Das Projekt „Zeugen der Shoah“

Das Projekt „Zeugen der Shoah“ ermöglicht die pädagogische Arbeit mit lebensgeschichtlichen Video-Interviews aus der Sammlung der  USC Shoah Foundation. Die Bereitstellung einer DVD-Edition sowie verschiedener Unterrichtsmaterialien ermöglicht Schüler/innen und Lehrenden in verschiedenen Schulformen eine intensive Auseinandersetzung mit den videografierten Erinnerungsberichten.

Die Arbeit mit Videozeugnissen schult vielfältige Kompetenzen und fördert einen selbständigen Umgang mit interaktiven Medien. Die bereitgestellten Materialien ermöglichen eine produktive Verbindung eines vielfach abstrakten Wissens über Prozesse von Ausgrenzung und Verfolgung mit einem persönlichen Zugang zu den Erfahrungsgeschichten von Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung.

Die Angebote wurden zunächst zwischen Mai 2008 und Mai 2012 im Rahmen des von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) geförderten Projektes "Zeugen der Shoah. Das Visual History Archive in der schulischen Bildung" in Zusammenarbeit mit den  Fachdidaktiken der Freien Universität und dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg entwickelt. Die Transkription von etwa 900 deutschsprachigen Interviews und die Transkription und Übersetzung von 50 anderssprachigen Interviews war eine Teilaufgabe dieses Projektes.


Von 2011 bis 2014 wurden zudem die Angebote im Rahmen des Projektes "Zeugen der Shoah. Video-Interviews in der schulischen Bildung" auf die besonderen Bedürfnisse von Sekundar- und Oberschulen hin weiterentwickelt. Gefördert wurde das Projekt von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms   "Toleranz fördern - Kompetenz stärken " und der Conference on Jewish Material Claims Against Germany .

Von 2015 bis 2017 wurden in dem Projekt „Zeugen der Shoah. Lehren und Lernen mit Video-Interviews“ Lehrende mit den Unterrichtsmaterialien, die in den vorhergehenden Projekten entwickelt wurden, vertraut gemacht. Im Rahmen von bundesweiten Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer erhielten die Teilnehmer/innen einen Einblick in die didaktischen und methodischen Konzepte und die historischen Hintergründe der Arbeit mit Video-Interviews und entwickelten eigene Konzepte zur Einbindung der Materialien in den Schulunterricht. Das Projekt der Freien Universität Berlin wird von der Conference on Jewish Material Claims Against Germany gefördert.

In Kooperation mit
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Gefördert durch
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Die Transkription der Interviews an der Freien Universität Berlin

Um die Videointerviews der USC Shoah Foundation besser für Forschung und Lehre an den Universitäten, aber auch für die pädagogische Arbeit in Schulen nutzbar zu machen, wurden in den Jahren 2008 bis 2013 an der Freien Universität im Rahmen des von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin geförderten Projekts „Zeugen der Shoah“ etwa 900 deutschsprachige Interviews mit knapp 2.000 Stunden Gesamtdauer transkribiert.

Außerdem wurden etwa 50 anderssprachige Interviews aus dem Visual History Archive transkribiert und ins Deutsche übersetzt. Die Auswahl dieser Interviews bildet den Bestand der Interviews mit Zeug/innen des Holocaust im Visual History möglichst repräsentativ ab, und zwar in Hinblick auf die Verfolgungshintergründe und -erfahrungen, Herkunftsländer und Interviewsprachen. Die Auswahl betont somit auch die Stimmen- und Perspektivenvielfalt der Interviewsammlung.

Es sind vielfältige Anwendungen der Transkripte und Übersetzungen vorstellbar. So ermöglichen sie die Volltextsuche in den Interviews. Zusammen mit der von der USC Shoah Foundation vorgenommenen Verschlagwortung der Interviews erweitern sie somit die Recherchemöglichkeiten. Außerdem können die Transkripte bei Verständnisschwierigkeiten zur Erfassung des genauen Wortlauts der Interviews genutzt werden. Nicht zuletzt können sie als technikunabhängige und weniger "flüchtige" Unterstützung bei der Beschäftigung mit den Interviews dienen.

Wer hat die Transkripte erstellt?

Für die Organisation und Durchführung des Transkriptionen und Übersetzungen waren im Projekt „Zeugen der Shoah“ Bernd Körte-Braun (Projektmanagement) und Sigrid Abenhausen (Projektkoordination) verantwortlich. Angefertigt wurden die Transkripte und Übersetzungen nach einem eigens für das Projekt von Dr. Helga Woggon erstellten und von Ulrike Granitzki zur Veröffentlichung überarbeiteten Regelwerk. Mit diesen Richtlinien wurden folgende Ziele verfolgt: Die Transkripte und Übersetzungen entsprechen wissenschaftlichen Minimalstandards und sind dabei gut lesbar. Sie folgen einheitlichen Regeln und sind gut durchsuchbar. Bei Bedarf können sie automatisch bearbeitet werden, z.B. durch das Ausblenden bestimmter Zusatzvermerke. Nicht zuletzt sollte die Verschriftlichung der Interviews die interviewten Personen in ihrer je eigenen Sprecher/innenpersönlichkeit wiedergeben.


Eine ebenfalls im Projekt von Achim Hoch speziell für die Transkription entwickelte Software berücksichtigte wichtige Regeln und besorgte zudem automatisch die Segmentierung der Transkriptionen entsprechend der einminütigen Segmentierung der Videointerviews. Angefertigt wurden die Transkripte und Übersetzungen von insgesamt über 100 externen Transkriptor/innen und Übersetzer/innen.

Beim Qualitätsmanagement wurde auf korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung, die Einhaltung der Transkriptionsrichtlinien sowie die korrekte Schreibung von Namen, z.B. von Personen, Orten, Organisationen geachtet. Außerdem wurde die Übereinstimmung von Text und Video geprüft. Dabei wurde besonders auf bei der Transkription unklar gebliebene Stellen geachtet. Bei den Übersetzungen wurde zusätzlich auf die Korrektheit und Angemessenheit der Übertragung ins Deutsche geachtet.

Jedes Transkript eines Video-Interviews stellt eine Interpretation dieses Interviews dar. Die Transkription ist dabei vergleichbar mit einer Übersetzung des Interviews von einer Darstellungsform in eine andere. Wenn man beispielsweise wie in diesem Transkriptionsprojekt bestimmte nonverbale Erscheinungen in den Transkripten erwähnt, handelt es sich dabei immer auch um eine subjektive Auswahl von Erscheinungen. Ein/e andere/r Transkriptor/in hätte wahrscheinlich eine andere Auswahl getroffen. Außerdem enthalten die Transkripte trotz sorgfältiger Transkription und Qualitätsmanagement sicher den einen oder anderen Fehler. Die Mitarbeiter/innen des Projekts haben ihr Bestes getan, um diese zu vermeiden.

Wie kann ich im Archiv suchen?

Nach Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen kann die Sammlung der 950 Interviewtranskriptionen sowie die deutsche Übersetzung der 50 anderssprachigen Interviews durchsucht werden. Die Plattform erlaubt eine Volltextsuche und eine Filtersuche, die auch kombiniert werden können. Die Volltextsuche berücksichtigt die Transkripte (Verschriftlichung der Interviews), ihre Übersetzungen sowie die Schlagworte und weitere den Interviews zugeordnete Metadaten.

Für die Filtersuche wurden verschiedene Kategorien (Filter) erstellt, die bei der Suche an- bzw. abgewählt werden können. Insgesamt gibt es sechs Filter: Geschlecht, Sprache, Geburtsort, Geburtsjahr, Erfahrungshintergrund sowie Lager und Ghettos. Beim Filter „Erfahrungshintergrund“ sind die Interviewten in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, wobei jede Person nur einer Gruppe zugeordnet ist. Die Filtersuche ist auch geeignet, um die Suchergebnisse der Volltextsuche einzugrenzen.

Die „Suche im Archiv“ berücksichtigt alle 950 Interviews. Die Suchergebnisse zeigen alle Transkriptionen an, die die jeweiligen Suchbegriffe enthalten. Im Feld „Suche im Interview“ wird innerhalb nur einer Interviewtranskription gesucht. Die Suchergebnisse zeigen entsprechend alle Stellenmit dem jeweiligen Suchbegriff innerhalb eines Interviews.

Auf der Basis der Volltextsuche werden zum einen alle Begriffe gefunden, die die Interviewten selbst verwenden. Es kann einer oder mehrere Suchbegriffe eingegeben werden, wobei mehrere Begriffe mit einem einfachen Leerzeichen voneinander getrennt werden. Angezeigt werden die Treffer im Transkript und in den Schlagworten. Wenn z. B. nach Berichten zum Novemberpogrom 1938 in Berlin gesucht wird, können die Suchbegriffe „Berlin Novemberpogrom" lauten. Nun werden alle Interviews aufgeführt, in denen beide Begriffe vorkommen und die Suchergebnisse angezeigt. Anderseits berücksichtigt die Volltextsuche aber auch weitere Metadaten, die bei der Verschlagwortung der Interviews durch die USC Shoah Foundation den Interviews zugeordnet wurden.

Was finde ich unter Schlagworte und Personen?

In der rechten Spalte finden sich neben dem Transkript zwei weitere Buttons: Schlagworte und Personen.
Schlagworte: Den in einminütige Abschnitte segmentierte Videointerviews der Shoah Foundation wurden Schlagworte zugeteilt. Schlagworte sind z. B. Städtenamen oder bestimmte thematische und historische Aspekte, wie „Antisemitismus in Schulen“, „Verstecke in Wäldern“ etc.
Bei der Anwahl von „Schlagworte“ werden in der rechten Spalte alle Schlagworte aufgeführt, die für das jeweilige Interview vergeben worden sind. Die darunter stehenden blauen Zahlen verweisen auf das einminütige Interviewsegment mit dem entsprechenden Schlagwort.
Personen: Hier sind alle Personen aufgeführt, die in einem Interview genannt werden. Die darunter stehenden blauen Zahlen verweisen wiederum auf das Interviewsegment mit der jeweiligen Person.

Wie kann ich die Übersetzung nutzen?

Alle 50 anderssprachigen Interviews sind in ihrer jeweiligen Sprache transkribiert (verschriftlicht) und ins Deutsche übersetzt. Per Suche im Interview kann wie im Transkript auch in der Übersetzung nach Begriffen und Personen gesucht werden. Die Richtlinien für die Übersetzung finden sich hier.

Was muss ich beim Zitieren beachten?

Das Transkript hilft auch bei der wörtlichen Wiedergabe (Zitat) aus dem Interview. Der jeweilige Ausschnitt ist folgendermaßen zu zitieren:
Nachname, Vorname. Nummer des Interviews. Visual History Archive. USC Shoah Foundation.
Transkript Freie Universität Berlin. 2017. Web. [Abrufdatum] http://vha.fu-berlin.de.