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AA: Nein. EA: Da er_. Was noch? // AA: <scherzt leise> Das genügt. /// Er || AA: <scherzt> Noch nicht. ||| spricht Englisch, || AA: <lacht> Gut. ||| davon hat er eine Staatsprüfung, || AA: <lacht> Gut. ||| er spricht Französisch, Deutsch, Russisch und liest fast in allen europäischen Sprachen || AA: <lacht belustigt> Gut. ||| das bedeutet, Latein, äh, Italienisch, Spanisch. // AA: Gut. <murmelt lachend> Jetzt reicht's. <raunt ihr zu, lacht und scherzt> Bin ich dazu gekommen, um das zu hören? /// Was soll ich noch sagen? <AA lacht> Ich weiß nicht mehr. // AA: <lacht> Gut, das genügt, denke ich. /// <Bild 1> INT: <flüstert> Sie können anfangen. EA: Hier ist die Liste, wo (---)

dokumentarische Beweise für den Holocaust

Dokumente und Artefakte (Fotos) 1942



Segment [119]
Zur Person
Zum Interview
Edith Adler
* 06.01.1915 in Österreich-Ungarn - Nové Mesto nad Vahom
Jüdische Überlebende
Lager und Ghettos
Auschwitz II-Birkenau (Polen)
Bratislava-Patronka (Polen)
Malchow (Deutschland)
interviewt am 21.05.1996 in Frankfurt/Main - Bundesrepublik Deutschland
Sprache Deutsch
Länge 02:03:02
Interviewer(in) Ute Mueller
Kamera Daniel Kohl
Transkription Christina Seiler
Code 15427
INT: Stört der Stuhl nicht? Der Stuhl? KAM: Nee, ist ok. EA: Wissen Sie_ INT: So, wir fangen jetzt an. (-) Mein Name ist Ute Mueller. Heute ist der 21. Mai
1996. Ich führe ein Interview mit Frau Edith Adler. Wir befinden uns in Frankfurt am Main, Deutschland. (---) Frau Adler, sagen Sie uns bitte nochmal Ihren Namen und Ihren Vornamen und buchstabieren Sie ihn bitte. EA: Jetzt? // INT: Ja. /// Erst den Vornamen? // INT: Ja. /// Edith Adler. // INT: Und buchstabieren Sie ihn bitte auch. /// Edith, E-D-I-T-H A-D-L-E-R. INT: Wann sind Sie geboren? EA: Den 6.1.1915. INT: Wie alt sind Sie? EA: Einundachtzig Jahre. INT: Und wo sind Sie geboren?
EA: In Wagneustadt. // INT: Buchstabieren Sie das bitte auch? <EA beugt sich zum besser Hören vor> Buchstabieren Sie das bitte auch? /// W-A-G-N-E-U-S-T-A-D-T. [Var. dt: Waag-Neustadt, Neustadt an der Waag, Waag-Neustadtl, tschech: Nové Mesto nad Váhom, ung: Vágújhely] // INT: In welchem Land lag Wagneustand, -stadt? /// In der Tschechoslowakei. INT: Frau Adler, wie waren die Namen Ihrer Eltern? EA: Die Namen? // INT: Ja. /// die Vornamen? // INT: Ja. /// Mein Vater hieß Salamon (nach Gehör) Steinmann, meine Mutter hieß Stephanie Steinmann. INT: Hatten Sie Geschwister? <EA versteht nicht, beugt sich vor> Wie hießen Ihre Geschwister? EA: Ich bin die Älteste, nach mir kam die Viola, in 1917
geboren. Dann kamen meine Brüder, Zwillinge, 1918 geboren. Der eine hieß Ernö, der andere Jenö. Das ist so in der Monarchie_, ungarische Namen gewesen. Und dann 1921 meine Schwester Alice. INT: Was hat Ihr Vater gearbeitet? EA: Mein Vater war Buchdrucker, selbständig, Buchbinder. Ja, das wärs. INT: Und Ihre Mutter? EA: Meine Mutter war Hausfrau. Sie beherrschte aber drei Sprachen: Deutsch, Slowakisch_, Deutsch, Slowakisch, Ungarisch. Deutsch,
Ungarisch in Schrift und (-) sie war bei den Kindern. (4) Sie war sehr talentiert, eine wunderbare Hausfrau, Köchin, Organisatorin im Haushalt. Da war immer alles_, es war immer alles da, immer Ordnung. Sie hatte eine Haushilfe, die hieß Valerie (nach Gehör), aus Ungarn und die hat mir (-) die d-, ungarische Sprache beigebracht. // INT: Mussten Sie auch im Haushalt helfen? < EA versteht nicht> Mussten Sie auch im Haushalt helfen als Kind? /// Ich verstehe Sie nicht. // INT: Haben Sie Ihrer Mutter geholfen? /// Nein. <schüttelt den Kopf> Nein. Ich hab nur abgeguckt von ihr, aber nicht geholfen. INT: In welche
Schule sind Sie gegangen, Frau Adler? EA: Erst in die Grundschule fünf Jahre, dann ins Gymnasium acht Jahre, dann hab ich ein Überbau-Studium gemacht in Pädagogik, das war in (3) in, in, in (überlegt, 6 Sek.) Levice [dt: Lewenz, auch: Lebentz, Levencz; ung: Léva]. Von dort sind wir in 38 [1938] evakuiert in eine Schule, die hieß Nová Baňa [dt: Königsberg, ung: Újbánya]. Und dort hab ich auch das zweite Abitur gemacht, hmh. INT: Frau Adler, versuchen Sie sich bitte nochmal an ihre Kindheit zu erinnern. Wie sah die Bevölkerung in Wagneustadt aus? EA: Ja. Also die Mehrzahl war
slowakisch katholisch, eine Minderheit war protestantisch und noch eine kleinere Minderheit waren Juden. Aber da ha-, war so ein ganz normales menschliches Verhältnis unter diesen Leuten. In der Schule haben wir uns im Gymnasium auch besucht, geholfen bei den Hausaufgaben und viel Zeit miteinander verbracht. Ja. Außerhalb der Schule habe ich ein äh_, sind wir Turnen gegangen. Die katholischen Kinder sind in_, in Sokol waren die dort, also eingeschrieben, die haben auch eine schöne Tur-, ein schönes Turn-, einen schönen Turnsaal gehabt und
wir jüdische Mädchen und Jungs in Makkabi. Da haben wir auch einen Turnsaal gehabt. INT: Welche Veranstaltungen haben Sie mit dem Makkabi zusammen || gemacht? EA: Ja, wir haben ||| solche_<räuspert sich> wir sind in klei-, in größere Städte gefahren und haben dort diese, solche, wie sagt man das, so gemeinsam geturnt || INT: <leise> Turnfest. /// auf Wiesen, ||| wie sagt man das? // INT: Turnerfest, Sportfest? /// Turnfest, Turnerfest, ja. Also ich war unter denen, die geturnt haben, in, diese Turnübungen, aber so_, Gruppen. INT: Was haben Sie sonst noch in Ihrer Freizeit gemacht? EA: Wir haben_, wir waren als junge Kinder in_,
organisiert in einem Hashomer. Das war so eine jüdische Organisation. Und mit den_, mit diesem Hashomer haben wir Ausflüge gemacht in die Umgebung. Mit unserem Gruppenführer und_. Ganztägige Ausflüge, zum Beispiel in die Burg Beckov [dt: Beckow, ung: Beckó], in die Burg Čachtice [dt: Schächtitz, ung: Csejte], in ein schönes Gebirge Javorina, dort haben wir den ganzen Tag verbracht. // INT: Waren Sie dort mit Mädchen und Jungen zusammen? /// Ja. // INT: Erinnern Sie sich noch an irgendwelche Ereignisse || die für Sie besonders_ /// Ich kann mich ||| erinnern, wir haben unsere_, zu so Turnübungen so auf der Javorina, auf diesem, auf diesem Gebirge gemacht
und ich hatte_, man hat uns auch fotografiert, als wir Brücken gemacht haben, als wir diese, äh, Räder geschlagen haben, da haben wir auch Fotos nach Hause gebracht. INT: Was war Ihre Lieblingssportart? EA: Äh, eigentlich Gymnastik, aber so im Turnsaal waren die Ringe. INT: Sie sagten, Sie hätten auch nichtjüdische Freunde in der Schule gehabt? EA: Ja, hatten wir, im Gymnasium, auch nichtjüdische Freunde, aber die_. Das ist abgefault, als in 38 [1938] die Deutschen kamen. Als nach_, die_, nach München war es dann abgebrochen, ganz. Statt dem normalen Gruß,
den wir so miteinander uns gegrüßt haben: "Servus", war ein anderer Gruß eingetreten, so_, war eine Handbewegung und da sagte man: "Na stráž!". Das bedeutete soviel wie: Auf=äh_, wachsam, sei wachsam. Und da haben wir nicht mehr mitmachen können. // INT: Warum? /// Ja, weil man uns nicht mehr angesprochen hat und nicht mehr gegrüßt hat. Man ist uns ausgewichen. Sehr gute Freundinnen, mit denen ich nach dem Krieg wieder so gelegentlich zusammenkam, als ich nach Preßburg [Bratislava] gefahren bin, und da haben wir wieder so gesprochen, wie alte Bekannte. Etwas distanzierter, selbstverständlich.
INT: Wie sah Ihr Familienleben aus? EA: Oh, unser Familienleben war (-) ein Bilderbuchleben, war eine Bilderbuchfamilie. Äh, (4) meine Mutter hat uns nie, äh, gezwungen etwas zu machen oder etwas zu essen oder irgendwohin zu gehen oder_, hat nie verboten oder hat uns nie angeschrien und es war immer wie auf Schnürchen, das Frühstück, das Mittag-, das Abendbrot, saubere Wäsche, reine, äh, Schuhe morgens und so weiter, das war alles wie am, (--) am Schnürl kann man wohl sagen. Eine wun_. Und das hat auch beigetragen, dass wir eine so lockere und innige
Familie waren. INT: Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater? EA: Bitte? // INT: Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater? /// (--) Gut. Mein Vater war etwas strenger, so in v-, so wie es in vielen Familien war. Wir haben uns nur nicht so oft gesehen, weil er doch entweder im Geschäft war oder in der Buchdruckerei. Also er war sehr beschäftigt, aber sonst war ein gutes Verhältnis, ja, absolut. INT: Und wie sah das religiöse Leben in Ihrer Familie aus? Sind Sie in die Synagoge gegangen? EA: Ob wir_? // INT: Ob Sie in die Synagoge gegangen sind? /// In die Synagoge, ja, wir s-, ich bin in die Synagoge gegangen, äh, weil meine Mutter dorthin ging, auch jeden Samstag. Sie hatte
dort einen festen Platz neben einer Bekannten und das war auch so eine gesellschaftliche Angelegenheit, denn wir haben uns wieder, Mädchen, getroffen, dort am, am Hof, dort war ein Syn=äh, ein, ein Tempelhof und dort haben wir gewartet, gespielt, gesprochen. // INT: Was haben Sie gespielt? /// Hm, das was Kinder so spielen, diese, diese Schule, diese Springe, Sprünge, auch mit Kugeln, auch damit haben wir gespielt und Ball, das war alles. INT: Was hat Ihre Familie an den Feiertagen gemacht? EA: Eine_, an den Feiertagen. Das war
wunderschön, es war viel gebacken, meine Mutter hat viel gebacken und das war immer zu-, zugänglich für je-, für, für uns alle, auch für die Valerie sogar, für unsere Hilfe, die bei uns, glaube ich, so 15 oder 16 Jahre war und_, äh, mein_, da sind wir spazieren gegangen, auch mit den Eltern. Meine Mutter hat uns als kleine Kinder bei der Hand gehalten, die übrigen hat mein Vater gehalten und so sind wir ausgerückt. Alle. Und dann haben wir uns auf eine Wiese gesetzt, und wir haben auch symbolhaft, symbolisch etwas auch mitgenommen, etwas vom Kuchen, ich glaube auch ein, ein St-, ein Ei, und dort haben wir so
eine Brotzeit gefeiert auch, dann sind wir herumgelaufen. // INT: Mit welchem ihrer Geschwister haben Sie am meisten gespielt? /// Mit welchem_? // INT: Geschwister haben Sie am meisten gespielt? /// Das kann man nicht so sagen, dass man mit Geschwister gespielt hat. Ja, wenn wir zusammen waren, so haben wir_, haben wir gespielt, haben wir gesprochen, aber (--) so gespielt zu Hause_. Nein, denn (--) wir sind ja nicht so dauernd zu Hause gewesen. Mich hat mein Großvater schon mit drei Jahren in die_, in den Kindergarten geführt. Und die übrigen, die zu Hause geblieben sind, na ja, die waren klein, es ist doch eins nach dem anderen_, fünf Kinder, die sind eins nach dem anderen geboren worden. <denkt nach> hm, gespielt mit Ki-,
ja, vielleicht haben wir. Ein bisschen Mensch ärgere dich nicht haben wir gespielt, das ist alles, am Abend ein bisschen Karten. Und als ich schon älter war, elf, zwölf_, zehn, elf, zwölf, da haben wir auch Schach schon gespielt. INT: Wie ist ihr Familienleben weiter gegangen? Wie ist es Ihren Geschwistern weiter ergangen? EA: Na ja. Ich hab das Gymnasium absolviert, nach mir mein_, ist der eine Bruder gestorben. Das hab ich dort auch geschrieben, mit sieben Jahren. Herzbeutelentzündung hat er gehabt. // INT: Welcher Bruder? /// Bitte? // INT: Welcher Bruder? Wie war sein Name? /// Ja, vorher ist die Viola gestorben,
an Her-, an Gehirnentzündung, als Siebenj-, -jährige. Dann ist der zweite, der eine Zwillingsbruder gestorben, an, auch sieben, acht Jahre, an Herzbeutelentzündung, es war eine große und lange Trau-, Trauer in der Familie und die Atmosphäre ist scho- sehr getrübt gewesen seither. Wir haben es meinen Eltern sehr (-) irgendwie (-) verargt, dass sie-, dass sie so viel trauern und dass wir da sind und wir haben uns so überflüssig gefühlt eine Zeit lang. Aber das hat sich dann geändert. (4) Und wie es ergangen ist: Mein Bruder, der Zwillingsbruder, der am Leben_, der Jenö, der am
Leben geblieben ist, ist ins Gymnasium. Und er hat es so schlecht verkraftet, dass er die ersten drei Jahre fast=äh jede=äh, Klasse über=äh, wiederholen müsste. Müsste, er hat es nicht, er musste es nicht. Er war so niedergeschlagen, dass sein Bruder nicht mehr da ist, dass meine Mutter zum Vorsprechen zum Professor gekommen ist ins Gymnasium oder zum Direk-. Man hat sehr gewollt, dass man ihm aus der Schule nimmt, weil er weder mit den Aufgaben zurechtkommt_, er hat nichts gemacht. Dann hat er sich zusammengerafft, in der vierten Klasse und er ist ein Vorzugsschüler geworden mit lauter Einser, auch das Abitur. An die Hochschule ist er gekommen und da war er auch ein Vorzugsschüler, er hat_, er ist nach Preßburg [Bratislava]
in_, an die Universität gegangen und er hat sich eigentlich davon_, es waren schon schwere Zeiten, mein Vater ist inzwischen gestorben, in 38 [1938], und er hat sich mit Stunden ernährt. Er hat wirklich Stunden gegeben, er hat ganz wenig von zuhause erhalten und bekommen können. Er hat sich mit Stunden ernähr-, ernährt und hat lauter Einser gehabt. Und für die Assistenz bei einem Professor hat er auch etwas Geld bekommen. Also er war ein ver-, hervorragender_. In 42 [1942] wollte er nach=äh, nach Budapest flüch-, flüchten. Im Zug war eine Razzia und da war eine, ich muss leider sagen, eine, eine jüdische F-,
Bekannte, ein junges, junges Mädchen, die heiß-, hieß Agatha Fischer, und die hat ihn verraten, die hat gesagt der Razzia, damit sie von sich ablenkt, aber auch so, sie war sehr eifersüchtig auf ihn. Sie hat ihn verraten und hat gesagt: "Dort im Zimmer, dort ist ein Jude". Er wurde gleich nach Treblinka abtransportiert und man hat mir gesagt, (er ist) noch am selben Tag erschossen worden. Einen Genickschuss hat er bekommen, angeblich, das hab ich nicht gesehen. Also das war eine_. Meine Mutter war noch_, (--) die war noch damals in Wagneustadt [Var. dt: Waag-Neustadt, Neustadt an der Waag, Waag-Neustadtl, tschech: Nové Mesto nad Váhom, ung: Vágújhely], denn in 42 [1942] bin ich ja auch weg, März, 22. März 1942 bin ich auch verschleppt
worden (-) und dann nach einer Zeit ist meine Mutter mit meiner Schwester nach Bratislava umgezogen. Dort haben sie so mit_, noch mit einer Familie gelebt. // INT: Wann war das? /// Es musste so 43 [1943] gewesen sein, denn sie hatten schon Angst, den Sohn haben sie verloren, die_, mich haben sie müssen_, also da ist nur meine Schwester Alice mit meiner Mutter geblieben, der Vater war schon verstorben. INT: Wovon hat Ihre Familie nach dem Tod Ihres Vaters gelebt? EA: Na ja, wovon haben sie gelebt: etwas war noch im, im Geschäft zu verkaufen und dann haben sie (-) davon gelebt, was ihnen geblieben ist. Sicher sehr, sehr bescheiden, aber
meine Schwester war eine Hobbyschneiderin und sie hat sich so, äh, so hochgepäppelt, also durch ihren Fleiß, durch ihr Talent, dass sie sogar genäht hat für Fremde. Und das war eine kleine, aber j=äh, jedenfalls ein-, eine Einkunft. INT: Wie hat sich 1938 Ihr Leben sonst verändert? < EA beugt sich vor, hat nicht verstanden> Wie hat sich 1938 und 1939 Ihr Leben verändert? EA: Für mich? // INT: Ja. /// Ja, ich war doch an diesen Schulen. Ich musste auch verdienen. Das Geschäft war schon, aber wir hatten schon einen, einen Arisator bekommen. (-) Und die hat die Kasse abends geleert. (-) Und ich hab-, (--) ich hab also in, in
Trentschin-Teplitz [tschech: Trenčianske Teplice, ung. Trencsénteplic], vorher in Prievidza [dt: Priwitz, ung: Privigye] etwas verdient. // INT: Als was haben Sie gearbeitet? /// Bitte? // INT: Was haben Sie gearbeitet? /// In Prievidza war ich als Lehrerin in einem Internat. Die Kinder sind in verschiedene Schulen gegangen und ich habe ihnen geholfen bei den Hausaufgaben. Und in Trentschin-Teplitz habe ich an einer provisorischen Schule g_, die uns ein Restaurantbesitzer_, seine Säle zur Verfügung gestellt, und dort waren die Kinder versammelt. Vormittag. Ich hab verschiedene Klassen unterrichtet und am_, zu Mittag war dann Schluss, so um ein Uhr. // INT: War das eine jüdische Schule? /// Das war keine Schule. Na ja, jüdische, aus
Not gedrungen jüdische, denn (-) es war keine Schule, es war so ein Provisorium, wo sich die Kinder versammelt haben und wo sie (-) also f-, durch mich Unterricht bekommen haben. // INT: Warum notgedrungen? /// Notgedrungen? Ja, notgedrungen. Sehr dürftig. Ohne jegliche (-) äh, wie sagt man das, (-) Hilfsmittel, die eine Schule hat. Ich konnte nur etwas zeichnen oder etwas i-, oder es ihnen erklären, aber so Anschauungsunterricht gab es keinen. // INT: Haben Sie auch Flüchtlingskinder aus anderen Ländern unterrichtet? /// Ja, damals war ein Junge gekommen, aus Polen, ein gewisser Selmowitsch [poln. Zelmowicz o. Selmowicz], Selmowitsch und
ich habe den großen Verdacht, dass ich diesen Selmowitsch abgebildet se-, sah in einer Zeitschrift. Und bis heute tut mir leid, dass ich mich nicht zu ihm gemeldet habe, denn (---) vielleicht hätte ich mehr erfahren. Dass seine Eltern umgekommen sind oder vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht. Aber der ist schon damals aus Polen in die Tschechoslowakei gekommen. Die Tschechoslowakei galt als sehr, eine sehr tolerante, ein sehr tolerantes Land. Das hat sich dann geändert, selbstverständlich, aber zu der Zeit war es noch sehr tolerant. Das war im Jahre 1942. <Ende Tape 1>
INT: Frau Adler, Sie sagten gerade, dass sich 1942 das Leben für die Juden stark verändert hat. // || EA: Ja. /// Was ||| ist anders geworden? EA: Schon vorher. Denn im Geschäft meines M-, meines Vaters
ging nichts mehr ohne, ohne Nachnahme. Wir haben unsere Ware bezogen aus der Tschechei, nur per Nachname, also das musste voraus bezahlt werden. Und das war schon ein, eine schwere Sache, denn es war nicht immer soviel Geld parat und auch der Absatz wa-, ist geringer geworden, weil die Leute auch kein Geld und keine Hoffnung, keine Perspektive mehr hatten. Es war schon sehr schwierig. (---) Ja, und dann, also uns ist es nicht mehr_, also die anderen Schüler konnten das Gymnasium nicht mehr be=äh, besuchen. Und mein Bruder, der aso ein V-Vorzugsschüler war, und da er seinen Assistenten
noch im Gymnasium gekannt habe, der ist vielleicht als, als einziger noch an der Hochschule geblieben, bis 42 [1942], das war eine großartige Ausnahme, eine vorteilhafte Ausnahme. Ja, und dann ist er auch weg, (--) ermordet, (---) || weil_. INT: Sprechen Sie ||| von Ihrem Bruder Jenő? // Bitte? /// INT: Sie sprechen von Ihrem Bruder Jenő? <EA beugt sich vor, versteht nicht> Meinen Sie Jenő? || Ihr Bruder_. // <nickt> Der Jenő. ||| Der andere ist doch mit sieben Jahren schon ge- verstorben. Ja, den Stern haben sie erwähnt, den Judenstern. Wir haben uns etwas so, äh, gegeben auf den, auf das Kleid, auf den Mantel. Aber <zuckt mit den Schultern> keiner wurde weggejagt, wenn er keinen Stern hatte, wissen Sie? Und die (-)
die Slowaken haben, das waren arme Leute, haben endlich schöne Stiefel bekommen von den Deutschen, schwarze hohe Stiefel, eine schwarze Uniform, haben sich begrüßt mit ihrem Grußwort, also: Sei wach, "Na stráž!" und sind durch die Stadt (-) immer (-) promeniert und haben gesucht, wer keinen Stern hat. Aber uns hat man nie weggeschickt oder, oder angesprochen diesbezüglich. Da wir_, und die meisten Juden waren (-) keine reichen Leute, es waren einige reiche Leute, aber die haben sich schon (-) gut_, also die sind ins Ausland geflüchtet. Wir hatten nicht einmal das Geld für die, für die
Reise, nicht noch den Aufenthalt. Also sind wir leider_, haben wir uns so geholfen wie wir konnten. Mehr schlecht als recht. 42 [1942] kam ich einmal aus Trentschin-Teplitz [Trenčianske Teplice], es war ein Freitagnachmittag, aus der Schule. Das war am 22. März 42 [1942], da kamen drei Landsleute zu uns und haben gesagt, ich muss weg. Wir haben uns versammelt im jüdischen Turnsaal. Ich bin dort_, ich dachte, ich werde dort vielleicht einige Bekannte treffen, in meinem Alter oder die, die denselben Beruf hatten. Aber das war ganz anderer
Menschenschlag. Ganz unbekannte Leute. Ab und zu (-) hab ich einige getroffen, die ich gekannt habe, aber sonst waren sie für mich unbekannt. Na, ich habe mich auf den Boden, auf den Parkett zu ihnen gesetzt. Und meine Mutter hat mich noch begleitet, sie hat mir noch Kuchen gegeben, den sie für Samstag geb- gebacken hat. Und von dort hat man uns in ein Sammellager nach Bratislava gefahren mit dem Zug. In ein Gebäude, die, das Patronka hieß. Dort hat man Munition verarbeitet, ganz bestimmt. Und da sind noch die Landsleute gekommen, sie wollten uns vertrösten. Und sie haben uns noch versprochen, wir sollen unsern
Schmuck, also was wir noch hatten, Kettchen, Ringchen, abgeben, denn in Deutschland wird man's wegnehmen und sie werden es unseren Leuten zurückbringen. Es geschah selbstverständlich nicht so, aber wir haben alles abgegeben den Leuten, wir haben ihnen ver_, so vertraulich haben sie sich gegeben. INT: Wie viele Juden waren waren || in dem Sammellager? EA: <gibt angestrengten Laut von sich> ||| Ich kann das nicht_, und jeden Tag, ja, wir sind dann in der Früh oder am Abend oder am Nachmittag, ich weiß nicht um welche Zeit, sind wir aus diesem Sammellager, aus diesem ersten Sammellager in Viehwaggons zusammengepfercht worden und (-) da weiß ich nicht, wie wie viel Tage, wie viel Nächte
wir gefahren sind. Es war (---) vielleicht zwei, vielleicht drei Tage. Und wir, wir haben uns gesetzt auf den Boden und dort haben wir auch unsere_, ja, dort wurde auch die Notdurft ge=äh, gemacht, alles. Also schr- schr-, scheußlich. Plötzlich ist der Zug stehen geblieben, der Zug blieb oftmals stehen, denn er musste die Geleise freimachen für, für normale Züge. Plötzlich ist er stehen geblieben und die Türen wurden geöffnet. Türen, es waren (Türen) mit, mit einem Beschlag so fest geschlossen, fest gemacht. Und wir mussten rausspringen, wir sind rausgesprungen. "Los, los" hat_, haben die
geschrieen. Und wir standen vor einem Gebäude, das war das Stabsgebäude. INT: Wie sah das aus? <EA versteht nicht> Wie sah das aus? Können Sie sich erinnern, wie das aussah? EA: Ja, es war ein gepflegtes Gebäude. Dort waren Soldaten einst, äh, einquartiert. Von draußen war das ein großes Gebäude, mit Fenstern, mit, mit sauberem Putz. Und es war auch rundherum gepflastert. Aber da sahen wir ein ein Torgitter: Arbeit macht frei. <Schüttelt den Kopf> Ich hab das nicht verstanden! <Holt Luft> Man hat uns in das Stabsgebäude geführt, dort waren die <zeigt mit der Hand waagrechte übereinander Bewegungen> Betten, die (-) wie sagt man (5)
Solche Be-, eins aufm andern, wie sagt man diesen Betten? // INT: Pritschen? /// Wie? // INT: Pritschen? <EA versteht nicht> Pritschen? /// <zögerlich> Pritschen || INT: Oder Doppelbetten? ||| Nein, so, man musste mit einer Leiter hochkommen. Ja. Drei waren übereinander. Und Matratzen waren dort, weiß ich, was dort war. Wir haben uns hingelegt. So wie wir waren. Aber alles wurde uns abgenommen. Unser Essen, unsere, unsere Kleidung, alles. Und da haben wir_, und das haben vielleicht alle so erzählt, da mussten wir in einen Raum, da kamen wir in einen Raum, dort waren große Bottiche mit Wasser gefüllt, viele SS-Leute und wir mussten
unsere Sachen ausziehen vor den Soldaten! Das war, das war für uns alle, die_, ganz bestimmt etwas, was wir nicht vergessen werden und was uns bis zum Tode gekränkt und betrübt hat. Vor diesen jungen Leuten mussten wir uns ausziehen! Junge schöne Frauen, auch weniger schöne und auch weniger junge. Und wir mussten in dieses, in diese Bottiche steigen. Dort schwommen verschiedene Binden und verschiedene Fäkalien. Es war schrecklich. Es war schrecklich! Dann bekamen wir gestreifte (-) Uniformen, Jacken und Hosen. Und die
Uniformen waren von innen lauter <schluckt> diese Eier von, von den Läusen, <schluckt wieder> von den Kleiderläusen. Aber da wir_, da sie_, da diese Eier so, so flach und so_, dachten wir, sie werden doch niemals (-) lebendig. Na, wie wir uns geirrt haben! Wie wir_, wir haben uns (4) schlafen gelegt und da hat unsere Körperwärme diese Eier also zum Brüten gebracht. Da bekamen wir Läuse! <schaut angewidert> Diese Läuse zerstachen unser ganzes, unseren ganzen Körper. Und noch schlimmer war es, als wir
dieses Stabsgebäude verließen. Wir mussten es verlassen. Wir kamen nach kurzer Zeit nach Birkenau in die Baracken. INT: Wie lange waren sie im Stabsgebäude? EA: Ich kann das nicht so_. Es war eine kurze Zeit, eine kurze Zeit. Ich kann das nicht so (-) jetzt bewerten. Es war eine kurze Zeit und diese_. Jetzt fing es an, eigentlich, grausam und tödlich zu werden. Dort haben wir in solchen Kojen geschlafen, zehn, zwölf Per=äh=Personen. Mit der Kleidung, mit den Schuhen, mit allem. (4) Bevor wir noch in diese Baracken kamen,
wurden wir tätowiert. Tätowiert, das Haar geschnitten. Tätowiert. Wir bekamen eine Nummer. Meine Nummer lautete 3444. Also eine niedrige Nummer, wenn man be-, wenn man so bedenkt. Und da kam auch ein SS-Mann, sehr gut aussehend, und hat sich_, ist so stehen geblieben bei manchen Mädchen und hat sich die Nummer aufgeschrieben! Und viele gingen auch zu ihm: sie wollen auch aufgeschrieben werden. Aber er <schüttelt den Kopf> hat sich selbst ausgesucht, wen er aufschreibt, aufschreibt und er versprach uns, er wird diese Nummern, die er sich notiert hat, die wird er am nä-, am nächsten Tag aufru-, ausrufen
und die bekommen eine bessere Arbeit. Wir da-, glaubten nicht daran, aber es geschah wirklich so. Wir wurden aufgerufen und wir gingen in die die d-, Nacht-, Nachtschicht in die Bekleidungskammer. Es war soweit gut, dass wir vor dem Unwetter, vor der Kälte, vor der Nässe, vor dem Schnee geschützt waren und dass wir tagsüber auch schlafen konnten und dass wir (--) keine so schwere Arbeit hatten und ab und zu auch unsere Wäsche wechseln konnten. Wir konnten sie aus der Bekleidungskammer austauschen. Wir mussten die Wäsche stapeln. Es war vorgeschrieben, wie viel Stapeln wir machen mussten in der Nacht und tagsüber haben wir also
geschlafen. INT: Woher kam die Wäsche? // Bitte?/// INT: Woher kam die Wäsche? EA: Von den=äh, Zugängen. Die Zugänge haben ihre Wäsche gebracht, aus It-, aus Holland, aus Belgien, aus der Tschechoslowakei, aus Polen. Also diese Leute haben Wäsche gebracht. Die schönste Wäsche haben Holländer und äh, Belgier gebracht. <holt Luft> Na ja. INT: Wussten Sie, was mit den Menschen geschah? // Bitte? /// INT: Wussten Sie, was mit den Menschen geschah, deren Kleider Sie äh, äh, gewaschen haben? // Ob die Wäsche gewaschen wurde? /// INT: Nein, wussten Sie, was mit den Menschen geschah, deren Kleider Sie gewaschen haben? Mit den Transporten, was mit denen geschah. Haben Sie von den Gaskammern gewusst? EA: Wir wussten es nicht (-) direkt. Denn wir schliefen doch v-, am Vormittag. Aber später
haben wir auch gesehen, griechische F-, Mädchen aus Saloniki, aus Thessaloniki. Die sind angekommen, gleich in die Gaskammer. Die waren so ausgemährt, so, so dünn, so bettelarm, und, und unansehnlich, sie haben sie sofort in die Gaskammer geschickt. // INT: Konnten Sie das sehen oder haben Sie das gehört? /// Ich hab gesehen diese, diese griechischen Transporte, die in die Gaskammer ga-, gingen. Das war in Berkeshain, dort waren nicht unweit die Gaskammern aufgestellt. // INT: <verbessert> in Birkenau. /// in Birkenau. // INT: Erinnern Sie sich noch in welchem Jahr das war? /// <missversteht die Frage> In welche, welche Nummer? Das waren_, numeriert waren die Blocks. Also ich_, die_, ich glaube, wir haben sie auch gewechselt
laut Arbeit. Ich weiß nicht ganz bestimmt. Nur ein Block war so der befürchtete (gefürchtete) Block, dort sind=äh, Block 25, dort sind=äh Leute gekommen, die zur Vergasung, also, verurteilt wurden. Kranke, die sich auch krank gemeldet haben, die die zwar normalerweise genesen, gesund gewesen (geworden) wären, aber es waren keine Medikamente und auf ein Revier hat man niemand geschickt, nur selten jemand. Und von dort ist man auch auf den 25er gegangen, denn sie haben nicht gebraucht, sie wollten nicht die pflegen und_, diese Leute. Dezember, das war vor den Weihnachten, hat man eine
große Entlausung in Ber-, in Birkenau_, hab ich gesagt Berkeshain? // INT: Ja. /// <lächelt> in Birkenau. Eine große Entlausung. Da hat man uns alle gejagt. Ja, wir sollen uns ausziehen, draußen haben wir die Sachen gelassen und wir sind in ein=äh, es hat so ausgesehen wie in einem Duschraum, aber dort waren auch stufenweise Bänke, es war fein warm. Und da hat man uns gesagt, man kann von diesen (--) äh, Brau-, von diesen Köpfen kommt manchmal, also Gas, Zyklon B. Aber wir haben es genossen, weil es warm war und wir saßen und wir konnten uns ein bisschen wärmen. Und als ich diesen Raum verließ und
diesen_, zu meinen Sachen gegangen bin, habe ich nichts mehr vorgefunden, nur einen Männerschuh, einen braunen und einen schwarzen. Und von meinen Kleidern, also das waren auch Lumpen, aber immerhin haben sie mich ein bisschen geschützt, habe ich auch nichts gefunden. Nur so ein Lappen war dort, den habe ich über mich, also, geworfen und da höre ich jemand, der mich ruft bei Namen. Ich soll nach vorne zum Tor gehen, denn ich wurde auf-, ausgerufen. "Ich?" "Ja". Da hat mich laut meiner Kartei, wo ich meine Sch-, meine, meine Schulausbildung und meine Sprachkenntnisse, also, angegeben hab, ich wusste nicht
warum, aber ich hab die Wahrheit gesagt, und da hat mich der Doktor Caesar_. Ich hab mich so geschämt, <lacht> wie ich ausgesehen hab, aber es hat ihn nicht gestört. Er hat mit mir gesprochen und hat gefragt, wo ich das und das unterricht=äh, also, erworben habe. Und da ich ihm einige namhafte Autoren gesagt habe, hat er gesagt, gut ich werde aufgenommen in die Pflan-, ich, ich weiß gar nicht wohin. Er hat mich wieder ins Stabsgebäude geschickt, ich und noch einige Mädchen, in die Quarantäne. Das war ein Sanatorium für mich. Ich hab ein, mein eigenes Bett bekommen, dort war eine warme Dusche. Nach zehn Monaten hab ich endlich mich duschen können. Da kuck ich mich an:
ein ausgemergelter Körper, zerbissen von den Kleiderläusen. Und da bekam ich eine, ein, ein Kleidchen, ein blaues Kleidchen für_, eine Schürze, ein weißes Kopftuch und wir bekamen ein warmes Essen zu Mittag. Ja, aber wir waren alle so krank, dass uns=äh, das Essen gar nicht im Magen blieb. Wir hatten dauernd Durchfall, dauernd. Fieber. Aber wir blieben einige Wochen im Stabsgebäude zur Erholung. Wir gingen nicht zur Arbeit. Und so, dass wir uns ein bisschen <räuspert sich> wieder menschlich (---) gefühlt haben. INT: Wer war
Doktor Caesar? EA: Der Caesar war ein Sturmbannführer. Er hatte diese, dieses Kommando Pflanzenzucht errichtet und dieses Kommando hat gezüchtet eine Pflanze die hieß Kok-Sagis, die kam aus Russland. Aus Minsk haben es die Deutschen erbeutet, auch mit den, mit den russischen Arbeitern, sind sie nach Deutschland gekommen. Und diese Pflanze hat im Labor Kautschuk ergeben. Also das war schon eine große Sache. Und so hat sich der Caesar eigentlich gehalten, er hat, er hat
sich verschont vor dem, vor, vor dem Einsatz im Krieg und er hat auch viel Gutes für seine Flüchtlinge gemacht. Er hat gebaut eine neue Baracke. Mit Betten, mit=äh, mit=äh, warmen Wasser, mit einem Stubendienst, der alles saubergehalten hat und man konnte seine Wäsche auch abgeben. Das haben wir nicht gemacht, denn wir haben uns alle aus dem, der Bekleidungskammer gute Wäsche geholt und gute Decken und wir würden sie nicht zurückbekommen, wenn wir sie in die_, so haben wir lieber selber gewaschen, etwas. // INT: Sind Sie wieder zur Bekleidungskammer gegangen und haben sich || Kleider geholt? /// Nein, wir haben ||| diese, diese Sachen_. Ich weiß nicht, wie wir sie
bekommen haben. Ich weiß nicht, wie wir dazu gekommen sind, dass wir so wunderbare Wäsche bekommen haben. Ich hab Seidennachthemden gehabt, bestickte. Ja, ich hab sie nicht_, ich hab sie bekommen, aber wie? Vielleicht hat man uns diese Wäsche gebracht, einmal und das zweite Mal hätten wir sie nicht mehr zurückbekommen. INT: Erinnern Sie sich noch daran, an die Kinderkleider? Im Bekleidungslager? EA: Dort waren noch_. Damals waren dort keine Kinderkleider. Es waren Kleider, so Männerkleider, Frauenkleider. Kleider, mehr Wäsche. Mehr Hemden und, und Unterhosen, solche Sachen. Kleider weniger, und wenn dann nicht sehr (-) wohlhabender Leute. Eher so ärmerer Schichten. INT: Was haben Sie selbst getragen,
als Sie in der Bekleidungskammer gearbeitet haben? EA: Na, ich musste meine, (---) diese gestreifte Hosen. Das musste ich tragen. Ich hab nur die Unterwäsche gewechselt. Das war auch ein großer (-) Vorteil, denn Wasser war dort nicht. // INT: Wo konnten Sie sich waschen? /// INT: In Birkeshain=äh, in Birkenau überhaupt nicht. Da hatten wir nicht einmal Wasser zum Trinken. Und das ist das Katastrophale gewesen, als wir diesen Fleckfieber ha-, als wir Fieber hatten. Wir haben kein Wasser gehabt zum Trinken. Zu Waschen überhaupt nicht. (--) INT: Hat Ihnen jemand geholfen, wo sie krank waren? EA: Man hat mir nicht geholfen. Ich brauchte keine Hilfe.
Ich_. Soweit_. Die anderen waren ja auch z-, nicht gesund. Und wer könnte schon helfen? Die die Häftlinge waren (-) angeschlagen, krank, und jeden Tag sind vi-, einige von ihnen verstorben. Wenn wir so nachts zur Toilette gingen, also Toilette: es war ein Brett, es war so äh, (---) da sahen wir am Bo-, auf der lehmigen Erde tote Menschen (---), die nie mehr zurückgekommen sind zum_, in die Baracke. Ja. Später haben wir mehr keine_. Das war noch in Birkenau. Später war es so, dass wir nicht mehr die Kraft hatten, in die
Toilette zu gehen, denn das musste man in der Nacht. Bergauf laufen. Und da haben wir in die Gefäße, wo wir gegessen haben, auch unsere Notdurft gemacht. <nickt bitter mit dem Kopf> So war das. (4) Und da waren die Krankheiten vorprogrammiert. <Ende Tape 2>
INT: Frau Adler, Sie haben ja gerade davon gesprochen, (-) wenn Sie krank waren, in Birkenau, wie es Ihnen da erging. Können Sie sich da noch genauer dran erinnern? EA: Ja, wie es mir ergangen_. Kann ich schon sprechen? // INT: Ja./// Es äh, war
eine Selektion. Und ich war so verzweifelt, dass ich bei dieser Selektion zu den Ausrangierten, die in die Gaskammer (--) kamen, zu denen mich also angeschlossen hab, wie_. Da hat mich eine Aufseherin zurückgehalten, hat mir eine Ohrfeige gegeben und hat mich in die andere_, unter den Lebenden geschickt. Also, da kann man schon sehen, wie verzweifelt ich war, hoffnungslos. Ich konnte nicht mehr. Ich konnte nicht mehr. Das war vorher, bevor ich ins Stabsgebäude kam. Ich hatte nur die einzige Sehnsucht, Schluss zu machen.
(---) Und dann hab ich wieder weiter gemacht. Über die Entlausung und dann diese, diese, (4) diese_, äh, äh, als man mich vor dem Tor, also, gerufen hat, nach der Entlausung. Nur meine, meine Kartei hat mich gerettet. Weil ich dort das geschrieben habe, das diktiert habe, was ich wirklich bin (-) und war. Und das hat dieser äh, dieser äh, Doktor Cäsar verstanden. Obwohl er mich gesehen hat, wie eine Ruine. Aber ich hab sehr selbstbewusst gesprochen und es ist mir viele-, es sind mir viele Sachen eingefallen, mit denen ich
imponiert habe. // INT: Was zum Beispiel? /// Bitte? // INT: Was ist Ihnen eingefallen? /// Was mir eingefallen ist? // INT: Ja./// Mir sind eingefallen, wie ich schon g-, erwähnt habe, Autoren (-) in der, in der Wissenschaft, die ich gelesen habe. Und vielleicht waren sie ihm auch bekannt. <wiegt den Kopf> Es waren zwar tschechische Autoren, aber Kapazitäten. Und da ich das gesagt habe_. Es war nicht so ganz gewöhnlich, dass alle Häftlinge sich so geäußert hätten. Erstens hatten sie auch nicht die Vorbildung, die ich hatte, und ich habe es mit meiner letzten Kraft, die ich gesammelt habe, gesagt. Und=äh, ich wurde sofort aufgenommen, da hat er wirklich nicht können mich vergleichen,
meinen Geist mit meinem Aussehen. (---) Und er hat soweit vertraut. Äh, er selber hat=äh einen großen Schaden erlitten, seine Frau ist gest-, verstorben, sie hat diesen Flecktyphus bekommen. Und sie hat es nicht durchgestanden. Sie hinterließ 5 Kinder. // INT: Woher haben Sie das gewusst? /// Wo wir das gewusst haben? Ach, das hat sich so herumgesprochen, denn (-) ich war in einem Kommando, also dieses Pflanzenzucht-, dort waren D-, Ingenieure, Doktoren und, und wirklich Professoren mit, mit Hochschulausbildung und noch über, und=äh da äh,
da hat er eingesetzt eine Frau aus Deutschland, also per, per, dieses_. Die, die in dieser Pflanzenzucht etwas_, also als führende Person, also eine Deutsche doch, (es) können doch nicht immer nur, nur Häftlinge bl- bl-, sein. Also da musste eine Aufsicht, eine sachverständige Aufsicht sein. Und da hat er bekommen eine sehr schöne junge Frau. Sie ist gekommen, sie wusste gar nicht wohin sie k-, gekommen ist! Sie wurde, also, eingesetzt, und_ // INT: War sie Häftling? /// Bitte? // INT: War die Frau Häftling? /// Nein, das war eine Zivilfrau und auch in Zivilkleidung, alles. Mit zivilen Bedürfnissen, denn sie hat vieles nicht gehabt, und da hat sie die Häftlinge gefragt,
wo könnte sie St=äh, <lacht> Strümpfe bekommen. Und das haben wir, die Frauen alles organisiert, durch die Männer. Denn es war ja alles da. Die Häftlinge ha-, die Zugänge haben doch alles gebracht. Und die, die, die Arbeiter in den=äh, Bekleidungskammern, die haben nicht so=äh, die waren nicht so naiv wie wir, die haben gewusst, was sie sich da holen sollen. Und sie haben dafür auch etwas bekommen, selbstverständlich. Die hatten Gold, die hatten Brillanten, (-) die hatten alles. Obwohl es sehr gefährlich war. // INT: Warum? /// Warum? Weil eine unter uns, die_. Sie hieß Lili Tofler, den Namen hab ich gehört
unlängst. Bei der hat man Gold gefunden, (--) und sie musste sofort zum Tor gehen und einen Schuss bekommen. Todesschuss. Ohne_, da konnte keiner mehr äh, in=äh, intervenieren. Sie hatte in=äh, zurückgelassen ihre Kusine bei uns. Sie war auch bei uns, sie war in einer sehr guten Arbeit, sie war in, in, in der Schreibstube, und das war eine schöne Arbeit, beim Tisch. Und sie hat_. Bei ihr hat man Gold gefunden. Na ja, das war das Ende. Es war sehr_. Das Gold war für, für den deutschen Staat bestimmt. Aber es wurde (-) selbstverständlich unter Häftlinge
und unter diesen großen SS-Leuten (-) verteilt. INT: Wo haben die Häftlinge das Gold versteckt? EA: Wo die Häftlinge das Gold versteckt haben? // INT: Mhm. /// Ich weiß nicht. Aber ich glaube, sie haben es schon gut versteckt. Vielleicht in die Kleidung, vielleicht irgendwo eingenäht, vielleicht haben sie da_. Ich habe von Gold gehört nur das erste Mal, als ich=äh, als diese Lili Tofler erschossen wurde. Ja. Ich hatte auch Glück. Denn ich hatte mir_, ich wollte mir einen Sweater stricken und ich hab so Wolle gestri=äh, ge- ge-, aufgewickelt=äh abgewickelt und zuletzt war dort ein kleiner Goldring. Ich war mit meiner Freundin, mit meiner Bekannten aus der Slowakei, mit der Fanny
und da hab ich ihr gesagt: "Weißt du was. Wir werden statt diesem Goldring, werden wir uns gute Schuhe (---) also, verschaffen". Den haben wir (---) abgegeben. Ich weiß gar nicht wem. Einem, einem Häftling. Und er hat uns Schuhe dafür gebracht! Wir hatten Schuhe unterwegs, gute Schuhe, das war sehr wichtig für uns. INT: Frau Adler, wie hat die deutsche Frau, die in Zivil kam, wie hat die auf Ihren Zustand reagiert? EA: Welche deutsche Frau? // INT: Die auch mit Ihnen äh äh, bei der Pflanzenzucht gearbeitet hat, die das geleitet hat. /// Welche deutsche Frau? || es wa- // INT: Sie sa- ||| Es waren viele! // INT: Sie sagten vorhin, eine Frau hätte das geleitet. /// Ja, diese (Frau). Sie hieß mit Vornamen Ruth. Aber sonst weiß ich nicht. Wie sie es (geleitet hat)? Sie hat es überhaupt nicht geleitet. Sie hat sich da nicht ausgekannt
und sie wusste gar nicht, wohin sie gekommen ist. Es war ihr, als wäre sie in, in, in ein_, am Mond gewesen. Da hat sie plötzlich Baracken gesehen. Also unsere Baracke war noch, äh, ganz gut, neu aufgebaut. Und äh, aber sie hat, sie hat nicht mit uns können so, so offiziell sprechen. Das war nur_. Sie wurde eingesetzt eigentlich, weil jede Frau eine Arbeit für, für, für die deutsche Nation machen musste. Also so war sie. Sie wusste gar nicht, wohin sie kommt und als sie gekommen ist, war sie sehr überrascht. Aber (--) die Polinnen haben gleich mit ihr ein, ein, einen Pakt geschlossen und haben ihr angeboten Hilfe und, und haben ihr nicht nur Hilfe, auch, auch viele
Sachen haben sie ihr so (---) verschaffen, verschafft. Zum Beispiel Kleidungsstücke und ich weiß nicht was sie noch verlangt hat, vielleicht hat sie noch_, Ich weiß nicht. Aber offiziell dürften sie mit ihnen, dürfte sie mit ihnen nicht sprechen. Aber sie war sehr gut befreundet mit ihnen, weil sie Vorteile hatte. Sie hat sich doch nicht ausgekannt. Ja. INT: Als sie mit dem Kautschuk gearbeitet haben, mussten Sie noch zur Selektion? <EA beugt sich vor, versteht nicht> Mussten Sie noch zur Selektion, als sie in der Kautschukabteilung gearbeitet haben? EA: Welche Abteilung? // INT: Wo Sie mit den Kautschukpflanzen gearbeitet haben. /// Dort war keine Selektion. // INT: Gab's keine Selektion. /// Nein. Bei uns in unserem Komma-, Kommando war äh, gab es keine Selektion und es gab keinen Appell.
Es äh_. Die Haare wurden nicht geschoren, nur die ganze Zeit nur einmal. Das musste schon der, der Sturmbannfihrer, -führer [Sturmbannführer] also (4) äh, das musste er genehmigen. Wir haben das Essen bekommen in Sch-, in Kaolinschüsseln, am Tisch. Also nur eine Suppe und die Lagerkost, das Fl-, das Brot und Margarine oder so zum Abendbrot. Frühstück war_. Aber die Polinnen, die waren doch in ihrem Land, sie haben bekommen Pakete, und sie haben das Lageressen nicht gegessen, weil das ganz verunstaltet hat. Es ha-, es enthielt Brom. Damit wir so gedämpft_, damit wir nicht
viel=äh, viel=äh spekulieren können. Also es hat uns so gedämpft und, und es hat diese, unsere Psyche ganz (---) anderswo gelenkt. // INT: Woher wussten Sie, dass Brom im Essen war? /// Das wusste ich, aber ich hatte keine Wahl. // INT: Wer, wer hat Ihnen das gesagt? /// Das ist gleich bekannt geworden aus der Küche und das gibt man überall, in den=äh, Vollzugsanstalten. Es wird überall gegeben. Das schadet nicht, nur es dunst so auf. Ja. Die Polinnen, die Pakete bekommen haben, regelmäßig, obwohl dort auch, äh, wenig zu essen war, aber denen hat man geschickt, die haben
das Essen nicht gegessen. Ich habe von Anfang an, ich hab nichts anderes gehabt. Ich konnte nichts bekommen. INT: Haben Sie Hunger gehabt? EA: (---) Es war soviel anderes, dass man an Hunger gar nicht gedacht hat und an ein gutes Essen überhaupt nicht gedacht hat. Es war soviel Leid und soviel (4) Kummer und, und andere (-) Schmerzen, physische und seelische, dass, dass ich vom Hunger nicht gesprochen habe. Nur, als ich angekommen bin. Ach, das wollen Sie noch nicht hören. // INT: Doch. /// Ja? Als ich angekommen bin,
aus dem Lager, das hab ich schon gesagt. Wie es war, hab ich Ihnen geschrieben. Soll ich das wiederholen? // INT: Ich weiß nicht genau, was Sie meinen, Frau Adler. /// Bitte? // INT: Ich weiß nicht, was Sie meinen. /// Na, wie, wie überhaupt das zu Ende gegangen ist am 20. Januar 1945. // INT: Da können wir gleich noch drüber sprechen. /// Später. INT: Ja. Frau Adler, erinnern Sie sich noch an die, an die Selektionen, an denen Sie teilgenommen haben? EA: Ich hab nur an einer teilg- teilgenommen, in Birkenau. Dann kam die Selektion nicht f-, mehr für mich in Frage. Nur an einer, an=äh_. Die ich Ihnen beschrieben habe. (-) Oder vielleicht waren es auch andere, vielleicht vorher auch einige. Aber ich bin immer (-) unter den Leben-, Leben_. Weil
ich nicht so schnell, ähm, abgemagert bin. Ich hatte eine run-, ein rundes Gesicht, und das hat so, (---) das hat mehr gezählt, wie ein dicker Körper. Aber alle wa_. (-) Nein, man hat mich nicht_. Im Gegenteil, die hat mich zurückgeschickt, als ich wollte dorthin. Ich wollte schon Schluss machen. Ja, es waren einige Selektionen, jetzt erinnere ich mich. INT: Wann haben Sie erfahren oder wie haben Sie erfahren, dass Kinder in Auschwitz waren? <EA beugt sich vor, versteht nicht> Wann haben Sie erfahren, dass Kinder in Auschwitz waren? EA: Dass Kinder in Auschwitz waren. Das hat man mir gesagt. Das hat man mir gesagt, dass auch Kinder gekommen sind. Aber die sind mit den Müttern sofort in die Gaskammer gegangen.
Die haben sich dort nicht aufgehalten. Nur ein Mädchen, so, aus Holland, die hatte so zehn, zwölf Jahre, die sang wunderschön und die hat man dort eine Zeit lang geduldet. Ich weiß nicht, wohin sie dann gegangen ist, denn ich war in Birkenau und dann bin ich in die Pflanzenzucht. Ich war nicht lange mit ihr. Sie hat sehr schön gesungen. Ave Maria von Goudon, äh, Gounod, auch die Schubert A- Ave Maria hat sie gesungen. Aus Holland war sie, ein schönes Mädchen und sie war noch so gut erhalten, sehr gut erhalten. // INT: Wann hat sie das gesungen? /// Das war so in 42er [1942] noch. Ob sie dann
später gelebt hat, weiß ich nicht, denn ich sag doch, 42 [1942] Dezember bin ich schon ins Stabsgebäude. Da war ich nicht mehr mit ihr. INT: Wie sah Ihr Tagesablauf aus im Stabsgebäude, wann sind Sie aufgestanden? EA: Ja. Wir hatten keine Uhr, aber wir sind etwas später aufgestanden, als die, die zum Appell gingen. Wann, na ja, das hat sich_. Ich hab es nicht so gut_. Vielleicht ha- haben dort viele eine Uhr gehabt, aber_. Wir sind aufgestanden, wir haben, wir sind in den Waschraum gegangen, haben wir uns gewaschen, eventuell etwas auch ausge-, angewaschen als_, unsere Wäsche. Dann sind wir zum (4) Frühstück. Also, das war der schwarze Kaffee und wenn etwas Brot vom Abendbrot geblieben ist, haben wir
dazu gegessen. Und dann, äh, wurden wir angewiesen uns anzustellen und in unsere Arbeit. Also das war eine Arbeit im Feld. Dort hatten wir zwei Reihen Pflanzen bekommen, die die Männer gepflanzt haben und auch gedüngt. Und die_. Wir hatten ein, ein, ein Buch bekommen, dort war schon gedruckt, erste Blüte, wie viel Pflanzen, wie viel Blätter, erste Blätter, wie viel Blätter. Dann Bestäubung, das haben wir gemacht, mit einem Pinsel. Auch ein bisschen gehackt, um die Pflanze herum. Gedüngt haben die Männer. Na ja, und dann haben wir
beschrieben, wie viel Blüten nach der Bestäubung, vor der Bestäubung. Und die Männer haben dann die Pflanzen_. Ja, Bestäubung. Dann waren einige Pflanzen isoliert, die dürfte man nicht bestäuben. Da waren solche Kästchen auf Mull, aus Mull, gestellt. Eine gute_. Alles war, alles, alles war sehr wissenschaftlich eingerichtet und großzügig und sehr auch aufwendig. Es soll(te) so echt klingen und auch sein, dabei war der Ertrag sehr klein. Man hat noch gesprochen, zwei Räder, zwei Gummiräder sind aus einem Labor, dass Tausende, Hunderttausende von Mark gekostet haben. Wissen Sie, aber (--)
es war eine, es war eine große Sache und man k- konnte dar- davon sprechen. Man musste keinen Kautschuk einführen. Den Kautschuk haben wir im Labor mit Häftlingen und mit=äh, mit=äh, mit Kräften, die äh, (-) die dafür ausgebildet waren, alles geschafft. // INT: Wie viele haben dort gearbeitet? /// Wie lange? // INT: Wie viele? Wie viel Leute? /// Also, ich kann das nicht so ganz (beurteilen), aber da waren sicher hundert Leute. // INT: Und bis wann haben Sie dort gearbeitet? /// Bis zum 20. Januar 1945. Dann mussten wir, äh, alle das Lager verlassen. Bis auf sehr Kranke, die dort geblieben sind. Und dann sind gekommen die
Amerikaner, und die sind in die Lager gekommen und haben die Kranken untersucht und ihnen auch geholfen und, weiß ich, so. Aber das habe ich nicht mehr mitgemacht. Wir mussten weg. INT: Bevor Sie weg mussten, haben Sie da erfahren, wie weit der Krieg vorwärts gegangen war? EA: Ja, ab und zu haben wir. Wir wussten, dass es schon zu Ende geht, und, na ja, vielleicht haben es viele gewusst, auch, auch Details. Aber es hat mich soweit nicht interessiert, weil ich, ich wusste nicht, was ich damit anfangen kann. Ich habe nicht gerechnet, dass sich unsere Lage durch Ende des Krieges verbessert oder verändert. Wir dachten, wir werden alle umgebracht. INT: Wie ging die Evakuierung vor sich?
EA: Man hat uns schon eine Zeit vorher gesagt, wir werden evakuiert, und wir haben uns auch Zivilsachen_. Also ich hab gestrickt für meine F- Freundin, für mich, warme Westen. Und einige_, eine Polin, muss ich sagen, die hat mir genäht eine schöne Jacke, warme Jacke aus blauem Bouclé-Stoff und vorne hab ich gestrickt, mit so blauer Wolle. Und sie war sehr lieb, denn viele haben sie, äh, gebraucht, und sie hat allen genäht und und geholfen. Eine einfache polnische Frau, die mit uns war. Und (-) dann haben wir die Schuhe uns ver-, uns verschafft, obwohl ich gute Schuhe auch vorher hatte
Die bekamen wir, weil, das hat schon der Cäsar eingerichtet, dass wir nicht so bettelarm sind, das wir richtige Wäsche bekommen und richtige Bekleidung bekommen. Aus ästhetischen Gründen wollte er das schon. INT: Was haben die anderen Häftlinge getragen, die nicht so privilegiert waren? <EA überlegt> Es war ja Januar. EA: Es war Januar. Ja, die haben alles Zivilsachen gehabt. Ich weiß nu_. Auch die, die schon bis zum Januar überlebt haben, die haben schon eine gewisse St- Stellung im Lager gehabt, und Zugriff zu Sachen und, und Beziehungen zu denen, zu den Leuten, die diese Sachen bewirtschaftet haben. Bekleidungskammer, Schuhkammer.
Zu solchen, äh, Häftlingen haben sie Zu=äh, Zutritt gehabt. Und die haben sogar die SS-Leute bekleidet und für sie vieles verschafft. So, und wer bis dahin erlebt hat, also, konnte schon, konnte sich schon irgendwie arrangieren. Obwohl viele dort geblieben sind, krank, und verstorben (sind). Ja, die haben alle Zivilkleider, warme Jacken, warme Hosen, warme Schuhe. INT: Wie fing der Todesmarsch an? EA: Man musste sich aufstellen, vor der Baracke, ähm, und wir sind in Reih und Glied, nicht sehr_, ein bisschen lose, marschiert. Dort(hin) wo sie,
uns die SS-Leute geführt haben. // INT: Wie lange? /// Wohin war das? // INT: Ja, wohin? /// Das wussten wir nicht. Wir sind auch über Siedlungen gegangen, denn Leute haben aus den Fenstern uns, also, gekuckt. Und dann wa-, sind wir auch über Felder gegangen. Und viele wollten die rohen Kartoffeln_, denn wir haben ja nur ein Brot bekommen, auf dem Weg, wollten_, da haben die Soldaten geschossen. // INT: Wann haben die Soldaten geschossen? /// Bitte? Ja. // INT: Wann? /// Als wir aus der Reihe in die Felder gingen und rohe Kartoffeln holen wollten. Ja, sie haben uns gesagt, sie schießen. INT: Was war, wenn jemand nicht mehr laufen konnte? EA: <versteht nicht> Was man sich erlauben konnte? INT: Nein, wenn
jemand nicht mehr weiter laufen konnte? EA: Der wurde erschossen. Der blieb stehen und wurde erschossen. Ich hab es nicht erlebt. Ich hab es nicht gesehen, weil wir ein, ein Kommando waren, das, das außergewöhnlich gelebt hat, also, gelebt, wenigstens nicht krank, nicht so, nicht so ausgehungert war. <Ende Tape 3>
INT: <Mikrofon noch nicht an, sehr leise> Frau Adler, erinnern Sie sich noch an die einzelnen Stationen des Todesmarsches? EA: Ja, ich erinnere mich, als ich in Malchow_? Also erst, <Mikrofon geht an> ich erinnere mich erst an (4) an das, die Bombardierung von
von Leipzig. Wir sind so marschiert, dass wir sahen dieses große Feuer: Flammen, die uns sehr nahe schienen, weil sie so mächtig, wuchtig waren. Dort waren offene Waggons (-) und in die wurden wir_, die ha-, in die hat man uns getrieben, die SS-Leute. Und die haben sich versteckt. Wir haben nichts mehr um uns gesehen, aber die haben es auch so gemacht, dass sie sich versteckt haben, und sind auch weggelaufen viele. Denn es war mehr keine Kontrolle von der Obrigkeit. <schüttelt den Kopf> Sie konnten_.
Sie hatten schon freie Hand. INT: Wie sind Sie nach Leipzig gekommen? Sind Sie zu Fuß gelaufen? // Bitte? /// INT: Wie sind Sie nach Leipzig gekommen? EA: Wir waren nicht in Leipzig. Wir haben nur das Feuer gesehen, aber_, die Flammen, das hat_. Und da sagten uns die SS-Leute, das ist Leipzig. // INT: Und wie sind Sie bis dorthin gekommen? /// <missversteht die Frage> Das ist weit von Leipzig gewesen, das das w-, das waren sicher Vororte. Das haben die Alliierten gemacht. Die haben so bombardiert. Wir haben nur diese Flammen gesehen und wir freuten uns schon, da wir schon sicher das Ende_, äh, ja. Dann sind wir wieder weiter marschiert. Und vorher waren wir noch in Malchow. Vorher. Das ist so ein kleiner
Ort gewesen, dort sind wir, dort sind wir übernachtet. Das war auch ein Lager. Dort sind wir alle übernachtet. Und ei-, morgens, eines Ta-, den zweiten oder den dritten Tag, gingen wir so im Lager und da sah ich eine Gestalt, eine Gestalt die mir sehr bekannt vorkam. Und das war meine Mutter in einem komischen engen Mantel, mit einer großen Schaufel in der Hand und hat den Kies ge=äh, geschaufelt. Das ist so überflüssige Arbeit gewesen, aber sie haben das gegeben den neuen Häftlingen. Ja, ich, ich hab gezögert, ob ich sie begrüßen soll oder was soll ich da machen. Es ist eine andere Begrüßung in dieser
Situation wie normalerweise, würde man sich freuen und umarmen. Aber ich war eher verzweifelt, dass ich sie am Ende des Krieges hier treffe. Na, da waren wir einige Tage zusammen. Sie hat man abgeführt aus Bratislava noch mit zwei Frauen, eine jüngere und eine viel ältere. Und die waren so zusammen. Ich kannte diese Frauen, aber nicht so ganz ge-, gut. Sie wurden vom Bur-, vom Bunker verschleppt. Sie waren versteckt, und das war eine, eine sehr, äh, gefährliche Sache, sich zu verstecken. Die sind_, das wusste ich nicht, dass sie, dass diese_, in den sicheren Tod_. Die wurden vernichtet. Und wir waren da paar
Tage in Malchow und plötzlich kommt meine Mutter zu mir und sagt: "Ich muss weggehen von hier." Sag ich: "Wieso weg?" Ja ich, also die drei Landsmänninen, Frauen, die sie gekann-, mit denen sie gekommen ist, müssen weg. Die Aufseherin ha- hat mir gesagt, (-) ja, dass die weg müssen. Ein junger Soldat mit einem großen Gewehr auf der Schulter. Und da sagte ich der Aufseherin: "Ich möchte, dass meine Mutter hier bleibt. Und wenn nicht, dann möchte ich mit ihr gehen." Hat sie mir Ohrfeigen gegeben. Ich soll schweigen und ich kann mich da nicht äußern. Meine
Mutter ist weggegangen, ich hab ihr noch ein kleines Päckchen mit Zucker gegeben und noch ein kleines Päckchen mit Margarine, das mir geblieben ist. (-) Und hab sie nie mehr wieder gesehen. <Schüttelt den Kopf> Man hat sie_. Der junge Soldat hat sie erschossen. Er hat solch einen Befehl bekommen. Noch die letzten Tage haben sie gesunde Menschen erschossen. Meine Mutter war nicht alt. 53, 54, so irgendwie. <seufzt> Ja. Und als ich dann diesen, diesen Marsch gemacht habe, es war sehr anstrengend, da hab ich mich so manchmal vertröstet, so blöd vertröstet: Das hätte meine Mutter nicht ausgehalten. Sie wäre sicher
vor meinen Augen erschossen worden. (--) Na ja. INT: Wie ist es dann weiter gegangen? EA: Dann sind wir noch (--) gewandert, gehungert, waren müde, und dann sind wir in so einen Bauernhof gekommen und sag- man sagte uns wir sollen (-) auf das Dachgeschoss (-) schlafen gehen // INT: Wer sagte das? /// Bitte? // INT: Wer sagte das? /// Also, der SS-Mann, der uns begleitet hat. Er hat, er hat einen Wagen gehabt, äh, den die Häftlinge gezogen haben, dort hat er Lebensmittel verwahrt und ich weiß nicht was noch, aber er sagt, wir sollen_. Wir sind
auf dem Boden schlafen gegangen, dort war Heu, nein, dort war Stroh. Als es hieß, morgens, weiter zu gehen, bin ich und meine Freundin dort geblieben im Heu. Er ist zwar raufgekommen, hat gestochert mit dem Stock, aber hat uns nicht gefunden oder wollte uns nicht finden, er wollte schon auch weniger Häftlinge unter sich haben, in Obhut haben. Wir sind dort geblieben. Dort wir waren nicht allein, dort ist ein_, (---) dort sind einige Soldaten, die von der_, nicht SS-Leute, sondern_. Wie hießen die anderen? Die sich so gut ausgegeben haben, SA-Leute? Von der Wehrmacht. Aber die
waren ebenso grausam wie die anderen. Nur haben sie ein besseres Image bekommen. Aber die sagten uns, wir sollen zu ihnen gehen, mit ihnen. Wir waren, äh_. Sie haben dort große Orgien jeden Tag, jede Nacht gemacht und morgens haben sie uns einen Haufen fettes Geschirr gelassen, Töpfe, äh (---), weiß ich, Teller und und. Das mussten wir morgens waschen. Das haben wir auch gemacht. Ja und die haben gekocht, wir haben etwas Kartoffeln geschält, aber wir haben auch von der Gulaschkanone etwas zu essen bekommen. Und sind immer weiter gefahren, die haben an den Ba- Bauernhöfen Halt gemacht, auch mit uns. Die haben gegessen, sich
unterhalten mit den Frauen und wir mussten wieder viel Geschirr und viel Töpfe putzen, reinigen. Ja, wir hatten ja nichts anderes zu tun. INT: Aber wohin sind Sie weiter gefahren? EA: Ich weiß nicht, wie diese Dörfer hießen. Ich weiß nicht. Eines_. Dann haben wir gesagt, meine Freundin hat gesagt: "Weißt du was, wir gehen nicht mehr weiter mit denen. Wer weiß, was die vorhaben". Aber sie hab-, sie haben uns gesagt, was sie vorhaben, sie wollten uns vorzeigen, wie, wie human sie uns behandelt haben. Aber wir haben ihnen nicht geglaubt und wir haben gesagt, wir bleiben schon zurück, wir gehen nicht. Sie haben uns gerufen, geru-, wir sind nicht mehr gegangen und da sind wir so ein bisschen (4)
äh, zur Tschechoslowakei, so. Und es kam mir so bekannt vor, diese kleinen (-) ländlichen Plätze. Und da haben wir auf ein Häuschen geklopft, es wurde uns geöffnet und eine alte kleine Frau hat uns rein gelassen. Wir haben nämlich äh, kein, kein, keine Furcht_, diese Leute haben keine Furcht vor uns, denn wir waren keine Typen, die bedrohlich gewirkt hätten. Und sie hatte eben Pellkartoffeln und Mayonnaise, die hat sie uns gegeben, wir haben gegessen. Und sie hat_. Wir haben nicht gefragt, wie es weitergeht, aber sie hat gesagt,
wir werden uns die Haare waschen und hat uns in Federbetten gelegt. Wir haben gut geschlafen, nach vier Jahren endlich einmal im Bett, und in einem Federbett. Und morgens hat sie uns noch (--) Zigaretten mitgegeben. Wir haben das nicht sehr geschätzt, wir dachten, lieber Kartoffeln, aber_. Ich wusste nicht, dass es einen solchen Wert hat. Es hatte einen großen Wert, wie ich später wusste. Ja und (--) dann kamen wir zum Prager Bahnhof, dort ging, war ein Zug mit einer Lokomotive. Und wir, wir stiegen ein in die Ma- Lokomotive und fragten, wohin der Zug fährt: nach Bratislava. Na, dann ist doch alles
in Ordnung. Wir wollten eben nach Bratislava. Und die ganze Zeit standen wir auf den_, auf der Treppe. Fünf oder zehn Stunden, ich weiß nicht wie lange, standen wir dort und wir kamen nach Bratislava. In Bratislava angekommen_ äh. Sie wollen schon Schluss machen. In Bratislava angekommen, haben mich schon einige Bekannte gesehen auf der Straße und haben mir gesagt: "Ihre Schwester, äh, kommt jetzt zum Mittag" <das Mikrofon wird neu justiert> aha, das muss beim_, mit der Stimme sein. "Ihre Schwester kommt zum Mittag hier in dieses Gemeindehaus, dort bekom-, dort können Sie auch Mittag essen". Das haben wir Mittag gegessen und ich hab noch soviel Brotkrumen dort gesehen, ich wollte sie aufheben.
Ich war doch nicht_, (ich war) gewohnt, alles aufzuheben und zu essen. Aber da kam meine Schwester und hat gesagt: "Das kannst du hier nicht machen!" Sag ich: "Wieso nicht?" "Nein, das kannst du hier nicht machen! Wir werden Brot kaufen" und so weiter. Und, na ja, dann sind wir auseinander mit meiner Freundin, die hat gesagt, sie hätte hier Bekannte, sie wird zu ihr- zu ihnen gehen und ich bleib bei meiner Schwester. Sie hat_, meine Schwester hat für meine Freundin ein Kleidchen gegeben und mir ein, ein Kleid. Wir haben uns_, also dann sind wir auseinander gegangen. Wir haben lange von u- voneinander nicht gehört, ich wusste nur soviel, dass sie nach Israel ausgewandert ist. Aber bevor sie nach Israel
ausgewandert ist, hat sie mich noch nach Karlsbad eingeladen, zu ihrer Schwester. Von der Fanny, von mein-, zu ihrer Schwester. Dort war ich eins oder zwei Tage. Wir haben uns auch, also, seither nicht gesehen, bis im Jahre 1970 bin ich, hab ich meine Schwester in Haifa besucht, in Israel und auch zu dieser meiner Freundin gegangen. Dort war ich eine Woche bei ihr. INT: Wie hat Ihre Schwester den Krieg überlebt? EA: Meine Schwester blieb in Bratislava, bei der Familie, wo auch meine Sch- meine Mutter war. Sie hat sich
mit_, ja, sie hat einen jungen Mann, den_, später Ehemann, dort kennen gelernt, der so geschickt war, dass ihn ein, ein Fabrikant, ein Ölfabrikant in seinem Büro schwarz, also schwarz, äh, arbeiten ließ, aber gut bezahlt hat, korrekt war. Weil er talentiert war, er war ein sehr talentierter Mann, er lebt noch. Und, also so haben die sich, so haben sie sich kennen gelernt und und_. INT: War Ihre Schwester versteckt? <EA beugt sich vor, versteht nicht> War Ihre Schwester versteckt? EA: Ob sie ver_? // INT: Ob sie in einem Versteck war, in Bratislava? /// Ja, sie war im Versteck. Sie war im Versteck. Und dieser, ihr später- späterer Mann war ja auch versteckt. Aber er hat
gearbeitet, so ganz illegal bei diesem Fabrikan- Ölfabrikanten. INT: Sind Sie in Ihren Heimatort Wagneustadt zurückgekehrt? EA: Ich war dort einmal nur zu Besuch, äh, bevor ich mich, äh, ja, wo_. Ich war schon in Bratislava ansässig. Mit meinem Mann zwar bekannt, noch nicht verheiratet. Wir hatten Schwierigkeiten in den Papieren, er hatte Schwierigkeiten mit den Papieren. Und einmal war ich mit meiner Schwester in Wagneustadt. Aber ich hab_, nicht um dieses zu besuchen, nur so waren wir da. Die Leute, die unser <Mikrofon wird justiert> Vermögen
<sucht nach dem richtigen Wort> also genommen haben, das ist dort geblieben. Das ist fast verständlich. Und sie dachten, sie hatten große Angst, wir kommen und wir holen uns die Sachen. Wir haben nichts geholt, wir sind gar nicht in die Wohnung gegangen, haben nur draußen_, haben uns das so_, die letzten Blicke haben wir noch geworfen. Nichts verlangt, obwohl dort Vieles und Wunderbares geblieben ist. Aber, <schüttelt den Kopf> wenn meine Mutter und mein Bruder nicht da waren, konnten diese Sachen nichts auswiegen. Wir haben keinen Anspruch gestellt und sie waren auch froh, dass es, es so friedlich au=äh be=äh, also (--) zu Ende gegangen ist. Und sie waren_, jetzt konnten sie schon alles
genießen. INT: Wann haben Sie Ihren Mann geheiratet? EA: November 46 [1946] // INT: Und wie hieß Ihr Mann? /// Wie er || hieß? INT: Wie war der Name Ihres_. Ja. ||| Mit dem Namen? // INT: Ja. /// Ernst. Ernst Adler. INT: Haben Sie Kinder? <EA zögert> Haben Sie Kinder? EA: Ob ich Kinder hab? Mein Sohn ist doch da. // INT: Wie heißt Ihr Sohn? /// Andreas. /// INT: Und wann ist er geboren? /// 28. Dezember 48 [1948] INT: Frau Adler, was Sie erlebt haben in Auschwitz, wie hat Sie das beeinflusst, als Sie selbst ein kleines Kind hatten? Haben Sie oft daran gedacht? EA: Als ich dieses, diesen, dieses kleine Kind hatte.
Leider ist es mir erst jetzt so_, (---) jetzt fühl ich das erst jetzt, dass ich nicht die beste Mutter war. Ich war sehr, ich war sehr unglücklich. Ich hatte nicht die Freude, die ich als eine unbeschädigte Frau hätten, hätte haben sollen. Später war er_. Als kleines Kind hab ich nicht gewusst, was mit ihm anzufangen. Und ich war auch unglücklich, dass er vielleicht auch so ein Schicksal haben wird, wie ich. Und deshalb hab ich mich mit Händen und Füssen gespreizt, weitere Kinder zu haben, in die Welt zu setzen. Ich fand es so grausam und es hat mich
so lange begleitet, dass ich nicht, nicht darüber hinweg kommen konnte. Obwohl ich, wie Sie sehen, eine Privilegierte, privilegierter Häftling war. INT: Haben Sie mit Ihrem Sohn später darüber reden können? EA: Nein, ich hab nie darüber gesprochen. Ich hab nirgendwo darüber gesprochen. Ich wollte nicht diese Zeit in, in, in Erinner-, in Erinnerung mir bringen, und ich hab mich geschämt, dass ich mich so, eigentlich dass ich mich so unterkriegen lassen konnte. Dass mich solche primitive Leute_, also das waren doch meine Landsleute, die mich verschleppt haben, dass mich so primitive Leute verschleppt haben, die, die, die sich gar nicht mit mir
vergleichen können. Und wirklich nur durch meine, meinen Willen und durch meine Bildung_, vor sechzig Jahren war doch nicht so gängig, dass jemand ein Abitur hatte, aus dem Gymnasium und noch eine Überbauschule. Dass das mich gerettet hat. Sonst könnte ich, wäre ich nicht überl-, hätte ich nicht überlebt. Denn ich hatte keine solche Ellbogen. Wie viele! Gott sei Dank. INT: Frau Adler, habe Sie noch irgendein persönliches Wort oder eine Botschaft, was Sie gern weitergeben möchten, jetzt am Ende || der Arbeit? EA: <lächelt> Das ||| haben wir schon darüber gesprochen, soll ich es sagen? // INT: Wenn Sie möchten. /// Ja? Finden Sie es, äh_? Jemand müsste es sagen, vielleicht. (4)
Ich hab Schwierigkeiten mit dem Wort Holocaust seit der Zeit, wo ich in den Frankfurter Jüdischen Nachrichten gelesen habe, dass dieses Wort aus dem Griechischen kommt und dass es ein, eigentlich eine "Brandopfergabe" bedeutet. Und das kann man nicht in "Holocaust" übersetzen, das ist ganz etwas anderes. Das ist ein Ritual, (---) den, den man mit Hingabe, (-) mit viel Mystik (-) und freiwillig gemacht hat. Holocaust ist ein (--) ein Massenmord an unbewaffnete
(---) nicht nur unbewa-, hilflose (-) Menschen, von Greisen bis zu, bis zu den Säuglingen (---) und man kann gar nicht dieses verschobene Wort, in der Poetik nennt man das Euphemis- Euphemismus, in ein so großartigen Archiv (-) geben, denn (---) die Enzyklopädisten, die sehr akribisch mit den Worten umgehen und viel (---) mit den Worten, also, machen,
was_, wie würden sie dieses Wort Holocaust tsch=äh, werten. Und es gibt genug Philologen auf der Welt und da, äh, möchte ich ansprechen, die Philologen, die soviel in der Ivrit-Sprache [Hebräisch] kreiert haben. Ich hab gelesen, wie ein Mann namens Israel_, aber das ist sein Deckname, er hat einen anderen Namen, den ich schon vergessen habe. Er hat ganze Kisten von Papieren, äh, gesammelt und no-, bei der, bei der, bei der Kreation neuer
Worte. Er hat lateinische, griechische, spanische, Ladino und andere Sprachen in Anspruch genommen und hat auf jedem Papier jedes Wort so auseinander gemacht, dass er sogar den Klang in Anspruch, in, in_, berück- berücksichtigt habe- hat. Und hat zwei, drei Worte als Probe hingeschrieben: sucht euch aus, aus, welches euch am Besten gefällt. Also wenn man so mit einem Wort umgeht, und das machen diese Wissensch=äh, Wissenschaftler und Philologen alle, dann kann man kein Wort, so, Holocaust, sagen. das ist ein Wort, das mich verletzt im, im
im (5) Bezug auf die Wirklichkeit, die geschehen ist. Bezug auf die Wirklichkeit, ja. Und ich möchte sagen, dass gute Philologen vielleicht ein Wort in Hebräisch kreieren könnten, das verständlich, aber auch sehr emotional wirkt. Und das das wird vielleicht gelingen. Soviel nur, meine ganz (-) persönliche, aber (3) sehr (4) nicht fachmännische Ans- Ansicht. Ist das zu lang gewesen? <Ende Tape 4>
<Im Bild sind Edith Adler und ihr Sohn Andreas Adler zu sehen> KAM: Okay. INT: Frau Adler, wollen Sie Ihren Sohn vorstellen? EA: Ich versteh Sie nicht. // INT: Frau Adler, wollen Sie Ihren Sohn jetzt vorstellen? /// Ob ich was meinen Sohn? // INT: Vorstellen. Sein Name. /// Ja, ich
mache schon. // INT: Hmhm. Jetzt. Sie können jetzt anfangen. /// Ja? Mein Sohn, Andreas Adler ist (-) Internist, hat in Bratislava (-) das Gymnasium mit lauter Einser beendet, die Hochschule_, Medizin studiert, fast mit summa cum laude. Hat auch ein Stipendium bekommen, aber nicht ein soziales Stipendium, sondern, äh, ein_, es war ein Stipendium als Vorzugsschüler.
Hat in Bratislava_. Wo hast du gearbeitet, ja, in Biskupice. // AA: <leise> Nein. /// Wo? // AA: In Prievoz. /// Wo? // AA: : <leise> In Prievoz. Ist ja nicht so wichtig. /// || Ah, ja in Prievoz. // AA: Ist nicht so wichtig. ||| Hmhm, Prievoz. Prievoz hat er gearbeitet. Als Arzt. Im Jahre 1977 sind wir nach Deutschland (-) umgesiedelt. Hier hat er an der Holzhausenstraße (-) gearbeitet als Assistent und hat dort seinen Titel als I- Internist, seine Prüfung gemacht als Internist. Also diesen Titel hat er in Deutschland erwo- erworben. (4)
Mein Bezug zu meinem Sohn: Ich hatte immer große Freude, ich war immer sehr stolz auf ihn als Vorzugsschüler. Und auch als Sohn. Der beste Sohn, der beste Schüler. Wir waren eine Familie, die viel zuei-, Zuneigung (--) zueinander hatten. Wir haben uns sehr geschätzt, alle haben wir wunderbar gearbeitet, alle auf eins. Sowohl mein Mann, mein Sohn als auch ich in der (-) in der Schule, als Lehrerin. Mein Sohn hat geheiratet im Jahre
1985. Da sind zwei Kinder, Michael und Alexander. Michael ist 8, Alexander ist 6. Michael geht zur Schule, Alexander geht in_, ist im Kindergarten. Beide sind musikalisch sehr begabt, sie nehmen Unterricht am Klavier. Es sind sehr folgsame, aufgeschlossene, gescheite Kinder.
Mein Sohn arbeitet in einem, ähm, wie sagt man das? Untersuchungsstelle? Eine ärztliche Untersuchungsstelle, dort arbeitet er als Internist. Er hat viele Hobbys. Mit viereinhalb Jahren hat er von selbst Le- Lesen gelernt. Und da ihm das Schreiben keiner beigebracht hat, hat er in Blockschrift geschrieben, aber Buchstaben unter, unter, unter sich, so wie die Japaner. Er wusste nicht, dass es in der Reihe_. Mit sieben Jahren, noch nicht sieben Jahren, ging er zur Schule und er hat schon als Geschenk bekommen einen Roman, einen wunderbaren
Roman: Großmütterchen. Andere Kinder haben nur solche Leporello, solche Bilder bekommen, er hat einen, einen Roman bekommen, ein Buch, das er oft gelesen hat und das sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene ein wunderbares Buch ist. Er hatte viele Hobbys, wie ich schon erwähnt habe. Er ist sehr belesen, (---) er ist in der Hi- Geschichte bewandert, <AA schüttelt belustigt den Kopf> so bewandert, dass er (-) in der, im, in der Schulklasse den Professor oft vertritt, und der überließ ihm den Vortrag in der Geschichte.
<AA schüttelt amüsiert den Kopf, lacht, EA strahlt stolz> Ja, das ist wahr, das || hast du mir doch gesagt! // AA: Ja gut, ist aber nicht wichtig. <Int lacht> ||| Dann ist er ein großer Numismatiker. // AA: <leise> Ach lass das, mh, zu viel. /// Ein großer, äh, (6) Briefsam=äh, Briefmarkensammler. Aber mehr von der Numismatik. Er hatte in der Tschechoslowakei_. Er ging auf Auktien (Auktionen) in der Nacht, mit seinem Vater. Und hat dort die wunderbarsten Sachen gekauft, da er so gut f- Geschichte beherrscht, kon-, wusste er auch, was er zu kaufen hat. Und dieses Hobby pflegt er noch bis heute. Aber nicht in der Tschechoslowakei, sondern hier. Vielleicht sind die Münzen auch in der Tschechoslowakei noch? Ja.
AA: Nein. EA: Da er_. Was noch? // AA: <scherzt leise> Das genügt. /// Er || AA: <scherzt> Noch nicht. ||| spricht Englisch, || AA: <lacht> Gut. ||| davon hat er eine Staatsprüfung, || AA: <lacht> Gut. ||| er spricht Französisch, Deutsch, Russisch und liest fast in allen europäischen Sprachen || AA: <lacht belustigt> Gut. ||| das bedeutet, Latein, äh, Italienisch, Spanisch. // AA: Gut. <murmelt lachend> Jetzt reicht's. <raunt ihr zu, lacht und scherzt> Bin ich dazu gekommen, um das zu hören? /// Was soll ich noch sagen? <AA lacht> Ich weiß nicht mehr. // AA: <lacht> Gut, das genügt, denke ich. /// <Bild 1> INT: <flüstert> Sie können anfangen. EA: Hier ist die Liste, wo (---)
die versammelten Frauen, jüdischen Frauen aus Wagneustadt [Var. dt: Waag-Neustadt, Neustadt an der Waag, Waag-Neustadtl, tschech: Nové Mesto nad Váhom, ung: Vágújhely] nach Bratislava fuhren und sie in der Patronka versammelt wurden. Das war so ein Sammellager, von dort hat man uns wieder weiter versandt in (--) Viehwaggons nach Auschwitz. <Bild 2> Da die Liste nicht vollständig war, haben noch einige Frauen gefehlt, ich bin dort dazugeschrieben worden, als Ergänzung der Zahl. Aber es ist auch geschehen so, dass (-) hier der
Rabbiner aus Wagneustadt einen Bruder hatte, der auch Lehrer war, so wie ich. Und er wollte seinen Bruder einsetzen als Lehrer an die Volksschule. Und da musste ich weg, obwohl ich größere Chancen hätte. Als gebürtige Wagneustädterin hatte ich das Anrecht, das Vorrecht in der Schule dort zu unterrichten. INT: An welcher Stelle stehen Sie auf der Liste? EA: An der Stelle_. Ich stehe dort an der Stelle acht. <Bild 3> Dieses Dokument hat mein Mann erhalten,
da er seine Praxis im Rath- im Rathaus hatte in Bratislava, haben ihm das Freunde ausgesucht und zur Verfügung gestellt. Es ist eine Unterschrift, eine Bestätigung eines deutschen und eines slowakischen (--) Amt(es). Also eine Urkunde. <Bild 4> Am Bild bin ich, also Edith Adler, ungefähr im Jahr 1946. Es war ein Mantel das ich noch vor dem Krieg zurück gelassen hab und ihn erst jetzt wieder getragen habe.
INT: Wo haben Sie den Mantel gefunden? EA: Meine Schwester, meine Schwester hat diesen Mantel bewahrt. <Bild 5> Es ist ein Foto unserer kleinen Familie. Da ist mein Mann, mein Sohn und ich im Jahre 1949. Es ist=äh, geknipst worden auf der Terrasse des Krankenhauses, wo mein Mann, als=äh, gearbeitet hat. <Bild 6> Mein Mann und ich auf einer Bank in den fünfziger Jahren. <Bild 7> Ein Foto
von mir, ich erinnere mich nicht an das Jahr. Hm. <Bild 8> Was ist das für ein Foto? // INT: Ihr Sohn./// Mein Sohn, hmhm. Aha. // INT: Sie können anfangen. /// Mein Sohn im Jahre 68 [1968] in Paris. <Bild 9> Meine Schwiegertochter Jarmila. Meine zwei Enkelkinder, Michael und Alexander. Aufgenommen im Jahr
1995. Das hat sicher mein Sohn gemacht. <Interview-Ende>
Abläufe in den Lagern
Abzeichen und Armbinden
Antisemitismus
Auschwitz (Polen : Konzentrationslager) (*)
Auschwitz II-Birkenau (Polen : F790Vernichtungslager)
Bekleidung in den Lagern
Berufe des Interviewten
Beschlagnahme von Eigentum in den Lagern
Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden
Bombardierungen
Bratislava (Tschechoslowakei)
Bratislava-Patronka (Tschechoslowakei : Konzentrationslager)
Deutschland 1945 (1. Januar - 7. Mai)
dokumentarische Beweise für den Holocaust
Dokumente und Artefakte (Fotos) 1942
Dokumente und Artefakte (Fotos) Kriegszeit
erfolgreiche Fluchten während der Todesmärsche
Essen/Ernährung
Familienfotos (Nachkriegszeit) (Fotos)
Familienleben
Familienunternehmen
Flüchtlinge, polnisch
Fotografien (Fotos) 1946
Fotografien (Fotos) 1949
Fotografien (Fotos) 1950er
Fotografien (Fotos) 1968
Fotografien (Fotos) 1995
Fotografien (Fotos) Nachkriegszeit
Fotografien von Interviewten (Fotos)
Häftlinge, holländisch
Häftlinge, weiblich
Häftlingstätowierungen
Hashomer Hatzair (sozialistisch-zionistische Jugendorganisation)
Hilfe in den Lagern
Hilfe: bevorzugte Behandlung
Kenntnis von Massenmorden
Kenntnis von politischen oder militärischen Ereignissen
klandestine wirtschaftliche Aktivitäten in den Lagern
Kontakt mit Häftlingen
Kontakt mit nahestehenden Personen, erneuter
kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten
Lageraufnahmeverfahren
Lebensbedingungen in den Lagern
Makkabi Weltunion
Malchow (Deutschland : Konzentrationslager)
Mitglieder der Hlinka-Garde
Mitglieder von SS/SD
Nachkriegsreflexion über Holocaust- und/oder kriegsbedingte Erfahrungen
Nahrungszusätze
Nové Mesto nad Vahom (Tschechoslowakei)
Polen 1941 (21. Juni) - 1945 (7. Mai)
Polen 1942
Polen 1945 (1. Januar - 7. Mai)
psychologische Reaktionen auf Holocausterfahrungen
Razzien gegen Juden
Routen der Todesmärsche
sanitäre und hygienische Bedingungen in den Lagern
Schicksal nahestehender Personen
Schuhe in den Lagern
Selektion in den Lagern
Soldaten, deutsch
Sport und Spiele
Stubnianske Teplice (Tschechoslowakei)
Synagogenbesuch
Tauschhandel in den Lagern
Tod von nahestehenden Personen
Todesmärsche
Transport aus Bratislava - Patronka (Tschechoslowakei : Konzentrationslager)
Transport aus Malchow (Deutschland : Konzentrationslager()
Transport nach Auschwitz (Polen : Konzentrationslager)
Transport nach Malchow (Deutschland : Konzentrationslager)
Transport von Auschwirtz II-Birkenau (Polen : Todeslager)
Transporte, Transportmittel
Transportvorbereitungen
Tschechoslowakei 1918 (11. November) - 1939 (14. März)
Tschechoslowakei 1939 (15. März) - 1944 (18. März)
Tschechoslowakei 1942
Tschechoslowakei 1945 (10. Mai) - 1948 (19. Februar)
Tschechoslowakei 1945 (10. Mai) - 1992 (31. Dezember)
Vorstellung von Freunden und/oder Familienangehörigen
Wiedererlangung verlorenen Eigentums
Zivile Zwangsarbeitsaufseher, deutsch
Züge, Fracht-
Zwangsarbeit in den Lagern
Zwangsarbeit: Dienstleistungen im Lager
Zwangsarbeit: Landwirtschaft
Bekannte Agatha Fischer*
Brüder Ernõ Steinmann
Brüder Jenõ Steinmann
Cousins/ Cousinen, mütterlicherseits Lazi Porjesz
Cousins/ Cousinen, mütterlicherseits Iboja
Cousins/ Cousinen, mütterlicherseits Inge
Cousins/ Cousinen, mütterlicherseits Itschko
Cousins/ Cousinen, väterlicherseits Sonja Szuran
Cousins/ Cousinen, väterlicherseits Roschi Szuran
Cousins/ Cousinen, väterlicherseits Mischa Szuran
Cousins/ Cousinen, väterlicherseits Anna Szuran
Ehemänner Ernst Adler
Enkel Michael Adler
Enkel Alexander Adler
Gefangene Lili Tofler*
Großmütter, mütterlicherseits Porjesz
Haushaltshilfen Valerie*
Interviewer Ute Mueller
Interviewte Edith Adler
Mütter Stephanie Steinmann
Onkel, mütterlicherseits Arpat Porjesz
Onkel, mütterlicherseits Emil Porjesz
Onkel, mütterlicherseits Armin Porjesz
Rabbiner Weisz
Rabbiner Frieder
Schwestern Viola Steinmann
Schwestern Alice Hutter
Söhne, leiblich Andreas Adler
sonstige Beziehungen Selmowitsch*
SS/ SD-Personal Czesar*
Tanten, mütterlicherseits Anna Porjesz
Tanten, mütterlicherseits Aranka Porjesz
Tanten, mütterlicherseits Margit Porjesz
Tanten, mütterlicherseits Olga Porjesz
Tanten, mütterlicherseits Erschi Porjesz
Tanten, mütterlicherseits Ilona Porjesz
Tanten, väterlicherseits Berta Szuran
Tanten, väterlicherseits Josephin Szuran
Väter Samuel Steinmann