in den Straßen. Und so habe ich angefangen, eine Straße nach der anderen, durchzumarschieren. Und ich glaube, am zweiten Tag, treffe ich einen Cousin. Er lebt auch nicht mehr. <Atmet hörbar aus> S-, n-, natürlich, äh, (---) kann man sich vorstellen. Wa-, wo, wo kommst du, was machst du, so. Sage ich, ich suche die, die Mamischi (nach Gehör), das heißt die Mutter. Sagt er, f-, da in Krakau. Sage ich, na, wo denn soll ich sie suchen? Man hat mir einen Gruß gegeben von ihr. Sagt er, nein, sie ist in Krzeszowice. Sage ich, wie kommt sie nach Krzeszowice. Sagt er, ja, die Bella, das ist die ältere Schwester, hat geheiratet nach Krzeszowice. Und sie lebt dort bei ihr. Sagt er,
weißt [du] nicht. Sage ich, von wo soll ich wissen, dass die geheiratet hat. Also wir kommen nach Krzeszowice. So darum mussten wir durch den (nach Gehör) Bahnhof gehen. Und fragen vielleicht geht eine Bahn nach Krzeszowice oder nach Katowice. Das ist in der Nähe Katowice. Sagt er, weißt du was, ich fahre auch sie besuchen. Ist d-, d-, die, die, die, äh, Tante, nicht. Und so gehen wir auf den Bahnhof. Steht wirklich ein Lastzug, wo geht er hin. Na, Richtung Katowice. Also hinauf. Sage ich, wei-, warst du schon dort. Ja. Sage ich, wie lang fährt man nach Katowice. Sagt er, eine Stunde. Wir fahren eine Stunde, wir fahren zwei, wir fahren drei, nichts zu sehen von Katowice. Sage ich, weißt du was, Schreier (nach Gehör).
Egal wo, wenn die Bahn fängt an oder sie bremst ab, dass sie langsamer fährt, springst du. Ich werfe dir deinen Koffer nach. Ich komme schon runter, auch wenn sie schnell fährt. Ich war damals anders gebaut, wie heute. Also gut. Und wir kommen tatsächlich auf eine Station. Eine Riesenstation. Die Bahn fängt an langsam zu fahren. Sage ich, schau her, spring. Er springt, bleibt liegen. Ich schmeiß den Koffer nach, spring ihm nach. Komm zurück. Sage ich, was ist passiert. Ich kann nicht aufstehen. Sie müssen denken, Sie wissen, sehen ja, wie groß ich bin. Schreier (nach Gehör) hat sicher gehabt, 1, 90 Meter mindestens. So breit <zeigt es>. Was mache ich jetzt? Also ich schleppe ihn auf die Schulter, in der anderen Hand den Koffer und marschieren von dem Bahnhof. Kommen zum Bahnwärterhäuschen. Dort steht ein Bahnbeamter.
Sage ich, wo sind wir. In Katowice. Sage ich, wie, wo gibt es die Straße nach Krzeszowice. Sagt er, wenn du da raus gehst <zeigt mit dem Arm> du kommst direkt auf die Straße, die Hauptstraße nach Krzeszowice. Also, (unverständlich) dem Schreier (nach Gehör) raus, kommt ein Pferdewagen, mit einem Polacken, wo fährst du hin. Nach Krzeszowice. Nimmst uns mit? Nein. Fragen wir, warum. Sagt er, du siehst doch das Pferd, das geht kaum selber. Also er hat ja Geld, polnisches, ich hatte ja keinen Groschen Geld bei mir. Er hat ihn gut bezahlt, hat er ihn mitgenommen. Wenn´s ein kleines Bergerl [kleiner Berg] war, musste ich helfen, anschieben. Und so sind wir gekommen nach Krzeszowice. (---) Dort war schon nicht schwer zu erfragen,
bin auch hingekommen und meine Mutter, ist wa-, war wirklich dort, hat geschlafen. (6) Von Dings (nach Gehör) hatte ich gewusst, vom Ghetto, dass die Rene, (8) vom Sismann hat sie nichts gewusst <erzählt mit zittriger Stimme>. Die erste Frage war, wo ist Sismann. Nicht nach Bruder und nicht nach dem Vater, und niemand (nach Gehör). (---) Und, äh, Schob (nach Gehör). Und dann habe ich gesagt, weißt du was, frü-, was bleibst du hier, wir fahren zurück nach Wien, dort ist, ist der Vater und der Abraham und die Fela.
Und, äh, sagt sie, wie wollen wir das machen, wenn man das schon machen. Na, mit den Schwager dazu mit auf die russische Kommandantur, war kein Problem, mit etwas_. Sind wir mal nach Prag wieder. Von Prag habe ich gesucht einen Militärtransport, amerikanischen, nach Linz. Den habe ich auch gefunden. Und für ein paar Flaschen Schnaps haben sie auch mitgenommen uns und so sind wir, wieder, in Linz wieder gelandet. Später ist dann die Schwester mit dem Schwager auch nachgekommen. So, so das wir praktisch, sozusagen die Familie waren. Und dadurch haben wir bekommen die Wohnung in Linz, von, in Bindermichl. Das wir alleine eine Wohnung für sich [uns] hatten. Weil wir s-, eine geschlossene Familie praktisch waren. Später bin ich nach Wien gegangen, habe meine Frau kennen gelernt. Der Vater mit, äh, wollte nicht in Europa bleiben, ist gegangen nach Israel, 48 [1948] schon.
Der eine Schwager ist, äh, nach Amerika gegangen. Ich hatte sogar Papiere nach Amerika auch. Ich hab´s nicht ausgenutzt. Die jüngere Schwester habe i-, mit dem Schwager, der jetzt in Israel, sind auch nach Israel gegangen <putzt sich die Nase>. Den habe ich kennen gelernt in Hart, da sieht man wie das Schicksal spielt von oben. Komme von der Arbeit nach Hause, wir haben Abend. Und da liegt ein junger Mann im Vorhaus, am Boden, schläft. Also draußen am Gang. Und ich frage meine Eltern, sage ich, wer ist das. Na, das ist irgendein, ein Bursche, der auch von Mauthausen. Und da sage ich, und da lasst´s ihr ihn draußen liegen. Na, wir wissen ja nicht, wer das ist. Sage ich, das ist mir egal. Wenn er kann nicht hier drin schlafen,
kann ich auch nicht schlafen, schlafe ich auch draußen. Und haben wir ihn reingenommen, nicht, also, haben ihn reingenommen, hat dann bei uns gelebt, hat dann die Schwester geheiratet. Das ist der jetzige Schwager. INT: Wann haben Sie geheiratet? AL: Wir hatten geheiratet 1948. In Wien. INT: Haben Sie Kinder? AL: Ja, eine Tochter. INT: Wie heißt sie? AL: Die heißt Renate, geborene Lewit, Erbst (nach Gehör). INT: Als Sie nach Wien kamen (--), wie ging es Ihnen weiter, was haben Sie gearbeitet? AL: Ich habe in Wien eigentlich nicht gearbeitet. Ich habe das gearbeitet, was alle gearbeitet haben. Geschaut, durchzukommen, mit dem Leben und zu Erhalten die Eltern. Weil ich war nach wie vor der Elternerhalter.
Äh, später wie ich dann, äh, meine Frau kennen gelernt habe, habe ich mit zusammengesetzt mit meinem Schwiegervater, der hat auch überlebt. Und ha-, äh, sage ich, ja, wegen heiraten, sage ich, äh, ich heirate nicht eine Frau, äh, die ich nicht erhalten kann. Darauf hat er, sagt er, wegen dem, mach dir keine Sorgen. Dann machen wir eben zusammen unser Geschäft. Nicht also, der hat gehabt, äh, Alteisen und Metallhandel. Und da war, war ich Teilhaber. Habe die Frau geheiratet, später ist er in Pension gegangen. Ich habe dann auf eine andere Branche übergewechselt. Ich habe dann ein paar Mal die Branchen gewechselt und vor 15 Jahren bin ich in Pension gegangen auch, weil ich ja, nach dem dritten Infarkt habe ich gesagt, jetzt habe ich genug. INT: Haben Sie Ihrer Tochter erzählt, von Ihren Erlebnissen, während des Krieges? AL: Nein. INT: Warum nicht? AL: <Weint leise>
Es war sicher ein Fehler. Aber ich wollte sie nicht belasten. Es ist sicher ein Fehler, das nicht weiterzugeben. Weil, äh, weil ich praktisch fünfeinhalb Jahre in den KZ´s war, habe ich sehr vieles gesehen, sehr vieles erlebt. Dass das irgendwie bleibt, aber ich hatte nicht die Kraft_. Ich habe schon x-mal meiner Tochter versprochen, ich nehme ein Band und spreche es. Aber ich habe auch nicht zusammen gebracht. Und glauben Sie mir, das Interview wird auch nicht ohne Spuren hinter mir sein. INT: Sind Sie nach dem Krieg noch einmal nach Polen zurückgekehrt? AL: Ich war_, f-, ja, zwei Mal. Ich war einmal musste ich, wegen einer Kundin,
die hat mich unbedingt gedrängt, ich soll rauskommen, sie besuchen. Ich war auch nur Zakopane. Ich bin dann von Zakopane reingefahren nach Dzialoszyce zeigen meiner Frau, unser Haus. Und ich, damals haben meine Eltern noch gelebt, habe ich´s auch fotografiert. Und da ist die Dame rausgekommen, die drin wohnt und, äh, hat g-, was ich da mache. Daraufhin habe ich ihr gesagt, äh, was ich mache. Das ist noch immer mein Haus, auch wenn sie drin wohnen. Und, äh, sie ist dann weggegangen, ich bi-, wir sind auch weggegangen. Sind zurückgefahren, hatten wir große Schwierigkeiten an der Grenze. Wir war-, sie haben uns 5 Stunden gehalten an der Grenze, haben uns nackt ausgezogen und durchsucht und alles Mögliche also, dann sind wir durchgekommen. Ich habe das hier am Außenministerium das erzählt. Daraufhin hat mir, damals war, Lujo Toncic Außenminister,
geraten, ich solle nie wieder rausfahren, weil das nächste Mal wird, wird das nicht so glimpflich abgehen. Weil das nächste Mal wenn sie mir was unterschieben, ohne das ich was weiß, damit sie was finden. Voriges Jahr war ich draußen, und zwar war ich draußen, weil ich wollte zum Grab von Rabbi Eli Milach (nach Gehör). Meine Schwester war heuer draußen, war in Dzialoszyce und da ist sie gekommen, und hat mir gesagt, ja, weißt du, das Haus ist verkauft von einem Lewit. Es gibt keinen Lewit außer mir, männlich, der das verkaufen konnte. Also ich, habe versprochen, ich gehe auf die Botschaft oder ich fahre nach Dzialoszyce mich darum kümmern. Ich bin noch bis jetzt nicht dazu gekommen aus, erstens bin ich zwei Mal erkrankt, schwer, heuer. War im Spital. Und dann habe ich auch, sagen wir,
in, in unserer Betgemeinde habe ich sehr viele Funktionen. So dass ich sehr eng mit der Zeit bin. INT: Denken Sie heute noch oft an den Holocaust? AL: Ja. Ich denke nicht. Aber das Denken denkt dann wie bei mir. Die Träume. Die SS. Es lässt einen nicht los. Man wird das eben, irgendwie, in jedem Gespräch ist man wieder drin. Kaum sind wir drei Leute zusammen, ist man wieder drin. Man wird´s nicht los. Das verfolgt einen und wahrscheinlich bis ans, bis ans Ende. INT: Gibt es etwas, was Sie
gerne hinterlassen wollen? Als, als Mahnung oder als Botschaft für Ihre Tochter // AL: Als_. /// oder für zukünftige Generationen? AL: Ja. Dass sie niemanden glauben sollen, dass man Juden hilft. Man hilft Juden nicht. Die Juden müssen sich selber helfen. Und sollen nie Wert legen, wenn sie irgendwo, egal, ob hier oder, oder in Holland oder in Deutschland, etwas Besitz haben, sollen sie nicht achten auf den Besitz. Sondern nach Möglichkeit flüchten. Solange es noch Zeit ist. Wir hatten die Möglichkeit, haben´s nicht gemacht. Leider. Das ist die Botschaft. INT: Herr Lewit, vielen Dank, dass Sie heute sich bereit erklärt haben, dieses Interview zu geben. AL: Danke schön. INT: Danke. <Schnitt> <Bild 1, Foto> INT: Herr Lewit, wer ist auf diesem
Foto zu sehen, bitte? AL: <Atmet hörbar aus> Meine Mutter und mein Vater. INT: Wie heißen Ihre Eltern? AL: Der Vater heißt Benjamin, die Mutter heißt Rosa Lewit. INT: Wann wurden diese Fotos aufgenommen? AL: Ich nehme an, in den 50er [1950er] Jahren, keine Ahnung. In Israel wurden sie gemacht auf jeden Fall. INT: Danke. <Bild 2, Foto> INT: Herr Lewit, wer ist auf diesen beiden Fotos zu sehen bitte? AL: Auf diesen Fotos ist meine Frau und ich persönlich. INT: Wann wurden diese Fotos aufgenommen? AL: Ich schätze 48 [1948]. INT: Und wo? AL: Etwas früher. In Wien. INT: Danke. <Bild 3, Foto> INT: Herr Lewit, wer ist auf diesem Foto zu sehen bitte? AL: Meine Mutter und mein Bruder Abraham. INT: Wann wurde dieses Foto circa aufgenommen?
AL: Ich schätze das wurde aufgenommen im Jahre 1952, ein-, 53 [1953]. // INT: Und wo? /// In Israel. // INT: Danke. /// <Bild 4, Foto> INT: Herr Lewit, // AL: Ja. /// wer ist auf diesem Foto zu sehen? AL: <Nimmt einen Stock zur Hilfe, mit dem er die beschriebene Person zeigt> In der ersten Reihe links, das ist mein Neffe, der zweite ist mein Schwager, David Rosenberg, die Frau ist meine Schwester Bella. Das ist mein Vater Benjamin mit meiner Mutter Rosa. Das ist meine Schwester Fela. Das ist die Schwieger-, die Schwiegermutter von meinem Neffen. Die nächste Reihe. Das ist der Sohn von Cousin Schreier (nach Gehör).
Das ist seine Mutter. Das ist Schreier (nach Gehör) mein Cousin. Das ist mein Schwager Pila. Das bin ich. Das ist mein Neffe, das ist seiner Frau, die er heiratet. Das ist sein Schwiegervater. Die anderen kenne ich nicht. INT: Wann wurde dieses Foto aufgenommen? AL: Wann hat, hat Chaim geheiratet? // KAM: Egal. Wenn Sie´s wissen nicht. <Sehr leise> /// Ich schätze, vor 15 Jahren. Die Mädchen. <Leise Stimme im Hintergrund sagt: 30> Kann nicht sein. Das ist seine Hochzeit.
Na. <Bild 5, Foto> INT: Herr Lewit, wer ist auf diesem Foto zu sehen bitte? AL: Auf diesem Foto ganz links ist mein Cousin Schreier (nach Gehör), was ich früher erzählt habe, i-, von Krakau. Dann bin ich, der nächste ist mein Schwager, dann meine Schwester Bella, meine Mutter und meiner Schwester Fela. INT: Wann wurde dieses Foto, circa, aufgenommen? AL: <Wieder Stimme im Hintergrund> Keine Ahnung. INT: Wissen Sie, wo es aufgenommen wurde? AL: In Israel. INT: Danke. <Bild 6, Dokument> KAM: Jetzt. <Sehr leise> INT: Herr Lewit, würden Sie bitte erklären, um was für ein Dokument es sich hier handelt? AL: Das ist mein Entlassungsschein aus Mauthausen, von der amerikanischen Behörde, zt-, ob das Militärbehörde war, das habe ich, entzieht sich meiner Kenntnisse, damals. Ausgestellt wurde sie, im Mai,
45 [1945]. INT: Und wo? AL: In Mauthausen selber. Oder Linz, ich weiß es nicht mehr. Entweder Mauthausen oder Linz. // INT: Danke. /// Bitte. <Bild 7, Ausweis> INT: Herr Lewit, würden Sie bitte erklären um was für ein Dokument es sich b-, hierbei handelt? AL: Das ist ein Dokument von der israelischen Kultusgemeinde, die sich damals gegründet hatte, uns gegeben ha-, ausgegeben hat. Sozusagen, dass wir ein Dokument in der Hand haben, weil wir komplett ohne Dokument waren. KAM: Was ist das Dokument? <leise> AL: Als Ausweis. (6) INT: Wann wurde es ausgestellt? AL: Das glaube ich auch im Jahre 1945. Genau kann ich mich nicht erinnern. Ja, 45 [1945]. INT: Und wo?
AL: Ich schätze in Linz, von der Kultusgemeinde. INT: Danke. <Stimmen, die durcheinander sprechen> <Ende des Interviews>
Abläufe in den Lagern
Anpassungs- und Überlebensstrategien in den Lagern
Antisemitismus
Antisemitismus in Schulen
Antisemitismus, religiös
Anzahl und Zusammensetzung der Häftlinge im Lager
Ausweispapiere (Fotos)
Befreiung der Lager
Berufsausbildung
Beschaffung von Nahrung und Getränken in den Lagern
Beschaffung von Nahrung und Getränken während der Transporte
Bestechung während der Transporte
Bindermichl (Österreich : DP-Lager)
Botschaft für die Zukunft
Deutscher Überfall auf Polen (1. September 1939)
Diskussionen über Flucht
Dokumente und Artefakte (Fotos) 1945
Dzialoszyce (Polen)
Entscheidung bei nahestehenden Personen zu bleiben
Erniedrigung und Schikanierung in den Lagern
Familienangehörige im weiteren Sinne
Familienfotos (Nachkriegszeit) (Fotos)
Fotografien (Fotos) 1945
Fotografien (Fotos) 1948
Fotografien (Fotos) 1950er
Fotografien (Fotos) 1952
Fotografien (Fotos) Nachkriegszeit
Fotografien von Interviewten (Fotos)
Frank, Hand
Gemeinschaften (jüdisch)
Göth, Amon
Gusen (Österreich : Konzentrationslager)(*)
Häftlinge, nicht-jüdisch
Häftlinge, polnisch
Häftlinge, sowjetisch
Häftlingsärzte in den Lagern
Hart (Österreich : DP-Lager)
Heimatbesuche nach dem Krieg
Hilfe in den Lagern
Hilfe: bevorzugte Behandlung
Hilfe: medizinische Versorgung
Hilfe: Versorgung mit Nahrung und/oder Getränken
Hochzeiten (Fotos)
Holocausterfahrungen, Unwille darüber zu sprechen
Interaktion mit Familienmitgliedern in den Lagern
Kapos
Kenntnis von Massenmorden
Kenntnis von politischen oder militärischen Ereignissen
Kindheitserfahrung mit Antisemitismus
klandestine wirtschaftliche Aktivitäten in den Lagern
Kontakt mit Häftlingen
Kontakt mit nahestehenden Personen
Kontakt mit nahestehenden Personen, erneuter
Krakau (Polen)
Krakau-Kostrze (Polen : Konzentrationslager)
Krakau-Plaszow (Polen : Konzentrationslager)
Krzeszowice (Polen)
Lageraufnahmeverfahren
Lebensbedingungen in den Lagern
Linz (Österreich)
Mauthausen (Österreich : Konzentrationslager)
medizinische Probleme nach der Befreiung
medizinische Versorgung in den Lagern
Mitglieder von SS/SD
Nachkriegsreflexion über Holocaust- und/oder kriegsbedingte Erfahrungen
Österreich 1941 (1. Oktober) - 1945 (7. Mai)
Österreich 1943
Österreich 1945 (1. Januar - 7. Mai)
Österreich 1945 (8. Mai) - 1955 (14. Mai)
Österreich 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
Opatów (Kielce, Polen)
Pogrome
Poland 1918 (November 11) - 1939 (August 31)
Polen 1939 (1. September) - 1945 (7. Mai)
Polen 1939 (1. September- 31. Dezember)
Polen 1940
Polen 1941
Polen 1943
Polen 1945 (8. Mai) - 1948 (20. Dezember)
Polen 1945 (8. Mai) - 2000 (1. Januar)
psychologische Reaktionen auf Holocausterfahrungen
Razzien gegen Juden
Rotes Kreuz, internationales
Schändung jüdischer Friedhöfe
Schulen (jüdisch)
soziale Beziehungen in den Lagern
Suche nach nahestehenden Personen
Tauschhandel in den Lagern
Todesfälle nach der Befreiung
Transport aus Krakau-Plaszow (Polen : Konzentrationslager)
Transport nach Mauthausen (Österreich : Konzentrationslager)
Transporte, Transportmittel
Verletzungen in den Lagern
Verstecken und Untertauchen in den Lagern
Wien (Österreich : Autonome Stadt/Distrikt)
Wohnverhältnisse in den Lagern
Zivile Zwangsarbeitsaufseher
Züge, Fracht-
Zwangsarbeit in den Lagern
Zwangsarbeit: Lageraufbau
Zwangsarbeit: Rüstung und Munition
Brüder, leiblich Abraham Lewit
Brüder, leiblich Sismann Lewit
Ehefrauen Mathilde Lewit
Gefangene Lefkowitsch*
Interviewer Sandra Wachtel
Interviewte Aba Lewit
Mütter, leiblich Rosa Lewit
Schwestern, leiblich Bella Piller
Schwestern, leiblich Fela Rosenberg
Schwestern, leiblich Rene Lewit
Töchter Renate Erbst
Väter, leiblich Benjamin Lewit